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Ich werde dich nicht vergessen
I won't forget you
Allgemeines
Autor: Rabenmädchen
Details
Erscheinungsdatum: 12.08.2019
Chronologie
Vorgänger
Take me to Wonderland
Nachfolger
-
Rabenlied hat sich vor vielen Blattwechseln als Junges in einem Wald verirrt, nachdem sie von Zweibeinern gefangen genommen wurde, dann aber fliehen konnte. Dort traf sie auf den Waldgeist Yukine, der ihr half, zu überleben. Jedoch durfte Rabenlied ihn nicht berühren, denn wenn eine Katze ihn berührte, würde er verschwinden. Ausgelöscht werden. Rabenlied fand es nicht schlimm, ihn nicht berühren zu können. Sie verliebte sich trotzdem irgendwann in Yukine.

Als sie dann neun Monde später zum SchattenClan zurückkehrte und von Yukine abschied nehmen musste, war sie traurig, doch sie wusste, dass sie sich wiedersehen würden. Und Yukine wusste es auch. Doch der Waldgeist wusste auch, dass dies ihr letztes Wiedersehen sein würde.

Der Weg zum Mondstein

"Rabenlied! Bist du fertig?" Eine Stimme riss Rabenlied aus ihren Gedanken. Die schwarze Kätzin drehte sich um und blickte in die hellblauen Augen ihres Bruders. Der Heiler schaute sie besorgt an. Anscheinend hatte er bemerkt, dass irgendwas sie bedrückte. Und dass es nicht wegen Falkenstern war. "Ja, Habichtklaue. Ich bin soweit. Lass uns zum Mondstein reisen." miaute sie und setzte sich in Bewegung. Sogar ihrem Bruder hatte sie nie etwas von Yukine erzählt. Er würde ihr sowieso nicht glauben. Für die meisten Clankatzen gab es nach dem Tod nur den SternenClan. Ansonsten gab es für sie nichts Übernatürliches. Keine Magie, keine Geister, keine Götter. Doch nachdem Rabenlied Yukine getroffen hatte, sah sie das anders. Es gab auf dieser Welt so viele Dinge, von denen sie alle nichts wussten. Gute, wie auch böse Dinge. Das war faszinierend.

"Rabenlied warte, du bist viel zu schnell!" Schon wieder riss Habichtklaue sie aus ihren Gedanken. Sie blickte nach hinten und sah ihn, wie er ihr hinterherrannte. Das war schwierig, wenn man nur noch drei Beine hatte. "Entschuldige." nuschelte sie und setzte den Weg fort, diesmal in einem langsamen Tempo, sodass Habichtklaue mit ihr mithalten konnte. "Du hast mir nie erzählt, was mit deinem Bein passiert ist." bemerkte die schwarze Kätzin, nachdem sie einige Zeit schweigend nebeneinander gelaufen waren. "Und du hast mir nie erzählt, was dir in den neun Monden, in denen du verschwunden warst, passiert ist." entgegnete Habichtklaue. "Touché."

Auch nach diesem Gespräch schwiegen sie wieder. Die Geschwister wussten, dass sie es dem jeweils anderen dann erzählen würden, wenn sie sich dazu bereit fühlten. Die Kätzin wurde langsam ungeduldig. Sie würde ihre neun Leben erhalten, sie würde den SchattenClan anführen! Das wurde ihr schlagartig bewusst und sie begann, nervös zu werden. Was ist, wenn sie alles falsch machte und der Clan unterging? Was ist, wenn sie ihre Katzen nicht beschützen kann und sie sterben? Rabenlied atmete tief ein und konzentrierte sich auf den Weg. So durfte sie nicht denken. Sie war stark.

Und dann erreichten sie auch schon den Donnerweg. Rabenlied bemerkte, wie Habichtklaue ängstlich auf den grauen Weg schaute und leicht zitterte. So war das also. Er wurde damals scheinbar von einem Monster verletzt. Denn Rabenlied hatte noch nie eine Katze gesehen, die so starke Angst in den Augen hatte wie Habichtklaue, wenn sie am Donnerweg waren. "Konzentrier dich. Uns wird nichts passieren." versuchte sie ihn zu beruhigen.

