Hi allerseits! Diese Geschichte habe ich mit NICHT ausgedacht, sondern sie würde wie viele andere auch von den Erins geschrieben. Jetzt fragt ihr euch velleicht, ja aber wieso ist diese Seite dann im Erfindungs Wiki. Ich sage euch warum, dieses Buch wurde noch nicht ins Deutsche übersetzt und da dachte ich mir ich tue dies einfach mal und lade es hier für euch hoch (falls ihr wissen wollt wieso ich so gut Englisch kann seht euch einfach mein Profil an).

Rotschweifs Schuld.png

Hierachie

DONNERCLAN

Anführer: Abendstern -- großer rotbrauner Kater mit gelben Augen

Zweiter Anführer: Bernsteinfleck -- hellgrau getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen

Heiler: Federbart -- heller silberner Kater mit bernsteinfarbenen Augen, Mentor von Tüpfelpfote

Krieger: Sturmschweif -- blau grauer Kater mit blauen Augen, Mentor von Buntpfote

Vipernzahn -- dunkelbraun gestreifter Kater mit gelben Augen

Spatzenpelz -- großer dunkelbraun getigerter Kater mit gelben Augen, Mentor von Rotpfote

Kleinohr -- grauer Kater mit kleinen Ohren und bernsteinfarbenen Augen

Mohnröhte -- langhaarige dunkel rot braune Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen, Mentorin von Glanzpfote

Drosselpelz -- sandgrauer Kater mit einem kleinen Brustfleck und grünen Augen

Rotbrust -- kleine braune Kätzin mit einem rotbraunem Fleck auf der Brust und bersteinfarbenen Augen

Wuschelpelz -- schwarzer Kater mit gelben Augen

Flickenpelz -- kleiner schwarz weißer Kater mit bernsteinfarbene Augen

Windflug -- grau gestreifter Kater mit hellgrünen Augen

Tupfenschweif -- schildpattfarbene Kätzin

Fleckenschweif -- hellgolden gestreifte Kätzin

Leopardenfuß -- schwarze Kätzin mit grünen Augen

Blaupelz -- blau graue Kätzin mit blauen Augen, Mentorin von Frostpfote

Frishbriese -- braun getigert und weiße Kätzin mit gelben Augen

Stachelkralle -- grau weißer Kater mit bernsteinfarbenen Augen

Löwenherz -- golden getigerter Kater mit grünen Augen

Goldblüte -- orange getigerte Kätzin mit gelben Augen

Tigerkralle -- großer dunkelbraun getigerter Kater mit bernsteingelben Augen

Weißsturm (ich weiß das sein Name eigentlich Weißpelz ist aber die Übersetzung finde ich grausam deswegen habe ich ihn richtig übersetzt, hoffe es stört euch nicht allzu sehr) -- großer weißer Kater

Rosenschweif -- grau getigerte Kätzin mit einem leicht roten Schwanz

Schüler: Buntpfote -- hellgrau getigerte Kätzin

Frostpfote -- weiße Kätzen mit blauen Augen

Tüpfelpfote -- hübsche schildpattfarbene Kätzin

Glanzpfote -- hellgraue Kätzin mit blauen Augen

Rotpfote -- schildpattfarbene Kater mit einem roten Schwanz

Königinnen: Weißauge -- hellgraue Kätzin mit einem blinden Auge

Älteste: Grasbart -- hellroter Kater mit gelben Augen

Nuschelfuß -- brauner Kater mit bernsteinfarbenen Augen

Lerchenlied -- schildpattfarbene Kätzin mit grünen Augen

FLUSSCLAN

Anführer: Jubelstern -- flauschiger grauer Kater

Zweiter Anführer: Schiefmaul -- hellbraun gestreifter Kater mit grünen Augen und einem schiefen Kiefer

Heiler: Brombeerblüte -- weiße Kätzin mit einem schwarz getupften Pelz und blauen Augen

Krieger: Wellenkralle -- schwarz-silbern getigerter Kater

Feldkralle -- grauer Kater

Baumpelz -- brauner Kater

Echodunst -- hellgraue Kätzin

Zedernpelz -- fleckig braun getigerter Kater

Eulenpelz -- braun - weißer Kater

Ottersprung -- weiß braune Kätzin

Käfernase -- schwarzer Kater, Mentor von Schilfpfote

Weichflügel -- weiße Kätzin mit getigerten Flecken, Mentorin von Himmelpfote

Weißzahn -- weißer Kater mit braunen Pfoten, Mentor von Leopardenpfote

Lilienhalm -- hellgraue Kätzin

Schimmerpelz -- schwarze Kätzin

Hechtzahn -- dunkelbraun getigerter Kater

Schmutzfell -- gefleckter hellbrauner Kater, Mentor von Blütenpfote

Seeglanz -- grau - weiß gefleckte Kätzin

Eichenherz -- rotbrauner Kater mit bernsteinfarbenen Augen, Mentor von Rumpelpfote

Rehschweif -- braune Kätzin

Weidenbrise -- hellgrau getigerte Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen

Grauteich -- dunkelgraue Kätzin mit gelben Augen

Sonnenfisch -- hellgraue Kätzin

Schüler: Schilfpfote -- hellgrau getigerter Kater

Himmeplfote -- hellbraun getigerte Kätzin

Leopardenpfote -- golden getupfte Kätzin

Blütenpfote -- schildpattfarbene Kätzin

Rumpelpfote -- dunkelbrauner Kater

Älteste: Forellenkralle -- grau getigerter Kater

Muschelherz -- grau getupfter Kater

SCHATTENCLAN

Anführer: Zedernstern -- dunkelgrauer Kater mit einem weißen Bauch

Zweiter Anführer: Fetzenpelz -- großer, dunkelbraun getigerter Kater

Heiler: Salbeibart -- weiße Kätzin, Mentorin von Gelbzahn

Krieger: Rehsprung -- grau getigerte Kätzin mit weißen Beinen

Gewitterflügel -- gefleckter weißer Kater

Fuchsherz -- fuchsfarbene Kätzin

Wolfstritt -- Kater mit einem zerfetztem Ohr

Krähenschweif -- schwarz getigerte Kätzin, Mentorin von Wolkenpfote

Farnfuß -- hellsandfarbener Kater mit dunkleren Beinen

Erzauge -- grauer Kater mit schwarzen Streifen

Holunderblüte -- dunkelgrau und weiße Kätzin

Schmutzkralle -- grauer Kater mit braunen Beinen

Echsenstreif -- hellbraun getigerte Kätzin mit gelben Augen

Krötensprung -- dunkelbraun getigerter Kater mit weißen Beinen

Federsturm -- braun getigerte Kätzin

Brandwind -- rot getigerter Kater

Molchfleck -- schwarz - braun gestreifte Kätzin

Aschenherz -- hellgraue Kätzin mit blauen Augen

Bernsteinblatt -- dunkelsandfarbene Kätzin mit braunen Beinen und Ohren

Froschwedel -- dunkelgrauer Kater

Teichwolke -- grau - weiße Kätzin

Nesselfleck -- weiße Kätzin mit rotbraunen Flecken

Finkenflug -- schwarz - weißer Kater

Nussbart -- brauner Kater mit bernsteinfarbenen Augen

Eschenbeere -- cremefarben und braune Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen

Mausflügel -- flauschiger schwarzer Kater

Schüler: Gelbzahn -- dunkelgraue Kätzin mit einem, breiten, flachen Gesicht

Wolkenpfote -- weißer Kater mit blauen Augen

Älteste: Kleinvogel -- kleine golden getigerte Kätzin

Echsenzahn -- hellbraun getigerter Kater mit einem schiefen Zahn

Steinzahn -- grau getigerter Kater mit langen Zähnen

WINDCLAN

Anführerin: Heidestern -- graue Kätzin mit blauen Augen

Zweiter Anführer: Riesenschweif -- großer schwarz-weißer Kater mit bernsteinfarbenen Augen

Heiler: Habichtherz -- steingrauer Kater mit ein paar braunen Haaren

Rindengesicht -- brauner Kater

Krieger: Morgenstreif -- hellgoldfarbene Kätzin mit cremefarbenen Augen

Rotkralle -- dunkelorangener Kater

Wollschweif -- hellgrau und weißer Kater mit gelben Augen

Lahmfuß -- schwarzer Kater mit einer verdrehten Pfote

Hirschsprung -- großer dunkelbrauner Kater mit bernsteinfarbenen Augen, Mentor von Ampferpfote

Nussnase -- brauner Kater

Apfelröhte -- rötlich cremefarbene Kätzin

Wiesenspross -- graue Kätzin

Nebelmaus -- hellbraun getigerte Kätzin

Hasenflucht -- hellbrauner Kater

Rehsprung -- hellbraune Kätzin, Mentor von Taubenpfote

Lerchenfleck -- schildpatt und weiße Kätzin

Spitzmauskralle -- dunkelbrauner Kater mit gelben Augen

Espenfall -- grau - weißer Kater

Pflaumenkralle -- dunkelgraue Kätzin

Schüler: Ampferpfote -- grau - braune Kätzin

Taubenpfote -- dunkelgrauer Kater mit weißen Flecken

Königinnen: Bleichvogel -- schwarz - weiße Kätzin (Mutter von Sängerjunges, Fliegenjunges, Kaninchenjunges und Borstenjunges)

Roggenpirsch -- grau getigerte Kätzin

Älteste: Weißbeere -- kleiner, reinweißer Kater

Lilienbart -- hellbraune Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen und einem zertrümmerten Bein

Flatterfuß -- schwarzer Kater mit gelben Augen

Kapitel Eins

Vorsichtig schob Rotpfote ein Stück frisches Moos in die Ecke eines Nestes im Kriegerbau des DonnerClans, dann seufzte er. "Das hier ist so langweilig. Ich würde viel lieber Jagen gehen."    Seine Schwester Glanzpfpote zog ein neues Stück Moos hinter sich in den Bau, ihre Nase rümpfend ließ sie es neben ihm fallen. "Wenigstens müssen wir die Ältesten nicht nach Zecken absuchen so wie Frostpfote und Buntpfote," maunzte sie.    Rotpfote schob erneut Moos zu einem Nest zusammen. "Aber bald werden sie Krieger werden, dann sind wir die einzigen Schüler und müssen mondelang all die schlimmen Aufgaben erledigen," beschwerte er sich. "Weissturm und Tigerkralle sind ja auch schon Krieger und wir haben nicht mal mehr Tüpfelpfote um uns zu helfen."    Glanzpfote steckte ihren Kopf aus dem Kriegerbau und blickte in die Richtung ihrer Schwester Tüpfelpfote, die gerade ein paar Kräuter zum trocknen in der Sonne auslegte. "Heilerschüler arbeiten auch ziemlich hart," schnurrte sie, ihre blauen Augen glänzten vor Vergnügen. "Nicht nur du, Rotpfote."    Rotpfotes Schnurrhaare zuckten. "Ich weiß, ich sollte mich eigentlich nicht beschweren," gestand er. "Ich wollte nur so gerne mit Spatzenpelz, Tigerkralle und den anderen jagen gehen."    Er wäre eigentlich mitgekommen, wäre es eine normale Jagdpatrouille gewesen. Spatzenpelz war sein Mentor; der Kater war zwar ab und zu etwas schlecht gelaunt, aber er würde niemals ohne Rotpfote jagen gehen. Heute sollte die Patrouille allerdings in Richtung Sonnenfelsen und Abendstern, der DonnerClan Anführer, hatte gesagt, das dieser Teil des Territoriums zu gefährlich für Schüler sei.    "Wir kämpfen schon seit unzählbaren Monden mit dem FlussClan um die Sonnenfelsen," hatte Spatzenpelz Rotpfote schwanzzuckend erklärt. "Einige Katzen sagen, das die Sonnenfelsen einmal im Fluss waren, weshalb der FlussClan sie als ihre ansieht. Ich weiß nicht was davon stimmt-- sie waren schon immer auf DonnerClan Territorium, jedenfalls solange sich die heutigen Clans erinnern können. Aber der FlussClan will sich einfach nicht eingestehen, dass sie nun uns gehören. Nicht lange, bevor du ein Schüler wurdest, haben wir den FlussClan gewarnt. Aber Abendstern glaubt nun das sie die Zeit nutzen um einen Hinterhalt zu planen."    Deswegen, dachte Rotpfote mit einem erneuten Seufzer, sitze ich beim Nestbau im Lager anstatt Beute zu jagen.    Es musste natürlich auch alles getan werden. Rotpfote wusste das und er wollte tun was auch immer er konnte um seinem Clan zu helfen. Aber Schüleraufgaben im Lager machten im Vergleich zum jagen einfach keinen Spaß.    Es gab nichts was Rotpfote mehr liebte als zu jagen: durch das Wald Territorium des DonnerClans zu schleichen, die stille Umgebung nach Beute abzuschnuppern, die Ohren gespitzt für jedes noch so kleine Geräusch. Wenn er dann etwas gefunden hatte, liebte er das Gefühl seiner spielenden Muskeln, das Klopfen seines Herzens, wenn er sich vorsichtig an seine Beute anschlich. Und dann gab es nichts besseres als den finalen Sprung.    Rotpfote grub seine Krallen in die Erde und stellte sich vor, eine zappelnde Maus unter den Pfoten zu haben. Er freute sich jedesmal wenn er sah, dass seine Clankameraden Beute aßen die er gefangen hatte. Er hatte Spatzenpelz letztens sagen hören, dass sich Rotpfotes Jagdtechniken ständig verbesserten, die Erinnerung erfüllte ihn mit Stolz.    "Ich werde der beste Jäger im ganzen DonnerClan," verkündete er.    Glanzpfote schnippte mit ihrem Schwanz. "Besser sogar als Tigerkralle?" fragte sie herausfordernd. "Keine Katze ist besser als Tigerkralle, jedenfalls denkt er das."    Ein Schatten fiel über den Eingang und Mohnröhte, Glanzpfotes Mentorin, schob ihren roten Kopf durch die Öffnung.    "Es klingt, als würde hier drinnen mehr geredet werden als gearbeitet," miaute sie schroff. "Glanzpfote, tu ein bisschen mehr Moos in diese Ecke dort. Ich möchte nicht auf Steinen schlafen."    "Ja Mohnröhte," maunzte Glanzpfote und senkte respektvoll den Kopf.    "Und Rotpfote, wieso gehst du nicht und holst ein paar Federn?" miaute sie weiter."Die würden die Nester viel weicher machen." "Auf dem Frischbeute Haufen sind keine guten Federn zu finden."
   Antwortete Rotpfote, ein bisschen weniger respektvoll. Mohnröhte war ja nicht seine Mentorin.
   "Jetzt werden welche da sein," erklärte sie ihm. "Spatzenpelz's Patrouille ist gerade zurück gekommen und es sieht so aus, als ob sie ein paar schöne Stare mitgebracht hätten."
   "Sie sind zurück?" Rotpfote stürmte an Mohnröhte vorbei aus dem Kriegerbau heraus, mit Glanzpfote dicht auf den Pfoten.
   "Vergesst nicht, die Arbeit hier noch zu Ende zu bringen," rief Mohnröhte ihnen streng nach.
   Außerhalb der gemütlichen Wärme des Kriegerbau's schlich sich die Kälte der Blattleere schnell in seinen Pelz und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Aber die Sonne stand noch hoch am Himmel; noch hatten sie etwas Zeit, bevor die wirkliche Kälte einsetzte.
In einem Fleckchen Sonnenlicht in der Mitte des Lagers, saßen die beiden älteren Schüler, Frostpfote und Buntpfote, und sahen von ihrer Fellpflege der Ältesten zu den zurückkehrenden Jägern auf.
   "Es sieht so aus als ob die Jagd erfolgreich war," miaute Frostpfote fröhlich. Neben ihr streckte sich Lerchenlied irritiert.
   "Schwatzt ihr nur oder werdet ihr mich von meine Zecken befreien?" fragte sie mit fauchendem Unterton. Frostpfote rollte ihr Augen und wandte sich wieder dem Pelz der alten Kätzin zu. Rotpfote unterdrückte ein Schnurren und sah zur zuückkehrenden Jagdpatrouille auf.
   Spatzenpelz war schon neben dem Frischbeutehaufen; die Stare über die Mohnröhte geredet hatte, lagen auf der festgetretenen Erde zu seinen Pfoten. Trotz seines guten Fangs, war Spatzenpelz's Gesicht dunkel vor Wut. Ropfote zögerte, sein Blick huschte zurück zum Lagereingang wo der Rest der Patrouille gerade eintraf.
   Fleckenschweif schritt über die Lichtung auf den Frischbeutehaufen zu, ein Eichhörnchen hing aus ihrem Maul und ein wütender Ausdruck stand in ihren Augen. Rotpfote streckte seinen Kopf in die Höhe um an ihr vorbei zu sehen. Tigerkralle schob seine breiten Schultern durch den Ginstereingang. Er sah auch wütend aus, aber Rotpfote wurde von der Beute, die aus seinem Maul baumelte, abgelenkt. Ein fettes Kaninchen und zwei saftige Wasserratten! Es war so viel Beute das Rotpfote sich wunderte wie er alles tragen konnte.
   "Wow," flüsterte Rotpfote seiner Schwester zu. "Du hattest Recht. Tigerkralle ist der beste Jäger im Lager."
   Glanzpfote schnippte mit dem Schwanz. "Er ist trotzdem eine arrogante Fellkugel," miaute sie leise. "Wir wissen das."
   Als Tigerkralle noch der älteste Schüler war, hatte er jede Gelegenheit genutzt um zu zeigen, dass er der beste Jäger und Kämpfer unter den Schülern war und das Rotpfote, Glanzpfote und Tüpfelpfote, die die jüngsten Schüler waren, viel, viel schlechter waren als er, Rotpfote hatte das nicht vergessen.
   Aber seit Tigerkralle ein Krieger geworden war, hatte er aufgehört die anderen Schüler zu ärgern. Stattdessen schien er viel mehr darauf konzentriert der beste Krieger im Clan zu werden. Eines Tages wird er wahrscheinlich sogar Anführer werden, dachte Rotpfote und sah bewundernd die breiten Schultern und großen Pfoten des Tigerkaters an.
   Alle drei Katzen, die auf der Patrouille gewesen waren, hatten nun ihren Fang auf dem Frischbeutehaufen abgelegt und waren in der Mitte des Lagers versammelt, ihre Gesichter dunkel vor Wut. "Ich frage mich was passiert ist," maunzte Glanzpfote leise.
   Neugierig schob sich Rotpfote näher heran und sah seinen Mentor mit großen Augen an. "Umm, wie war die Jagd?" fragte er und fühlte sich ziemlich fehl am Platze. "Musstest du dich an diese Stare anschleichen, oder bist du gesprungen und--"
   "Nicht jetzt Rotpfote," unterbrach ihn Spatzenpelz und drehte sich weg. "Wir müssen Abendstern Bericht erstatten." Schnell lief er in Richtung Anführerbau davon. Fleckenschweif und Tigerkralle folgten ihm dicht auf den Pfoten

"Wir sollten besser wieder an die Arbeit gehen," miaute Glanzpfote und blickte nervös über die Lichtung zu Mohnröhte hinüber. "Ich möchte nicht in Schwierigkeiten geraten."

