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»Dieses eine Junge bestimmt über unser aller Schicksal. Es kann uns alle retten. Oder unseren Untergang herbeiführen.«


Schatten des Mondes
Shady Moon
Allgemeines
Autor: Efeuwolke, Flowing Honey, Grinsekätzchen
Covergestaltung: Grinsekätzchen
Details
Erscheinungsdatum: 06. Januar 2015
Chronologie
Vorgänger
-
Nachfolger
Geheime Wege

Kristallpfote wird von ihren Baugefährten verspottet und ausgeschlossen. Doch dann sieht sie eines Nachts zu, wie einer ihrer Clangefährten eine unheilvolle Prophezeiung erhält. Doch welcher finstere Schatten bedroht den jungen Mondpfote? In ihrer Verzweiflung erzählt Kristallpfote Blauglöckchenpfote und Sternenpfote, die sie früher immer verachtet haben, von der Prophezeiung. Wie können die drei jungen Kätzinnen es schaffen, Mondpfote von seinem düsteren Pfad fortzulenken?

Schatten des Mondes (engl. Shady Moon) ist der erste Band der Staffel Erbe der Finsternis. Die Katze auf dem Cover ist Kristallpfote.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!!!

Cloud Ein Moment. Ein Wort. Eine Welt.

Disclsure i'm not okay with okay

~Honey~*Smiley, Ivy and all the others: I love you :* <3.*

Hierarchie

DonnerClan

Anführer Brombeerstern - dunkelbraun getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen
Zweite Anführerin Eichhornschweif - dunkelrote Kätzin mit grünen Augen
Heiler Häherfeder - grau getigerter, blinder Kater mit blauen Augen; Mentor von
Wurzellicht - dunkelbraune Kätzin
Krieger Blattsee - hellbraun gestreifte Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen und weißen Pfoten; ehemalige Heilerin
Spinnenbein - langgliedriger, schwarzer Kater mit bernsteinfarbenen Augen
Birkenfall - hellbraun gestreifter Kater; Mentor von Bernsteinpfote
Weißflug - weiße Kätzin mit grünen Augen; Mentorin von Feuerpfote
Beerennase - sandfarbener Kater
Haselschweif - kleine, grau-weiße Kätzin
Mausbart - grau-weißer Kater
Rußherz - grau getigerte Kätzin
Mohnfrost - schildpattfarbene Kätzin
Löwenglut - goldgelb getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen
Fuchssprung - fuchsbraun getigerter Kater
Eiswolke - weiße Kätzin
Unkenfuß - schwarz-weißer Kater
Rosenblatt - dunkelcremefarbene Kätzin
Blumenfall - schildpattfarben-weiße Kätzin; Mentorin von Mondpfote
Hummelstreif - sehr hellgrauer Kater mit schwarzen Streifen
Kirschfall - rötliche Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen
Maulwurfbart - großer, braun-cremefarbener Kater
Lilienherz - dunkel getigerte Kätzin
Saatschweif - helle, rote Kätzin
Taunase - grauweißer Kater
Schneebusch - weißer Kater mit bernsteifarbenen Augen
Bernsteinmond - hellrote Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen
Schüler Mondpfote - dunkelgrauer Kater mit blauen Augen
Feuerpfote - rote Kätzin
Bernsteinpfote - golden-orange getigerte Kätzin
Königinnen Taubenflug - hellgraue Kätzin mit blauen Augen; Mutter von Blauglöckchenjunges und Sternenjunges
Efeusee - silberweiße Tigerkätzin mit dunkelblauen Augen; Mutter von Kristalljunges
Älteste Grauschweif - langhaariger, grauer Kater
Millie - silbern getigerte Kätzin
Wolkenschweif - langhaariger, weißer Kater mit leuchtend blauen Augen
Lichtherz - weiße Kätzin mit goldbraunen Flecken und vernarbtem Gesicht
Farnpelz - goldbraun getigerter Kater

Prolog

STILLE LAG ÜBER DEM nächtlichen Wald und wurde nur hin und wieder von dem leisen Tropfen des Regens auf dem Boden und auf den Blättern der Bäume unterbrochen. Dunkle Wolken ballten sich am schwarzen Himmel und verdeckten die silbrigen Sterne, während der Regenschauer wie ein Schleier über dem Wald zu hängen schien.
Ein Blitz zuckte über den Himmel und tauchte den Wald einen Herzschlag lang in ein gespenstisches Licht. Tief unten, zwischen den eng beieinander stehenden Bäumen, lag ein weiter Felsenkessel im Boden, in dem eine gewaltige, kahle Buche lag, neben der ein kräftiger, dunkelbraun getigerter Kater auf und ab ging. Immer wieder blickte er unruhig zu dem Brombeerbusch zu seiner Linken.
Es raschelte und ein hellgrau getigerter Kater trat mit lautlosen Schritten aus dem Brombeergestrüpp hinaus und auf den dunklen Kater zu. Seine blinden, blauen Augen schimmerten im schwachen Licht, als er miaute: „Komm. Du kannst deine Jungen nun sehen.“
Die bernsteinfarbenen Augen des braun gestreiften Katers blitzten, als er dem Blinden über die Lichtung zum Brombeerbusch folgte und diesen hinter ihm betrat.
Auf dem weichen Moos auf dem Boden in dem geschützten Bau lag eine dunkelrote Kätzin, die ihren langen, buschigen Schweif um die drei Jungen an ihrem Bauch geschlungen hatte. In ihren grünen Augen standen Erschöpfung und Freude zugleich, als sie zu dem dunklen Kater aufblickte.
Der Kater schnurrte, als er auf die Kätzin zutrat. „Deine Jungen sind wunderschön, Eichhornschweif.“
Die Kätzin schnurrte ebenfalls. „Unsere Jungen, Brombeerstern. Vergiss das nicht.“
Die Kätzin schob den Schweif etwas zur Seite und blickte mit glänzenden Augen auf ihre Jungen. Es waren zwei Kätzinnen und ein Kater, sie alle hatten langes, seidiges Fell. Die kleinere der beiden Kätzinnen hatte golden-orange getigertes Fell, der Pelz der anderen Kätzin war leuchtend rot. Nur der Kater hatte ein dunkles, graues Fell, das fast mit der Nacht verschwamm.
„Wie sollen wir sie nennen?“, fragte Brombeerstern.
Eichhornschweif wies auf die beiden Kätzinnen. „Ich dachte an Feuerjunges und Bernsteinjunges.“
Der Kater blinzelte überrascht, als er die Namen hörte. Dann schnurrte er und wies auf das dritte Junge. „Und dieses?“
Die Kätzin sah ihn aus großen Augen an. „Ich möchte, dass du dir seinen Namen überlegst“, miaute sie dann.
Brombeerstern überlegte einen Moment. Dann beugte er sich zu seinem Sohn hinab und murmelte: „Was hältst du von Mondjunges, Eichhornschweif?“
Der kleine, dunkelgraue Kater bewegte langsam die kurzen Beine und schob sich etwas näher an den Bauch seiner Mutter. Er schmiegte sich in das lange Fell und es schien beinahe, als würde er schnurren.

Außerhalb des Baus, auf der ungeschützten Lichtung, saß eine alte, dunkelgraue Kätzin. Ihr zottiges Fell war gesträubt und an ihren Pfoten schien Sternenlicht zu kleben.
Eine weitere Katze trat zu ihr. Seine grünen Augen blitzten wachsam und in seinem leuchtend roten Pelz schienen Sterne zu haften.
Der rote Kater ließ sich neben der Grauen auf dem nassen Boden nieder und musterte sie. „Was hältst du von diesen Jungen, Gelbzahn?“
Die orangefarbenen Augen der Kätzin verengten sich, als sie den Kater anfunkelte. „Was ich von ihnen halte? Du weißt ganz genau was ich von diesen Jungen halte, Feuerstern!“ Sie senkte ihre Stimme. „Du kennt die Prophezeiung.“
Der Kater nickte. „Ja, ich kenne die Prophezeiung. Aber du weißt nicht, ob es wirklich diese Jungen sind.“
„Es sind diese Jungen!“, fauchte Gelbzahn. „Eines dieser Jungen wird großes Unheil über die Clans bringen, Feuerstern. Der Wald der Finsternis wird wieder erstehen, denn es ist Tigersterns Blut, das in den Adern dieser Jungen fließt!“
Nun sträubte sich auf Feuersterns Fell. „Vergiss nicht, dass es nicht nur Tigersterns Blut ist, sondern auch das meine!“
Gelbzahn wandte den Blick ab. „Dieses eine Junge bestimmt über unser aller Schicksal“, flüsterte sie mit bedrohlich leiser Stimme. „Es kann uns alle retten. Oder unseren Untergang herbeiführen.“