Lange standen sie am Rand des Donnerweges. Jedes Mal, wenn ein Monster vorbeifuhr, erzitterte der Boden und der Gestank war kaum auszuhalten. Und dann, als endlich alles frei zu sein schien, rief Rabenlied "Los!" und lief auf den Donnerweg. Doch leider hatte sie nicht bedacht, dass Habichtklaue langsamer ist als sie und nun raste ein Monster direkt auf ihn zu. Der Kater blieb reglos stehen. "Was machst du denn? Renn weiter!" schrie Rabenlied und musste mit Entsetzen mitansehen, wie das Monster ihrem Bruder immer näher kam. Doch dann rannte plötzlich etwas weißes blitzschnell auf den Donnerweg und zog den Kater in letzter Sekunde weg. Erleichtert lief Rabenlied zu ihnen, nur um dort wieder vom Entsetzen gepackt zu werden. Die Kätzin kannte den weißen Kater gut. "Yukine..." flüsterte sie. Der Kater hatte eine lebende Katze berührt. Rabenlied bemerkte, wie Yukine begann sich aufzulösen.

"Yukine, warum?" hauchte Rabenlied fassungslos. "Weil ich weiß, wieviel dein Bruder dir bedeutet." antwortete Yukine. Er klang nicht traurig oder ängstlich, nein. Eher... glücklich? "Komm her. Du darfst mich jetzt berühren. Es ist sowieso zu spät." sagte der Kater und legte sanft seinen Kopf auf Rabenlieds Schulter. Diese stieß einen Klagelaut aus und vergrub ihre Schnauze in sein weiches Fell. "Bitte vergess' mich nicht." hörte sie die Stimme ihres Geliebten an ihrem Ohr. "Ich werde dich nicht vergessen! Niemals!" schluchzte sie in sein Fell rein und fiel beinahe um, als der Körper, gegen den sie sich lehnte plötzlich verschwand. Sie öffnete ihre Augen und sah, wie kleine, weiße Punkte, wie Schneeflocken, vom Wind davongetragen wurden. Er war weg. Nur noch sein Geruch verriet, dass er wirklich da gewesen war. Bei ihr. Sie blickte nach oben. Der Wind wehte stark, dunkle Wolken bedeckten den Himmel und es begann zu regnen. "Ich liebe dich, Yukine." flüsterte sie und schloss die Augen. Sie hätte ihn nie treffen dürfen. Hätte er sie nie getroffen, hätte er nicht versucht Habichtklaue zu retten und er würde noch leben. Der Waldgeist hatte gewusst, wie schnell er sterben konnte, wie zerbrechlich er gewesen war. Und trotzdem hatte er sich geopfert... Nein. Er war gestorben, weil ein gewisser Vollidiot sich nicht von dem Donnerweg wegbewegt hat! "Du Mörder!" hauchte Rabenlied kaum hörbar, doch Habichtklaue verstand sie. "Was? Was kann ich denn dafür?" fragte er laut und funkelte seine Schwester wütend an. Sie hatte ihm einiges zu erklären. "Was du dafür kannst? Du hättest einfach nur deine drei Beinchen wegbewegen müssen, als das Monster kam! Ich wünschte, du wärst gestorben und nicht Yukine!" Diesmal schrie Rabenlied und drehte sich, ohne eine Antwort abzuwarten um und rannte in Richtung Mondstein. Wie sollte sie denn jetzt noch ihre neun Leben empfangen können? Yukine's Tod hatte sie völlig aus der Bahn geworfen. Sie schluckte. Sie musste sich jetzt beruhigen. Es war spät und ihr Clan zählte auf sie.

Schließlich waren sie beim Mondstein angekommen. Und als sie ihn berührte, fand sie sich sogleich auf einer Lichtung mit hunderten von Katzen wieder. "Sei gegrüßt, Rabenlied. Bist du bereit, deine neun Leben zu empfangen und die Anführerin des SchattenClans zu werden?" Es war, als würden alle Katzen gleichzeitig im Chor reden. Rabenlied schluckte und hob den Kopf. "Ich bin bereit." sagte sie mit einer festen und entschlossenen Stimme.