Rotpfote zögerte und sah zu, wie Tigerkralle in Abendsterns Bau unter dem Hochfelsen verschwand. Nach ein paar Herzschlägen schob sich Abendsterns fuchsrotes Gesicht zwischen dem Flechtenvorhang hervor. "Bernsteinfleck!" rief er und der Zweite Anführer des DonnerClans eilte über die Lichtung um sich den Katzen in Abendsterns Bau anzuschließen.    Etwas muss passiert sein, dachte Rotpfote und das Fell auf seinem Rücken stellte sich unwillkürlich auf. Er blickte sich um. Velleicht haben sie im Wald etwas Gefährliches gesehen, so etwas wie einen Fuchs oder einen Dachs. Möglicherweise war auch ein Zweibeiner mit seinem Hund in der Nähe. Rotpfote erschauderte.    Blaupelz und Stachelkralle sahen von gegenüberliegenden Seiten der Lichtung ebenfalls zu Abendsterns Bau hinüber. Alle Katzen wussten, das Abendstern einen der beiden als nächsten Zweiten Anführer wählen würde, wenn sich Bernsteinfleck einmal in den Ältestenbau zurückzog. Daher war es nicht verwunderlich, das beide sehr viel Aufmerksamkeit darauf richteten, was sich zwischen dem DonnerClan und den anderen Clans abspielte, als ob sie sich vorbereiten würden.    Auch andere Gesichter hatten sich in Richtung Hochfelsen gedreht, aber keine der Katzen achtete auf Rotpfote. Glanzpfote hatte sich brav wieder zurück zum Kriegerbau begeben, während sich Frostpfote und Buntpfote mit der Fellpflege der Ältesten zufrieden geben mussten. Mohnröte teilte sich eine Wühlmaus mit Rosenschweif und war in ein Gespräch vertieft. Sie wird es nicht merken, wenn ich nicht sofort zurückkehre um Moos zu wechseln, entschied er.    Rotpfote versuchte auszusehen als ob er nicht lauschen würde, und schlenderte näher an Abendsterns Bau heran, die Ohren gespitzt.    "Das ist schon das dritte Mal, Abendstern!" jaulte Spatzenpelz    "Ihr habt die FlussClan Katzen tatsächlich gesehen, wie sie die Sonnenfelsen markiert haben?" fragte Abendstern, seine Stimme ein leises Knurren.    Es waren Eulenfell, Weichflügel und Ottersprung," bestätigte Fleckenschweif. "Wir haben versucht sie zu vertreiben aber wir wollten unsere Beute nicht zurück lassen."    Wir hätten ihnen ein ordentliche Lektion erteilen sollen," fauchte Tigerkralle wütend. "Das wäre es wert gewesen, ein bisschen Beute zu verlieren."    "Wir haben gedacht, Jubelstern würde zuhören, als wir ihn der Sonnenfelsen wegen gewarnt haben," miaute Bernsteinfleck. Sein Miauen klang gedämpft und erschöpft und Rotpfote verlagerte sein Gewicht, da sich ein dicker Kloß in seiner Magengegend ausbreitete. Der Zweite Anführer wurde von Tag zu Tag immer kränker, seine Rippen zeichneten sich schon deutlich unter seinem trockenen und viel zu dünnen Pelz ab. "Velleicht sollten wir nochmal mit ihnen reden. Möglicherweise handeln die Katzen ohne seine Erlaubnis."    "Genug ist genug," knurrte Tigerkralle. "Wir müssen aufhören zu reden und dem FlussClan zeigen, dass sie damit nicht davon kommen können."    "Was schlägst du da vor Tigerkralle?" fragte Abendstern ruhig. Rotpfote konnte sich gut vorstellen wie Abendsterns Blick jede Katze durchbohrte während er gründlich über jede Idee nachdachte.    "Wir müssen kämpfen," fauchte Tigerkralle. Ein kratzendes Geräusch kam aus der Höhle und Rotpfote stellte sich vor wie Tigerkralle seine langen Krallen in die Erde grub. "Wir sollten angreifen. Wir sollten ihnen zeigen was mit denen passiert die sich mit dem DonnerClan anlegen."    Ich bin mir nicht sicher, ob kämpfen die richtige Lösung ist," warf Bernsteinfleck ein. "Der FlussClan hat im Moment mehr Krieger als wir. Wollen wirklich einen aussichtslosen Kampf anfangen?"    "Dann nehmen wir halt die Schüler mit," antwortete Tigerkralle kühl. "Sie können die Erfahrungen eines echten Kampfes gut gebrauchen. "    Rotpfotes Schnurrhaare zuckten erstaunt . Die Schüler? Tigerkralle denkt, das wir gegen den FlussClan kämpfen sollen?    Sein Kopf fing an sich zu drehen und für ein paar Herzschläge verlor er den Überblick über das Gespräch. Der Klang von Spatzenpelz's wütendem Miauen, brachte ihn wieder zurück.    "Wir könne doch keine Schüler in einen Kampf mitnehmen." fauchte er laut."Sie haben keine Kampferfahrung!" "Sie sind noch nicht bereit," stimmte Fleckenschweif ihm zu.
   "Und sie werden es nie sein, wenn sie nicht kämpfen können, " miaute Tiegerkralle. "Sie müssen gut trainiert werden und in einen richtigen Kampf zu ziehen, gegen einen feindlichen Clan, ist der einzige Weg zu lernen.
   Darauf folgte eine lange Stille, Rotpfote konnte förmlich sehen, wie die Krieger Abendstern anstarrten und auf eine Entscheidung warteten. Es könnte sein, das er Frostpfote und Buntpfote mitnimmt, aber er wird bestimmt nicht Glanzpfpte und mich mitkommen lassen, dachte Rotpfote. Er denkt bestimmt wir sind zu jung für einen Kampf. Er schluckte. Möchte ich überhaupt kämpfen?
   Wenn er davon träumte ein Krieger zu sein, dachte er nie an die Kämpfe. Er wollte für seinen Clan jagen und die Grenzen patrouillieren. Er wusste, das er eines Tages für seinen Clan kämpfen musste. Aber sicher noch nicht jetzt?
   "Wir gehen zum FlussClan" miaute Abendstern schließlich. "Wir werden mit einer vollen Reihe Kriegern in ihr Territorium eindringen. Wir werden erneut mit Jubelstern reden und ihm zeigen, das wir bereit sind unsere Grenzen zu verteidigen und dass er sich in Zukunft besser von den Sonnenfelsen fernhalten sollte. Sonst nichts."
   "Das haben wir schonmal versucht" erwiderte Tigerkralle. "Und es hat sie trotzdem nicht lange davon abgehalten sich an unserem Territorium zu vergreifen."
   "Diesmal werden wir Jubelstern ein Versprechen abverlangen," miaute Abendstern. "Er wird sicherlich verstehen, das wir nicht für immer um die Sonnenfelsen kämpfen können. Wenn er uns sein Wort gibt, vertraue ich darauf das er es auch hält.
   "Ich glaube nicht das wir Rotpfote und Glanzpfote mitnehmen sollten," versuchte Spatzenpelz es erneut. "Sie sind nicht einmal annähernd ausgewachsen und sollten sich nicht verletzen."
   "Frostpfote und Buntpfote sind schon fast Krieger," stimmte stimmte ihm Fleckenschweif zu. "Aber Rotpfote und Glanzpfote hatten noch nicht so viel Training und sind praktisch gerade erst aus der Kinderstube."
   Das Fell auf Rotpfotes Schultern stellte sich auf. Er hatte velleicht noch nicht gelernt wie man ordentlich kämpft aber er war ganz sicher kein maunzendes Junges mehr!
   "Tigerkralle hat nicht ganz Unrecht, mit dem Training der Schüler," miaute Abendstern. "Aber Spatzenpelz und Fleckenschweif haben auch Recht. Wenn wir die Schüler mit ins FlussClan Territorium nehmen, brauchen wir einen Plan um sie zu schützen."
   "Wir könnten versuchen unsere Kräfte zu teilen," schlug Bernsteinfleck vor. "Der Großteil unserer Krieger könnte offen über den Fluss ankommen aber eine zweite Gruppe könnte über die Zweibeinerbrücke gehen. Wenn es dann zum Kampf kommt, könnten diese Katzen von hinten angreifen, während die FlussClan Katzen schon abgelenkt sind."
   "Und die Schüler könnten wir ganz ans Ende dieser Gruppe setzen," miaute Abendstern nachdenklich. "Zusammen mit dir, Tigerkralle."
   "Ich bin der beste Kämpfer des DonnerClans!" rief Tigerkralle entrüstet.
   "Und ich hoffe, das es gar nicht erst zum Kampf kommt," antwortete Abendstern ruhig. "Und da du derjenige warst, der vorgeschlagen hat, die Schüler mitzunehmen, solltest du auch dafür verantwortlich sein, sie Heil wieder zurück zu bringen."
   "Ich bin nicht ihr Mentor," knurrte Tigerkralle und klang dabei etwas eingeschnappt.
   "Sicherlich ist der beste Krieger des Clans genau die Richtige Katze für diese Aufgabe," miaute Abendstern.
   Es gab erneut eine lange Pause, dann murmelte Tigerkralle "Ja, Abendstern." Rotpfote konnte sich gut vorstellen wir er respektvoll den Kopf senkte, seine bernsteinfarbenen Augen wild vom unausgesprochenen Frust.
   "Wir sollten dem Clan nun den Plan erläutern," miaute Abendstern forsch und Rotpfote sprang schnell vom Hochstein weg, bevor Abendstern herauskommen und ihn beim lauschen erwischen konnte.
   Ich ziehe in den Kampf! dachte er mit klopfendem Herzen.
   Dann lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken und sein Schwanz sackte zu Boden. Rotpfote schluckte.

Ich ziehe in den Kampf...    

Kapitel Zwei

"Siehst du das?" fragte Einauge und drehte ihren Kopf so, dass Rotpfote direkt in ihr blindes und milchig weißes Auge blickte, das so unvorstellbar anders war als das aufmerksame gelbe daneben. Eine alte Narbe ließ Einauge jedesmal zusammenzucken wenn sie ihr schlechtes Auge vollständig öffnete. "Die Kralle eines Dachses ist in meinem Gesicht hängen geblieben als ich nur ein einfaches Junges war. Eine falsche Bewegung im Kampf kann dich für immer zeichnen. Sei vorsichtig Rotpfote."    Rotpfotes Magen drehte sich um "Denkst du wirklich, das wir kämpfen müssen?" fragte er, sein Miauen klang selbst in seinen eigenen Ohren schwach.    Die hellgraue Kätzin zuckte nachdenklich mit den Schnurrhaaren. "Ich weiß nicht wie wir es vermeiden können," antworte sie. "Abendstern hat Jubelstern schon einmal gewarnt und nun sind sie wieder da, ich glaube der DonnerClan wird kämpfen müssen." Sie seufzte. "Ich wünschte nur ich könnte helfen, ich hasse es nutzlos zu sein."    "Naja, aber Junge zu haben ist doch auch - umm - wichtig," miaute Rotpfote unbehaglich und blickte auf die gerundeten Seiten der Kätzin.    "Danke, Rotpfote." Einauge senkte ihren Kopf und ihr Miauen klang gleich ein wenig fröhlicher. "Stürze dich nur nicht in den Kampf, ja? Lass die Krieger die Situation lösen."    "Versuchst du meinen Schüler zu erschrecken?" ertönte ein belustigtes Miauen hinter ihnen, Rotpfote erschrak heftig, dann leckte er sich verlegen das Brustfell. Ich habe keine Angst.    Einauge  hob ihre Schnauze und berührte Spatzenpelz's Nase und schnurrte. "Ich möchte nur das ihr beide vorsichtig seid," miaute sie. "Meine Jungen werden ihren Vater brauchen."    Spatzenpelz drückte seine Schnauze auf Einauges Kopf und schloss die Augen, Rotpfote wandte seinen Blick verlegen ab.    "Ich werde einfach . . . dort drüben warten . . . ," miaute er unbehaglich. Rotpfote drehte sich um und lief hinüber bis hin zum Frischbeutehaufen.    Er atmete einmal tief durch. Nun, da er nicht mehr bei Einauge und Spatzenpalz war, wich seine Verlegenheit und sein Pelz kribbelte vor Nervosität und er dachte an das, was Einauge ihm gesagt hatte. Eine falsche Bewegung im Kampf kann dich für immer zeichnen.    Neben ihm gab Sturmschweif Buntpfote gerade ein paar letzte Anweisungen. "Merk dir das," miaute der Kater eindringlich, "wenn sie dich auf deinen Rücken gedreht haben, tritt kräftig mit deinen Hinterpfoten an den Bauch deines Gegners, genauso wie ich es dir beigebracht habe. Scheue dich nicht, nicht deine Krallen zu benutzen."    Rotpfote schluckte und Panik durchfuhr seinen Körper. Den Trick habe ich noch gar nicht gelernt!    Abendstern schritt in die Mitte der Lichtung und wartete auf die Aufmerksamkeit seines Clans. "Es ist an der Zeit den FlussClan zu konfrontieren," verkündete er. "Blaupelz wird die Schüler und ihre Mentoren, zusammen mit Tigerkralle über die Zweibeinerbrücke führen. Löwenherz und Goldblüte werden zurückbleiben und das Lager bewachen." Der große goldene Kater und seine kleinere fuchsrote Schwester tauschten einen enttäuschten Blick aber senkten bestätigend ihre Köpfe.    "Alle anderen Krieger holen sich bitte die Kräuter die unsere Heilerkatzen für uns haben; dann gehen wir. Aber merkt euch, wir wollen sie nur warnen, keiner wird ohne meinen Befehl angreifen, außer der FlussClan attackiert uns zuerst."    Federbart und Tüpfelpfote gingen zwischen den Katzen umher und teilten stärkende Kräuter aus. Tüpfelpfote kam zu ihm und ließ ein eingerolltes Blatt zu seinen Pfoten fallen. "Für Ausdauer," erklärte sie, Rotpfote senkte seinen Kopf um sie zu essen und verzog seine Gesicht bei dem bitteren Geschmack.    Sobald alle Krieger und Schüler ihre Kräuter gegessen hatten, trabte Abendstern zum Lagereingang "Folgt mir," jaulte er.    Die Krieger strömten hinter ihrem Anführer aus dem Lager. die Schwänze erhoben und die Augen funkelnd. Rotpfote sah ihnen nach, wie konnten sie nur so fröhlich sein? Was ist falsch mit mir? Ich möchte doch ein Krieger sein. Das ist alles was ich je wollte. Wieso habe ich dann Angst vor einem Kampf?   

"Was hat denn deinen Schwanz verknotet?" Tigerkralle war neben ihm stehen geblieben und sah ihn neugierig an.    "Einauge hat mir erzählt, wie sie sich ihr Auge verletzt hat," erklärte Rotpfote widerwillig. "Sie hat gesagt das eine falsche Bewegung im Kampf einen für immer zeichnen kann. Außerdem sie hat mir gesagt, das ich mich zurückhalten und den Kriegern das kämpfen überlassen sollte."    Tigerkralle schippte mit dem Schwanz. "Einauge ist nur neidisch weil sie sich entschieden hat Junge zu haben, anstatt für ihren Clan zu kämpfen," miaute er kühl. "Lass dich nicht von ihr verunsichern. Sie kann gerade nicht kämpfen, aber deine Kriegertage beginnen gerade erst."    Meine Kriegertage? Rotpfotes Pelz kribbelte. Er mochte die Idee seinen Clan zu beschützen mehr, als beschützt zu werden.    Tigerkralle war so selbstsicher. Wenn er dachte das Rotpfote auf dem Weg war, ein großer Krieger zu werden, dann hatte er bestimmt Recht. Wärme machte sich unter Ropfotes Fell breit.    "Die besten Krieger versuchen nicht einem Kampf aus dem Weg zu gehen," fuhr Tigerkralle fort. Er fuhr seine Krallen aus und zog sie durch die Feste Erde, was lange tiefe Rillen hinterließ. "Wenn der FlussClan versucht uns die Sonnenfelsen abzuschwatzen, werde ich angreifen. Wir dürfen nicht zögern, wenn wir respektiert werden wollen." Rotpfote wusste, das das, was Tigerkralle da vorhatte leichtsinnig war: Sie sollten lieber auf Abendsterns Befehle hören. Aber er konnte nicht umhin,den großen Krieger bewundernd anzusehen. Er ist so mutig.    Rotpfote sah zu, wie sein Vater, Schlangenzahn, durch den Ginstertunnel hinter Abendstern verschwand.    "Schüler und Mentoren! Tigerkralle! Folgt mir!" rief Blaupelz ihre Patrouille zusammen. Ihre Schülerin Frospfote stand mit runden Augen neben ihr. Spatzenpelz murmelte Einauge noch schnell etwas zu, dann drehte er sich um. "Komm, Rotpfote," miaute er, während er auf Blaupelz zusprang.    Rotpfote sah noch einmal zu seiner Schwester Tüpfelpfote hinüber, sie stand vor dem Heilerbau mit ihrem Mentor Federbart neben sich. "Viel Glück, Rotpfote!" rief sie. "Viel Glück, Glanzpfote!" Rotpfote winkte ihr mit dem Schwanz, atmete einmal tief durch und folgte Spatzenpelz und Blaupelz aus dem Lager.    Blaupelz übernahm die Führung, Mohnröhte und Spatzenpelz liefen nebeneinander direkt hinter ihr. Sturmschweif folgte mit seiner Schülerin Buntpfote, neben ihnen lief Frostpfote und redete aufgeregt vor sich hin. "Denkt ihr, wir werden die FlussClan Katzen wirklich schwimmen sehen?" hörte Rotpfote sie fragen.    Glanzpfote schloss zu ihm auf während sie schnell ihr Territorium durchquerten und Tigerkralle bildete das Ende der Patrouille. Kürzlich gefallene Blätter zerfielen unter ihren Pfoten und Sonnenlicht schien durch die halbkahlen Bäume hindurch auf den Waldboden. Rotpfote schauderte und das nicht wegen der Blattfall-Kälte.    Glanzpfote sah ihn an. "Hast du Angst?" fragte sie flüsternd.    "Ein bisschen" gab Rotpfote zu und versuchte, leise zu reden so das ihn Tigerkralle nicht hören konnte.    "Keine Sorge," miaute sie. "Vergiss nicht, das wir den FlussClan nur warnen wollen. Und wenn etwas passiert sind wir nicht alleine. Wir haben Mohnröhte und Spatzenpelz um auf uns aufzupassen. . ." sie kam noch ein wenig näher und sein Fell berührte ihres. "Und Tigerkralle denkt er ist der beste Krieger im Clan. Er wird nicht zulassen das wir uns verletzen, es wäre nicht gut für seinen Ruf," flüsterte sie ihm ins Ohr.    Während der Rest der Krieger weiterhin direkt auf das FlussClan Territorium zulief, führte Blaupelz ihre Patrouille am Eulenbaum vorbei in Richtung Baumgeviert, um von dort aus dem Fluss zur Zweibeinerbrücke zu folgen.    "Das ist reine Zeitverschwendung," murmelte Tigerkralle. "Wir sollten das FlussClan Lager angreifen anstatt um ihr Territorium herum zu schleichen."    "Abendstern möchte, das wir von dieser Richtung kommen," miaute Blaupelz. "Außerdem werden wir nur kämpfen wenn es nötig ist." Die blaugraue Kätzin sah aus als wäre sie nur halb bei der Sache ,ihre Augen streiften wiederholt über das offene FlussClan Territorium, als ob sie hoffte, etwas zu finden. Tigerkralle kniff seine Augen verheißungsvoll zusammen, sagte aber nichts. Als Rotpfote Frostpfote auf die Brücke folgte, rümpfte er bei dem unnatürlichen Zweibeiner-Geruch, angewidert die Nase. Es roch falsch.
   Sie waren erst ein paar Schwanzlängen auf der Brücke als ein lauter Kampfschrei in der Ferne zu hören war. "Das war Kleinohr," miaute er. "Sie kämpfen schon."
   Ein weiterer gequälter Schrei ließ die Katzen zusammenzucken. "Tupfenschweif," bemerkte Blaupelz amgespannt. "Es klingt, als ob sie Hilfe bräuchte."
   "Na kommt!" rief Tigerkralle. Er fing an zu rennen und und drängte sich zwischen den Schülern hindurch. Rotpfote spannte sich an und lief hinter Tigerkralle her.
   Dieser war neben Blaupelz an der Spitze der Patrouille als plötzlich ein schriller Schrei über ihren Köpfen ertönte. Ein riesiges braunes Tier blockierte das Sonnenlicht und schoss auf sie hinab. Panisch sprang Rotpfote ein Schritt nach hinten, aber Blaupelz und Tigerkralle waren schon auf ihre Hinterbeine gestiegen, die Krallen ausgefahren, und schlugen nach dem braunen Tier über ihnen, was Rotpfote nun erkennen konnte war gefiedert - ein Vogel!
   "Beschützt die Schüler!" rief Sturmschweif, und auch die anderen Krieger begannen nun mit ausgefahrenen Krallen nach dem Vogel zu schlagen.
   Der Vogel kreischte erneut auf und erhob sich wieder höher in die Luft. Seine gelbe Augen starten sie hungrig an und seine rötlichen Flügel schlugen wild. Ein Falke! erkannte Rotpfote. Spatzenpelz hatte ihm erzählt, wie gefährlich diese großen Vögel sein können. "Sie werden ein Junges zum essen davonschleppen wenn sie die Gelegenheit bekommen," hatte er ihm gesagt. "Oder sogar eine einzelne ausgewachsene Katze, sie können es allerdings nicht mit eine ganzen Patrouille aufnehmen." Sie würden kleinere Katzen angreifen, erinnerte sich Rotpfote, Katzen die sie auch davontragen konnten. Er schluckte, Glanzpfote und er selbst waren die kleinsten Katzen hier.
   "Tut euch zusammen," befahl Mohnröhte und Sturmschweif und Spatzenpelz eilten zurück zu ihren Schülern und schoben sie mit den anderen in ein dichten Haufen.
   Rotpfote konnte seine Augen nicht vom Anblick des Falken losreißen. Seine langen Krallen und auch der gebogene Schnabel sahen fürchterlich gefährlich aus. Er erkannte wie schutzlos sie auf der Zweibeinerbrücke waren, so ganz ohne Bäume und Büsche.
   "Lauft!" rief Blaupelz. Sie zeigte mit ihrem Schwanz zu einem kleinen Grüppchen Birken nicht weit entfernt. "Schnell unter die Bäume da!"
   Warmes Fell streifte seines als die anderen Katzen losrannten. Er wollte mit ihnen rennen, aber er hatte das Gefühl als ob seine Pfoten an der Zweibeinerbrücke festgewachsen waren. Er duckte sich tief, keuchend. Ich muss rennen!
   Er konnte nicht rennen.
   Er sah auf als der Falke erneut tiefer sank, seine großen Flügel voll ausgebreitet. Rotpfote stolperte rückwärts, seine Pfoten machten ein dumpfes Geräusch auf dem unnatürlich glattem Holz. Der Abstand zwischen ihm und der Patrouille vergrößerte sich.
   Ich gehe in die falsche Richtung!
   Alles um Rotpfote herum verlangsamte sich, alles, außer seinem Herzschlag, der immer schneller und schneller wurde. Er schnappte nach Luft, seine Pfoten wurden immer schwerer.
   "Rotpfote!" heulte Glanzpfote von der anderen Seite der Brücke. Auch die anderen hatten nun festgestellt. das er nicht mit ihnen gerannt war. Er wurde zurückgelassen.
   Wenn ich jetzt renne habe ich noch eine kleine Chance lebend davonkommen.
   Doch der Falke kreiste schon über ihm und sank dabei tiefer und tiefer. Rotpfote konnte sogar das Leuchten seiner schmalen Augen sehen. Er duckte sich weg, und drückte seinen Körper gegen das flache Holz.