1. Kapitel

WARUM MÜSSEN WIR DENN unbedingt warten, bis Kristalljunges alt genug ist, bevor wir Schüler werden?“, quengelte Blauglöckchenjunges ungeduldig. „Sternenjunges und ich sollten schon seit einem Mond Schülerinnen sein!“
Sternenjunges warf Kristalljunges, die hinter ihr bei Efeusee stand, einen flüchtigen Blick zu. Die hell getigerte Kätzin hatte sich ins Moos gesetzt und blickte Sternenjunges aus großen, türkisen Augen an.
Taubenflug warf ihren Töchtern einen strengen Blick zu. „Wenn ihr jetzt schon Schüler wärt, wäre Kristalljunges hier ganz allein. Wärt ihr gerne ganz allein im Bau?“
Blauglöckchenjunges schüttelte missmutig den Kopf. Sternenjunges tat es ihr gleich und warf erneut einen Blick zu Kristalljunges. Die junge Kätzin stand nun und warf Sternenjunges einen hochmütigen Blick zu.
Sternenjunges neigte sich zu ihrer Schwester hinüber und flüsterte: „Warum schaut Kristalljunges uns nur immer so arrogant an? Was haben wir ihr je getan?“
Blauglöckchenjunges schüttelte den Kopf. „Ich schätze, das weiß sie nicht einmal selbst.“
Sternenjunges konnte ein belustigtes Schnauben nicht unterdrücken. „Gut möglich.“
Erneut warf sie einen Blick zu Kristalljunges. Die Kätzin ließ den Kopf hängen und hatte sich von ihren Baugefährtinnen abgewandt.
Leises Mitgefühl stieg in Sternenjunges auf. Vielleicht sollten wir öfter mit ihr zusammen das Jagdkauern üben oder Fangen spielen. Sternenjunges schüttelte den Kopf. Aber sie muss uns ja auch nicht immer so komisch anschauen.
„Gehen wir auf die Lichtung?“, fragte Sternenjunges ihre Schwester.
Diese nickte mit glänzenden Augen. „Bernsteinpfote hat versprochen, uns diesen Kampftrick beizubringen, erinnerst du dich?“ Ohne eine Antwort abzuwarten stürmte Blauglöckchenjunges aus der Kinderstube.
Kopfschüttelnd folgte Sternenjunges ihr auf die Lichtung. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel und die Schatten, die die gewaltige Buche, die in der Mitte des Lagers lag, warf, waren kurz.
Sternenjunges entdeckte ihre Schwester neben dem Stamm des Baus stehen. Die blaugraue Kätzin sah sich suchend um, wahrscheinlich nach Bernsteinpfote. Sternenpfote kauerte sich auf den Boden und schlich sich lautlos an die junge Kätzin an. Sie verlagerte ihr Gewicht auf die Hinterbeine, so, wie Bernsteinpfote es ihnen gezeigt hatte. Sie visierte ihre Schwester an und sprang die ahnungslose Blauglöckchenjunges von den Pfoten.
Blauglöckchenjunges schrie erschrocken auf und zappelte unter Sternenjunges Pfoten. „Lass mich sofort los!“
Sternenjunges nagelte die getigerte Kätzin ab Boden fest und rückte in eine bequemere Position. „Nur, wenn ich diesmal Anführerin sein darf!“
Blauglöckchenjunges knurrte verzweifelt. „Aber du bist fast jedes Mal Anführerin!“
„Stimmt gar nicht!“
„Stimmt doch!“
„Und außerdem warst du schon letztes Mal Anführerin!“
Blauglöckchenjunges seufzte gespielt genervt. „Na gut. Aber nur dieses eine Mal!“
Sternenjunges schnurrte triumphierend und sprang von ihrer Schwester. Diese rappelte sich auf und schüttelte sich den Staub aus ihrem Fell. „Angriff!“, schrie sie plötzlich und stürzte sich auf ihre Schwester.
Sternenjunges sah, wie die Katzen um sie herum sich er-schrocken zu ihnen umwandten, dann wurde sie von Blauglöckchenjunges umgeworfen. Im spielerischen Kampf rollten die beiden Schwestern über den Boden.
„Oh, SternenClan, gib mir die Macht, diese böse, böse Anführerinzu stürzen!“, jaulte Blauglöckchenjunges mit einem Funkeln in den türkisfarbenen Augen.
„Das musst du erstmal versuchen!“, erwiderte Sternenjunges und stieß die graue Kätzin von sich.
Blauglöckchenjunges stolperte rückwärts von ihr fort und stieß dabei aus Versehen gegen Wolkenschweif, der neben seiner Gefährtin vor dem Ältestenbau lag und sich sonnte. Nun hob der schneeweiße Kater den Kopf und blinzelte.
„Kann man hier nicht einmal in Ruhe dösen?“, brummte er.
Lichtherz schnurrte liebevoll. „Lass sie doch“, murmelte sie. „Erinnerst du dich nicht noch daran, was du alles angestellt hast, als du in ihrem Alter warst?“
Wolkenschweif blickte die gefleckte Kätzin an. „Soweit ich weiß, habe ich mich mitten in der Blattleere aus dem Lager geschlichen, um Jagen zu gehen.“
Länger konnte Sternenjunges nicht zuhören, denn sie wurde wieder von Blauglöckchenjunges umgeworfen. Sie rappelte sich auf und wich dem nächsten Angriff ihrer Schwester geschickt aus. „He! Was soll das?“
Blauglöckchenjunges blickte sich spöttisch an. „Du und Anführerin? Wie willst du denn das heißen? Sternenstern?“
„Sternenstern.“ Sternenjunges konnte ein belustigtes Prusten nicht unterdrücken.
„Siehst du?“ Blauglöckchenjunges schob sich langsam zu ihr. „Du könntest gar keine Anführerin werden!“
„Ach nein?“ Sternenjunges blinzelte die Blaugraue herausfordernd an. „Der SternenClan würde mir schon einen anderen Namen geben.“
„Wie wäre es mit Blauglöckchenstern?“, foppte Blauglöckchenjunges. „Zu Ehren der so großartigen und heldenhaften Blauglöckchenflamme!“
Sternenjunges blickte ihre Schwester spöttisch an. „Das würde mir der SternenClan nicht antun.“ Sie wandte sich ab.
„Kann ich vielleicht mitspielen?“
Überrascht fuhr Sternenjunges herum, als sie Kristalljunges Stimme hörte. Die junge, weiße Kätzin stand zwischen ihr und Blauglöckchenjunges und starrte sie aus großen, türkisfarbenen Augen an.
Sternenjunges wechselte einen Blick mit Blauglöckchenjunges, deren blaue Augen spöttisch funkelten. Sie selbst war sich nicht sicher, was sie über Kristalljunges dachte. Warum sollte sie nicht mitspielen dürfen? Sie ist schließlich unsere Cousine! Aber … Kristalljunges hat uns noch nie gefragt, ob sie mit uns spielen darf. Anscheinend sind wir ihr egal.
„Tut mir leid“, miaute Sternenjunges und wich Kristalljunges‘ Blick aus. „Wir wollten eigentlich gerade wieder etwas anderes spielen.“ Sie hob den Blick und ihr war klar, dass Schuldbewusstsein in ihren Augen stand. „Frag doch Feuerpfote und Mondpfote, ob sie etwas mit dir spielen.“
Kristalljunges schüttelte traurig den Kopf und wandte sich ab. Die Tigerkätzin tappte mit hängendem Kopf und Schweif über die Lichtung auf die Kinderstube zu.
Schuldgefühl zerriss Sternenjunges beinahe das Herz. Sie war sich sicher, die falsche Entscheidung getroffen zu haben und Reue überrollte sie wie eine Welle.
Sie wollte gerade Kristalljunges‘ Namen rufen und ihr sagen, dass sie doch gerne mitspielen durfte, als Blauglöckchenjunges zu ihr trat. „Komm“, miaute die Kätzin. „Spielen wir weiter.“

2. Kapitel

KURZ VOR DER KINDERSTUBE blieb Kristalljunges stehen. „Wo ist eigentlich Efeusee?“, murmelte sie zu sich selbst. Langsam, Schritt für Schritt, betrat sie den Bau.
Wieso lassen mich die anderen nie mitspielen?, dachte die kleine, weiße Kätzin traurig. Ich verstehe das nicht. Ich habe ihnen doch nichts getan!
Sie stolperte über vereinzelte Moosfetzten bis sie an dem ihren und dem Nest ihrer Mutter angekommen war. Sie schnupperte daran und bemerkte, dass der Geruch schal war. Kristalljunges drehte sich einmal um sich selbst und fiel dabei auf ihr Hinterteil.
„Hast du dir wehgetan?“, hörte sie eine Stimme aus dem Eingang.
Kristalljunges wirbelte herum und blickte in die Richtung des Eingangs. Sie sah Fuchssprungs grüne Augen, die sie anblinzelten.
„Nein es geht schon“, antwortete Kristalljunges schüchtern. Es ist nur so, dass meine Cousinen mich hassen und verachten. Aber sonst geht es mir gut, danke der Nachfrage!, hätte sie ihm am liebsten ins Gesicht geschrien, behielt den Gedanken dann aber doch für sich selbst. Trotzig stakste sie durch die Kinderstube auf die Lichtung.
Blattsee kam leichtfüßig angetrabt. „Na, wie geht es dir, Kristalljunges?“, fragte sie und leckte ihr über den Kopf.
Die Kätzin wand sich unter der früheren Heilerin hervor und sah direkt in ihre Augen. „Weißt du warum manche Katzen andere ausschließen?“, fragte sie schließlich niedergeschlagen.
Blattsee seufzte. „Nein, ich kann mir das auch nicht erklären.“ Die hellbraune Kätzin blickte Kristalljunges mit einem seltsamen Funkeln in den Augen an. Was hat sie denn?, fragte sich Kristalljunges.
Mit einem Mal riss Blattsee den Kopf wieder hoch und blickte dem Jungen tief in die Augen. Dann miaute sie mit fester Stimme: „Was auch immer passiert, denk daran: Der SternenClan wacht über dich.“ Dann lief sie zum Heilerbau.
Nachdenklich blickte die Weiße ihr nach. Erst jetzt bemerkte sie, dass Fuchssprung noch immer neben ihr stand. „Was willst du denn noch?“, miaute sie leise.
„Ach, nichts. I-ich kann auch wieder gehen.“
„Nein, bleib!“, erwiderte Kristalljunges schnell. Unauffällig schielte sie ihn von der Seite an. Fuchssprung war für sie immer der Vater gewesen, den sie nie gehabt hatte. Wie es sich wohl anfühlt, seinen Vater zu kennen?, dachte sie sehnsüchtig.
Da erblickte sie Efeusee die über die Lichtung getrabt kam. „Hallo Liebling!“, schnurrte ihre Mutter.
„Hallo“, grüßte Kristalljunges zurück. „Ich habe Hunger, holen wir uns etwas zu essen?“ Sie blickte Efeusee und Fuchssprung an.
Die beiden Krieger tauschten einen langen Blick. Dann nickte Efeusee. „Kommt, nicht das uns jemand dieses fette Eichhörnchen wegschnappt, das ich gefangen habe!“
Kristalljunges schnurrte. Und freute sich, dass Fuchssprungs Augen leuchteten.

3. Kapitel

JETZT ZERBRICH DIR NICHT den Kopf darüber!“, fauchte Blauglöckchenjunges. „Sie kommt schon zurecht! Und vergiss nicht, dass wir nur ihretwegen noch einen Mond lang warten müssen, bis wir endlich Schüler sind!“
Sternenjunges blickte Blauglöckchenjunges mit halb zusammengekniffenen Augen an, in ihrem Blick standen gleichzeitig Zustimmung und Zweifel.
Blauglöckchenjunges fuhr fort. „Und wie sie uns immer ansieht. So, als wäre sie etwas Besseres als wir!“
Sternenjunges nickte leicht. „Ja, wahrscheinlich hast du Recht“, murmelte sie, „was haben wir ihr denn schon getan? Außer, dass wir sie ausgeschlossen haben - aber das würden wir ja auch nicht tun, wenn sie nicht so ... so ...“ Sternenjunges sah Blauglöckchenjunges hilfesuchend an.
„Hochnäsig?“, schlug diese vor.
„So hochnäsig wäre“, schloss Sternenjunges.
Blauglöckchenjunges drehte sich um und sah Kristalljunges, die sie mit großen Augen anstarrte und dann in die Kinderstube rannte.
„Nun, Zweite Anführerin Sternenkralle! Was tun wir als nächstes?“
„Sternenkralle ist ein blöder Name!“, grummelte die grau getigerte Kätzin.
Blauglöckchenjunges seufzte. Was ist denn bloß mit ihr los? Sie ist sonst so fröhlich. Ist es wegen Kristalljunges?
„Komm!“, miaute Blauglöckchenjunges und bedeutete ihrer Schwester mit einem Schnippen der Schwanzspitze, ihr zu folgen. Sie huschte über die schneebedeckte Lichtung und kletterte vorsichtig die Efeuranken hoch, die die Felsen neben dem Lagereingang überwucherten. Oben angekommen, setzte sie sich hin und wartete.
Neben ihr hangelte sich Sternenjunges hinauf und ließ sich neben der Blaugrauen nieder. „Was soll das denn?“, fragte sie. „Was hast du denn ...“
„Sei leise“, zischte Blauglöckchenjunges. „Sie kommen gleich.“
Ein paar Herzschläge später betraten Hummelstreif und Rosenblatt das Lager.
„Angriff!“, schrien die Jungen und warfen haufenweise Schnee auf die beiden Krieger.
„Ah!“ Rosenblatt befreite sich verärgert aus der Schneewehe und funkelte die beiden Jungen an. „Vielen Dank, mir war gerade warm geworden!“ Sie schmiss ihre spärliche Beute auf den Platz, wo einmal der Frischbeutehaufen gewesen war und eilte zum Bau der Krieger.
„Da ist aber jemand sauer!“, flüsterte Blauglöckchenjunges schnurrend. „Vielen Dank, mir war gerade warm geworden“, machte sie Rosenblatts näselnden Ton nach.
Sternenjunges kicherte. „Wo ist Hummelstreif?“, fragte sie dann besorgt.
Die beiden rannten zum Lager und stürmten durch den Eingang zu dem Schneeberg.
„Vater?“, piepste die Blaugraue. Ihre Schwester durchwühlte besorgt den Schnee.
Laut schnurrend brach Hummelstreif aus dem Haufen hervor und leckte Sternenjunges. „Es braucht schon ein bisschen mehr als eine Schneelawine, um mich zu töten. Aber ich bin davon überzeugt, dass ihr es könntet.“ Seine Augen funkelten belustigt und er legte den Schwanz auf den Rücken einer seiner Töchter. „Ach, meine Kleinen. Ich hoffe, ihr wachst da bald mal raus.“
„Hey! Wir wären schon Schüler, wenn da nur nicht ...“ Sternenjunges stockte.
„Kristalljunges?“ Hummelstreifs Blick wurde schlagartig ernst. „Hört auf, sie immer zu ärgern! Was hat sie euch denn getan?“
„Sie hält sich für was Besseres!“, fauchte Blauglöckchenjunges.
„Wie man sieht tut ihr das auch!“
Betroffen starrten die Geschwister auf ihre Pfoten.
„Denkt nochmal drüber nach!“ Mit diesen Worten stapfte Hummelstreif durch den Schnee zu seiner Gefährtin, die vor der Kinderstube das schwache Morgenlicht genoss.
„Wir sollten nicht so gemein sein!“, sagte Sternenjunges.
„Ach komm schon!“, meinte Blauglöckchenjunges und pfefferte ihrer Schwester eine Schneekugel ins Gesicht.

„Wir haben eine Bestimmung und wir werden sie finden!“, sagte Blauglöckchenjunges und trug den letzten Schneeball aus dem Lager, so wie Brombeerstern es verordnet hatte. Rosenblatt war natürlich sofort zu ihm gerannt und hatte ihm von dem Streich erzählt.
„Aff ja? Und wie?“, nuschelte ihre Wurfgefährtin durch den Schnee hindurch.
„Wir reisen zum Mondsee!“, verkündete sie stolz.
„Blauglöckfchenjungef?“, rief Sternenjunges und spuckte den Schnee aus. „Du bist die Beste!“
„Ja, und dazu noch die Kreativste!"
„Naja ... Ich weiß nicht so recht“, foppte sie ihre Schwester und zwinkerte. „Aber wo lang?“
„Der SternenClan wird unsere Pfoten leiten.“
Sternenjunges blinzelte spöttisch. „Wir brauchen Reisekräuter!“
„Kein Problem!“ Blauglöckchenjunges rannte zurück ins Lager und schlich vorsichtig und voller Angst zum Heilerbau.
Vor ihr stand Häherfeder. Fragend sah er sie an. Nichts an ihm wies darauf hin, dass er blind war.
„Ich will zu Wurzellicht“, forderte sie.
Der DonnerClan-Heiler ließ sie hindurch und sie rannte in den Bau zu der dunkelbraunen Kätzin, die in ihrem Nest lag und döste.
„Na Wurzellicht?“, begrüßte Blauglöckchenjunges die frühere Kriegerin. „Wie ist es so als Heilerschülerin?“
„Wunderbar!“, schnurrte diese. „Häherfeder weiß so viel und ich habe solchen Spaß dabei, ihm zuzuhören!“
„Da hat du recht!“, miaute die Blaugraue. „Okay, ich prüfe dich jetzt!“
Wurzellicht schnaubte belustigt und zu gleich abfällig. „Bitte, wenn du willst!“
„Was braucht man auf einer Reise?“
„Ich könnte dir jedes Kraut nennen und du wüsstest eh nicht, ob es richtig oder falsch ist! Also, na gut. Wenn es nur bis zum Mondsee ist, ist Nesselkraut gut. Es ist ein Stiel mit lauter kurzen stielförmigen Blättern.“
Wurzellicht hatte die Augen geschlossen und sah so nicht, wie Blauglöckchenjunges zögerlich ein Büschel Kräuter nahm. Das Junge rannte schnell aus dem Bau und hörte nicht mehr, wie die Heilerschülerin ihr hinterherrief: „Und leicht zu verwechseln mit Schafgarbe.“
Vor dem Lagereingang schob die junge Katze Sternenjunges das Büschel Kräuter zu. Diese überlegte kurz und sah ihre Schwester zögerlich an. „Und du bist dir sicher, dass das auch wirklich Reisekräuter sind?“
Blauglöckchenjunges nickte stürmisch, um ihre Schwester nicht zu verunsichern und betete zum SternenClan, dass sie das richtige Kraut erwischt hatte.
Sternenjunges zögerte einen Herzschlag lang und kaute dann das grüne Zeug. Kurz darauf erbrach sie sich in das Gebüsch hinter sich.
„Das waren wohl doch nicht die richtigen Kräuter“, sagte Blauglöckchenjunges kleinlaut.
„Wohl eher nicht!“, krächzte Sternenjunges und starrte ihre Schwester wütend, als auch spöttisch an. „Ich glaube, ich habe doch keine Lust mehr.“
„Ach, komm schon! Das wird ein Abenteuer! Und du bist doch meine Schwester!“
„Na gut. Aber nur, weil du es bist!“
Sie liefen los, rannten durch eine weiße Landschaft. Der Wald lichtete sich und Blauglöckchenjunges versank augenblicklich im Schnee. Prustend kämpfte sie sich frei. Als sie aufblickte, ragte vor ihr ein Hügel empor. Ein kleiner Teich befand sich dort.
„Heiliger SternenClan, gut das er nicht zugefroren ist!“, miaute Sternenjunges.
„Das ist SternenClan-Magie“, erklärte die blaugraue Kätzin wichtigtuerisch und Sternenjunges verdrehte die Augen.
Blauglöckchenjunges leckte ein Schluck des Wassers. Es stank und hatte einen ekligen Beigeschmack. Blauglöckchenjunges würgte. Dann legte sie sich auf den kalten Boden. Ein tiefer Schlaf übermannte sie und sie wachte erst wieder auf, als die Sonne schon wieder unterging.
Neben ihr saß ihre Wurfgefährtin und sah sie erwartend an. „Und? Ist der SternenClan bei dir gewesen?“
„Nein“, antwortete sie. „Und bei dir?“
Sternenjunges schüttelte ebenfalls den Kopf. Die beiden liefen enttäuscht den Weg zurück und dem wütenden Brombeerstern direkt in die Pfoten.
„Normalerweise kriegt ein Schüler dafür einen Mond länger Kinderstube!“, fauchte er.
Sternenjunges wollte gerade etwas sagen, doch Blauglöckchenjunges schnitt ihr das Wort ab. „Ja und? Dann sperre uns doch noch einen Mond länger hier ein! Mach doch!“
„Sie wollten die Welt sehen, sie sind doch schon 7 Monde alt“, mischte sich Taubenflug vorsichtig ein.
„Ja, ihr Glück. Sie haben sozusagen ihre Strafe abgearbeitet, bevor sie die Tat überhaupt begangen haben.“ Brombeerstern seufzte. „Na gut. Wo ist Kristalljunges?“
Blauglöckchenjunges' Fell sträubte sich vor Aufregung, als sie begriff, was geschah. Um nicht vor Freude in die Luft zu springen, presste sie ihre Pfoten tief in den Schnee.
„Mögen alle Katzen, die alt genug sind, ihre eigene Beute zu fangen, sich hier unter der Hochnase versammeln!“ Brombeersterns Ruf hallte durch den Felsenkessel und Blauglöckchenjunges beobachtete, wie ihre Clanmitglieder die Köpfe aus den Bauen stecken und sich langsam um ihren Anführer versammelten.
Blauglöckchenjunges warf ihrer Schwester einen flüchtigen Blick zu. Sternenjunges hatte den Kopf gesenkt und versucht verzweifelt ihr grau-weißes Fell zu glätten. Blauglöckchenjunges unterdrückte ein belustigtes Schnurren.
Nun sprang Brombeerstern auf die Hochnase und erhob seine Stimme über die versammelten Katzen. „Katzen des DonnerClans, ich habe euch hier zusammengerufen, um diesen drei Jungen ihren Schülernamen zu verleihen!“
Blauglöckchenjunges blickte voll Vorfreude zu ihrer Schwester, die mit glänzenden, blauen Augen zu ihrem Anführer aufsah. Dieser setzte nun von der Hochnase und kam direkt auf Sternenjunges zu. „Von diesem Tage an bis sich diese Schülerin ihren Kriegernamen verdient hat wird ihr Name Sternenpfote lauten.“
Sternenpfote strahlte vor Glück und Stolz stieg in Blauglöckchenjunges auf - Stolz auf ihre Schwester.
Brombeerstern winkte einer Katze in der Menge mit dem Schweif und fuhr fort. „Eichhornschweif, du bist eine sehr entschlossene und loyale Kriegerin. Gib all dein Wissen an deine Schülerin weiter.“
Eichhornschweif blieb mit leuchtenden Augen vor ihrer neuen Schülerin stehen und berührte sanft Sternenpfotes Nase mit ihrer eigenen.
Nun wandte Brombeerstern sich Blauglöckchenjunges zu und das Fell der jungen Kätzin sträubte sich vor Aufregung. Wen ich wohl als Mentor bekomme ...?
„Von diesem Tage an wird man diese Schülerin Blauglöckchenpfote nennen“, miaute Brombeerstern und suchte mit seinen bernsteinfarbenen Augen die Menge der vielen Katzen ab. „Lilienherz, du bist bereit für deinen ersten Schüler. Du bist eine junge und loyale Kriegerin und ich vertraue darauf, dass du all dein Wissen an Blauglöckchenpfote weitergibst.“
Blauglöckchenpfote sah zu, wie die dunkel getigerte Kätzin sich mit leuchtenden Augen auf sie zu schob. Sie trat aus auf ihre Schülerin zu und berührte diese sanft an der Nase.
Freude durchströmte Blauglöckchenpfote. Nun bin ich endlich eine Schülerin!
Letztendlich wandte sich der Anführer des Clans Kristalljunges zu. Die helle Kätzin saß etwas abseits und hatte den Blick gesenkt. „Kristalljunges“, sprach Brombeerstern mit warmer Stimme. „Von diesem Tage an wirst du Kristallpfote heißen. Hummelstreif, du bist ein loyaler und geschickter Krieger und ein verantwortungsvoller Vater. Gib all dein Wissen und deine Loyalität an Kristallpfote weiter und lenke ihre Pfoten auf den richtigen Pfad.“
Verwirrt blickte Blauglöckchenpfote den braunen Tigerkater an. Lenke ihre Pfoten auf den richtigen Pfad? Was soll das denn bedeuten?
Hummelstreif beugte sich vor und berührte seine Schülerin sanft mit der Nase. Dann hat es wohl doch etwas gebracht, zum Mondsee zu reisen. Nun sind wir endlich Schüler!
„Sternenpfote! Blauglöckchenpfote! Kristallpfote!“, gratulierte der Clan.
Stolz reckte Blauglöckchenpfote den Kopf und lief auf Lilienherz zu. Sie war einen Schritt näher am großartigen Anführerdasein dran.