"Rotpfote, lauf!" jaulte Spatzenpelz. Er und Tigerkralle rannten zu ihm zurück, ihre langen Sprünge fraßen den Boden zwischen ihnen förmlich auf, doch der Falke war näher. Er setze zum Sturzflug an, seine langen Krallen glitzerten in der Sonne. Rotpfote stockte der Atem.

Ein Falke wird immer auf eine einzelne Katze gehen.    Ohne etwas, das ihm vor dem nahenden Falken schützen konnte, fühlte sich Rotpfote einsamer als je zuvor.

Kapitel Drei

Der Falke stieß einen hellen Schrei aus und sein Schatten fiel bedrohlich über Rotpfote. Über ihm, in der Luft, sah er so groß aus, so viel größer als er selbst. Wahrscheinlich groß genug um ihn ganz zu verschlingen, dachte Rotpfote mit klopfendem Herzen. Zitternd schloss er seine Augen, fester als je zuvor.    Rotpfote wimmerte, seine Ohren waren flach an seinem Kopf angelegt.    Der erneute Schrei des Falken wurde beinahe komplett von einem lauten Fauchen übertönt. Rotpfote öffnete erstaunt die Augen, gerade rechtzeitig um zu sehen, wie Tigerkralle mit voller Wucht in den Falken hinein sprang, um mit einem dumpfen Schlag, gemeinsam mit dem Falken, neben Rotpfote auf der Holzbrücke zu landen.    Der Falke versuchte mit seinem spitzen Schnabel nach Tigerkralle zu schnappen und gab ein verärgertes Grunzen von sich. Tigerkralle wich den unbeholfenen Schlägen mühelos aus, während seine großen Pfoten die mächtigen Flügel des Vogels am Boden hielten. Er fing an Federn auszureißen und Blut tropfte gut sichtbar über die braunen Federn. Der Falke versuchte mit den Flügeln zu schlagen und Tigerkralle beiseite zu schieben, doch dieses hielt fest. "Rotpfote!"    Beim klang von Spatzenpelz' Stimme, riss Rotpfote seine Augen vom Anblick des Kampfes los. Sein Mentor stand ,leicht keuchend, nur etwa eine Schwanzlänge entfernt. "Komm jetzt," fauchte er eindringlich. "Jetzt, während Tigerkralle ihn ablenkt."    "Aber . . ." sollten wir ihm nicht helfen? Rotpfote sah zurück zum Kampf zwischen Katze und Falke, gerade als Tigerkralle ihn auf eine Seite riss und seine Zähne tief in die dunklen Federn schlug. Er krallte an der Kehle des Vogels und mehr Federn flogen über die Brücke. Es sah nicht gerade so aus als ob Tigerkralle Hilfe bräuchte.    "Komm jetzt, schnell!" knurrte Spatzenpelz. Letztendlich begann Rotpfote zu rennen. Gemeinsam liefen sie auf den Rest der Patrouille zu.    Rotpfote konnte es nicht mit dem Tempo seines Mentors aufnehmen, so schnell er auch rannte, er fiel zurück.    "Lass mich nicht allein," wimmerte er, sein Mund war trocken vor Entsetzen. Mit einem Blick in den Himmel, drehte Spatzenpelz sich leicht um. Rotpfote an seinem Nackenfell packend - wie ein Junges - trug er ihn zum anderen Ende der Brücke.    "Hey!" stotterte Rotpfote, als sie sich den anderen näherten. "Lass mich runter! Mir geht's gut!" Als sie endlich das andere Ende der Brücke erreichten ließ Spatzenpelz ihn auf die Erde fallen und begann augenblicklich damit ihn abzuschnuppern.    "Hast du dich verletzt?" fragte er. "Hat er dich gekratzt?"    Bevor er antworten konnte, lief Glanzpfote, mit den Pfoten voran, in ihn hinein und vergrub ihre Schnauze in seinem Nackenfell. "Oh, Rotpfote," miaute sie, mit wackeliger Stimme. "Ich hatte solche Angst. Dann hab ich gesehen das du nicht da warst, ich..." Sie schnappte nach Luft und drückte ihre Schnauze noch tiefer in sein Fell.    Rotpfote wich vor den beiden ein wenig zurück, verlegen.    "Mir geht's gut," beharrte er. "Ehrlich."    "Gut," miaute Blaupelz forsch. "Bleibt unter diesem Baum, ihr alle. Falken jagen normalerweise allein, aber wir sollten vorsichtig sein. Es könnte noch einer dort oben sein."    Auf der Brücke, schlug der besiegte Falke mit den Flügeln und warf Tigerkralle in einem letzten verzweifelten Versuch ab. Dieser landete auf seinen Pfoten, fauchte und sprang erneut auf den Vogel zu, aber der Falke stieg taumelnd in die Luft.    "Wow!" miaut Frostpfote fasziniert. "Er läuft weg! Ich meine fliegt."    Der Vogel sank für einen Moment, stieg dann aber langsam wieder in den Himmel." Ein paar einzelne Federn sanken auf die Brücke. Jetzt, da Tigerkralle ihn besiegt hatte, sah er nicht mehr ganz so gefährlich aus.    Als der Vogel über die Bäume davon flog, stolzierte Tigerkralle in die Richtung der anderen Katzen, seinen Schwanz hoch erhoben. Rotpfote schüttelte seine Schwester ab und lief auf den großen Tigerkater zu.    "Tigerkralle," miaute Rotpfote, und kam kurz vor dem Krieger zum stehen. "Du hast mich gerettet!    Tigerkralle leckte arrogant seine Pfote. "Es ist alles gut Rotpfote," miaute er. "Du bist jetzt in Sicherheit."    "Danke," sagte Rotpfote. Einfach nur danke zu sagen fühlte sich nicht richtig an, wirklich: Er konnte immer noch die fürchterliche Angst spüren, die ihn ergriffen hatte als er darauf wartete, das die dornenscharfen Krallen sich in seine Seiten gruben. "W- wenn es igendwann etwas gibt das ich für dich tun kann T-Tigerkralle dann sag es mir," stammelte er. "Ich schulde die alles."    "Ja das hast du gut gemacht, Tigerkralle," miaute Blaupelz als der Rest der Patrouille hinter Rotpfote zum stehen kam. "Wir sind dir sehr dankbar."    Die anderen Katzen murmelten zustimmend und sahen Tigerkralle respektvoll an. Rotpfote zappelte verlegen, keiner müsste Tigerkralle dankbar sein, wenn er sich nicht wie ein Mäusehirn in Gefahr gebracht hätte.    "Wir müssen trotzdem weiter," miaute Sturmschweif. "Dir anderen Katzen könnten unsere Hilfe brauchen."    Blaupelz und Spatzenpelz tauschten einen besorgten Blick. Und auf einmal bemerkte Rotpfote das er keine Schreie oder das Jaulen von Katzen hören konnte.    "Ich kann sie nicht mehr hören," wiederholte Buntpfote seine Gedanken. "Ist der Kampf vorbei?"    "Ich weiß es nicht," miaut Blaupelz. "Wir sollten besser nachsehen. Allerdings sollten Glanpzfote und Rotpfote hierbleiben."    "Mir geht's gut!" beharrte Rotpfote. Seine Beine zitterten immer noch, aber er wollte nicht zurück gelassen werden. "Und es ist nicht fair, Glanzpfote hierbleiben zu lassen," fügte er hinzu. Glanzpfote sah ihn dankbar an.    Blaupelz ignorierte ihn, und sah stattdessen Spatzenpelz an. "Wirst du bei ihnen bleiben?" fragte sie.    "Natürlich,' antwortete Spatzenpelz und Blaupelz senkte dankbar den Kopf.    "Bleibt unter dem Baum, falls der Falke wirderkommt," warnte sie, während sie ging, der Rest der Patrouille folgte ihr. Sie beeilten sich, die drei Krieger liefen vorne und Frostpfote und Buntpfote hinterher.    Rotpfote sah ihnen nach, bis sie hinter einem Hügel verschwanden, dann legte er sich in der Nähe der Wurzeln des Baums nieder. "Das ist alles meine Schuld," stöhnte er.    "Du kannst nichts dafür das der Falke da war," antwortete Spatzenpelz. Er sah in Richtung FlussClan Lager, die Ohren gespitzt.    Glanzpfote legte sich neben Rotpfote ins Gras und presste ihre Seite gegen seine. "Ich hab solche Angst bekommen, als ich gesehen hab das du noch auf der Brücke warst," gestand sie, ihre Stimme unsicher. "Was wäre wenn dieser Falke dich verschleppt hätte?"    Rotpfote erschauderte bei dem Gedanken und schob seine Nase in das Fell seiner Schwester. "Ich bin aber noch da," miaute er mehr zu sich als zu ihr. "Tigerkralle hat mich gerettet."    Glanzpfote sah ihn an, ihr Blick warm. "Ich werde nie wieder sagen, das Tigerkralle ein Angeber ist oder eine arrogante Fellkugel," versprach sie. "Er hat dein Leben gerettet. Er kann so stolz sein wie er will."

Rotpfotes Herzschlag hatte sich gerade beruhigt, als Spatzenpelz sich anspannte. "Da kommen sie," miaute er und schlug mit dem Schwanz.    "Das hat nicht lange gedauert," murmelte Glanzpfote und stand auf. Rotpfote schüttelte die letzten Reste seines Entsetzens ab und kam ebenfalls wieder auf seine Pfoten "Denkt ihr, es ist alles okay?"    Spatzenpelz antwortete nicht, aber schritt vor um die anderen Krieger zu begrüßen. Spatzenpelz berührte Blaupelz kurz Nase an Nase, dann seufzte sie "Wir kamen zu spät."    "Der Kampf war vorbei?" fragte Spatzenpelz.    Mohnröhtes Schwanz fiel "Der Rest des DonnerClans musste sich zurückziehen," miaute sie. "Es waren einfach zu viele FlussClan Katzen.    Weil wir nicht rechtzeitig da waren, dachte Rotpfote.    "Wir waren nur wegen mir nicht da," platze er heraus. "Es tut mir leid."    Spatzenpelz seufzte "Darüber werden wir reden, wenn wir wieder im Lager sind, Rotpfote." "Das wichtigste ist, das dir nichts passiert ist," miaute Mohnröhte überzeugt. "Lasst uns zurück gehen und sehen ob wir Federbart und Tüpfelpfote helfen können."  

Rotpfote trödelte hinter den anderen her als sie zurück zum DonnerClan Lager liefen, seinen Kopf gesenkt. Das ist alles meine Schuld. Der Gedanke wiederholte sich in seinem Kopf. Meine Schuld. Wenn er vor Angst nicht stehen geblieben wäre. Wenn er mit den anderen mitgerannt wäre. Dann hätten sie es velleicht noch rechtzeitig geschafft.    Tigerkralle verlangsamte seinen Schritt um neben ihm zu laufen. "Hey," miaute er und knuffte ihm freundschaftlich in die Seite. "Hör auf dir Sorgen zu machen."    Rotpfotes Schnurrhaare zuckten niedergeschlagen "Ich bin mir nicht sicher ob ich das kann."    "Es wird schon in Ordnung sein," versicherte ihm Tigerkralle. "Wir haben diesen Kampf velleicht wegen dir verloren, aber wir werden andere Möglichkeiten haben den FlussClan zu schlagen."    Rotpfote stolperte. Wegen mir? Tigerkralle bestätigte seine schlimmsten Befürchtungen.    "Ich werde auf deiner Seite stehen wenn wir mit Abendstern reden," fuhr Tigerkralle fort. "Er wird sehen das du es nicht besser wusstest. Es ist ja nicht so als ob du alles absichtlich ruiniert hättest."    Rotpfotes Mut sank. "M- müssen wir Abendstern erzählen was passiert ist?" fragte er, sein Miauen klang unsicher.    Tigerkralles Ohr zuckte erstaunt. "Natürlich müssen wir das," antwortete er  "Abendstern ist unser Anführer er wird wissen wollen, wieso der Plan gescheitert ist. Aber ich werde dir beistehen, egal was die anderen sagen. Immerhin habe alle Krieger als Schüler etwas dummes gemacht." er sah Rotpfote aus dem Augenwinkel an. "Ich meine, normalerweise haben diese Sachen nicht solche Auswirkungen, aber das war einfach nur Pech."    Rotpfote verlor seinen Mut vollständig. Was würde Abendstern sagen, aber vor allen was würde er tun? Wenigstens hatte er Tigerkralle auf seiner Seite. Er seufzte.    "Danke Tigerkralle," miaute er kleinlaut. "Ich schulde dir was."    Tigerkralles hob seinen Schwanz. "Du schuldest mir nicht etwas," schnurrte er fröhlich. "Du schuldest mir dein Leben."  

Kapitel Vier

"Rotpfote, versprichst du das Gesetz der Krieger in Ehren zu halten und diesen Clan zu beschützen, selbst wenn es dein Leben kostet?" Abenstern's Blick war freundlich als er Rotpfote ansah.