4. Kapitel

KRISTALLPFOTE GENOSS ES, mit ihrem Mentor durch den Wald zu laufen und alles zu entdecken. Zum ersten Mal in ihrem Leben spürte sie den Waldboden unter ihren Pfoten, roch die frische, kühle Luft. Glücklich hüpfte sie herum, verzaubert von all den neuen Gerüchen. Sie sprang direkt in eine Schneewehe und ließ das weiße Puder nur so wirbeln. Eine kleine Schneeflocke hatte sich auf ihre Nase geschlichen, die Kristallpfote niesen ließ.
Hummelstreif neben ihr schnurrte und erklärte ihr, dass es ihm auch so gegangen war, als er seinen ersten Tag als Schüler verbracht hatte. Die Kätzin hörte ihm aufmerksam zu und versuchte sich alles so gut wie möglich zu merken.
„Also war wirklich einmal das Wasser im See verschwunden?“, fragte Kristallpfote, als sie am Waldrand angekommen waren und auf den See blickten.
„Ja, das war es“, antwortete Hummelstreif. „Aber Taubenflug, Löwenglut und ein paar Katzen aus den anderen Clans brachten es zurück.“
„Warum eigentlich immer nur meine Tante, und nie Mutter?“, fragte die Schülerin missbilligend.
Hummelstreif fing an, ein wenig zu stottern. „Nun ja, Taubenflug, Häherfeder und Löwenglut hatten spezielle Gaben, und deine Tante verstand es, auf eine weite Entfernung noch immer alles zu sehen, zu hören, und zu riechen“, erklärte der Krieger.
Nun blieb Kristallpfote eine Zeit lang still. Ist das nicht unfair?, fragte sie sich selbst. Sie hörte nicht mehr was Hummelstreif ihr erklärte. Erst als sie wieder im Lager waren, schreckte sie aus ihren Überlegungen hoch. Vor ihr stand Bernsteinpfote. Unsicher knetete die Kristallpfote den Boden mit den Pfoten.
Hummelstreif gab ihr einen leichten Schubs und flüsterte: „Was ist denn, Kristallpfote? Du bist jetzt auch eine Schülerin!“
Die Getigerte sah ihren Mentor einen Augenblick lang an. Dann nickte sie. Sie drehte sich zu Bernsteinpfote um, schnippte mit dem Schwanz und fragte: „Was gibt’s?“
„Brombeerstern schickt mich, du, Sternenpfote und Blauglöckchenpfote sollt zu ihm kommen.“ Ihre Augen leuchteten warm.
Was will er denn von uns? Na wenigstens ist Bernsteinpfote nett. Kristallpfote warf der Schülerin einen dankbaren blick zu und lief dann zur Hochnase. Als sie durch den Eingang kam, bemerkte sie, dass die beiden Schwestern schon dort saßen und sie mit einem abschätzigen Blick musterten. Bildete Kristallpfote sich das ein, oder lag in Sternenpfotes Augen Mitgefühl? Wie dem auch sei, Kristallpfote setzte sich etwas abseits von den anderen hin und blickte jetzt zu ihrem Anführer.
Brombeersterns Blick verriet nichts. Dann blinzelte er und begann zu reden: „Sternenpfote, Blauglöckchenpfote, Kristallpfote. Wie hat euch euer erster Tag als Schüler gefallen?“
Kristallpfote kam es so vor als würden alle Anwesenden im Bau tief ausatmen. Wahrscheinlich hatten alle gedacht, etwas angerichtet zu haben. Gleichzeitig antworteten die drei. „Er war wunderbar, Brombeerstern.“
Es schien, als wäre der Anführer überrascht, dass alle so im Einklang lagen. „Gut. Dann seid ihr jetzt entlassen.“
Als Kristallpfote den Bau verlies, beschlich sie das komische Gefühl, dass Brombeerstern eigentlich mehr hatte wissen wollen. Doch als die Schülerin sah, wie ihre Cousinen vergnügt auf der Lichtung herumhüpften, verbannte sie diesen Gedanken krampfhaft aus ihrem Kopf und trottete zum Schülerbau.

Kristallpfote saß auf einer riesigen Ebene die sich weit erstreckte. Der Wind hier oben auf dem Moorland blies ihr um die Ohren und lies sie zusammenzucken. Vereinzelte Büsche standen herum, und sahen aus, als ob sie gleich weggefegt würden. Wo bin ich hier?
Die junge Kätzin versuchte sich in dem Boden festzukrallen, was ihr aber nicht gelang. Verzweifelt stemmte sie sich gegen eine Böe, wurde jedoch um gefegt und schlug hart am Boden auf. SternenClan, hilf mir! Sie kam langsam wieder auf die Pfoten, doch ihr Kopf schmerzte unsäglich.
Auf einmal hörte sie Stimmen rufen. „Nein!“
„Verräter!“
„Es tut mir Leid …“
„Ich liebe dich!“ Zwischendurch vernahm sie Jammern, Kreischen, Wispern und Jaulen.
Kristallpfote wich zurück, doch die Stimmen hörten nicht auf in ihrem Kopf zu rumoren. Aufhören!
Auf einmal sah sie gleißendes Licht, dann stand eine schwarze Kätzin da, über einen grauen Kater gebeugt. Die Augen der schwarzen waren weit aufgerissen. Wieder das Licht, gefolgt von einem Donner. Kristallpfote erkannte einen roten Kater der sich auf einen kleineren schwarzen stürzte. Als die Version verschwand, brach Kristallpfote in sich zusammen und wimmerte leise. Nach einiger Zeit öffnete sie die Augen. Um sie herum war ein Wald wie aus dem nichts erschienen. SternenClan, wieso schickst du mir diesen Traum?
Da hörte sie Stimmen. Ist das Mondpfote? Neugierig näherte sie sich den Geräuschen. Kristallpfote kroch unter ein Farnbüschel um die Szene, die sich nun vor ihr abspielte, zu beobachten. Das ist ja wirklich Mondpfote! Sie riss die Augen auf um noch mehr zu erkennen.
Vor dem Schüler saß eine alte graue Kätzin mit gelben Zähnen. „Hör mir gut zu, junger Kater!“, krächzte sie. „Es gibt eine Prophezeiung!“
Eine Pause entstand. Die Schülerin in dem Gebüsch konnte sich gerade noch davon zurück halten, näher zu schleichen.
Dann verkündete die Alte mit drohender, rasselnder Stimme: „Es wird sich eine neue Macht erheben, finsterer und undurchsichtiger als die Nacht. Nur ein heller Strahl des Mondes kann die Finsternis aufhalten, doch in seinem Schatten wird die Sonne untergehen. Wähle den Pfad, auf dem du wanderst, mit Bedacht. Die Zeit ist reif.“
Mondpfotes Augen leuchteten. Dann schnurrte er: „Dann bin ja wohl ich der Strahl! Großartig, ich danke dir Gelbzahn. Vater wird sich freuen wenn er hört das ich etwas Besonderes bin!“
„Wehe dir!“, schrie Gelbzahn mit einer so lauten Stimme, dass einem Hören und Sehen verging. „Sag nur ein Wort und du bist tot!“, knurrte sie dann leise.
Mondpfote hatte die Ohren angelegt und war zurückgewichen, die Augen erschrocken aufgerissen. Nun stellte er sich wieder auf, glättete schnell mit der Zunge sein Fell und blickte dann zu Gelbzahn: „Wie du es wünscht!“
Die alte Kätzin schnurrte, doch das Schnurren klang eher wie ein raues Knurren.
Mondpfote hat eine Prophezeiung? Na toll … Kristallpfote bewunderte Mondpfote zwar, fand aber, dass er manchmal ein ziemlich arroganter Fellball war.
Ein Fauchen riss die Schülerin aus ihren Gedanken. Sie blickte auf und sah, dass Mondpfote nun, da Gelbzahn verschwunden war, sich auf einen Moosball gestürzt hatte und mit ihm auf dem Boden herumrollte. „Der beste Krieger des DonnerClans werde ich trotzdem!“, verkündete er laut.
Plötzlich verwandelte sich der Schüler vor Kristallpfotes Augen in einen riesigen Schatten. Als dieser die Schülerin erblickte, knurrte er laut und stürzte sich auf sie. Kristallpfote schrie hell auf und fing an zu rennen. Hilf mir SternenClan, bitte! Als sie sich einmal umdrehte bemerkte sie, dass der Speichel, der aus dem Maul des Monsters tropfte, zu zähflüssigem, dicken Blut wurde. Leises, bösartiges Lachen schien von überallher auf sie zuzukommen und sie ersticken zu wollen. Die weiße Kätzin fing an zu kreischen. Bald spürte sie den heißen Atem des Schattens im Genick. Da rutschte Kristallpfote auf einem winzigen Moosfetzten aus und der Schatten setzte zu einem Todessprung an. Er kam immer näher … Kristallpfote wachte mit einem Ruck auf. Sie befand sich im Schülerbau. Mondpfote hatte sich über sie gebeugt und musterte sie besorgt. „Ich habe dich geweckt, du hast im Schlaf geschrien.“, miaute er schließlich.
Das Herz der weißen Kätzin beruhigte sich allmählich. Es war nur ein Traum, dachte sie.
Doch als sie sich etwas später an diesem Morgen zu Frischbeutehaufen aufmachte um etwas zu essen, bildete sie sich ein, einen Blick im Nacken zu spüren und hörte ein böses, kaltes Lachen …

5. Kapitel

GÄHNEND TAPPTE STERNENPFOTE aus dem Schülerbau und schüttelte sich den hartnäckigen Schlaf aus dem Pelz. Die Sonne stieg gerade über die hoch aufragenden Wände des Felsenkessels und die meisten Katzen hatten sich um Eichhornschweif versammelt, die unter der Hochnase stand und die Patrouillen einteilte.
Aufgeregt lief Sternenpfote auf ihre Mentorin zu. Am letzten Tag hatten sie zusammen das Territorium erkundet und Sternenpfote war begeistert davon, wie wunderschön der Wald war. Sie ließ sich neben ihrer Schwester auf dem Erdboden nieder.
„Guten Morgen“, schnurrte Blauglöckchenpfote mit strahlenden Augen. „Gut geschlafen?“
Sternenpfote nickte verschlafen und gähnte. „Und wie!“
Blauglöckchenpfote wies zu Kristallpfote, die allein zum Frischbeutehaufen tappte und das Fell gesträubt hatte. Sie sah aus, als würde sie jeden Moment auf die Pfoten springen und fliehen wollen. „Das trifft auf unsere Cousine wohl nicht zu“, bemerkte Blauglöckchenpfote trocken.
Sternenpfote blickte die hell getigerte Kätzin verwundert an. Ob mit ihr wohl alles in Ordnung ist? Sie sieht aus, als wäre es weitaus mehr als ein böser Traum, was sie bedrückt …
„Weißflug, geh und hol deine Schülerin“, miaute Eichhornschweif in diesem Augenblick und warf Sternenpfote einen scharfen Blick zu. „Du und Feuerpfote werdet Sternenpfote und mich auf Patrouille begleiten.“
Sternenpfotes Pfoten kribbelten vor Aufregung, ihre Müdigkeit war wie fortgeweht. Meine erste Patrouille!
Eichhornschweif schnippte mit ihrem langen Schweif in Sternenpfotes Richtung und die Schülerin sprang auf die Pfoten. Schnell eilte sie an Eichhornschweifs Seite. Kurz darauf gesellten sich Weißflug und die gähnende Feuerpfote zu ihnen und die Patrouille setzte sich in Bewegung. Sternenpfote warf einen letzten Blick über die Schulter und entdeckte ihre Schwester, die naserümpfend auf den Ältestenbau zutrottete. Sternenpfote konnte ein belustigtes Schnurren nicht unterdrücken.
Eichhornschweif führte die Patrouille durch den Dornentunnel in den Wald. Sternenpfotes vor Aufregung gesträubtes Fell verhakte sich in den Brombeerranken und die junge Schülerin jaulte auf, als ihr klar wurde, dass sie festhing. Feuerpfote, die hinter ihr ging, schnurrte und befreite Sternenpfotes silbernes Fell aus den Ästen.
„Ich weiß, es ist aufregend das erste Mal auf Patrouille zu gehen“, miaute sie, als die beiden ins Freie traten. „Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran - dann wird es fast etwas langweilig. Aber warte erst einmal ab, bis dein Kampftraining beginnt!“
„Ist das toll?“, wollte Sternenpfote atemlos wissen.
„Und wie!“
„He!“, knurrte Eichhornschweif, aber in ihrer Stimme lag ein belustigtes Schnurren. Die rote Kätzin peitschte mit dem Schweif. „Nun kommt schon!“
Schnell liefen Feuerpfote und Sternenpfote zu ihren Mentorinnen, die schon oben auf einer Anhöhe auf sie warteten. Eichhornschweif ließ sich auf dem schneebedeckten Waldboden nieder und wies ihre Schülerin an, es ihr gleichzutun. Eifrig ließ sich Sternenpfote neben ihr auf die gefrorene Erde fallen.
Eichhornschweif nickte der Schülerin zu. „Schließ die Augen“, miaute sie.
Sternenpfote schloss gehorsam die Augen. Plötzlich erschien ihr alles viel deutlicher als zuvor - das Rascheln der Äste im Wind, das knisternde Laub unter ihren Pfoten, das Schreien der Krähen, der saftige Geruch einer Wühlmaus, nicht weit von ihr entfernt. Sternenpfote lief das Wasser im Maul zusammen, als sie daran dachte, dass sie heute noch nichts gegessen hatte.
„Was riechst du?“ Beim Klang von Eichhornschweifs eindringlicher Stimme zuckte Sternenpfote unwillkürlich zusammen.
Sternenpfote versuchte, sich allein auf das zu konzentrieren, was sie wittern konnte. Nicht weit von ihnen waren Rosenblatt, Spinnenbein, Birkenfall und Bernsteinpfote auf der Jagd. Bernsteinpfote pirschte sich offensichtlich an ein Eichhörnchen an. In Richtung des Sees, nur wenige Schritte von Sternenpfotes Patrouille entfernt, huschte ein Tier über den Boden, dessen Geruch sie nicht einordnen konnte.
Sternenpfote wollte gerade die Augen öffnen und Eichhornschweif berichten, als ihr der durchdringende Geruch in die Nase stieg, der in der Luft hing wie Nebel. Diesen Gestank hatte Sternenpfote schon einmal gerochen - am letzten Tag, als sie und ihre Mentorin die Grenzen abgegangen waren. Es roch nach …
Sternenpfotes Schwanz schoss in die Höhe, sie riss die Augen auf. „SchattenClan! Ganz in der Nähe!“
Eichhornschweif starrte sie zweifelnd an. „Bist du dir da ganz sicher? Es könnte auch nur …“
Ohne abzuwarten sprang Sternenpfote auf die Pfoten. „Wir müssen sie aufhalten! Sie sind auf unserem Territorium!“ Mit diesen Worten rannte Sternenpfote blind in den Wald hinein, immer dem Geruch des feindlichen Clans entgegen.
„Sternenpfote! Sternenpfote, bleib stehen!“ Eichhornschweifs wütender Ruf hallte durch den Wald, aber Sternenpfotes Ohren rauschten. Das dürfen sie nicht! Es ist gegen das Gesetz der Krieger, in das Gebiet eines anderen Clans einzudringen!
Pfoten trommelten auf den Boden, ihr hinterher. Sie meinte, Eichhornschweif knurren zu hören: „Diese Schülerin bringt mit noch zur Weißglut!“
Und auf einmal war dort noch ein anderes Geräusch, ein wütendes Fauchen. „Wie schafft der DonnerClan es bloß, hier zu leben? Hier gibt es mehr Gestrüpp als Bäume!“
Eine zweite Stimme antwortete: „Nun beruhige dich doch, Eschenkralle. Ich helfe dir.“
Ein durchdringendes Rascheln ertönte.
„Nun halt doch endlich still!“
Sternenpfote knurrte und sprang aus dem Schatten der Bäume auf eine Lichtung. Dort bot sich ihr ein seltsames Schauspiel. In einem dichten Brombeergestrüpp in der Mitte der Lichtung hing ein rotbrauner Kater fest, neben ihm stand eine schildpattfarbene Kätzin, die ruhig auf ihn einredete, während sie sein dichtes Fell aus den Dornen befreite. Hinter ihnen entdeckte Sternenpfote einen riesigen, schneeweißen Kater und eine kleinere, getigerte Kätzin - offensichtlich auch eine Schülerin. Die beiden hatten das Fell gesträubt und starrten Sternenpfote mit offenem Maul an.
Sternenpfote fuhr die Krallen aus und knurrte vernehmlich. „Was habt ihr auf unserem Territorium zu suchen?“
Die getigerte Schülerin fand ihre Stimme als erste wieder. Sie schnaubte verächtlich. „Wenn der DonnerClan nicht schlau genug ist, seine Grenzen richtig zu verteidigen …“
„Graspfote!“ Die Schildpattfarbene funkelte die Hellbraune wütend an. Diese verstummte und richtete den Blick auf ihre Pfoten.
Es raschelte im Gestrüpp hinter Sternenpfote und Eichhornschweif brach aus dem Wald. Die Dunkelrote hatte ihr Fell gesträubt und ihre grünen Augen blitzten zornig. „Sternenpfote! Du …“ Sie verstummte augenblicklich, als sie die Eindringlinge entdeckte. „Was habt ihr denn hier zu suchen?“
Der weiße Kater antwortete: „Ich muss dringend mit Brombeerstern sprechen, Eichhornschweif. Eschenkralle, Bernsteinpelz und Graspfote begleiten mich.“
Eichhornschweif warf dem rotbraunen Kater, der sich nun endlich aus dem Dornengestrüpp befreit hatte, einen spöttischen Blick zu. „Wie ich sehe nehmt ihr den direkten Weg.“
„Was haben die auch für ein dämliches Territorium“, hörte Sternenpfote Graspfote murmeln.
„Unser Territorium ist nicht dämlich!“, protestierte Sternenpfote und grub ihre Krallen in den Schnee. „Nur weil ihr damit nicht klarkommt …“
Graspfote knurrte. „Von einem unreifen Jungen lasse ich mir gar nichts sagen!“
Sternenpfote fauchte. Ihr flaumiges Jungenfell hatte schon vor Monden glattem, glänzendem Fell Platz gemacht und sie war sich beinahe sicher, dass Graspfote nicht einen Mond älter als sie war. „Ich bin kein Junges!“
Graspfote knurrte, ihre Krallen blitzten im Sonnenlicht.
Sternenpfotes Fell prickelte vor Aufregung, als sie ebenfalls die Krallen ausfuhr. Mein erster Kampf!
„Graspfote, sei gefälligst leise!“ Die Schildpattfarbene schob sich mit blitzenden Augen zwischen Sternenpfote und die Schülerin. Sie blinzelte Eichhornschweif entschuldigend an. „Tut mir leid. Meine Schülerin ist manchmal etwas … vorlaut.“
Eichhornschweif schnaubte.
„Eichhornschweif! Ist alles in Ordnung?“ Neben ihnen stürmten Weißflug und Feuerpfote auf die Lichtung. Die flammenfarbene Schülerin blickte mit großen Augen über die versammelten Katzen, dann trabte sie zu Sternenpfote.
„Was machen die denn hier?“, raunte Feuerpfote.
„Angeblich wollen sie mit Brombeerstern sprechen … zumindest der dort“, flüsterte Sternenpfote zurück und wies auf den Weißen.
Feuerpfotes bernsteinfarbene Augen wurden groß. „Das ist Schwarzstern! Der darf das!“
Schwarzstern? Erst jetzt fiel Sternenpfote auf, dass der Kater pechschwarze Pfoten hatte. Und er ist der Anführer?
Eichhornschweif schnippte mit dem Schwanz. „Weißflug, Feuerpfote, begleitet unsere Besucher ins Lager.“ Weißflug nickte den SchattenClan-Katzen zu und sie und ihre Schülerin geleiteten die vier in den dichten Wald. Sternenpfote wollte ihnen gerade folgen, als Eichhornschweif sie zurückhielt. „Nein, du nicht. Ich muss mit dir reden.“
Sternenpfotes Herz fühlte sich schwer wie ein Stein an, als sie dem flammenden Blick ihrer Mentorin begegnete. Was habe ich denn jetzt schon wieder getan? Eichhornschweif ließ sich im tiefen Schnee nieder und Sternenpfote tat es ihr gleich. Die Kälte, die in ihr Fell sickerte, war nichts gegen die eisigen Schauer, die ihren Rücken hinab huschten.
Einige Herzschläge lang herrschte Stille zwischen ihnen. Dann ergriff Eichhornschweif das Wort. „Sternenpfote, ich bin enttäuscht von dir. Du hast nicht auf mich gehört, bist - obwohl ich es dir verboten hatte - einfach fortgerannt. Wer weiß, was dir hätte zustoßen können - großer SternenClan, du hattest noch kein einziges Mal Kampftraining!“ Eichhornschweif war aufgestanden und lief wütend auf und ab.
„Aber die SchattenClan-Katzen waren in unser Territorium eingedrungen!“, verteidigte Sternenpfote sich.
Eichhornschweif blieb stehen und funkelte ihre Schülerin an. „Schwarzstern ist der Anführer des SchattenClans!“, rief sie fassungslos. „Er darf unser Territorium betreten um mit Brombeerstern zu sprechen!“
„Aber warum braucht er dafür unbedingt noch drei andere Katzen?“, maulte Sternenpfote. „So schwierig ist es doch nun auch wieder nicht, durch unser Territorium zu finden. Außerdem hätte er genauso gut an der …“
„Sei leise!“, fauchte Eichhornschweif. „Mit dem, was du gesagt hast, hättest du beinahe einen Kampf provoziert! Häherfeder würde außer sich sein - Verletzungen können wir uns in der Blattleere nicht leisten! Und du hattest noch kein einziges Mal Kampftraining!“
Leises Schuldgefühl keimte in Sternenpfote auf wie ein Sprössling in der Blattfrische. Trotzdem hob sie trotzig das Kinn. „Aber warum haben sie nicht einfach …“
„Schluss jetzt! Du wirst morgen die Nester im Ältestenbau und in der Kinderstube auswechseln! Wenn du schnell fertig bist, gibt es im Heilerbau noch genug zu tun, glaub mir Sternenpfote.“
„Aber …“ Sternenpfote verstummte abrupt, als Eichhornschweif sich mit blitzenden Augen umwandte und ohne ein weiteres Wort in Richtung des Lagers stolzierte. Kleinlaut folgte Sternenpfote der Kriegerin, während es in ihrem Inneren rumorte. Die Nester im Ältestenbau auswechseln - pah! Fehlt nur noch, dass ich sie nach Zecken absuchen soll! Dabei wollte ich meinem Clan doch nur helfen … Bedrückt trottete Sternenpfote hinter ihrer Mentorin ins Lager.