"Ich verspreche es," versprach Rotpfote. Er merkte das er zitterte. Glanzpfote--nein Glanzfell, seit ein paar Herzschlägen--stand neben ihm.    "Dann gebe ich dir nun mit den Kräften des SternenClans deinen Kriegernamen. Rotpfote, von diesem Moment an sollst du Rotschweif heißen, der SternenClan ehrt deinen Mut und deine Loyalität und wir heißen dich als vollwertigen Krieger des DonnerClans willkommen."    Mit einem leisen Schnurren legte Abendstern seine Schnauze kurz auf Rotschweif's Kopf. "Diene deinem Clan wie du es am besten kannst," miaute er. "Du wirst ein großer Krieger sein."    Freude durchfuhr ihn als er den Kopf senkte um Abendstern's Schulter zu lecken. Ein großer Krieger. Vor sechs Monden, als er noch ein ängstlicher Schüler war, der die Verantwortung für ihre Niderlage beim Kampf mit dem FlussClan trug, hätte er sich diese Worte nie erträumt.    Die Katzen um ihn herum jaulten, "Glanzfell! Rotschweif! Glanzfell! Rotschweif!" Als seine Clankameraden ihre neuen Namen riefen, konnte Rotschweif die Stimme seines Vaters, Schlangenzahn, hören, lauter als alle anderen.    Als Rotschweif sich von Abendstern löste, sah er Spatzenpelz, normalerweise so streng, wie er ihn stolz ansah. Neben ihm schnurrte Weißauge und deren Jungen, Sturmjunges und Mausjunges, kullerten um ihre Pfoten.    Neben ihnen saß Tüpfelpfote und sprudelte vor Freude. Sie würde ihren vollen Namen noch lange nicht erhalten--sie hatte noch viel zu lernen, bis sie eine volle Heiler Katze werden könnte--aber sie sah so fröhlich und stolz aus, als ob alle Katzen auch ihren Namen rufen würden.    Am Rande der Katzenmenge konnte Rotschweif Tigerkralle sehen. Der große Kater schnurrte nicht noch rief er die neuen Namen, wie die anderen, er sah nur zu, sein Blick undeutbar.    Denkt er, ich bin noch nicht bereit ein Krieger zu sein? dachte Rotpfote besorgt. Er hatte nicht vergessen, wie Tigerkralle ihn vor dem Falken gerettet hatte oder das er für die Niederlage im Kampf mit dem FlussClan verantwortlich war.    Keine der anderen Katzen war ihm böse gewesen, Abendstern hatte nicht einmal mit ihm geschimpft, er hatte nur Tigerkralle gelobt. Aber Rotschweif beschuldigte sich immer noch und er wusste, das Tigerkralle das auch tat.    "Ich kann es nicht glauben, dass wir auch endlich Krieger sind," miaute Glanzfell aufgeregt. "Auf diesen Augenblick warte ich seit Monden!" Neben ihr stand Frischbrise und leckte ihre Tochter zwischen den Ohren.    "Meine Jungen sind so groß geworden," miaute sie.    Rotschweif riss sich von Tigerkralles Blick los und sah seine Schwester liebevoll an. "Ja, du wirst eine großartige Kriegerin sein," sagte er und Frischbrise schnurrte zustimmend.    Glanzfell hob ihren Kopf. "Denkst du wirklich? Ich weiß, du wirst einer sein," ergänzte sie.    "Ich hoffe es." Rotschweif sah Tigerkralle erneut an. Nachdem er diesen schrecklichen Fehler mit dem Falken gemacht hatte, hatte er versucht es wieder gut zu machen. Er hatte die Blattleere durchgearbeitet ohne sich ein einziges Mal zu beschweren. Er hatte immer Beute nach Hause gebracht auch wenn ihm der Schnee bis zu den Schultern reichte und der Wald leblos schien.    Es war eine lange, harte Blattleere gewesen. Die Jungen von Blaupelz und Drosselpelz waren, zum Ensetzen der anderen Katzen, von einem Fuchs getötet worden und Bernsteinfleck, der beliebte alte Zweite Anführer, war langsam an der Krankheit gestorben die ihn so lange geplagt hatte. Nun war Blaupelz Zweite Anführerin, ernster und tüchtiger als je zuvor. Seit sie ihre Jungen verloren hatte, schien sie immer mehr darauf konzentriert ihrem Clan zu dienen.    Jetzt, da die Blattfrische endlich da war, blieb die Sonne jeden Tag länger am Himmel und neue Pflanzen machten sich im Wald breit. Es war lange her, das Rotschweif seinem Clan den Kampf vermasselt hatte, sicherlich sah Tigerkralle ihn nicht immer noch als diesen ängstlichen Schüler.    Entschlossen herauszufinden, was sich hinter dem nachdenklichen Blick des Kriegers verbarg, straffte Rotschweif seine Schulter und ging auf ihn zu. Ich bin bereits einer der besten Krieger im Clan, dachte Rotschweif. Wenn Tigerkralle ihn herausforderte, würde er ihm genau das sagen. Jede Katze macht Fehler ich kann mich nicht für immer dafür schämen.    Doch als er bei Tigerkralle ankam, war er sich nicht mehr ganz so sicher was er sagen wollte. Ich bin kein Schüler mehr, schien zu offensichtlich.    "Rotschweif," schnurrte Tigerkralle grüßend. "Ich wollte gerade jagen gehen und einen starken Krieger mitnehmen. Hast du eine Idee, wen?"    Meint er... ? Freude durchflutete ihn. Er hatte sich um nichts Sorgen gemacht. Tigerkralle hatte ihn einen starken Krieger genannt. "Ich würde liebend gerne mitkommen!" miaute er fröhlich.    Schnell sah er über seine Schulter zu Spatzenpelz hinüber, der vor Vergnügen schnurrte, als er Sturmjunges sanft mit der Pfote umwarf. Dann merkte er: Er musste seinen Mentor ja nicht mehr um die Erlaubnis, das Lager zu verlassen, bitten. Er musste keine Katze fragen. Er war ein Krieger. Seinen Kopf hoch erhoben, folgte er Tigerkralle durch den Ginstertunnel aus dem Lager.    Sie schlugen den Weg zum Baumgeviert ein, vorbei an der Sandkuhle wo Rotschweif so viel Zeit damit verbracht hatte mit Spatzenpelz Kampftechniken zu lernen. Jetzt schon erschien es Rotschweif eine Ewigkeit her zu sein.    Während sie unter den Bäumen dahin liefen, hielt Rotschweif seine Ohren gespitzt, für jedes noch so kleine Geräusch. Der Wald war, jetzt da die Blattfrische gekommen war, so reich an Gerüchen und Geräuschen, das man kaum glauben konnte, wie still es in der Blattleere gewesen war.    Ein leises Rascheln ertönte aus den Blättern unter einer Erle, sofort verfiel Rotschweif in sein Jagdkauern.    Er schnupperte, eine Wühlmaus! Er konnte die leisen verräterischen Geräusche hören, während das kleine Tier unter der Blätterschicht umher huschte. Er pirschte sich näher heran, ohne ein Geräusch zu machen, seinen Schwanz trug er dabei so, das dieser gerade so den Boden nicht berührte. Rotschweif konnte spüren, wie Tigerkralle ihn zusah und bewertete.    Das leise Rascheln hörte auf einmal auf, als das kleine Tier erstarrte. Die Wühlmaus musste ihn wohl gespürt haben.  Aber Rotschweif konnte immer noch das Schlagen ihres kleinen Herzens spüren, er wusste genau, wo sie sich versteckte. Losrennend übersprang er geschickt ein Brombeeregebüsch und landete gezielt auf seiner Beute, bevor diese fliehen konnte. Er biss kräftig zu und der warme Körper hörte schnell auf sich zu bewegen.    "Gut gemacht," miaute Tigerkralle anerkennend als Rotschweif hinter dem Gebüsch hervortrat, die Wühlmaus zwischen seinen Zähnen.    "Danke," erwiderte Rotschweif, zufrieden mit Tigerkralles Lob. Er ließ die Wühlmaus unter einem Busch fallen und scharrte ein wenig Erde über sie, ums sie später abzuholen.    In der Nähe der Grenze beim Baumgeviert hörte Rotschweif die schnellen Pfotenschritte eines Kaninchens. Beide Katzen blieben stehen, die Ohren gespitzt.    "Es kommt in diese Richtung," bemerkte Tigerkralle und Rotschweif nickte. Sein Fell knisterte vor Aufregung bei dem Gedanken, ein saftiges Kaninchen nach Hause zu bringen. Der Hase rannte schnell und gerade, es war leicht zu erraten, wo er auf DonnerClan Territorium überwechseln würde. Ohne sich verständigen zu müssen, positionierten sich die beiden Kater.    Die lauten, galloppartigen Schritte wurden lauter. Es klang, als wäre es ein großer Hase. Rotschweif spannte sich an, bereit zum Sprung.    Als ein braunes Fellknäuel mit Beinen kam der Hase aus dem Unterholz geschossen, näher an Tigerkralle als an Rotschweif. Rotschweif entspannte sich ein wenig, wissend, dass der große Krieger das Tier ohne ihn erledigen konnte. Gerade als Tigerkralle sprang, schoss ein weiteres Fellbündel --eine Katze-- aus dem Unterholz und sprang ebenfalls. Rotschweif sah fassungslos zu, wie die beiden Katzen in der Luft zusammenkrachten und dann zurück auf den Boden fielen. Ein verwirrt fauchender Fellhaufen.    Der Hase wich den beiden Katzen aus und verschwand im Unterholz, bevor Rotschweif auch nur zum Sprung ansetzte.    "Runter von mir!" schnauzte Tigerkralle und die andere Katze kullerte von ihm hinab, rappelte sich aber schnell wieder auf die Pfoten.    "Das war mein Hase!" schimpfte sie. "Wegen dir habe ich meinen Hasen verloren." Sie war selbst kaum größer als der Hase, bemerkte Rotschweif, offensichtlich eine Schülerin. Ungeachtet ihrer Größe starrte sie Tigerkralle feindselig an, ihr graubraunes Fell sträubte sich vor Wut.    "Unser Hase," korrigierte Tigerkralle sie und fuhr seine Krallen aus. "Ich würde gerne wissen, wieso du einen Hasen auf DonnerClan Territorium jagst."    "Das hier ist nicht DonnerClan Territorium!" fauchte die Schülerin entrüstet. "richtig, Hirschspung?" Sie blickte über ihre Schulter, die Augen weit vor Verwirrung. "Hirschsprung... ?" Jetzt erst schien sie zu merken, das sie allein war. Aber einen Moment später hob sie ihren Kopf und starrte sie beide wieder an. Auch wenn sie aus einem feindlich Clan kam, bewunderte Rotschweif ihren Mut.    "Du bist eine WindClan Schülerin, oder?" fragte Rotschweif, er ekannte sie von der letzten großen Versammlung. "Ampferpfote, richtig? Was tust du hier?    "Jagen," erklärte sie. "Und es ist mir egal was ihr zwei sagt. WindClan Katzen haben jedes Recht am Baumgeviert zu jagen. Der DonnerClan besitzt ja nicht alles. Kein Wunder, das ihr ständig mit dem FlussClan um diese Sonnenfelsen kämpft."    Das Fell auf Tigerkralles Schulter stellte sich auf. "Die Grenze zwischen dem Baumgeviert und dem DonnerClan Territorium ist fünf Schwanzlängen hinter dir. Bringen WindClan Mentoren ihren Schülern etwa nicht bei, wie man Grenzen erkennt?"    Zum ersten mal sah Ampferpfote etwas unsicher aus. Sie blickte über ihre Schulter und ihre Ohren zuckten nervös. "Em--"    Tigerkralle beachtete sie nicht. "Ganz offensichtlich bringt der WindClan ihren Schülern auch nicht bei, Krieger zu respektieren, das sollten wir nachholen." Er blickte Rotschweif mit kalten bernsteimfarbenen Augen an. "Zeig Ampferpfote hier, was mit denen passiert, die sich mit dem DonnerClan anlegen."    "Was?" Rotschweif dachte, er hörte nicht richtig. "Sie ist doch nur eine Schülerin und ihr Mentor ist noch nicht einmal bei ihr."    Tigerkralle stolzierte zu ihm hinüber und sprach leise. "Wenn sie keinen Ärger machen wollte würde sie auf ihrem eigenen Territorium bleiben."    "Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist," miaute Rotschweif und machte einen Schritt rückwärts. Ganz offensichtlich interessierte es Tigerkralle nicht, das sie erst eine Schülerin war. "Wir kämpfen immer noch mit dem FlussClan um die Sonnenfelsen, willst du wirklich auch mit dem WindClan kämpfen?"    "Ich bin ein Krieger," fauchte Tigerkralle. "Ich werde es nicht zulassen, das jemand meinem Clan nicht den Respekt zukommen lässt den er verdient. Was ist mit dir Rotschweif? Ich dachte, du wärst nun ein wahrer DonnerClan Krieger?" Er sah Rotschweif verschworen an. "Bist du immer noch ein mausherziger Schüler?"    "Nein!" Rotschweif's Rücken spannte sich an. Er wusste, das Tigerkralle daran dachte, wie er auf der Brücke vor Schreck erstarrt war, aber das war doch so viele Monde her. Tigerkralle hatte ihn damals gerettet, velleicht wusste der Krieger tasächlich was gut für seinen Clan war. Er schuldete Tigerkralle sein Leben. Er würde ihm folgen. Schluckend drehte er sich zu Ampferpfote zurück.    Sie sah nun kleiner aus als vorher. Ich werde ihr nicht zu sehr wehtun, entschied er.    Velleicht konnte sie sein Vorhaben spüren und würde sich nicht so sehr fürchten.    Er ging langsam auf sie zu, die Zähne gebleckt, knurrend. Er hoffte, das Ampferpfote die Gelegenheit nutzen würde um wegzurennen, aber die kleine Schülerin machte einen Buckel, fauchte und fuhr ihre Krallen aus.   Rotschweif sah über seine Schulter zu Tigerkralle hinüber, der ihn mit zusammengekniffenen Augen beobachtete. Dann sprang er. Leicht warf er Ampferpfote um und drückte sie auf den Waldboden. Die Schülerin keuchte, als der Atem aus ihrem Körper gepresst wurde, aber einen Moment später kämpfte sie wild. Sie zog ihre Krallen geschickt über Rotschweif's Bauch, es brannte. Vor Wut und Schmerz fauchend drückte er sie erneut zu Boden. Während er sie so hielt senkte er seine Zähne tief in ihre Schulter. Warmes Blut spritze ihm in den Rachen und Ampferpfote schrie vor Schmerz auf.
   "Zerfetze sie, Rotschweif!" fauchte Tigerkralle. Da war etwas zustimmendes und freudiges in seiner Stimme.
   Schockiert ließ Rotschweif Ampferpfote los. Zerfetze sie? Auf einmal bekam er ein mulmiges Gefühl, sein Mund voll mit dem Geschmack von Blut.
   "Hey!" ertönte auf einmal eine Stimme von der Grenze. Rotschweif sah auf. Ein stämmiger brauner Kater--größer als die meisten dieser mageren WindClan Katzen--schob sich durch das Unterholz, seine Augen geweitet vor Schock. "Weg von ihr!"
   "Hirschsprung ich- ich-" stammelte Rotschweif und stellte sich vor, wie das Ganze wohl für den älteren Krieger aussehen musste. Die Schülerin zitternd und mit Blut im Fell am Boden. Rotschweif und Tigerkralle über ihr mit ausgefahrenen Krallen. Zwei ausgewachsene Krieger gegen einen einzelnen Schüler. Er schämte sich.
   Der WindClan-Kater rannte an die Seite seiner Schülerin und stubste sie sanft mit der Schnauze an. "Ampferpfote, kannst du aufstehen?" Er half der wimmernden Schülerin auf die Pfoten und ließ sie sich auf seine Schulter lehnen, dann dreht er sich zu den DonnerClan Kriegern. "Wer war das?"
   Rotschweif schluckte und sah zu Boden. Was habe ich getan?
   "Macht es einen Unterschied?" fauchte Tigerkralle und trat einen Schritt vorwärts. "Die eigentliche Frage ist, wieso du sie auf DonnerClan Territorium geschickt hast, um unsere Beute zu jagen? Ist der WindClan etwa so erbärmlich das ihr nicht mal auf euren eigenen Territorium Hasen fangen könnt?"
   "Erbährmlich!?" wiederholte Hirschspung. "Das ihr zwei einen Schüler zerfetzt--das ist erbährmlich." Ampferpfote kurz alleine stehen lassend, trat er einen Schritt auf Tigerkralle zu, die beiden Kater waren nun nur etwa eine Schnurrhaarlänge voneinander entfernt. "Wieso suchst du dir nicht lieber eine Katze deiner eigenen Größe?" knurrte er.
   Tigerkralle sah beinahe zufrieden aus, sein Schwanz hoch über seinem Rücken, als er seine Krallen ausfuhr.
   "Ich war's," unterbrach Rotschweif schnell, bevor sie anfangen konnten zu kämpfen. Er konnte Tigerkralle nicht die ganze Schuld auf sich nehmen lassen. "Ich habe sie angegriffen, weil sie auf unserem Territorium gejagt hat. Er senkte seinen Kopf. "Ich wollte ihr nicht so sehr wehtun. Und es tut mir leid, das wir nicht auf dich gewartet haben bevor--"
   "Wir müssen uns nicht entschuldigen, Rotschweif,"unterbrach ihn Tigerkralle, sein Augen so kalt wie Eis. "Sie war auch unserem Territorium und brauchte mal eine ordentliche Lektion."
   Hirschspungs Schwanz zuckte als er sich nieder kauerte, bereit zum Sprung. "Ich glaube, ihr seid es, die eine Lektion brauchen," murmelte er. Er machte erneut einen Schritt vorwärts, so das sich die Nasen der beiden Kater berührten. Sie sahen aus als ob es ein fairer Kampf wäre, beide waren groß und stark, aber Hirschspung hatte deutlich mehr Kampferfahrung, würde Tigerkralle bereuen müssen, das er diesen Kater herausgefordert hatte?
   "Versuchs doch," höhnte Tigerkralle, er sah aufgeregt aus, so, als ob ihm dies hier gefallen würde.
   Ich werde auch kämpfen müssen, dachte Rotschweif. Ich kann Tigerkralle nicht alleine lassen.
   Die beiden Kater starrten sich weiterhin feindselig an, die Zähne gebleckt. Dann aber ertönte hinter Hirschsprung ein leises Wimmern. Ampferpfote schwankte auf ihren Pfoten. Sie sah wirklich schlimm aus, bemerkte Rotschweif.
   Hirschspung brach den Augenkontakt mit Tigerkralle sofort ab um auf seine Schülerin hinab zu blicken. "Du wirst dich erholen, Ampferpfote," miaute er sanft. Tigerkralle ansehend sagte er, "Ich würde dir zwar liebend gern das Fell über die Ohren ziehen, aber das muss jetzt erst einmal warten. Ich bringe Ampferpfote nach Hause."

Tigerkralle fauchte und Rotschweif miaute schnell, "Natürlich," und versuchte dabei freundlich zu klingen.    Hirschsprung nickte ihm streng zu. "Ich bin mir sicher das Abendstern nichts davon weiß," miaute er. "Er ist ein ehrbarer Krieger. Aus Respekt vor ihm werde ich das hier Heidestern melden, so daß sie ihm eine Chance geben kann, es wieder gerade zu biegen. Aber wenn Abendstern seine Krieger nicht unter Kontrolle bringen kann wird der WindClan zurück sein, verlasst euch darauf."    "Drohungen fauchen während sie wegrennen, ja, das klingt tatsächlich nach WindClan," erwiderte Tigerkralle selbstsicher. "Aber wenn ihr wiederkommt werde ich warten."    "Ich auch," miaute Rotschweif schnell und bereute sogleich seine Worte.    Mit einem Seufzer dreht Hirschsprung sich um und setzte sich mit Ampferpfote, die sich an seine Schulter lehnte, langsam in Bewegung.    "Das hast du gut gemacht Rotschweif," murmelte Tigerkralle als sie ihnen zusahen. "Wir können nicht zulassen, das die anderen Clans auch nur eine Pfote auf unser Territorium setzen."    Vermutlich, dachte Rotschweif. Aber sein Mund war trocken und die Kratzer an seinem Bauch brannten.    Wenn ich das Richtige getan habe, wieso fühlt es sich dann so falsch an?

Kapitel Fünf

Als Rotschweif hinter Tigerkralle ins Lager trottete, tat ihm alles weh und er sehnte sich nach der kühlen Dunkelheit des Kriegerbaus. Er wollte sich in seinem Nest einrollen und alles was passiert war vergessen.    Sobald Sturmjunges und Mausjunges sie sahen ließen sie von dem Moosball ab mit dem sie gerade spielten und rannten auf sie zu.    "Rotschweif! Rotschweif!" rief Sturmjunges aufgeregt. "Habt ihr Beute mitgebracht?"    Wir haben die Wühlmaus vergessen, bemerkte Rotschweif.    Mausjunges folgte, die Augen weit aufgerissen. "Hast du dich verletzt?" fragte sie und besah sich die Kratzer unter Rotschweifs Pelz. "War es ein Dachs? Warst du tapfer?"    Ich war nicht tapfer. Ich war grausam. Er ignorierte sie einfach und stolzierte in Richtung Kriegerbau. Er konnte ihnen nicht sagen was passiert war, was er getan hatte.    "Wir können jetzt nicht mit euch spielen," miaut Tigerkralle wichtigtuerisch. "Wir müssen Abendstern Bericht erstatten. Rotschweif, warte."    Auf halben Wege stoppte Rotschweif und dreht sich um, um Tigerkralle anszusehen. "Was?"    Tigerkralle kam forwärts und trottete ruhig um ihn herum und blockierte jede Möglichkeit zum Kriegerbau zu gelangen. "Wo willst du denn hin? Du musst mitkommen, damit wir Abendstern erzählen können was passiert ist."    "Was ist denn passiert?" fragte Mausjunges neugierig, doch die beiden Kater ignorierten sie.    "Mausjunges! Sturmjunges! Hört auf die Krieger zu stören und kommt her!" rief Weißauge und ihre Jungen rannten über die Lichtung zu ihr. Rotschweif war der grauen Königin im selben Moment dankbar, er wollte nicht das die Jungen hiervon etwas mitbekamem.    Was würde Abendstern sagen? Rotschweif hatte auf dem Weg zurück uns Lager gründlich über seinen Kampf mit Ampferpfote nachgedacht, Hirschprung hatte Recht--Abendstern würde nicht so begeistert sein, wenn er hörte das Rotschweif mit einem Schüler gekämpft hatte. "Ich schätze ich sollte das hinter mich bringen," miaut er grimmig.    Tigerkralle schob ihn in Richtung Hochfelsen. "Sieh zu und lerne."    Gerade als sie sich dem Hochfelsen näherten, schob sich Abendstern durch den Flechtenvorhang ins Freie. "Was ist los?" fragte er als er Tigerkralle's und Rotschweif's Gesichtsausdrücke bemerkte. "Schwierigkeiten," warnte Tigerkralle bevor Rotschweif Abendstern antworten konnte und die Augen seines Anführer's weiteten sich.    "Kommt herein und erzählt mir genau, was es damit auf sich hat."    Tigerkralle und Rotschweif folgten Abendstern in seinen Bau. Wie soll ich ihm erklären, wieso ich Ampferpfote angegriffen habe? überlegte Rotschweif, schuldbewusst.    Doch er musste überhaupt nichts sagen. Sobald sie alle saßen begann Tigerkralle sofort zu reden. "Wir waren jagen, in der Nähe des Baumgevierts und hatten gerade einen saftigen Hasen entdeckt," erklärte er. "Als wir kurz davor waren, ihn zu fangen, kam eine WindClan Schülerin, Ampferpfote, über die Grenze stolziert. Sie jagte unsere Beute davon, einfach nur zum Spaß und dann beschuldigte sie uns auch noch dafür, das wir auf unseren eigenen Territorium jagen."    Abendstern legte seinen Kopf schief. "Sicherlich nur ein Schüler der einen Grenzfehler macht. Es passiert. Ich hoffe, ihr habt sie angemessen gewarnt und zum WindClan zurück geschickt."    Tigerkralle sah ernst aus. "Das dachte ich auch, doch als ich sie auf ihren Fehler hinwies, fauchte sie mich an und sagte es wäre Zeit das der WindClan uns eine Lehre erteilte. Sie sagte, das der DonnerClan nur eine Gruppe Streuner sei, die glaubten, alles gehöre ihnen."    Rotschweif starrte Tigerkralle überrascht an. Ampferpfote hatte das zwar gesagt, aber es war nicht wirklich so passiert. Tigerkralle gab sich gerade die größte Mühe es so aussehen zu lassen, als ob Ampferpfote diejenige war, die für Schwierigkeiten sorgte. "Umm..."    Tigerkralle sah ihn vielsagend an und Rotschweif schloss seinen Mund wieder. Velleicht hatte Tigerkralle im Verhalten der Schülerin etwas auffälliges entdeckt.   "Wir haben auf Ampferpfotes Mentor gewartet," fuhr Tigerkralle fort. "Wir nahmen an, das sie außer Kontrolle geraten war und meinten, er sollte wissen, was seine Schülerin angestellt hat. Es war Hirschsprung, dieser große WindClan Krieger." Abendstern nickte; er wusste wer Hirschsprung war.
   "Wir erzählten Hirschsprung was passiert war, doch er lachte nur und fragte uns, was wir dagegen tun wollen. Und sie haben Rotschweif gekratzt. Rotschweif, zeig es Abendstern."
   Rotschweif drehte sich leicht zur Seite, um Abendstern die kleinen Kratzer unter seinem Fell zu zeigen. Abendstern sah sie sich genau an. Er zuckte nervös mit dem Ohr. Tigerkralle verdrehte die Tatsachen. Abendstern wäre von diesen Wunden nicht so beeindruckt, wenn er gesehen hätte was ich mit Ampferpfote gemacht habe.
   "Hirschsprung sagte es gäbe nichts das wir tun können," schloss Tigerkralle seine Rede. "Er sagte, es ist ja nicht so, als ob Abendstern uns angreifen würde. Er will den WindClan ja nicht wütend machen."
   Abendsterns Augen weiteten sich und sein Fell plusterte sich auf. "Das hat er wirklich gesagt?"
   "Ja hat er," antwortete Tigerkralle. "Danach hat Rotschweif sie verjagt."
   Rotschweif zuckte zusammen. Er hatte bewiesen das er stärker war als ein Schüler, aber er hatte niemanden verjagt. Er erinnerte sich an den angewiderten Gesichtsausdruck von Hirschsprung und er schämte sich.
   "Als sie gingen sagte Hirschsprung noch, dass sie wiederkommen werden." Tigerkralle senkte seinen Schwanz und sah besorgt aus. "Abendstern, der WindClan ignoriert unsere Grenzen und respektiert unseren Anführer nicht. Wir müssen beweisen, das wir uns verteidigen können." Tigerkralle wandte sich an Rotschweif. "Richtig?"
   Rotschweifs Kopf drehte sich. Versuchte Tigerkralle einen Kampf mit dem WindClan anzufangen? Wieso wollte der große Kater nur so gerne kämpfen? Auch beim Kampf mit dem FlussClan war das schon so. Doch dann hätte Rotschweif einen beunruhigenden Gedanken. Er log gerade über die Geschehnisse an der Grenze, hatte er dasselbe mit dem FlussClan getan?
   Tigerkralle stupste Rotschweif an und wartete auf seine Zustimmung. Ich schulde ihm mein Leben, erinnerte sich Rotschweif. Er konnte ihn nicht einen Lügner nennen. Aber Rotschweif brachte es auch nicht über sich, Tigerkralles Geschichte zu bestätigen.
   Stille legte sich über die drei Katzen.
   Schließlich seufzte Abendstern. "Heute Abend ist eine große Versammlung," miaute er. "Ich werde mit dem WindClan reden. Heidestern ist eine vernünftige Kätzin. Hoffentlich können wir das bereinigen, ohne Blut zu vergießen.
   "Ja, Abendstern," miaute Tigerkralle und senkte seinen Kopf. Doch da war ein düsteres Licht in seinen Augen.
   Rotschweif hatte das Gefühl, das eine friedliche Lösung das letzte war, was Tigerkralle wollte.

   Das kalte Licht des Vollmondes schien auf das Baumgeviert herab und warf lange Schatten über die versammelten Katzen. Rotschweif plusterte sein Fell auf. Sein Blick schweifte über die Katzenmenge, er suchte nach Ampferpfote. Sie war nicht da. Hatte er sie so stark verletzt? Oder durfte sie einfach nur nicht mitkommen?
   "Unsere erste Große Versammlung als Krieger," flüsterte Glanzfell neben ihm, ihre Augen weit offen.
   "Jap," murmelte Rotschweif. Wenn er Ampferpfote nicht verletzt hätte, wäre er jetzt bestimmt genau so aufgeregt wie sie. Er blickte auf die WindClan Katzen herab und entdeckte Hirschsprung, der in ein Gespräch mit dem Zweiten Anführer, Riesenschweif, vertieft war. Er duckte sich, nicht wollend das der WindClan Kater ihn sah.
   Ein lautes Jaulen ertönte vom Großfelsen und die Gespräche verstummten. Abendstern sah vom Felsen auf die versammelten Krieger herab. Auf seiner rechten Seite stand Zedernstern, der SchattenClan Anführer, und auf seiner anderen Streifenstern, der neue FlussClan Anführer. Heidestern, die Anführerin des WindClans. Rotschweif sah die hellgraue Kätzin nervös an.
   Was hatte Hirschsprung ihr erzählt? Was würde Abendstern zu ihr sagen? Würde er die Lügen, die Tigerkralle erzählt hatte, wiederholen? Neben Rotschweif saß Tigerkralle. Der dunkle Tigerkater blickte ruhig zu den Anführern hinauf, doch seine Schwanzspitze zuckte, als warte er auf etwas.

Was möchte Tigerkralle mit seinen Lügen bewirken?    Zedernstern übernahm als erstes das Wort, "Die Blattfrische bringt wie immer neue Beute ins SchattenClan Territorium. . ."    Rotschweif's Gedanken wanderten, als erst der SchattenClan und dann der FlussClan Anführer ihre Reden hielten. Auch Heidestern sprach, Rotschweif hörte ihr angespannt zu, doch sie erwähnte nichts über das Ereignis an der Grenze. Rotschweif's Herzschlag beschleunigte sich als Abendstern nach vorne trat.    "Nach einer langen Blattleere läuft die Beute wieder reichlich," miaute Abendstern. "Weißer Husten wütete kurz durch unser Lager, doch Federbart und Tüpfelpfote haben es frühzeitig erkannt und besiegen können. Die letzten der kranken Katzen haben vor ein paar Tagen den Heilerbau verlassen." Er sah auf die Katzen hinab und er blickte Rotschweif an. Rotschweif's Fell sträubte sich und eine böse Vorahnung breitete sich in ihm aus. Was würde passieren, wenn Heidestern Abendstern die Wahrheit erzählen würde und Abendstern bemerken würde, das Tigerkralle gelogen hatte und Rotschweif nichts gesagt hatte?  

"Der DonnerClan hat zwei neue Krieger," verkündete Abendstern. "Rotschweif und Glanzfell." Die Katzen um ihn herum murmelten ihre Glückwünsche und Glanzfell schnurrte vor Stolz. Rotschweif wollte sich mit ihr freuen doch er war zu nervös.

Sobald das Gemurmel verstummt war, ergriff Abendstern erneut das Wort. "Unglückicherweise ist heute an der Grenze am Baumgeviert und dem DonnerClan etwas passiert. Ein WindClan Schüler ist über die Grenze gelaufen, hat Beute verjagt und hat sich mit zwei meiner Krieger angelegt." Er sah Heidestern herausfordernd an. "Ich hoffe das passiert nicht noch einmal."

Heidestern sah nachdenklich aus. "Ich habe davon gehört, allerdings war die Geschichte, die ich gehört habe, etwas anders," miaute sie. Wird sie Abendstern erzählen, was wirklich passiert ist? Nach ein paar Herzschlägen fuhr die WindClan Anführerin fort. "Solche Sachen werden immer mal wieder passieren, besonders mit Schülern, Krieger sollten geduldig sein." Sieht sie mich an, wunderte sich Rotschweif, er konnte es nicht erkennen. "Aber natürlich müssen die Grenzen respektiert werden," fuhr Heidestern fort. "Ich weiß das du, Abendstern, bereit sein wirst das hier zu vergessen, um weitere Streitigkeiten zu vermeiden."

Neben Rotschweif, legte Tigerkralle die Ohren an. "Nennt sie Abendstern gerade schwach?" miaute er zu Stachelkralle, etwas zu laut. Abendstern hatte ihn eindeutig gehört und das Fell auf seinen Schultern stellte sich auf. "Wenn der WindClan seine Katzen unter Kontrolle bekommen kann, wird es keinen Grund zum kämpfen geben," fauchte er.

Überraschte Gemurmel breitete sich unter den Katzen aus.

"Hat Abendstern dem WindClan gerade gedroht?" fragte ein kleiner weißer FlussClan Kater, seine Augen weit offen.

"Es ist an der Zeit das wir den anderen Clans zeigen, dass sie die Grenzen des DonnerClans nicht ohne Konsequenzen überqueren können," antwortete Stachelkralle und Tigerkralle nickte.

In der gesamten Lichtung wurde das Fell aufgestellt und einige Katzen fauchten. Rotschweif erstarrte. Sollte diese Große Versammlung etwa in einem Kampf enden? Das durfte doch nicht geschehen, oder? Eine Große Versammlung war immer eine Zeit des Friedens.

Auf dem Hochfelsen zuckte Zedernstern mit dem Schwanz. "Müsst ihr all diese unnötigen Beschwerden wirklich während einer Großen Versammlung äußern? Einige Katzen haben auch noch etwas in ihren eigenen Lagern zu tun."

"Ich stimme zu," miaute Streifenstern während er vom Großfelsen sprang. "FlussClan Katzen, folgt mir!"

Während die FlussClan Katzen ihrem Anführer folgten, suchte sich Rotschweif geschickt einen Weg zur anderen Seite der Senke und zu Hirschsprung. Vielleicht will er gar nicht mit mir reden, dachte Rotschweif. Vielleicht will er mir lieber meinen Pelz über die Ohren ziehen, ich hätte es verdient--- Aber er musste herausfinden, ob es Ampferpfote gut ging.

"War Ampferpfote zu sehr verletzt, um zu Versammlung zu kommen?" fragte er als er nahe genug an Hirschsprung heran gekommen war.

Hirschsprung drehte sich erschrocken um. "Ihr wird es gut gehen," antwortete er. "Aber defenitiv nicht dank dir."

"Ich wollte ihr nicht wehtun," miaute Rotschweif entschuldigend. "Ich habe nur meine Pflicht getan."

"Deine Pflicht?!" wiederholte Hirschsprung ungläubig. Er starrte Rotschweif lange an bevor er weiter sprach. "Du bist noch nicht lange ein Krieger, oder, Rotschweif? Krieger sollen Schüler lehren und ihnen nicht weh tun. Auch die Schüler anderer Clans. Deine Pflicht war es sie auf ihren Fehler hinzuweisen und nach Hause zu schicken, oder auf mich zu warten, damit ich ihr zeige, was sie falsch gemacht hatte."

"Tigerkralle hat Recht, das wir unsere Grenzen besser verteidigen müssen," beharrte Rotschweif, aber er schämte sich immer noch.

"Welche Gefahr war Ampferpfote für den DonnerClan?" fauchte Hirschsprung. "Ich kenne Tigerkralle. Ich wusste, bevor du es mir gesagt hast, dass du derjenige warst, der mit Apmferpfote gekämpft hat, Tigerkralle hätte sie getötet."

Sie getötet? Rotschweif's Magen drehte sich um. "Nein," murmelte er. "Tigerkralle ist... nur eine mutiger Krieger. Ein guter Krieger."

Hirschsprung kniff seine Augen zu. "Er ist mutig, definitiv. Aber ein Krieger sein bedeutet mehr, als nur zu kämpfen."

Rotschweif war unsicher. "Ich glaube das dieses... Ereignis einen Kampf zwischen unseren Clans zur Folge haben wird," miaute er. "Abendstern und Heidestern schienen sehr aufgebracht heute."

Hirschsprung kam auf die Pfoten und streckte sich. "Dann hast du mehr Verstand als dein Clankamerad," antwortete Hirschspung. "So gerne ich ihm das Fell über die Ohren ziehen würde, möchte ich auch keinen Kampf haben."

"Aber was können wir tun?" fragte Rotschweif hilflos.

"Heidestern ist eine gute Anführin. Sie wird keinen Kampf anfangen ohne einen gute Begründung," erklärte Hirschsprung. "Und das gleiche habe ich immer über Abendstern gehört. Lass uns mit ihnen reden, wenn wir wieder zu Hause in unseren Lagern sind. Wir sind diejenigen die da waren; vielleicht können wir ihnen erklären, das wir deshalb nicht kämpfen müssen.

"Okay," miaute Rotschweif erleichtert. Hirschsprung schien ihn zu verstehen, sein Blick freundlich, offen und sicher. Nicht so wie Tigerkralle, sagte eine kleine Stimme in seinem Kopf, doch Rotschweif verdrängte sie. Sicherlich würde Tigerkralle ihm helfen, mit Abendstern zu sprechen, bevor ein Kampf ausbrechen könnte? Er hatte heute an der Grenze überreagiert, doch kein Krieger wollte einen sinnlosen Kampf.

"DonnerClan Katzen, folgt mir!" Abendsterns Ruf schallte über die Lichtung und Rotschweif sprang auf die Pfoten.

"Ich sollte besser gehen," miaute er. "Umm. Danke. Ich hoffe, Ampferpfote geht es bald besser."

Der große WindClan Krieger nickte. "Auf Wiedersehen, Rotschweif."

Rotschweif eilte den DonnerClan Katzen nach, die bereits auf dem Weg zum Lager waren. An der Spitze konnte er Abendstern sehen, mit Blaupelz dicht neben ihm. Während er zusah, schlossen Tigerkralle und Stachelkralle zu ihnen auf.

Was sagt Tigerkralle zu ihnen? Er hoffte, das der dunkle Tigerkater seinen Anführer nicht zu einem Kampf anstachelte. So wenig Rotschweif es wahr haben wollte, Hirschsprung hatte Recht, Tigerkralle hätte die junge WindClan Schülerin wahrscheinlich getötet. Hatte der WindClan Kater also auch damit Recht, das Tigerkralle immer kämpfen wollte?

Ich schulde ihm mein Leben.

Aber bedeutet das, dass ich tun muss was er sagt, egal was?

Er würde auf einen ruhigen Augenblick warten um mit Abendstern zu sprechen, entschied Rotschweif. Irgendwie würde er seinen Anführer die Wahrheit erkennen lassen.

Doch als sie das Lager betraten, sprang Abendstern sofort auf den Hochfelsen. "Alle Katzen, die alt genug sind Beute zu fangen, fordere ich hiermit auf, sich unter dem Hochfelsen zu einem Clantreffen zu versammeln," rief er. Blaupelz stand unter ihm, ihr Gesicht ernst. 

Weißauge streckte ihren Kopf aus der Kinderstube. "Was ist passiert?" fragte sie. Auch die Ältesten waren aus ihrem Bau gekommen und die Krieger, die im Lager geblieben waren, eilten mit gespitzen Ohren zum Hochfelsen hinüber.

"Heidestern hat sich entschieden, ihren Clan nicht zu bestrafen, dafür, dass sie unsere Grenzen überquert und Beute verjagt haben," miaute Abendstern. Einige Katzen unter ihm fauchten und knurrten.

"WindClan Katzen sind zu hungrig, um ihnen zu trauen," rief Spatzenpelz. "Sie haben auf ihrem eigenen Territorium einfach nicht genug Beute und werden nie aufhören, von den anderen Clans zu stehlen."

"Genau," stimmte Tupfenschweif ihm zu, ihre bernsteinfarbenen Augen leuchteten. "Aber ich dachte immer, Heidestern wäre zu stolz, um sie das Gesetz der Krieger brechen zu lassen."

"Es ist an der Zeit, den WindClan daran zu erinnern, das der DonnerClan seine Grenzen verteidigen kann," fuhr Abendstern fort. "Morgen werden wir eine Patrouille zum WindClan schicken, um sie anzugreifen."

Rotschweif konnte es nicht glauben. "Es war doch nur ein Schüler der die Grenze überquert hat, keine Invasion!" protestierte Rotschweif.

Glanzfell stupste ihn in die Seite. "Ich glaube nicht, das sie bereit sind, einem frisch ernannten Krieger zuzuhören," flüsterte sie.

"Es war nicht mehr nur ein Schüler, als Heidestern sagte, wir würden uns nicht trauen, mit dem WindClan zu kämpfen," rief Tigerkralle. Er stand in der Nähe des Hochfelsens und sah zu Abendstern hinauf. "Der Schüler wird nicht der letzte sein. Wenn wir nicht bald etwas unternehmen, werden immer mehr WindClan Katzen kommen und unsere Beute stehlen."

"Tigerkralle hat Recht," stimmte Abendstern zu. "Wenn wir nicht für unser Territorium kämpfen, werden wir es verlieren. Wir müssen ihnen zeigen, dass wir es ernst meinen. Tigerkralle hat vorgeschlagen, dass unsere Patrouille direkt in ihr Lager einfällt und so viel Schaden anrichtet wie möglich. Wir wollen sie nicht verletzen, aber wenn wir ihnen zeigen, dass wir ganz einfach in ihr Lager eindringen können, werden sie zwei mal darüber nachdenken, unsere Grenzen noch einmal zu überqueren." Während Abendstern vom Hochfelsen sprang, nickte er Tigerkralle dankbar zu.

Er wird seine Meinung nicht mehr ändern, egal was ich sage, merkte Rotschweif schockiert.

"Ich werde die Patrouille anführen und Tigerkralle, Rotschweif, Stachelkralle, Drosselpelz und Flickenpelz werden mit mir kommen. Wir werden morgen früh, vor der Morgenpatrouille, aufbrechen," fügte Blaupelz hinzu.

Rotschweif fühlte sich, als ob riesige Krallen durch seinen Pelz fahren würden. Ich muss da mit kämpfen?

Das Clantreffen löste sich langsam auf, einige Katzen gingen zu ihren Nestern, die anderen zum Frischbeutehaufen.

Ein Pelz berührte seinen und Rotschweif konnte Tigerkralles bekannten Geruch riechen.

"Bist du aufgeregt?" fragte der große Krieger fröhlich. "Velleicht bekommst du sogar eine Gelegenheit, der Schülerin zu zeigen, was du sonst noch so drauf hast."

"Das ist nicht richtig!" miaute Rotschweif. Am liebsten hätte er wie ein kleines Junges gejault.

"Natürlich ist es das," schnurrte Tigerkalle. Er klang so zufrieden mit sich selbst und er sah auch so aus. Seine Augen leuchteten und seinen Schwanz trug der große Kater hoch über seinem Rücken. "Die wichtigste Aufgabe eines Kriegers ist es, den Clan und dessen Territorium zu verteidigen." Seine bernsteinfarbenen Augen blickten direkt in Rotschweifs. "Und ich möchte dich an meiner Seite haben. Ich werde dir zeigen, was es bedeutet, ein Krieger zu sein.

Kapitel Sechs

"Komm schon, Rotschweif! Du musst aufstehen!" Glanzfells Stimme brach durch Rotschweifs ohnehin schon unruhigen Schlaf, er hob seinen Kopf und blinzelte sich die Müdigkeit aus den Augen. Als die jüngsten Krieger mussten Glanzfell und er ganz am Rande des Kriegerbaus schlafen, weit weg von der gemütlichen Wärme  der anderen Katzen und eine kühle Briese strich ihm durchs Fell.

Überall im Bau waren Katzen die sich streckten und aus ihren warmen Nestern krochen, ihr Fell aufplusternd gegen die kalte Morgenluft.

"Ich wünschte, ich dürfte auch mitkommen," miaute Frostfell zu Buntgesicht, ihre Pfoten auf den Rand des Nestes ihrer Schwester gelegt. "Ich würde den WindClan Katzen zeigen, dass sie die Krallen von unserer Beute lassen sollten."

Rotschweifs Herz rutschte ihm bis in die Pfoten. Wie konnte er heute mit dem WindClan kämpfen, wenn er gestern Hirschsprung versprochen hatte, mit Abendstern zu sprechen? Wenn er angriff und Hirschsprung es geschafft hatte Heidestern zum Frieden zu bewegen, wie musste sich der große WindClan Krieger dann wohl fühlen. Er würde nie wieder einer DonnerClan Katze vertrauen und das mit gutem Grund.

Er folgte den jungen Kriegerinnen auf die Lichtung, seine Pfoten schwer und langsam. Die drei Katzen schlossen sich den schon wartenden Katzen an. Rotschweif zögerte, velleicht habe ich doch noch Zeit um mit Abendstern zu sprechen. Wenn ich ihm sage, dass ich und Tigerkralle gelogen haben...

Was dann? Das wäre tausend Mal schlimmer als alles was er Hirschspung antun könnte. Rotschweif schuldete Tigerkralle etwas. Tigerkralle hatte als er noch ein Schüler war sein Leben gerettet. Er hatte ein Recht darauf als Gegenleistung Loyalität zu verlangen und Rotschweif war loyal zum DonnerClan und nicht irgendeiner WindClan Katze.

Tigerkralle saß unter dem Hochfelsen und teilte sich ein Stück Frischbeute mit Stachelkralle. Als er Rotschweif erblickte, kam er auf die Pfoten und schlenderte hinüber. "Wir gehen sobald alle Katzen fertig sind," miaute er. "Hol dir am besten eine Maus oder so. Du wirst deine Energie brauchen."

"Okay," miaute Rotschweif gehorsam und bewegte sich auf den Frischbeute Haufen zu, Tigerkralle folgte.

"Abendstern will, dass wir so viel Unordnung anrichten wie möglich, aber wenn du diese Schülerin, oder ihren sogenannten Mentor wiedersiehst, kannst du ihnen ruhig das Fell über die Ohren ziehen," fügte er hinzu, als sich Rotschweif hinabbeugte um einen Spatz zu nehmen. "Wir müssen allen Katzen zeigen, was mit Katzen passiert, die unsere Grenzen missachten."