Eichhornschweif wandte sich kurz zu ihrer Schülerin um. „Du kannst gehen“, miaute sie knapp und Sternenpfote lief befreit in Richtung des Schülerbaus. Die Sonne stand schon tief am Himmel und in den Bau sickerte nur spärliches Licht, dass den moosigen Boden sprenkelte. Sternenpfote entdeckte Kristallpfote, die in ihrem Nest in der hintersten Ecke des Baus lag und anscheinend schlief. Außer der kleinen, getigerten Kätzin war nur Blauglöckchenpfote im Bau.
Die blaugraue Schülerin sprang auf. „Sternenpfote! Wie war dein Tag?“
Sternenpfote rümpfte verärgert die Nase. „Stell dir vor, ich habe SchattenClan-Katzen auf unserem Territorium erwischt!“
Blauglöckchenpfote nickte. „Ja, ich habe gesehen, wie Feuerpfote und Weißflug sie ins Lager gebracht haben.“
Sternenpfote ließ sich müde in ihr Nest fallen und streckte ihre steifen Glieder. „Aber, Blauglöckchenpfote, die waren ja so unglaublich unverschämt! Vor allem diese blöde Schülerin. Die hielt sich anscheinend für etwas Besseres, obwohl die kaum älter war als wir!“
„Tatsächlich?“ Blauglöckchenpfote setzte sich mit glänzenden Augen neben sie. „Und dann?“
„Nun ja.“ Sternenpfote räusperte sich - nun kam der unangenehme Teil ihrer Erzählung. „Ich habe natürlich gefragt, was sie auf unserem Gebiet zu schaffen hätten und gedroht, sie zu vertreiben. Dann kam Eichhornschweif, hat Weißflug und Bernsteinpfote angewiesen, sie zum Lager zu bringen, und mich dann angemeckert, von wegen ich hätte unverantwortlich gehandelt und so.“ Sternenpfote blickte ihre Schwester unglücklich an. „Und das schon am zweiten Tag - dabei wollte ich doch nur helfen!“, brach es aus ihr heraus. „Woher sollte ich denn wissen, dass dieser weiße Kater - Schwarzstern heißt er, der unpassendste Name der ihnen hätte einfallen können - der Anführer ist? Jetzt muss ich morgen den ganzen Tag lang die Nester der Ältesten säubern.“
„Tja“, miaute Blauglöckchenpfote schnippisch, „das musste ich heute den ganzen Tag lang.“
Sternenpfote fauchte frustriert. „Jetzt sei nicht so gehässig!“, fuhr sie ihre Schwester an.
Blauglöckchenpfote wich zurück. „Schon gut, schon gut, war doch nicht böse gemeint.“
Traurig blickte Sternenpfote auf ihre Pfoten.
Etwas raschelte hinter ihr und Kristallpfote trat zu den Schwestern. Erschrocken blickte Sternenpfote die junge Katze an. Die Schülerin ging geduckt und ihre Augen blickten müde und ängstlich.
„Bitte … Sternenpfote, Blauglöckchenpfote …“ Kristallpfote blickte sich gehetzt im Bau um, ehe sie weitersprach. „Könnt ihr ein Geheimnis für euch bewahren?“, miaute sie mit gesenkter Stimme.
Blauglöckchenpfote blickte die Schülerin spöttisch an. „Ein Geheimnis? Und was soll das sein? Bist du etwa auf einen Grashalm getreten?“
„Blauglöckchenpfote!“, zischte Sternenpfote empört. Warum benimmt sie sich Kristallpfote gegenüber nur immer so blöd?
Blauglöckchenpfote ignorierte ihre Schwester und schnippte höhnisch mit den silbernen Ohren.
Kristallpfote schien noch etwas tiefer in sich zusammen zu sinken, fuhr auf Sternenpfotes aufmunternden Blick hin aber trotzdem fort. „Ich bitte euch! Es geht nicht um einen Grashalm, sondern um …“ Sie blickte ihre Cousinen flehend an.
Sternenpfote und Blauglöckchenpfote wechselten einen Blick. „Gut“, miaute Sternenpfote schließlich. „Erzähl!“
Kristallpfote ließ ihren Blick noch einmal über den Bau schweifen, dann holte sie tief Luft. „Ich … ich hatte einen Traum. Ich …“
Blauglöckchenpfote unterbrach ihre Cousine mit einem spöttischen Schnauben. „Aha. Du hast geträumt - das ist ja verwunderlich!“
Sternenpfote warf ihrer Schwester einen wütenden Blick zu. „Blauglöckchenpfote!“, rief sie vorwurfsvoll. „Lass Kristallpfote doch erst einmal ausreden!“
Blauglöckchenpfote grummelte etwas unverständliches, widersprach aber nicht.
Sternenpfote wandte sich wieder Kristallpfote zu und nickte ihr zu. „Komm, fahre fort!“ Gespannt spitzte sie die Ohren.
Kristallpfote räusperte sich und warf Blauglöckchenpfote einen kurzen Blick zu. „Ich hatte einen Traum“, wiederholte sie mit gesenkter Stimme. „Ich stand auf einer Ebene - um mich herum war so viel Wind, dass ich mich am Boden festklammern musste! Und dann habe ich im Wind Stimmen gehört. Sie schienen von Katzen zu kommen, aber ich konnte keine sehen. Sie … sie klangen wütend, riefen ,Verräter‘ oder ,Nein‘ oder …“ Kristallpfote stockte. „Dann habe ich die Katzen auch ge-sehen. Aber … ich sah sie nicht … nicht wirklich. Es war eher wie eine Vision.“
„Eine Vision?“, sagten Sternenpfote und Blauglöckchenpfote gleichzeitig, wobei Sternenpfote begeistert und Blauglöckchenpfote spöttisch klang.
„Ist das dein Ernst?“, fragte Blauglöckchenpfote. „Warum sollte der SternenClan ausgerechnet dir eine Vision schicken, geschweige denn einen Traum?“
Weder Kristallpfote noch Sternenpfote erwiderte etwas.
Sternenpfote wandte den Blick ab, damit die anderen ihre Verbitterung nicht sahen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich gewünscht, etwas Besonderes zu sein - und nun kam Kristall-pfote und erzählte ihnen, dass sie eine Vision, vielleicht sogar einen Traum, vom SternenClan gesandt bekommen hatte.
Kristallpfote zögerte einige Herzschläge lang, dann sprach sie weiter. „Die Katzen schienen sich zu bekämpfen - sie haben sich gegenseitig getötet! Aber dann … verschwamm alles um mich herum und ich war plötzlich in einem Wald. Und … und diesmal war ich auch nicht allein, da war eine alte, dunkelgraue Kätzin mit ziemlich zerzaustem Pelz - und Mondpfote, Mondpfote war auch da.“
„Mondpfote?“ Sternenpfotes Herz begann gegen ihren Willen schneller zu schlagen. Verärgert leckte sie sich das Brustfell. Dieser arrogante Fellball kann mir doch meinetwegen gestohlen bleiben! Aber irgendwie ist er schon …
Kristallpfote nickte. „Diese Katze - Gelbzahn hieß sie, glaube ich - sagte, dass Mondpfote eine Prophezeiung hat. Also dass er in einer Prophezeiung vorkommt. Dass es eine Prophezeiung über ihn …“
„Moment mal!“, unterbrach Blauglöckchenpfote die weiße Kätzin. „Mondpfote? Eine Prophezeiung?“
Kristallpfote nickte.
Blauglöckchenpfote schnaubte. „Dieser arrogante Kater muss auch wirklich alles kriegen“, murmelte sie. „Der Sohn des Anführers und jetzt auch noch eine Prophezeiung. Pah!“
Sternenpfote erwiderte darauf nichts.
Kristallpfote wippte ungeduldig hin und her. „Nun hört mir doch erst einmal zu!“, miaute sie mit Nachdruck. „Diese Prophezeiung ist nicht toll! Gelbzahn - oder wie sie auch hieß - meinte, es würde eine neue, finstere Macht kommen, und nur der Strahl eines Mondes könne sie vertreiben! Aber … aber im Schatten des Mondes würde … die Welt untergehen oder so etwas in der Art.“ Sternenpfote merkte, wie ihr das Maul aufklappte. Sie wollte etwas sagen, fand aber die passenden Worte nicht. Großer SternenClan …
Blauglöckchenpfote schnippte mit dem Schwanz, ihre blauen Augen blitzten. „Nun ja, ich denke mal, dass Mondpfote der Mond ist“, plapperte sie munter. „Na dann! Was sollen wir tun? Dem SternenClan sagen, er soll seine Prophezeiung zurückziehen?“
„Das ist nicht lustig!“, fauchte Kristallpfote zornig. Sternenpfote zuckte zurück. Sie hatte ihre Cousine noch nie so wütend erlebt.
„Ach nein?“, miaute Blauglöckchenpfote platt.
Sternenpfote räusperte sich. „Wir müssen ihm irgendwie helfen“, sagte sie mit krächzender Stimme. „Wir können nicht einfach zulassen, dass die Clans untergehen!“
Kristallpfote nickte wild. „Ganz deiner Meinung.“
Blauglöckchenpfote seufzte. „Wenn ihr meint“, entgegnete die Kätzin, aber Sternenpfote wusste ganz genau, dass sie von Kristallpfotes Erzählung nicht überzeugt war.
„Aber was sollen wir jetzt tun?“, fragte Kristallpfote mit großen Augen.
Sternenpfote blinzelte und blickte von ihrer Cousine zu Blauglöckchenpfote. Dann wieder zurück. Ihr wurde klar, dass beide sie fordernd anstarrten. Sie erwarten, dass ich etwas vorschlage!
„Ich … nun, ähm … ja …“, stotterte Sternenpfote und überlegte fieberhaft. Was sollten sie tun? „Erst einmal sollten wir gar nichts tun“, sagte sie dann schnell. „Wir könne ja nicht wissen, ob Mondlicht … ähm, Mondpfote … nicht auch ohne uns den Schatten … ich meine, den richtigen Weg … findet.“ Sternenpfote schloss die Augen und wünschte sich ganz weit weg. Warum muss ich nur immer so stottern, wenn ich vor anderen sprechen muss?
Wage merkte sie, wie Kristallpfote nickte und zischend die Luft ausstieß. „Gut“, miaute die junge Kätzin kurz angebunden. „Dann erst einmal gar nichts.“
Sternenpfote zog die Schultern hoch, als sie plötzlich das wärmende Fell ihrer Schwester an ihrer Flanke spürte. „Ich sehe das genauso“, miaute Blauglöckchenpfote plötzlich ernst. „Warum sollten wir etwas tun, wo wir doch noch gar nicht wissen, ob Mondpfote wirklich so böse ist, wie du behauptest.“ Leiser Spott klang in ihrer Stimme mit.
Kristallpfote fauchte. „Er ist böse! Er hat mich angegriffen!“
„Was?“, empörte sich Sternenpfote. „Aber das würde Mondpfote niemals tun - seine eigene Clangefährtin angreifen!“
Kristallpfote zuckte mit den Ohren. „Wer weiß.“
Es raschelte hinter Sternenpfote und kurz darauf trat Bernsteinpfote in den Bau. „He“, miaute sie überrascht, als sie die jüngeren Schülerinnen entdeckte. „Auch schon hier?“ Ihr Blick wanderte von Blauglöckchenpfote über Sternenpfote zu Kristallpfote. „Nun“, miaute sie, „ich gehe besser noch einmal zum Schmutzplatz, ehe ich hier noch einschlafe.“ Die Tigerkätzin zwinkerte ihren Baugefährtinnen zu und verließ den Bau wieder.
Blauglöckchenpfote war die erste, die wieder sprach. „Ich denke, wir sollten auch schlafen“, miaute sie. „Meine Pfoten sind schon ganz taub!“
Sternenpfote nickte zustimmend. „Meine auch“, erwiderte sie. „Ich fühle mich so, als hätte ich gerade gegen eine Patrouille SchattenClan-Krieger gekämpft!“
„Hättest du ja auch fast“, sagte Blauglöckchenpfote schnippisch.
„Ich wollte nur die Patrouille abhalten!“
„Na, das hast du ja toll hingekriegt.“ Blauglöckchenpfotes Augen funkelten belustigt. Sie wandte sich ab. „Komm! Gehen wir schlafen!“
„Wartet!“, rief Kristallpfote gehetzt.
Die Schwestern erstarrten in der Bewegung und wandten sich neugierig der Schülerin zu.
„Was?“, fragte Sternenpfote und unterdrückte ein Gähnen. Ich bin so müde …
Kristallpfote sah die beiden Kätzinnen flehend an. „Bitte! Ihr dürft es niemandem sagen - schwört, dass ihr es niemandem erzählen werdet!“
Sternenpfote und Blauglöckchenpfote wechselten einen langen Blick. Aber wir müssen es jemandem erzählen!, wollte Sternenpfote schreien. Brombeerstern, oder vielleicht Häherfeder ...
„Gut“, miaute Sternenpfote. „Wir schwören es.“
Kristallpfote stieß erleichtert die Luft aus. „Danke“, wisperte die Kätzin.
Verwundert tappte Sternenpfote zu ihrem Nest neben Blauglöckchenpfote und kuschelte sich in das weiche Moos. Dieser Traum muss Kristallpfote wirklich sehr viel Angst gemacht haben - warum sollte sie uns sonst davon erzählen? Erneut keimten Schuldgefühle in Sternenpfote auf. Wir waren ja auch nicht unbedingt nett zu ihr …
Sternenpfote schloss die Augen und versuchte, in die unendlichen Weiten des Schlafs zu sinken, doch es gelangt ihr nicht. Zu viele Gedanken schwirrten durch ihren Kopf. Im Schatten des Mondes geht die Welt unter … Aber Mondpfote kann doch nicht so böse sein! Angst huschte über Sternenpfotes Rücken wie ein Schauer. Das muss ein Irrtum sein! Oder?