Rotschweif ließ den Spatz fallen. "Bitte Tigerkralle, lass uns mit Abendstern sprechen. Wenn wir ihm sagen was wirklich passiert ist ändert er seine Meinung velleicht." 

Tigerkralle kniff seine Augen zusammen. "Was wirklich passiert ist?" Er trat näher; Rotschweif konnte seinen Mausatem riechen. "Wir haben Abendstern erzählt was wirklich passiert ist."

"Nein haben wir nicht," feuerte Rotschweif zurück. "Du hast Abendstern erzählt, dass wir auf Hirschsprung gewartet haben, nachdem wir Ampferpfote auf unserem Territorium erwischt haben. Und, dass sie den DonnerClan beleidigt haben, bevor wir sie verjagt haben. Das ist überhaupt nicht das, was wirklich passiert ist."

"Velleicht haben wir die Sache unterschiedlich gesehen, Rotschweif," knurrte Tigerkralle mit einem Schwanzzucken. "Und ich weiß, dass du jung bist und gerade erst ein Krieger geworden bist, du verstehst das alles nicht wirklich."

"Das ist nicht der Punkt," beharrte Rotschweif. "Ich kenne die Wahrheit." Doch Unsicherheit machte sich in ihm breit. Velleicht hatte Tigerkralle Recht. Jeder wusste, dass er einer der besten DonnerClan Krieger war. Velleicht verstand Rotschweif das ja wirklich noch nicht.

Tigerkralle sah amüsiert aus. "Was du dir merken musst ist, dass der WindClan unser Feind ist," miaute er. "Alles was sie schwächer macht, lässt uns stärker werden." 

Ist das wahr? Wunderte sich Rotschweif. Er hatte jedesmal die anderen Clans als Verbündete angesehen. 

"Merk dir," miaute Tigerkralle leise und nickte zu dem Spatzen an Rotschweifs Pfoten. "Dass es nie genug Beute im Wald gibt. Wenn der WindClan auf unserem Territorium jagt, wird der DonnerClan verhungern."

Rotschweif sah seinen Spatzen unsicher an. "Wahrscheinlich hast du Recht," murmelte er. Ein neuer Gedanke schoss ihm durch den Kopf und er sah wieder auf. "Aber wird dieser Kampf den DonnerClan wirklich stärken? Der WindClan ist groß, wir würden direkt in ihr Lager eindringen, mit nur einer Patrouille."

Tigerkralle schnurrte amüsiert. "Der WindClan mag groß sein, aber die meisten Katzen werden auf der Jagd sein, an einem sonnigen Tag wie heute. Abgesehen von ein oder zwei Kriegern werden wir gegen Älteste und Königinnen kämpfen. Sie werden uns nicht angreifen und wir werden ihnen nicht einmal etwas tun müssen. Wir werden nur ein bisschen Unordnung im Lager anrichten um ihnen endlich mal eine Lektion zu erteilen." Mit einem Schwanzschnippen fügte er hinzu. "Nicht das ich etwas dagegen hätte, diesen Hirschsprung nochmal zu sehen, doch Abendstern möchte, dass wir das schnell und schmerzlos, möglichst ohne einen Kampf, erledigen."

"Oh," murmelte Rotschweif. "Ich verstehe." Das war nicht so schlimm, oder? Der WindClan war ja immer noch sein Feind. Und wenn keine Katze verletzt wurde, machte es bestimmt keinen Unterschied, dass Abendstern nicht die ganze Geschichte kannte. 


"Wir werden nicht versuchen uns an sie heranzuschleichen," verkündete Blaupelz als die das DonnerClan Lager verließen und sich auf den Weg zum Baumgeviert machten. "Der entscheidende Punkt hieran ist ja, dass die anderen Clans endlich sehen, das der DonnerClan nicht davor zurückschreckt zu verteidigen, was ihm gehört."

Die sechs Katzen durchquerten ihr eigenes Territorium und das Baumgeviert ohne anzuhalten, Blaupelz an der Spitze. Tigerkralle und Stachelkralle, nebeneinander, direkt hinter ihr. Der Himmel war klar und die Sonne wärmte Rotschweifs Pelz. Es war ein guter Tag zum jagen, oder um sich einfach irgendwo in die Sonne zu legen. Rotschweif konnte sich beinahe vorstellen ihre Pläne seien ungefährlich.

Rotschweif verlangsamte sein Tempo um ganz hinten neben Drosselpelz und Flickenpelz zu laufen. "Wart ihr jemals im WindClan Lager?" fragte er die beiden.

Drosselpelz schüttelte seinen Kopf, doch Flickenpelz nickte. "Ich war vor ein paar Monden mit Federbart dort, er wollte mit Rindengesicht über Heilerzeug reden, also brachte uns eine Patrouille in ihr Lager." Flickenpelz kräuselte seine Nase ein wenig. "Es war merkwürdig. Abgesehen von den Jungen und Ältesten schlafen sie unterm freien Himmel."

"Wow," war alles was Rotschweif dazu einfiel. Wie viel Unheil können wir überhaupt anrichten wenn sie keine Nester haben? Der Gedanke tat gut.

Auf der anderen Seite des Baumgevierts stoppte Blaupelz, die Böschung war mit lauter Büschen übersät. "Da oben beginnt das WinClan Territorium," erklärte sie und sah dabei eigentlich nur Rotschweif an. "Wenn wir oben sind werde ich euch zum Lager führen--wenn man noch nie dort war ist es sehr schwer es zu entdecken. Wenn wir schnell genug sind, werden die WindClan Krieger gar nicht merken, dass wir dort sind bevor wir wieder verschwinden."

Die Böschung wurde steiler und felsiger, je höher sie kamen, irgendwann musste Rotschweif von Stein zu Stein springen, seine Krallen ausgefahren. 

"Alles gut bei dir?" fragte Flickenpelz neben ihm, ein wenig außer Atem. "Es ist etwas schwerer für uns kleinere Katzen." Es war nett von ihm, sich und Rotschweif als eine Kategorie zu bezeichnen. Rotschweif war ja noch nicht einmal so groß wie der kleine schwarz-weiße Kater. "Doch leider ist das der einzige Weg zum WindClan. Außer wir überqueren den Fluss und das ist noch schwerer."

"Geht schon," keuchte Rotschweif. "Aber ich verstehe nicht, wie der WindClan ist hier jagen kann."

Flickenpelz  rutschte auf einem mossbewachsenem Stein aus, fing sich aber rechtzeitig wieder. "Sie brauchen die Beute," miaute er. "Und es ist leichter für sie. Diese langbeinigen Kaminchenjäger, sie sind praktisch selbst Kaninchen." Er und Rotschweif schnurren amüsiert.

Oben angekommen, starrte Rotschweif erstaunt über das offene Grasland, nur ein paar wenige Bäume und trockene Ginserbüsche wuchsen hier. Einige steinige Stellen waren hier und dort zu erkennen und der Wind fegte über das Moorland. Hier schien es kalt und leer, Rotschweif schüttelte sich.

Der Rand der Hochebene roch sehr stark nach dem erdigen Geruch des WindClans. Die Katzen wechselten einige leise Worte, dann führte sie Blaupelz über die Markierungen, in das Territorium des WindClans.

"Das Lager ist dort drüben," miaute Flickenpelz und zeigt mit seinem Schwanz. "In einer kleinen Senke zwischen zwei Hügeln." Rotschweif sah sich das ganze an, konnte aber nichts anderes als Gras und vertrocknete Ginsterbüsche erkennen. Blaupelz begann über die offene Fläche zu rennen, die anderen folgten ihr. Rotschweif atmete die kühle Luft tief ein, während seine Pfoten auf der harten Erde trommelten. Es war merkwürdig, keine Bäume zu haben, die Schatten warfen, nur den weiten blauen Himmel über sich.

Die Patrouille preschte durch die Ginsterbarriere und die Dornen zerkratzen Rotschweif den Pelz, doch er hielt nicht an. Nachdem sie durch die Barriere gebrochen waren, fanden sie sich im WinClan Lager wieder, einer kleinen Lichtung umringt von Ginsterbüschen, aber offen zum Himmel hin. Ein großer Felsbrocken stand in der Mitte und die Katzen, die darunter in der Sonne lagen, sahen erschrocken auf.

Eine hellbraune Kätzin--Rehsprung, dachte Rotschweif--sprang auf die Pfoten und fauchte empört. "Was macht ihr denn hier?" jaulte sie. "Raus, oder wir werden euch zerreißen." Der schlanke grau-weiße Kater neben ihr, an den Rotschweif sich als Espenfall erinnerte, knurrte und bleckte seine Zähne.

Trotz Rehsprungs Drohung, sah Rotschweif, dass der DonnerClan Recht gehabt hatte: Es waren kaum Katzen im Lager und, abgesehen von Rehsprung und Espenfall, die sicher zurückgelassen worden waren, um das Lager zu schützen, waren es keine Krieger. Zwei dünne alte Katzen lugten aus einem Bau, der in die Ginsterbüsche geflochten worden war. Das muss der Ältestenbau sein. Einer der beiden jaulte eine Warnung.

Eine fauchende grau getigerte Kätzin blockierte den Eingang zu einem weiteren Bau, ihr Fell war aufgeplustert und ihre Krallen ausgefahren. "Bleibt weg!" knurrte sie.

"Wir werden deinen Jungen nichts antun, Rogggenpirsch," miaute Drosselpelz beruhigend, und bewegte sich langsam auf die Königinn zu.

Ihr Schwanz plusterte sich noch weiter auf. "Bleib von der Kinderstube weg!!"

Bevor Drosselpelz noch etwas erwidern konnte, fuhr Tigerkralle seine Krallen über Roggenpirschs Schulter, sie schrie vor Schmerz auf. "Nimm deine Jungen und bringe sie aus der Kinderstube," fauchte Tigerkralle. "Oder es wird deine Schuld sein, dass sie sich verletzen."

Die Augen weit aufgerissen, scheuchte Roggenpirsch ihre zwei Jungen aus der Kinderstube heraus und so weit von den DonnerClan Katzen weg wie nur möglich. Die beiden Jungen sahen verwirrt zu den eindringenden Katzen hinauf.

"Wer ist das, Roggenpirsch?" quiekte einer der beiden, einer kleiner brauner Kater, seine Nase gerkräuselt. "Sie riechen komisch!"

"Leise, Moorjunges," murmelte sie. "Bleibt hinter mir." Ihre Jungen in einen der Ginsterbüsche schiebend, senkte sie ihren Kopf und knurrte die DonnerClan Katzen mit angelegten Ohren an. Rotschweif sah beschämt auf das Blut, dass aus der Wunde an ihrer Schulter floss. Es sollte doch niemand verletzt werden!

Drosselpelz hatte bereits begonnen, die WindClan Kinderstube auseinanderzunehmen und Rotschweif half ihm, die weichen Nester herauszuziehen und die Ginsterwand zu zerreißen. Als er ein Nest aus Schafswolle auf die Lichtung zog sah er auf, um festzustellen, dass Stachelkralle und Flickenpelz das gleiche mit dem Ältestenbau machten, während Blaupelz die beiden Ältesten davon abhielt, die zwei DonnerClan Katzen daran zu hindern. Tigerkralle hatte Rehsprung und Espenfall in einen Kampf hineingezogen, was sie davon abhielt Roggenpirsch oder den Ältesten zu helfen. Als Rotschweif hinsah, kauerte sich Tigerkralle hin und fuhr seine Krallen über ihren weichen Bauch, seine Krallen hinterließen tiefe Kratzspuren und die Kätzin stolperte mit einem Schmerzensschrei rückwärts. Rotschweif zuckte zusammen.

Rindengesicht, der junge WindClan Heiler, stand knurrend vor seinem Bau. Als Rotschweif zusah, nahm Flickenpelz einen zögernden Schritt in die Richtung des Heilerbaus.

"Nicht der Heilerbau!" rief Blaupelz und wich einem kräftigen Schlag von einem der Ältesten aus. Erleichtert atmete Rotschweif aus. Wenn sie den Heilerbau zerstörten, könnten sogar Katzen umkommen. Das wäre dieser Kampf nicht wert. Wir werden hier nichts allzu Schlimmes anrichten, dachte Rotschweif. Wir erteilen ihren nur eine Lektion.

Egal wie oft sich Rotschweif diesen Satz sagte, es fühlte sich immer noch nicht richtig an. Tigerkralle fauchte gereizt und drückte Espenfall zu Boden. "Du bist zu weichherzig, Blaupelz," spottete er. "Ich bin immer noch die Zweite Anführerin des DonnerClans," erwiderte sie. "Und ich habe gesagt, dass wir den Heilerbau in Ruhe lassen."

Tigerkralle sah aus als ob er etwas sagen wollte, doch ein wütendes jaulen zog all ihre Aufmerksamkeit zum Lagereingang. Die WindClan Katzen strömten in ihr Lager, Hirschsprung in Führung. Wahrscheinlich hatten sie das Jaulen und Fauchen kämpfender Katzen gehört. Hirschsprung sah ihn einmal enttäuscht an und Rotschweif sah weg, auf einmal war er sich des zerissenen Teils der Kinderstube bewusst. Es ist nicht meine Schuld, wollte er ihm zurufen, doch stimmte das? Er wusste, was wirklich passiert war. Er hätte mit Abendstern reden können. Er hätte noch mehr versuchen müssen, seinen Anführer von der Unschuld des WindClans zu überzeugen. Seine Schuld schnürte ihm die Kehle zu. Es gab nichts was er jetzt noch sagen könnte.

Hirschsprung warf sich auf Tigerkralle und in einem Herzschlag wurden sie zu einer erbittert kämpfenden Fellmasse, ihre dunkelbraunen Pelze waren kaum zu unterscheiden. Auch die anderen WindClan Krieger begannen den gegnerischen Clan zu attackieren: Riesenschweif, der Zweite Anführer des WindClans, sprang mit ausgefahrenen Krallen nach Blaupelz' Kehle.

Während Rotschweif abgelenkt war, rammte eine weitere Katze seine Seite und riss ihn zu Boden. Schmerz durchfuhr ihn, als scharfe Krallen über seine Schulter fuhren. Pflaumenkralle hielt ihn auf dem Boden fest, während ihre Krallen seinen Pelz zerkratzen.

Keuchend wand sich Rotschweif unter der kleinen grauen Kätzin hin und her. Er kam nicht auf die Pfoten. Irgendwie musste er seinen Bauch schützen.

Plötzlich erinnerte er sich an etwas, dass ihm Spatzenpelz einmal beigebracht hatte. Für einen Moment hörte er auf sich zu wehren und rollte auf seinen Rücken. Als Pflaumenkralle ihr Gewicht verlagerte, um nicht herunter zu fallen, stieß er sie mit einem kräftigen Hieb von sich herunter, damit er wieder auf die Pfoten kommen konnte.

Drosselpelz versetzte Nussnase gerade einen Schlag, dieser jaulte vor Schmerz auf, Pflaumekralle drehte sich um und fuhr Drosselpelz mit den Krallen über die Nase. Rotschweif sah auf die kämpfende Menge Katzen um ihn herum, gerade als Riesenschweif mit seinen Krallen Blaupelz' Kehle durchschnitt.

Blaupelz stolperte, Blut rann über ihre Brust und tropfte auf den sandigen Boden.

"Blaupelz!" rief Rotschweif entsetzt und sprang in ihre Richtung, dabei stieß er Pflaumenkralle aus dem Weg. Riesenschweif fauchte und bereitete sich auf einen erneuten Kampf vor.

"Nein," fauchte Rotschweif bestimmt. "Wir gehen." Riesenschweif zögerte und Rotschweif stütze die verletze Blaupelz auf einer Seite. "Blaupelz, du musst den Rückzug anordnen," fügte er besorgt hinzu.

Sie aber lehnte sich nur schwer auf Rotschweifs Schulter. "Blaupelz?" fragte er. Die Zweite Anführerin schien benommen, ihre Augen gingen langsam zu und Rotschweif konnte ihr Gewicht kaum noch tragen.

Sie kann es nicht machen, merkte Rotschweif. Blaupelz war kaum noch bei Bewusstsein. Er sah sich um, überall waren fauchende und jaulende Katzen. Der WindClan war nun eindeutig in der Überzahl. Während er zusah, fiel Flickenpelz unter dem Gewicht zweier WindClan Krieger.

Blaupelz stöhnte.

Wenn wir noch länger hierbleiben stirbt sie, realisierte Rotschweif. Diesen Kampf haben wir ohnehin schon verloren, auch andere Katzen könnten sterben.

"DonnerClan, Rückzug!" rief Rotschweif so laut wie er nur konnte.

Tigerkralle stieß Hirschsprung von sich herunter. Eine lange blutige Kratzspur zog sich über das gesamte Gesicht des großen DonnerClan Kriegers, doch seine Augen funkelten vor Freude. "Was meinst du mit Rückzug?" schnauzte er.

Doch die anderen DonnerClan Krieger hatten, ebenso wie Rotschweif, bemerkt, dass sie diesen Kampf verloren hatten. Drosselpelz lief auf Blaupelzs andere Seite und zusammen trugen er und Rotschweif Blaupelz zum Lagereingang und zwischen den Ginsterbüschen hindurch. Die anderen DonnerClan Krieger rannten ihnen hinterher. 

"Und da rennt der DonnerClan!" Verächtliches Jaulen und ein paar Drohungen waren hinter ihnen zu hören.

Die Strecke zum Baumgeviert war ein Albtraum, Rotschweif keuchte unter dem Gewicht der halbwachen Blaupelz.

Als ihre Pfoten das weiche Gras des Baumgevierts trafen, hielten sie einen Moment an, damit Rotschweif und Drosselpelz einmal durchatmen konnten.

"Feiglinge!" fauchte Tigerkralle aufgebracht. Rotschweif sah ihn an. Das Gesicht des großen Tigerkaters war verzerrt vor Zorn.

"Wir mussten uns zurückziehen," keuchte Rotschweif. Seine Schulter tat weh und seine Pfoten brannten. Jeder Herzschlag, dem sie hier herumstanden und stritten, konnte der sein, in dem Blaupelz ihren letzten Amtenzug tat. "Sieh sie an!"

Tigerkralles Blick flog über Blaupelz hinweg. "Wir hätten den Kampf für sie zu Ende bringen sollen. Kein wahrer Krieger würde vor einem Kampf fliehen. Du hast Schande über den ganzen DonnerClan gebrach, Rotschweif."

Hab ich das? Blaupelz' Atem rasselte in ihrer Brust und Rotschweif wurde klar, dass Tigerkralle falsch lag. "Ich habe das richtige getan," beharrte er und blickte Tigerkralle dabei direkt an. "Wahre Krieger beschützen ihre Clankameraden. Dieser Kampf war unnötig."

Tigerkralle fauchte erneut, doch sagte nichts. Stachelkralle und Flickepelz übernahmen Rotschweifs und Drosselpelz' Positionen und sie setzten ihren Weg durchs DonnerClan Territorium fort. 

Als sie das DonnerClan Lager erreichten, war Rotschweif ans hintere Ende der Gruppe gerutscht, müde und wund. Als die anderen die Schlucht hinab stiegen, Blaupelz in ihrer Mitte, drehte sich Tigerkralle zu Rotschweif um. 

"Guter Trick," fauchte Tigerkralle, seine bernsteinfarbenen Augen dunkel vor Wut. 

"Was meinst du?" fragte Rotschweif verwirrt.

"Zu versuchen, es so aussehen zu lassen, als ob du dich um Blaupelz sorgst," spottete Tigerkralle. "Du bist nur ein Feigling. Und du warst es schon immer--seitdem du ein Schüler warst und ich dich vor diesem Falken retten musste. So viel zu dem Leben, dass du mir schuldest. Von wegen Loyalität!"

Rotschweif senkte seinen Kopf nicht, so wie er es sonst getan hätte, stattdessen starrte er direkt in Tigerkralles bernsteinfarbenen Augen. Er fühlte sich, als ob er Tigerkralle zum ersten mal sah. Wo war der mutige Krieger, der ihn vor dem Falken gerettet hatte? Diese Katze hatte einen Schüler terrorisiert, seinen Anführer angelogen, hatte alles getan um einen Kampf zu provozieren, den niemand brauchte und Rotschweif hatte nichts dagegen getan. Diesen Fehler würde er nicht noch einmal machen.

"Ich sorge mich um Blaupelz," fauchte er zurück, in einem leisen, tiefen Flüstern. "Deine dämliche Kampfgier hat sie beinahe umgebracht. Und ich schulde dir gar nichts mehr."

Er stieß Tigerkralle beiseite und machte sich auf den Weg ins DonnerClan Lager. Er war loyal, doch jetzt wusste er auch was Loyalität bedeutete.

Es war nicht Tigerkralle dem seine Loyalität galt, es war der DonnerClan.

Kapitel Sieben

"Du bist derjenige, der zum Rückzug aufgefordert hat," keifte Tigerkralle und starrte Rotschweif feindselig an. "Welcher Zweite Anführer gibt sein eigenes Territorium auf?"

Rotschweif blickte den älteren Krieger trotzig an. Blattgrüne um Blattgrüne war vergangen, seit dem schiefgelaufenen Angriff auf das WindClan Lager. Abendstern hatte sein neuntes Leben verloren und war zum SternenClan aufgestiegen. Blaupelz war Anführerin geworden, doch anstatt Tigerkralle oder Stachelkralle zu wählen, hatte sie sich Rotschweif als Zweiten Anführer ausgesucht.

Älteste waren gestorben, Junge wurden geboren, Krieger hatten sich in den Ältestenbau zurückgezogen und Schüler waren zu Kriegern ernannt worden. Und doch, als er neben Tigerkralle im Anführerbau stand, merkte er, das dieses Gespräch genauso verlief wie das damals, als er noch ein Schüler gewesen war. Tigerkralle hatte sich um kein Schnurrhaar verändert.

Aber die Lage war ernster als vorher. Erst vor ein paar Tagen hatten sie einen Kampf gegen den FlussClan um die Sonnenfelsen verloren, der erste Kampf den sie auf DonnerClan Territorium verloren hatten seit Blaustern Anführerin geworden war.

"Die Art Zweiter Anführer, die sich um die Katzen in seinem Clan sorgt," knurrte Rotschweif zurück, während sein Schwanz hin und her peitschte. Wie konnte es dieser Kater wagen, seinen Befehl zu hinterfragen? Es war unmöglich gewesen diesen Kampf noch zu gewinnen. "Der FlussClan war uns überlegen. Wir mussten Mausefell zum Heilerbau bringen, sonst wäre sie jetzt tot, genauso wie andere DonnerClan Krieger."

"Wir müssen ihnen eine Lektion erteilen," schnauzte Tigerkralle und grub seine langen Krallen tief in die weiche Erde, als er sich Blaustern zuwandte. "Wenn wir unsere Grenzen nicht verteidigen, wird der FlussClan denken, er kann in unserem Territorium herumspazieren wann er will. Rotschweif hat einen Fehler gemacht."

Blaustern schüttelte den Kopf. "Nein, Rotschweif hat das Richtige getan," miaute sie bestimmt. "Manchmal musst du eben einen Kampf verloren geben, um deinen Clan in Sicherheit zu wissen." Tigerkralle schwieg, sein Blick düster. "Aber du kannst dir sicher sein," fuhr Blaustern fort. "Wir werden die Sonnefelsen wiederbekommen." 

Rotschweif rutschte unruhig auf seinem Platz hin und her, die Erde des Anführerbau plötzlich kalt unter seinen Pfoten. Wenn wir jetzt kämpfen, werden unsere Krieger sterben.

"Aber nicht jetzt," fügte er hastig hinzu. "Wir haben nicht genug Krieger um diesen Kampf zu gewinnen. Der DonnerClan braucht im Moment jeden Krieger den er hat zum Überleben."

Tigerkralle fauchte leise. "Genau das was ein Feigling sagen würde," murmelte er, fast zu leise für Rotschweifs Ohren. "Du wirst immer vor einem Kampf zurückschrecken."

"Was hast du gesagt?" fragte Rotschweif aufgebracht und das Fell auf seinem Rücken stellte sich unwillkürlich auf. Es war lange her, dass Tigerkralle ihn bedroht hatte und er würde sich keine gemurmelten Beleidigungen anhören. Was auch immer Tigerkralle von ihm dachte, er war immer noch der Zweite Anführer des DonnerClans.

"Wir werden, zu allererst, den Frieden in unserem eigenen Clan bewahren," miaute Blaustern, in warnendem Tonfall.

Tigerkralle senkte unterwürfig den Kopf. "Ich habe rein gar nichts gesagt," miaute er ruhig. "Du hast, wie immer, weisen Ratschlag gegeben, Rotschweif."

Rotschweifs Muskeln spannten sich unwillkürlich an. Er traute diesem Kater nicht. Was hatte Tigerkralle diesmal vor?


Rotschweif sah zum Himmel auf. Es war noch genug Zeit für eine letzte Jadgpatrouille, bevor sich der Clan für die Nacht sammelte. Beute gab momentan genug, und sein Clan sollte sich die Bäuche füllen, solange er noch konnte. 

"Löwenherz," rief er. "Nimm Weißsturm und Graupfote mit zum jagen."

Der große goldene Kater miaute seine Zustimmung. "Ich habe gestern ein Mausnest gerochen, an der Grenze des Zweibeinerorts," miaute er freundlich. "Wir werden was frisches zurückbringen."

Rotschweif sah ihnen nach und musste schnurren, als er beobachtete wie der flauschige Schüler aufgeregt an der Seite seines Mentor entlang sprang. Rotschweifs eigener Schüler, Borkenpfote, war beschäftigt damit den Ältestenbau zu säubern. Gemeinsam mit Sandpfote und Rabenpfote, zupfte er altes Moos und vertrocknete Blätter aus den Nestern und stapelte sie ordentlich auf einem Haufen. Die Ältesten dösten gemeinsam in der Nähe.

"Vergesst nicht mein Nest extra weich zu machen," rief Einauge, -- einmal bekannt als Weißauge, bevor sie schließlich ihr Blindes Auge verloren und in den Ältestenbau gezogen war -- ihre Stimme besonders laut, wegen ihrer eigenen Probleme beim Hören. Sandpfote schnippte mit der Schwanzspitze, um der Ältesten zu signalisieren, dass sie gehört worden war.

Rotschweifs Wurfgefährten waren beide auf der Lichtung. Tüpfelblatt zog gerade einen Dorn aus Dunkelstreifs Schwanz. Der grau-schwarze Kater zuckte leicht zusammen, doch ihre Bewegungen waren schnell und sicher. Glanzfell teilte gerade ein Wasserratte mit Mausefell und war mit der braunen Kätzin in ein Gespräch vertieft. Andere Krieger gaben sich die Zunge oder dösten in Sonne, während Frostfells und Goldblütes Jungen aufgeregt durchs Lager rannten und dabei über ihre eigenen Pfoten stolperten, ihre Mütter saßen gemeinsam vor der Kindestube und wachten über ihren Nachwuchs.

Heute Nacht war das DonnerClan Lager ein friedlicher Ort, und Rotschweif, in Gedanken schon dabei, die Patrouillen des nächsten Tages zu planen, trabte in Richtung Hochfelsen, um Blaustern einen Tagesbericht zu erstatten.

Als Rotschweif sich dem Anführerbau näherte, wurden seine Schritte langsamer und er horchte auf. Er konnte Tigerkralles Stimme hören. Wieso traf sich der ältere Kater ohne ihn mit Blaustern?

"Wir müssen jetzt zuschlagen," fauchte der große Kater. "Wir müssen die Sonnenfelsen zurückerlangen und zeigen das sich der DonnerClan nicht mit Katzen abfindet, die Grenzen ignorieren."

Blausterns miauen war nachdenklich. "Ich verstehe warum du den FlussClan angreifen möchtest, aber dennoch glaube ich, dass Rotschweif Recht hat," miaute sie. "Ohne genügend Krieger haben wir keinen Chance gegen den FlussClan."

Tigerkralles Stimme wurde schleimig und Rotschweifs Fell kribbelte unangenehm. Was hatte Tigerkralle denn nun vor? "Wir können aber nich herumsitzen und nichts tun," beharrte er. "Alle Clans werden sich an unserem Territorium vergreifen wenn sie denken, dass wir schwach sind. Lass mich wenigstens die Sonnenfelsen markieren und damit zeigen das wir uns nicht so leicht geschlagen geben."

Blaustern zögerte und Rotschweif versuchte nichts zu verpassen, seine Ohren starr auf den Eingang des Baus gerichtet. Glaubte sie wirklich, dass dies alles war was der braune Kater plante? Rotschweif hatte nicht vergessen, wie gerne Tigerkralle Blut vergoss. Doch Blaustern vertraute ihm deutlich mehr als Rotschweif.

"In Ordnung," miaute Bkaustern schließlich. "Nimm ein paar Katzen und markiere die Sonnenfelsen bei Sonnenaufgang. Sieh nach, ob sie frische Markierungen hinterlassen haben, wenn ja, dann zerstöre diese. Du hast Recht, wir dürfen nicht nachgeben. Aber, das ist alles was du zu tun hast. Such nicht nach einem Kampf, Tigerkralle."

Rotschweif stöhnte innerlich und stellte sich den siegessichen Blick in den bernsteinfarbenen Augen des Katers vor. Was Tigerkralle gesagt hatte, hatte nach einer guten Idee geklungen, doch Rotschweif glaubte nicht wirklich, dass der große Kater nur vorhatte die Grenzen zu markieren.

Bevor Rotschweif sich zurückziehen konnte, hatte Tigerkralle sich bereits zwischen dem Flechtenvorhang hindurch geschoben. Er hielt an als er Rotschweif sah und sein Pelz fühlte sich heiß an, Tigerkralle hatte ihn beim lauschen erwischt.

"Ich denke du hast alles gehört?" fragte Tigerkralle, seine Stimme tonlos. Rotschweif nickte mit einer leicht zögerlichen Bewegung. "Versuch gar nicht erst mich aufzuhalten," fuhr der große Kater fort. "Blaustern stimmt mir zu. Ich nehme morgen eine Gruppe Krieger mit, Krieger, die keine Angst davor, haben ihren Clan zu schützen." Er stakste an Rotschweif vorbei, so nah, dass ihre Pelze sich berührten.

"Tigerkralle, warte," rief Rotschweif ihm hinterher. Tigerkralle drehte ich um, sein Gesichtsausdruck vorsichtig. "Ich werde nicht versuchen dich aufzuhalten... ich möchte mit dir kommen."

Tigerkralles Augen weiteten sich erstaunt. "Tatsächlich?" fragte er.

"Ja." Rotschweif tappte langsam auf ihn zu. "Du hast Recht, wir müssen unser Territorium markieren. Ich möchte die Sonnefelsen schließlich auch nicht verlieren."

Tigerkralle sah Rotschweif für eine Weile nachdenklich an, dann hob er seinen Schwanz hoch über seinen Rücken. "Velleicht wirst du eines Tages doch noch ein wahrer Krieger sein," miaute er schließlich.

"Ich bin ein wahrer Krieger," antwortete Rotschweif. "Alles, was ich will, ist meinen Clan zu schützen."   

Und wenn du mehr planst als du sagt, -- wenn du tatsächlich nicht ganz ehrlich bist, Tigerkralle -- werde ich da sein um dich aufzuhalten.

Kapitel Acht

"Bitte lass mich mitkommen," bettelte Borkenpfote, während er hinter Rotschweif durchs Lager lief. Der Himmel war immer noch von hellen Sternen übersät und die meisten Katzen schliefen noch. Sturmwind stand am Ginstertunnel und zuckte müde mit einem Ohr, als er Rotschweif sah.

"Nein," sagte Rotschweif und suchte sich eine Maus vom Frischbeute Haufen aus. "Iss etwas, sieh nach, ob die Ältesten irgendetwas brauchen, danach kannst du mit Weißsturm und Sandpfote ein bisschen trainieren. Es würde deinen Kampftechniken nicht schaden."

"Aber ich würde lieber mit dir mitkommen," versuchte Borkenpfote es noch einmal. "Ich war noch nie bei den Sonnenfelsen, ich bin sicher, dass ich eine Menge lernen könnte.

Rotschweif sah seinen Schüler streng an. "Ich habe nein gesagt und meinte es auch so. Du warst noch nicht dort, weil die Sonnenfelsen im Moment zu gefährlich sind für einen Schüler."

Borkenpfote seufzte. "Rabenpfote geht doch auch mit."

"Tatsächlich?" erstaunt blickte Rotschweif über die Lichtung, wo der dünne schwarze Kater saß und geduldig wartete bis Tigerkralle auftauchte. Sein Pelz juckte voller Unbehagen. Tigerkralles Schüler sah so jung aus, sogar jünger und kleiner als Borkenpfote. "Aber nicht Rabenpfote ist mein Schüler, du bist es. Und mein Schüler wird heute nicht zu den Sonnenfelsen gehen."

Borkenpfotes Schwanz sackte herab, doch er senkte respektvoll den Kopf. "Ja, Rotschweif."

Rotschweif stupste ihn an, damit er aufsah und miaute freundlich, "Ich werde mit Weißsturm reden, wenn ich zurück bin und wenn du dich gut geschlagen hast, werden wir heute Abend jagen gehen."

Als Rotschweif seinen Schüler alleine ließ, schien dieser doch ganz glücklich mit der Aussicht heute mit ihm jagen zu gehen. Rotschweif machte sich auf den Weg zum Ginstertunnel, wo Tigerkralle und Rabenpfote bereits auf ihn warteten.

"Du hast also beschlossen Rabenpfote mitzunehmen?" fragte Rotschweif als er bei ihnen ankam. "Wir bringen eigentlich keine Schüler in gefährliche Teile unseres Territoriums."

Tigerkralle sah ihn unschuldig an. "Wir werden nur die Grenzen markieren, Rotschweif," antwortete er gleichgültig. "Du musst dir keine Sorgen machen." Ein leicht spöttischer Unterton schwang in seiner Stimme mit.

Rotschweif zögerte. Er war der Zweite Anführer des DonnerClans; er konnte Tigerkralle befehlen, Rabenpfote im Lager zu lassen. Ist das hier den Streit Wert?

Tigerkralle machte einen Schritt auf ihn zu. "Ich werde nicht zulassen, das ihm etwas zustößt" miaute er leise. "Ich werde auf ihn aufpassen. Du weißt das."

Ja, ich weiß das. Rotschweif erinnerte sich plötzlich an etwas, dass Glanzfell zu ihm gesagt hatte, als sie noch Schüler waren, "Er würde nicht zulassen, dass uns etwas zustößt, das würde seinem Ruf schaden." Und dann hatte Tigerkralle ihn vor diesem Falken gerettet. Trotz all dem, was zwischen ihm und dem großen Kater vorgefallen war, schuldete Rotschweif ihm immer noch sein Leben. "Na gut," willigte Rotschweif ein. "Aber vergiss nicht, dass wir nur unser Territorium markieren.

Damit führte Rotschweif die beiden Katzen durch den Ginstertunnel und aus der Schlucht heraus. Im Wald angekommen, trabten er und Tigerkralle nebeneinander in Richtung Sonnenfelsen, während Rabenpfote ein paar Schritte hinter ihnen blieb. Der Himmel wurde immer heller und heller und ein leichter Morgennebel hing in der Luft.

Hinter ihnen gab Rabenpfote ein leises verspielten Knurren von sich. Rotschweif blickte zurück und sah, wie der Schüler sich auf seine Hinterpfoten stellte und mit den Vorderpfoten nach einem imaginären Gegner schlug.

"Sehr gut, Rabenpfote," sagte Tigerkralle, mit einem amüsierten Schnurren.

"Ich kann es nicht erwarten, gegen den FlussClan zu kämpfen," miaute der schwarze Schüler aufgeregt, während sein Schwanz vor hin und her peitschte. "Der beste Weg zu lernen wie man ein richtiger Krieger ist, ist in einem Kampf dabei zu sein."

Rotschweif zuckte beunruhigt mit den Ohren. Das war Tigerkralles Einfluss, das wusste er. Es klang einfach zu sehr nach dem, was Tigerkralle zu ihm gesagt hatte als er noch ein Schüler war. Es war zwar wichtig, ein starker Krieger zu sein und seinen Clan zu schützen, aber war Kampf alles was Tigerkralle wollte? Brachte er seinem Schüler etwa bei, genauso zu denken?

"Wir werden heute nicht gegen den FlussClan kämpfen," erinnerte Rotschweifd den Schüler freundlich. "Unseren Clan in Sicherheit zu wissen, ist wichtiger als andere zu besiegen."

Rabenpfote seufzte, doch er antwortete nicht. Rotschweif sah Tigerkralle aus dem Augenwinkel an. Velleicht sollte ich mit Blaustern über Tigerkralles Erziehung reden, dachte er. Auf jeden Fall würde er heute ein Auge auf Rabenpfote haben. Ich möchte nicht das Tigerkralle seinen Schüler dazu ermutigt etwas Dummes zu tun.

Die Sonne war bereits über dem Horizont und wärmte ihren Pelz. Die glatten Granitblöcke der Sonnenfelsen waren immer noch nachtkühl unter Rotschweifs Pfoten, doch er wusste, dass sie warm genug werden würden um auf ihnen in der Sonne zu liegen. Der wunderbare Geruch nach Maus stieg aus den Ritzen unter und zwischen den Steinen. Rotschweif konnte allerdings auch den fischigen Gestank des FlussClans riechen.

"Verteilt euch und markiert unser Territorium, am besten am Fluss." 

Tigerkralle und Rabenpfote bewegten sich zur anderen Seite der Sonnenfelsen und Rotschweif begann seine Markierungen über die des FlussClans zu setzen. Es herrschte absolute Stille, bis auf das leise Flüstern der Blätter im Wald hinter ihm und das Geräuch der Wellen, die gegen die Felsen schlugen.

Velleicht werden wir doch nicht in Schwierigkeiten geraten, dachte Rotschweif und begann sich zu entspannen. Tigerkralle und Rabenpfote trabten über die Felsen auf ihn zu.

"Sie sind durchgängig markiert," stellte Tigerkralle fest. "Aber velleicht--"

Ein lautes Fauchen unterbrach ihn. Fünf Katzen tauchten hinter einem großen Felsen auf der anderen Seite der Lichtung auf, ihre Zähne waren gebleckt und ihr Fell sträubte sich. An der Spitze war ein großer, muskulöser, rotbrauner Kater, der Rotschweif langsam immer näher kam und die Augen zusammenkniff.

"Eichnenherz," miaute Rotschweif und er fühlte wie sich sein eigenes Rückenfell aufstellte, als er sich dem FlussClan Kater in den Weg stellte.

"Was macht ihr hier?" fauchte Eichenherz. "Das ist jetzt unser Territorium."

Rotschweif fuhr seine Krallen aus. "Die Sonnenfelsen gehören dem DonnerClan," miaute er einfach. "Es ist mehr nötig, diesen Kampf zu beenden." Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, doch seine Stimme blieb ruhig und gelassen. "Berichte Streifenstern, dass sich der DonnerClan niemals geschlagen gibt."

Er bemerkte, dass zwei Katzen, die hinter Eichenherz standen, sich einen skeptischen Blick zuwarfen, doch der Zweite FlussClan Anführer blieb gelassen. "Der FlussClan wird sein Territorium nicht aufgeben."

"Genauso wenig wie der DonnerClan," konterte Rotschweif und sah Eichenherz dabei direkt in die Augen. "Sag es Streifenstern."

Der Zweite Anführer des FlussClans nickte. Erleichtert lockerte Rotschweif seine Körperhaltung ein wenig. Es würde mehr Blut über die Sonnenfelsen vergossen werden, aber nicht heute,

Mit einem lauten Schrei ließ Tigerkralle auf einmal eine Pfote vorschnellen und schlug nach der deutlich kleineren schwarz-grauem Kriegerin in seiner Nähe. Überrascht, wich sie einen Moment zu spät aus und fiel dann zurück, ihre großen Augen blickten ihn erstaunt an. Blut blubberte in einem immer schneller fließenden Rinnsal aus ihrer Brust. Rotschweif schnappte entsetzt nach Luft.

Ich hätte es wissen sollen, dachte Rotschweif. Tigerkralle würde nie ohne Blut zu vergießen abziehen. Im Moment standen die FlussClan Katzen nur schockiert da, doch das würde nicht anhalten. Wenigstens hatte er dadurch die Chance, Rabenpfote aus diesem Schlamassel herauszuholen. Über die Schulter blickte er auf den mageren schwarzen Schüler, der das Geschehen mit weit offenen Augen beobachtet hatte.

"Rabenpfote, lauf!"