6. Kapitel

DIE SCHNEEFLOCKEN TANZTEN durch die eisige Luft, als Blauglöckchenpfote zum ersten Mal das Lager verließ. Sie schüttelte ihren Pelz, um sich von dem Schnee, der sich in ihrem Pelz gesammelt hatte, zu befreien. Die schwarzen Silhouetten der Bäume zeichneten sich stark von der weißen Landschaft ab. Die kleine Kätzin schnupperte. Der Geruch des Lagers war verschwunden, alles roch stark und schwer nach Wald.
„Komm, ich zeige dir den See!“, sagte Lilienherz hinter ihr und trabte los.
Langsam folgte ihr Blauglöckchenpfote, die vor staunen kein Wort heraus brachte. Sie hatte Schwierigkeiten, mit ihrer Mentorin mitzuhalten. Immer wieder verfingen ihre Pfoten sich in dichten Brombeersträuchern oder sie schaffte es nicht, mit einem Satz über einen Baumstamm zu springen. Plötzlich beneidete sie Lilienherz für ihre Größe und ihre Kraft. Immer öfter drehte diese sich um und wartete auf die Schülerin.
Außer Atem erreichten sie den See. Nicht einmal in ihren Träumen hätte sich Blauglöckchenpfote seine Größe vorstellen können. Eine riesige graue Fläche lag vor ihr, sie konnte gerade noch das andere Ufer und die Insel erkennen. Das Gefühl, dass die Welt zu klein für sie war, verschwand augenblicklich und machte dem Gefühl der Freiheit und der Neugierde Platz. Zum ersten Mal fühlte sie sich wie eine richtige Kriegerin. Stolz reckte sie ihren Kopf in die Höhe.
„Normalerweise ist er zu gefroren, aber seit vor kurzem alles taute, ist kein Eis mehr da“, riss Lilienherz sie aus ihren Gedanken. „Brombeerstern hatte schon gehofft, dass die Blattfrische dieses Jahr früher kommt, aber Eichhornschweif meinte von Anfang an, es würde noch einmal Neuschnee fallen.“
„Nun, dann ist Eichhornschweif halt klüger“, schnurrte Blauglöckchenpfote schnippisch, den Blick immer noch auf den See gerichtet.
„Sag das nicht, junge Schülerin! Er ist unser Anführer und man stellt seine nicht Klugheit infrage. Du hast noch viel zu lernen“, miaute sie und seufzte frustriert.
„Und was, bitte schön?“, spottete die Schülerin. „Ich weiß sehr wohl, dass er unser Anführer ist! So ein Mäusehirn bin ich dann auch wieder nicht. Gut, ich weiß nicht, wie man jagt und kämpft, aber das Gesetz der Krieger hat mir mein Vater schon beigebracht!“
„Zum Beispiel, dass ich deine Mentorin bin!“, fauchte Lilienherz.
„Beruhige dich, du brauchst dich gar nicht so aufzuregen!“, erwiderte Blauglöckchenpfote wütend. „Also, wo gehen wir jetzt hin?“
Lilienherz, die offensichtlich froh über den Themenwechsel war, zögerte kurz und antwortete dann: „Zur Trainingslichtung.“
Wieder mühte sich Blauglöckchenpfote damit ab, ihr zu folgen und nahm sich vor, später ihre Ausdauer und Kondition zu trainieren.

Auf der Lichtung trafen sie Kristallpfote und Hummelstreif.
„Hallo!“, rief Blauglöckchenpfote ihrer Cousine zu.
Diese warf ihr einen verwirrten Blick zu und verfehlte die knorrige Wurzel, auf der sie hatte landen wollen.
„Guter Sprung!“, foppte die blaugraue Kätzin und lief zu der weißen Schülerin. Schlagartig fiel ihr wieder die Prophezeiung ein, von der Kristallpfote ihnen erzählt hatte.
Kristallpfote muss verrückt sein! Sie muss zu viel Frischbeute gegessen und sich mal wieder nur mit ihrer Mutter aufgehalten haben. Vor Langweile denkt man sich da schon so etwas aus.
„Wetten ich kann das besser?“ Sie funkelte Kristallpfote, die wegen Blauglöckchenpfotes Stimmungswechsel noch irritierter dreinblickte, an und kauerte sich hin, um zum Sprung anzusetzen.
Aber ich habe bei Mondpfote trotzdem ein schlechtes Gefühl. Er spielt sich immer auf und ist der Meinung, er wäre der beste. Von allen Clankatzen ist er die Erste, die ich verdächtigen würde, wenn etwas Schlimmes geschieht.
Sie spannte ihre Muskeln an.
Aber Kristallpfote ist ohnehin schon merkwürdig, warum sollte sie dann nicht auch noch Aufmerksamkeit wollen?
Kraftvoll drückte sie sich ab.
Das wird es sein! Sie will sich nur aufspielen, weil wir nichts mit ihr machen. Bei dieser Kätzin wundert mich das nicht, so wie sie uns immer angeguckt hat.
Ihre Pfoten verfehlten die Wurzel, aber Blauglöckchenpfote realisierte ihre Umgebung gar nicht.
Aber eigentlich ist sie nett. Nur ihr hochnäsiger Blick! Und sie mag Sternenpfote sowieso viel mehr als mich.
„Blauglöckchenpfote, hörst du mir überhaupt zu?“, unterbrach Lilienherz ihre Gedanken.
Blauglöckchenpfote blickte sich um. Zwei Schwanzlängen weiter rechts lag die Wurzel. „Jaja. Ich soll nicht prahlen und es dann selbst nicht besser können.“, murmelte die Schülerin.
„Das sagte ich nicht. Ich meinte, dass du deine Pfoten mehr an den Körper ziehen und dich länger auf dein Ziel konzentrieren musst. Versuch es gleich noch einmal.“
Blauglöckchenpfotes Schwanz zuckte hin und her. Sie zog ihre Pfoten näher an den Körper und spannte ihre Muskeln ein zweites Mal an. Als Lilienherz anerkennend nickte, sprang sie. Der Boden unter ihren Pfoten wirbelte vorbei und sie landete eine gefühlte Ewigkeit später auf der Wurzel. Stolz plusterte sie sich auf und drehte sich zu den anderen um. Die drei Katzen starrten sie mit offenen Mäulern an. Verwirrt legte sie ihr Fell wieder an.
„Es sah aus, als wärst du geflogen“, brach Kristallpfote die Stille. „Und du bist so leise aufgekommen!“
„Für deine Größe zumindest!“, fügte Lilienherz hinzu.
Die blaugraue Kätzin schnurrte in sich hinein. Nicht umsonst hatte sie mit ihrer Schwester sieben Monde lang Springen geübt.
„Das kann Sternenpfote auch“, miaute Hummelstreif.
Blauglöckchenpfote verdrehte die Augen. Kaum hielt man sie für etwas Besonderes, wurde sie wieder mit ihrer Schwester verglichen. Trotzdem war sie stolz darauf, Sternenpfote überredet zu haben, jeden Sonnenauf- und Untergang Springen zu trainieren. Dafür hatten sie danach jedes Mal Wettrennen gemacht, was die Blaugraue hasste.
„Falls wir, so wie Sternenpfote gestern, in Schwierigkeiten geraten, bring ich dir ein paar simple Kampfzüge bei“, erklärte Lilienherz.
„Nein!“, widersprach Blauglöckchenpfote.
„Wie nein?“
„Nein halt! Ich möchte nicht kämpfen!“
„Das gehört dazu!“
„Ich werde nicht kämpfen! Was auch immer du mit mir anstellst, ich werde nicht kämpfen! Das ist abartig.“ Alles in Blauglöckchenpfotes Körper sträubte sich dagegen, eine andere Katze anzugreifen und zu verletzen.
„Blauglöckchenpfote!“, mahnte Hummelstreif sie mit einer warnenden Stimme. „Tu, was deine Mentorin sagt!“
„Vergesst es! Ich werde die beste Jägerin, aber Kämpfen werde ich nicht.“
„Nicht einmal, wenn das Lager von anderen Clans überfallen wird?“, fragte er.
„Wenn mehr Katzen so denken würden wie ich, würde so etwas nicht passieren.“ Trotzig hob sie die Stimme.
„Und bei Füchsen? Oder sogar Dachsen?“
„Unser Clan hat genügend Krieger.“ Rebellisch blitzten ihre Augen auf.
Ihr Vater wusste, wenn er etwas Falsches sagte, würde er ihre scharfe Zunge zu spüren bekommen.
„Vielleicht solltest du eine Heilerkatze werden?“, schlug Kristallpfote vor.
„Niemals! Ich werde doch nicht die Hoffnung auf Liebe und eine Familie aufgeben, um stinkende Mischungen anzurühren!“
„Entscheide dich für etwas!“, fauchte Lilienherz. „Entweder wirst du Heilerkatze oder du musst das Kämpfen akzeptieren.“
„Sie ist stur. Vielleicht kann Brombeerstern ihr gut zureden“, mischte sich Hummelstreif wieder in die Diskussion ein.
„Na gut!“, seufzte Lilienherz mit zornig blitzenden Augen. „Dann zeig ich dir erst einmal das ganze Territorium.“
Genervt folgte Blauglöckchenpfote ihr. Würde es auch nur einen Tag in ihrem Leben geben, an dem sie nicht zu ihrem Anführer musste?

„Du willst also auf jeden Fall eine Familie gründen?“, fragte Lilienherz nach einer Weile und ließ sich zu der hechelnden Blauglöckchenpfote zurückfallen.
„Ja. Meiner Meinung ist das der Sinn des Lebens.“
„Nicht deinen Clan zu beschützen und für ihn zu sorgen.“ Es war keine Frage.
„Nein. Am meisten möchte ich für meine Familie sorgen. Und ich werde so lange warten, bis der Richtige kommt.“
Lilienherz schaute sie ungläubig an.
„Ich bin halt eine Romantikerin“, schnaubte die Schülerin und sprang auf den Baumstamm, der im Weg lag.
„Nimm Gefährten nicht so ernst! Sie können dir dein Herz brechen.“ Schmerz lag in Lilienherz’ Stimme.
„War es bei dir und Taunase so?“, fragte Blauglöckchenpfote sie.
„Das geht dich nichts an!“, wisperte ihre Mentorin.
Was ist jetzt eigentlich mit Kristallpfote? Ach, das ändert nichts. Sie ist immer noch ein hochnäsiger, dummer Fellball. Aber ich war ja auch nicht unbedingt nett zu ihr ... Betreten blickte sie zu Boden.
Sie kamen am Zweibeinernest bei dem Kräuterbeet von Häherfeder an, aus dem dieser die meisten seiner Kräuter holte. Kleine Sprösslinge hatten trotzig ihre Blätter durch die dicke Schneeschicht gegraben und schienen zu sagen, dass ihnen die Kälte nichts anhaben könne.
„Da wird sich Häherfeder freuen!“, miaute Blauglöckchenpfote und stieß ihre Mentorin an, welche durch den heftigen Stoß von der Mauer fiel und unsanft auf den schneebedeckten Steinen darunter landete.
„Kannst du mich das nächste Mal vorwarnen, wenn du mich schubst während ich auf einer Mauer stehe?“, knurrte sie und schüttelte sich.
„Woher soll ich denn wissen, dass du so wenig Kraft in den Beinen hast? Du musst Training machen, so wie Sternenpfote und ich. Ich glaube, sie wird die beste Kriegerin die es gibt.“
„Bin ich die Mentorin oder du? Ich sage dir, wann du Krafttraining machen sollst.“
„Okay. Es wird langsam kalt - und wir stehen auf einer Mauer.“
Lilienherz nickte. „Komm, lass uns Häherfeder ein paar Stängel Katzenminze mitnehmen und dann zum Lager zurückkehren.“

„Warum zweifelst du so sehr am Gesetz der Krieger, Blauglöckchenpfote?“, fragte Brombeerstern ruhig.
„Es gibt halt Gesetze, die ...“, sie überlegte, „... falsch sind. Wenn es einfach so wäre, dass man nicht ohne friedlichen Anlass auf das Territorium eines anderen Clans darf, geschweige denn es erobern, dann wäre das schon ein Schritt.“
„Und warum verabscheust du das Kämpfen so?“
„Ich kann darüber nicht gut sprechen. Sternenpfote kann das besser erklären.“
Sie sah sich auf der Lichtung um und entdeckte ihre Schwester, die vor dem Schülerbau saß und sich mit Feuerpfote und Bernsteinpfote unterhielt. Als die Hellgraue ihren Blick bemerkte, stand sie auf und trabte zu ihrer Schwester und ihrem Anführer hinüber.
„Störe ich?“, fragte sie Brombeerstern mit fröhlich blitzenden Augen.
Brombeerstern schüttelte den Kopf und miaute: „Kannst du mir erklären, warum Blauglöckchenpfote das Kämpfen so verabscheut?“
Sternenpfote nickte und begann zu erzählen. Über Dinge, die die blaugraue Kätzin dachte, aber nicht so verständlich erklären und ausdrücken konnte. Blauglöckchenpfote beobachtete ihre Augen und zuckenden Schnurrhaare während sie sprach. Eine tiefe Zuneigung zu ihrer Schwester kam in ihr auf. Sie vertrat nicht ihre Meinung, doch erklärte sie genau das, was Blauglöckchenpfote fühlte, wo diese doch so schlecht im Reden war.
Als Sternenpfote endete und ihren Anführer abwartend anstarrte, schien dieser einen Augenblick lang zu zögern. Dann nickte er langsam und wandte sich an Blauglöckchenpfote. „Ich werde darüber nachdenken, aber ich denke du solltest das Kampftraining mitmachen. Aber es ist gut durchdacht, was Sternenpfote da erzählt. Wir sind stolz auf euch. Ehrlich gesagt hatte ich Angst, du hättest keine ernsten Seiten, Blauglöckchenpfote, aber dies zeigt dein Verantwortungsbewusstsein. Ihr zwei und Kristallpfote kommt morgen mit auf die Große Versammlung.“
Die Schülerinnen schauten sich strahlend an. Freude überkam Blauglöckchenpfote. Morgen würde sie andere Clans und fremde Katzen treffen! Vielleicht fand sie sogar eine Freundin! Vielleicht gab es ja noch andere Schüler wie sie und ihre Schwester, die ebenfalls so unternehmungslustig wie Sternenpfote waren oder anderen so gerne Streiche spielten wie Blauglöckchenpfote. Glücklich lief sie zum Schülerbau und machte es sich in ihrem Nest bequem.
„Danke“, flüsterte sie Sternenpfote, die sich neben ihr im Moos zusammenrollte, ins Ohr.
„Wofür?“, erwiderte diese und kuschelte sich eng an Blauglöckchenpfote.
Blauglöckchenpfote dachte nur noch: Was habe ich nur für ein Glück mit meiner Schwester! Dann war sie auch schon eingeschlafen.

7. Kapitel

MÜDE ROLLTE KRISTALLPFOTE SICH in ihrem Nest zusammen und versuchte, die Geräusche von außerhalb auszublenden. Im Halbschlaf vor sich hindämmernd bemerkte sie erst nach einer Weile, dass jemand sie sanft mit der Nasenspitze anstupste. Blinzelnd öffnete sie die Augen und brummte verschlafen: „Grr, lasst mich doch alle im Kraut!“
„Würde ich gerne, meine Kleine, aber du wurdest auserwählt, zur Großen Versammlung mitgehen zu können!“
Plötzlich wach schoss die Schülerin aus dem Nest und machte einen Satz nach vorne. Vor ihr stand ein rotbrauner Krieger, dessen Augen belustigt funkelten. „Fuchssprung!“
Er lachte und verließ den Bau. Kristallpfote folgte ihm auf die Lichtung und überblickte sie stolz. Ja, das war ihr Clan! Als sie sah, wie Eichhornschweif ihrer Mutter Sandsturm aufhalf, wurde ihr ganz warm ums Herz. Wurzellicht streckte den Kopf aus dem Heilerbau und schüttelte sich, dann zog sie sich auf flinken Pfoten zum Frischbeutehaufen. Kristallpfote überquerte die Lichtung mit ein paar Sätzen und lächelte etwas traurig. Hatte sie ihren Cousinen nicht Stunden zugeschaut, wie sie herumgehüpft waren und hatte sie nicht dann heimlich alleine geübt. Ja, das hatte sie. Die Schülerin seufzte.
Sie nahm sich eine Amsel und ließ sich in Brombeersterns Nähe nieder. Der Anführer sprach gerade leise mit Graustreif, dem ehrenwertesten Ältesten, der die beschwerliche Reise auf sich genommen hatte, nur um seinen Clan wiederzufinden.
Als sie fertig war, schlich sie von der Seite näher und als ihr Anführer sie bemerkte, neigte sie kurz den Kopf. „Ähm … Ich habe erfahren das ich heute mit auf die Große Versammlung darf. Wann gehen wir?“
Der braune Kater fuhr so kräftig hoch, dass die weiße Kätzin erschrocken zurückwich. Er lächelte leicht und aus diesem Winkel ähnelte er seinem Sohn so sehr, dass es schon fast unheimlich war. „Danke wegen der Erinnerung. Wir gehen jetzt.“ Seine Muskeln spielten unter seinem Pelz als er auf die Hochnase sprang und die Katzen zum Gehen aufforderte.
Kristallpfote freute sich schon sehr auf die Versammlung und ihre Pfoten kribbelten.

Kristallpfote hüpfte über einen Ast und holte Löwenglut ein. Der Krieger schnippte ihr freundlich gegen das Ohr und sie tadelte ihn spielerisch, indem sie ihm einen sanften Pfotenschlag verpasste. Löwenglut knurrte belustigt.
Kristallpfote lief weiter an die Spitze, bis sie ihre Mutter erreicht hatte. Stolpernd hastete sie an Blumenfall vorbei, die sich mit Eichhornschweif über dies und das austauschte. Efeusee berührte Kristallpfote mit dem Schwanz und lächelte ihr zu.
„Ich bin so aufgeregt!“, miaute die Schülerin glücklich.
Wissend nickte ihre Mutter.
Langsam ließ sich Kristallpfote zurückfallen und ging schließlich neben ihren Cousinen. Ein fremder Geruch drang in Kristallpfotes Nase. WindClan!
Eine Patrouille mit Aschenstern an der Spitze brach hinter einem Gebüsch hervor. Die graue Anführerin holte zu Brombeerstern auf und unterhielt sich leise mit ihm. Ein paar Krieger aus den feindlichen Clans erkannten einander und begannen, sich zu unterhalten.
Kristallpfote sah sich um, neben ihr lief ein graubrauner Kater, vermutlich ein Schüler. Er stolzierte selbstgefällig am Ende und Kristallpfote musterte ihn von Kopf bis Schwanzspitze. Plötzlich schoss sein Kopf herum und er fixierte sie mit hervorstechenden, gelben Augen. Etwas eingeschüchtert nahm sie Abstand.
Verächtlich betrachtete der Kater sie und schnaubte: „Keine Angst, ich beiße keine Unterholz-Katzen!“
Kristallpfote zischte: „Ich hab doch keine Angst vor einem klapprigen Kaninchenjäger!“
Der Schüler aber war schon weitergegangen.
Unruhig drehte sie sich zu Sternenpfote. Diese alberte mit ihrer Schwester herum. Da hielt die Patrouille an und eine Stimme drang nach hinten: „Wir sind da!“
Freudig erregt zitterten die Schnurrhaare der weißen Kätzin und sie hatte den dämlichen Kater schon wieder vergessen. Es wurde geschubst und gedrängelt, bis endlich der Baumstamm vor Kristallpfote lag. Mit einem Satz sprang sie auf ihn hinauf und grub ihre Krallen in die Rinde. Strampelnd zog sie sich vollends herauf. Vorsichtig balancierend überquerte Kristallpfote den Stamm und seufzte erleichtert, als sie wieder sicheren Grund unter ihren Pfoten spürte.
Staunend sah sie sich um. Sie waren mit dem WindClan der letzte Clan, und somit war die Insel schon ziemlich überfüllt. Viele neue Gerüche schwirrten durch die Luft und Kristallpfote ließ sich neben Blauglöckchenpfote nieder und betrachtete erwartungsvoll den gewaltigen Baum mitten auf der Lichtung.
Plötzlich merkte sie, dass links neben ihr der Schüler aus dem WindClan saß. Er bemerkte sie und grollte: „Wieso ausgerechnet du?“
Kristallpfotes Nackenfell sträubte sich. „Ich habe es mir sicher nicht ausgesucht, neben dir zu sitzen, du …“
Stöhnend drehte Blauglöckchenpfote sich zu Kristallpfote. „Seid ruhig! Veilchenpfote wollte mir gerade etwas erzählen!“
Kristallpfote blinzelte. Ich musste ihm doch nur zeigen, dass er nicht der Beste, Schönste, Stärkste … Sie betrachtete den Schüler aus dem Augenwinkel. Obwohl … hässlich war er nicht unbedingt.
Sie riss sich zusammen und blickte sich auf der Lichtung um. Alle vier Anführer saßen schon auf dem riesigen Baum und schließlich gebot Aschenstern der Menge mit einem Schwanzschnippen Ruhe. Das Gemurmel verstummte und alle Augen richteten sich auf die Kätzin.
Ein stolzes Schnurren ertönte neben Kristallpfote und sie bemerkte den braunen Schüler. Er betrachtete seine Anführerin aufmerksam. Mit einem leisen Grollen tief in der Kehle wendete sich Kristallpfote wieder den Anführern zu. Gleich würden sie beginnen!

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