Kapitel Neun

Rabenpfote stierte Rotschweif nur böse an, seine Ohren steif vor Empörung. "Ein wahrer Krieger flieht niemals vor einem Kampf," schnauzte er. "Tigekralle hatte Recht, was dich angeht."

Trotz der Gefahr, in der sie immer noch alle schwebten, fühlte Rotschweif einen leichten Anflug von Verärgerung. Tigerkralle hate seinem Schüler ernsthaft Schlechtes über seinen Zweiten Anführer erzählt. Was für Clanloyalität war das?

Doch jetzt war nicht die Zeit darüber zu reden. Eichenherz war vorgesprungen und hatte Tigerkralle von der kleineren Kätzin weg gestoßen. Sein Gesicht dunkel vor Wut.

Rotschweifs Herz begann schneller zu schlagen. Es waren nur er, Tigerkralle und ein viel zu kleiner Schüler, gegen vier ausgewachsene FlussClan Krieger. Er und Tigerkralle waren zwar gute Kämpfer, doch das hier war eine sehr schlechte Situation. 

Velleicht konnte er sie abschrecken. "Sagt Streifenstern, dass die nächste FlussClan Katze, die wir auf DonnerClan Territorium gefunden wird, nicht heil zurückkommen wird." Er kniff seine Augen zusammen. "Dieser Kampf muss enden."

Eichenherzs Augen weiteten sich erstaunt, doch dann machte er einen Schritt auf Rotschweif zu, seine Ohren fest an seinen Kopf gepresst. "Egal, was ihr uns angedroht, FlussClan Katzen müssen auch essen. Wir werden diesen Teil unseres Territoriums nicht einfach so aufgeben. Auch wenn wir den DonnerClan dafür vernichten müssen."

Die anderen FlussClan Katzen hatten sich inzwischen hinter ihrem Zweiten Anführer aufgereiht, Schwänzezuckend und mit gebleckten Zähnen. Misstrauisch beobachtete Rotschweif die Katzen und spannte seine Muskeln an.

Mit einem lauten Knurren, schlug Tigerkralle mit einer seiner mächtigen Vorderpranken nach Eichenherz, der hart auf dem Felsboden aufschlug. "Flohverseuchte Wasserratte!" fauchte er. "Bleibt in eurem eigenen Territorium!"

Für einen Moment lag Eichenherz ganz still, doch dann kam er auf seine Pfoten, das Fell gesträubt vor Wut. Tigerkralle machte einen Schritt rückwärts und Eichenherzs verengte Augen wanderten an ihm vorbei zu der DonnerClan Katze, die ihm am nächsten war...

Rabenpfote.

Auf einmal schwappte eine eiskalte Welle über Rotschweif. Der magere Schüler hatte nicht die geringste Chance gegen den Zweiten Anführer des FlussClans.

Bevor sich Eichenherz regen konnte, war Rotschweif schon zwischen die beiden Katzen und kratze Eichenherzs Brust auf. Eichennerz erhob sich auf die Hinterbeine und schlug nach Rotschweif. Heißer Schmerz durchfuhr seine Schulter, doch zum Glück konnte er dem nächsten Schlag des rotbraunen Katers ausweichen und er bekam sogar die Gelegenheit seine Zähne tief in Eichenherzs Seite zu graben.

Als ob Rotschweifs Angriff auf Eichenherz ein Signal gewesen war, stürmten nun auch die anderen Katzen aufeinander zu. Einer, ein dunkelbrauner Kater, schubste Rabenpfote, mit ausgefahrenen Krallen, grob zur Seite, als er sich in Richtung Tigerkralle bewegte. Der schwarze Schüler schrie vor Schmerz auf.

"Rabenpfote!" rief Rotschweif, der halb unter Eichenherz vergraben war. Verzweifelt versuchte Rotschweif nach dem weichen Bauch des größeren Katers zu treten, doch er konnte sich nicht bewegen. Aus dem Augenwinkel sah Rotschweif, wie Tigerkralle versuchte sich zu seinem Schüler durchzuschlagen, doch drei FlussClan Katzen versperrten ihm den Weg.

Verzweifelt trat Rotschweif immer und immer wieder nach Eichenherz Bauch und schaffte es, Eichennerz ein wenig zurückzuschieben, sodass er seinen Kopf drehen und den schwarzen Schüler ansehen konnte. "Rabenpfote, lauf!" schrie er. "Du wirst dich sonst verletzen!" Ich muss ihn beschützen. Rabenpfote war einfach zu jung und unerfahren für diesen Kampf.

Rabenpfote starrte ihn ungläubig an. "Krieger fliehen nicht," fauchte er. Seine Stimme klang schon lange nicht mehr so selbstsicher wie vorher, doch er schien sich bereit zu machen und ging einen Schritt auf den Kampf zu.

Aber du bist kein Krieger. Rabenpfote würde sich töten lassen. Dieser Gedanke gab ihm genug Kraft, um sich vom Boden abzustoßen und Eichenherz von sich herunter und weg zu schleudern. "Lauf zum Lager und hole Hilfe," knurrte er in Richtung des Schülers. "Das ist ein Befehl!"

Eichenherz sprang wieder auf Rotschweif zu und drehte ihn auf die Seite. Spitze Krallen gruben sich in Rotschweifs Bauch, doch er konnte Tigerkralles Stimme hören.

"Wage es ja nicht, irgendwo hinzugehen, Rabenpfote," fauchte Tigerkralle. "Wir sind schon in der Unterzahl; wir brauchen dich hier. Bist du ein Mrieger oder ein Mausherziges Junges?"

Rotschweif konnte nichts außer den FlussClan Kater über ihm sehen, doch er hörte wie Rabenpfote laut fauchte als er sich ins Kampfgetümmel warf. Was tut Tigerkralle da? Frische Wut strömte durch ihn hindurch bei dem Gedanken daran, das Tigerkralle und Rabenpfote seine Befehle missachtet hatten--war er der Zweite Anführer, oder nicht?--diese Wut gab ihm genug Kraft, um sich erneut aus Eichenherzs Pfoten zu befreien.

Für einen Moment stierte Eichenherz etwas hinter ihm an. "Wenn dieser Schüler noch einen Schritt näher kommt, töte ich ihn," knurrte er.

Beschützerische Wut durchflutete Rotschweif und in einer schnellen Bewegung war er auf dem Pfoten und sprang nach Eichenherzs Kehle. Er biss wild nach dem rotbraunen Kater und Blut füllte seinen Mund. Eichenherz stolperte rückwärts, doch Rotschweif ließ nicht los, bis die Bewegungen seines Gegners immer schwächer wurden und schließlich erstarben.

Mit einer Vordepfote wischte sich Rotschweif das Blut aus dem Gesicht. Er sah zu, wie Eichenherz auf seinen Pfoten schwankte und fiel, schließlich erlosch auch das Licht in seinen Augen.

Kapitel Zehn

Rotschweif stolperte einige Schritte zurück und starrte den leblosen Körper vor seinen Pfoten an. Der Kampf um ihn herum tobte jedoch weiter vor sich hin--Rabenpfote rollte mit der kleinen grau-schwarzen Kätzin kreischend auf dem Boden herum und Tigerkralle verteidigte sich selbst gegen zwei angreifende FlussClan Krieger--doch das kreischen und jaulen dieser Katzen schien sehr, sehr weit entfernt.

Er kann nicht tot sein. Ich kann ihn doch nicht etwa getötet haben.

Doch Eichenherz war tot.

Ein jaulen der Trauer ertönte von zwei FlussClan Kriegern, die bemerkt hatten was passiert war und sie kamen um Eichenherzs Leiche Richtung Fluss zu ziehen, ihre Augen weit vor Entsetzen.

Doch die anderen hatten ihren Kampf nicht unterbrochen. Rotschweif riss seinen Blick vom Zweiten Anführer des FlussClans. Tigerkralle kämpfte immer noch mit einem großen grauen FlussClan Kater. Er fauchte und schlug nach dem anderen Kater, doch seine Pfoten rutschen auf den glatten Steinen. Tigerkralle fiel und sein Kopf landete direkt auf einem der anderen Felsbrocken.

Für einen Moment schien Tigerkralle zu verblüfft und blickte seinen Gegner aus großen, verwirrten bernsteinfarbenen Augen an. Der Fremde Kater sprang nach vorne, die Zähne gebleckt.

Er wird ihn töten, realisierte Rotschweif. Ich kann nicht zulassen, das hier noch eine weitere Katze stirbt. Mit einer schnellen, fließenden Bewegung sprang Rotschweif nach vorne und biss fest in die Schwanzwurzel des grauen Katers. Mit einer Kraft und Wut, die er noch nie zuvor gespürt hatte, schleuderte er den FlussClan Kater von Tigerkralle weg. Dieser landete zwar auf seinen Pfoten doch er schwankte so sehr auf den Pfoten das er vom Felsen herunter und in die Büsche um die Sonnenfelsen herum, fiel.

Keuchend dreht sich Rotschweif um und sah wie Tigerkralle ihn anerkennend ansah.

"Rotschweif! Du hast diese Katze herumgeworfen, wie ein Haufen Blätter." Der große braune Kater kletterte auf die Pfoten und schüttelte leicht den Kopf, als ob er den Schlag abschütteln wollte, den er kassiert hatte. "Und du hast Eichenherz getötet. Ich dachte nicht, dass dases in dir steckt."

Tigerkralles Stimme hatte etwas bewunderndes an sich,  doch Rotschweif fühlte sich einfach nur elend. Es gab eine Zeit in der Tigerkralles Lob alles für mich bedeutet hätte.

Doch jetzt war Eichenherz tot. Und für was? Der Kampf um die Sonnenfelsen würde damit nicht gewonnen sein.

Wut stieg in ihm hoch, als er in Tigerkralles Augen blickte. Er ist Schuld, er allein. Es hätte nicht zu einem Kampf kommen müssen, nicht heute. Wenn Tigerkralle diese eine FlussClan Katze nicht angegriffen hätte, würde Eichenherz noch leben und Rabenpfote wäre nicht verletzt.

Rotschweif wollte kein Mörder sein.

Er hatte noch nie eine andere Katze getötet. Bis heute.

"Tigerkralle?" Rabenpfotes Miauen war zögerlich. Der magere schwarze Schüler rückte ein Stück näher und blickte zwischen den beiden ausgewachsenen Katern hin und her. Es waren immer noch zwei FlussClan Krieger da--die kleine schwarz-graue Kätzin, die Tigerkralle als ersten angegriffen hatte und der große graue Kater, den Rotschweif von Tigerkralle heruntergezogen hatte. Sie pressten ihre Körper gegen die glatte Oberfläche der Steine, die Ohren angelegt, während sie die DonnerClan Katzen misstrauisch beobachteten.

"Rabenpfote, geh!" knurrte Rotschweif. Wenn nichts anderes, konnte er wenigstens den Schüler vor weiterem bewahren.

Tigerkralle sah Rotschweif nachdenklich an, dann sagte er, zu Rotschweifs Verwunderung, "Geh zum Lager, Rabenpfote! Rotschweif und ich werden mit denen schon fertig!" 

"Doch der Kampf ist noch nicht um," protestierte Rabenpfote. "Und ich schulde Rotschweif... er hat mich gerettet... Eichenherz hat gesagt..."

"Du schuldest mir rein gar nichts," erwiderte Rotschweif.

"Geh, so lange du noch kannst," stimmte Tigerkralle zu. "Lauf zum Lager, jetzt!"

Endlich! Dem SternenClan sei dank, dachte Rotschweif.

Rabenpfote ging ein paar Schritte rückwärts, dann dreht er sich um und lief.

Während der schwarze Schüler im dichten Grün verschwand, nahm Rotschweif eine flüchtige Bewegung aus dem Augenwinkel wahr. Er dreht sich um und sah, wie die schwarz-graue Kätzin auf Tigerkralle zusprang, direkt auf seine Kehle. Der Kampf war kurz, doch dann drückte Tigerkralle die kleine Kätzin mit einer seiner mächtigen Pfoten zu Boden. Er fauchte und schlug nach ihr, während sie nur erschöpft auf den Steinen lag, doch Rotschweif knurrte, "Tigerkralle, stopp!" Zu seiner Verwunderung, hörte der große Kater zu und hielt inne, seine Krallen an ihrer Kehle.

"Kein Blut mehr," sagte Rotschweif leise. "Nicht jetzt."

Die beiden verbleibenden FlussClan Katzen wechselten einen erleichterten Blick und riefen zum Rückzug. Rotschweif sah zu wie sie hinter den größeren Felsen verschwanden und hörte ein das leise Flüstern der Wellen, als sie ins Wasser glitten.

Etwas in ihm entspannte sich. Es war vorbei. Er konnte und wollte nicht über Eichenherzs Tod nachdenken, nicht jetzt. Die Sonne stand hoch am Himmel und das reflektierte Sonnenlicht blendete ihn für einen Moment.

Ein gut gezielter Schlag traf Rotschweif am Rücken. heißer Schmerz durchzuckte seine Kehle und er konnte spüren, wie etwas warmes in sein Fell sickerte und seine Brust hinunter lief. Blut. Er versuchte wieder auf seine Pfoten zu kommen, doch er konnte sich nicht bewegen. Waren die FlussClan Katzen zurückgekehrt?

Sein Blickfeld verschwamm, doch als das Gewicht von seinem Rücken verschwand, sah er nach oben, um dort Tigerkralle zu sehen, der mit ausdruckslos funkelnden Augen auf ihn herabblickte.

Tigerkralle... hatte der ihn etwa angegriffen?  In seinem Kopf machte sich eine graue Wolke breit; er konnte einfach nicht klar denken. Er versuchte zu sprechen, doch sein Mund fühlte sich trocken an. "Wieso?" flüsterte er, fast unhörbar.

Tugerkralles Schwanz ringelte sich hoch über seinem Rücken und seine Augen leuchteten. "Du warst mir im Weg, Rotschweif. Es ist nichts persönliches, aber der DonnerClan braucht einen richtigen Zweiten Anführer. Ich tue nur das, was der Falke für mich erledigen hätte, als du noch ein Schüler warst."

Rotschweif könnte Wärme um ihn herum spüren--war das sein Blut, dass in der Erde versickerte?--aber, ihm war doch so... kalt. "Aber... du hast mir das Leben gerettet," miaute er langsam.

"Ja... du hättest loyal sein müssen," murmelte Tigerkralle, seine bernsteinfarbenen Augen starr auf Rotschweifs Gesicht gerichtet. "Aber du warst es nicht. Also ist es besser, für mich und für den Clan, wenn du nicht da bist."

Trotzt des hellen Sonnenscheins, wurde alles um Rotschweif herum immer dunkler. Auch Tigerkralle war nur noch ein Schatten vor grauem Himmel. Rotschweif konnte sein Gesicht nicht mehr sehen, doch er erinnerte sich an den zufriedenen Gesichtsausdruck des Katers. Die Form des Schattens veränderte sich, als Tigerkralle sich bewegte. Wahrscheinlich leckt er das Blut von seinen Pfoten, dachte Rotschweif.

Er wird jede Katze töten, die ihm im Weg steht, merkte er und tiefe Verzweiflung erfüllte ihn, als selbst der Himmel schwarz wurde.

Auf einmal musste er an Borkenpfote denken. Sein Schüler würde im Lager darauf warten, dass Rotschweif mit ihm jagen ging. Es tut mir leid, dass ich mein Versprechen nicht halten konnte...


Rotschweif öffnete seine Augen. Der fürchterliche Schmerz war verschwunden. Als er blinzelte, verwandelte sich eine verschwommene rotbraune Gestalt in ein freundliches Katzengesicht mit einem eingerissenem Ohr. 

"Abendstern?" miaute Rotschweif schwach, als er den ehemaligen DonnerClan Anführer erkannte. "Aber..." Abendstern war schon eine lange Zeit tot. Rotschweif schluckte. "Bin ich etwa... tot?"

"Ich fürchte schon," miaute Abendstern mitfühlend. "Aber du warst sehr mutig, falls dir das irgendwie hilft. Ich bin gekommen, um dich zum SternenClan zu bringen."

Verwirrt kam Rotschweif auf die Pfoten. Ihm tat nichts weh und als er an sich herunter blickte merkte er das die Streifen aus Schlamm und Blut aus seinem Fell verschwunden waren. Noch verwirrter als vorher sah er Abendstern hilfesuchend an, dieser zuckte aufmunternd mit den Schnurrhaaren und began zu laufen. Rotschweif folgte ihm.

Gemeinsam wanderten sie durch einen schillernden Nebel, für eine Zeit, die Rotschweif wie eine Ewigkeit vorkam. Irgendwann bemerkte Rotschweif, dass sie sich nun unter Bäumen befanden, mit weichem Gras unter dem Pfoten. Die Sonne wärmte seinen Rücken und der verführerische Geruch nach Beute stieg ihm in die Nase.

Als sie an einem kleinen Teich vorbeikamen, hielt Rotschweif an, um sich sein Spiegelbild anzusehen. Tüpfelblatt hatte ihm einmal erzählt, dass die Katzen so in den SternenClan kamen, wie sie in ihrem Leben am glücklichsten gewesen sind. Er sah nicht sehr anders aus--er war nicht wieder jung-- aber seine Augen leuchteten. Ich war glücklich im DonnerClan, dachte er. Alle Katzen die ich liebte, waren dort. Ich mochte es, Zweiter Anführer zu sein, vor allem auf die Schüler aufzupassen...

Ein Gedanke traf ihn wie ein Blitz, der DonnerClan! Wie hatte er bloß die Gefahr vergessen können, in der sein Clan noch immer schwebte. Tigerkralle war eine blutdurstige Katze--wer wusste, welchen Krieger er als nächstes ins Visier nehmen würde? Jeder einzelne seiner Clankameraden war in höchster Gefahr.

"Abendstern," miaute er heiser. "Du muss mich zurückschicken, ich muss die anderen vor Tigerkralle warnen!"

Abendstern sah ihn an, sein Blick voller Wärme. "Ich kann dich nicht zurückbringen," miaute er leise. "Doch der DonnerClan wird gerettet werden, komm mit."

Seite an Seite, gingen die beiden Kater bis zum Rand eines deutlich größeren Teiches. "Sieh her," miaute Abendstern.

Rotschweif sah auf das Wasser und bemerkte, wie langsam flackernde Gestalten erkennbar wurden. "Es ist das DonnerClan Lager," stellte er erstaunt fest.

Rabenpfote war dort, Tüpfelblatt legte gerade eine Spinnenwebe über seine Schulterwunde. Auch Tigerkralle war da, er sprach gerade, während die anderen Katzen ihm respektvoll zuhörten. Rotschweif spürte einen leichten Anflug von Wut. Was für eine Lüge hatte sich der dunkelbraune Kater diesmal ausgedacht?

Doch in diesem Moment glänzte das Wasser und es war, als ob er sich durch die Katzenmenge bewegte. Er erhaschte einen kurzen Blick auf seine Schwester, Glanzfell, genauso wie auf Einauge und Borkenpfote... doch da war ein Fremder, eine kleine flammenfarbene Katze, die Tigerkralle mit weit offenen Augen ansah. "Wer ist das?" fragte Rotschweif. "Er ist keine DonnerClan Katze."

"Bald wird er eine sein," antwortete Abendstern. "Er wird ein Teil des Clans werden und Blaustern wird ihn Feuerpfote nennen."

Rotschweif besah sich den jungen Kater genauer. Hatte er sich getäuscht, oder war da ein Funke von etwas... besonderem in seinen Augen gewesen? Er sah aus wie ein gewöhnlicher Schüler, doch auf einmal erinnerte sich Rotschweif an eine Prophezeiung seiner Schwester.

Tüpfelblatt hatte ihm und Blaustern erzählt, dass die Lösung für ihre Probleme in Reichweite war, dass sie nur noch verstehen mussten was der SternenClan meinte.

War das die Bedeutung der Prophezeiung? Wärme durchflutete Rotschweif. Feuerpfote, nicht Tigerkralle, würde die Zukunft des DonnerClans sein. Sein Clan würde gerettet werden.

Der DonnerClan schafft es auch ohne mich.

"Nur Feuer kann unseren Clan retten," flüsterte Rotschweif und auf einmal fühlte er sich freier als in der meisten Zeit seines Lebens...      

Also, zum Abschluss muss ich mich noch einmal ganz herzlich bei Graufeuer bedanken. Danke! Das wird wahrscheinlich nicht das letzte sein was ihr von mir hört, ich brauche nur erstmal eine kleine Pause :) Ich hoffe euch hat das Lesen Spaß gemacht!

Weitere Übersetzungen

Hier steht erst einmal nichts aber das wird sich noch ändern...

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