Es war anstrengend, keine Frage, doch Rabenlied hielt es aus. Das musste sie. Eine Anführerin musste stark sein. Als letztes trat eine schwarz-weiß gescheckte Kätzin hervor.

"Mutter!" flüsterte Rabenlied überrascht. Sie war gestorben, als die Kätzin mit Yukine im Wald gelebt hatte. "Rabenlied, ich habe dich und Yukine oft beobachtet und ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als dass ihr glücklich werdet. Doch ich wusste, dass das nie funktioniert hätte. Denn irgendwann wäre es passiert. Dass ihr getrennt werdet. Entweder durch deinen oder durch seinen Tod. Aber bitte, lass seinen Tod nicht umsonst gewesen sein. Werde eine gute Anführerin und vertrag dich mit deinem Bruder. Und denk dran, so lange du Yukine nicht vergessen hast, lebt er. In deinem Herzen." Mit solchen Worten hatte Rabenlied nicht gerechnet. Sie dachte, ihre Mutter hasste sie, nachdem sie sich in eine Nicht-Clankatze verliebt hatte. Doch das war nicht so. "Ich gebe dir das Leben der Gnade. Nutze es gut, um diejenigen, die einen folgenschweren Fehler gemacht haben, noch eine zweite Chance zu geben."

Als ihre Mutter sie mit ihrer Nase berührte, schoss ein Schmerz durch Rabenlieds Körper, den sie nur mit Mühe standhalten konnte. Als er vorbei war, öffnete sie ihre Augen und blickte in die, ihrer Mutter. Sie waren genauso hellblau wie die von Rabenlied und Habichtklaue. "Ist Yukine eigentlich im SternenClan?" fragte Rabenlied vorsichtig. Ihre Mutter schüttelte traurig den Kopf. "Wenn man ausgelöscht wird, stirbt man strenggenommen nicht. Man hört auf zu existieren." meinte sie und ging zurück zu den SternenClan Katzen. Rabenlied spürte einen Kloß im Hals. Man hörte auf zu existieren. Es gab keinen Ort, an dem man dann hinkam. Ein weiteres Mal wurde Rabenlied aus ihren Gedanken gerissen. "Du hast nun deine neun Leben erhalten. Du bist jetzt Rabenstern, Anführerin des SchattenClans. Führe deinen Clan weise, bis deine Zeit gekommen ist und wir dich in unseren Reihen begrüßen."

Von diesem Tag an, war nichts mehr wie vorher. Das Band zwischen Rabenstern und Habichtklaue riss nicht, nein. Es wurde noch stärker. Die beiden Geschwister würden füreinander sterben. Und Rabenstern ist eine gute Anführerin geworden.

Nun gerade fand eine Clanversammlung statt. Rabenstern blickte auf ihre Katzen. Sie schnurrte leise, als Habichtklaue murrend aus dem Ältestenbau humpelte. Der schwarze Kreis um seinem linken Auge war schon fast vollständig grau und er war mager geworden. Auch Rabenstern sah man ihr Alter an. Dies war auch ihr letztes Leben. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würde sie zum SternenClan kommen.

"Wir haben uns heute hier versammelt, um einen Schüler zum Krieger zu ernennen. Schneepfote, komm nach vorne." rief sie. Ihre Stimme war krächzend und rau geworden.

Ein junger, schneeweißer Kater kam nach vorne. Sie hatte ihn, lange nach Yukines Tod, als Junges am Rande des Donnerwegs gefunden. Er wäre beinahe verhungert und obwohl eine andere Königin ihn gesäugt hatte, betrachtete der Kater Rabenstern als seine Mutter. Diese hatte ihm auch den Namen Schneejunges gegeben. Die Anführerin musterte den Schüler. Er hatte langes, weißes Fell und grasgrüne Augen. Er sah aus wie Yukine. Sie holte tief Luft. „Nachthimmel, bist du davon überzeugt, dass dein Schüler dazu bereit ist ein Krieger zu werden?“ fragte sie Schneepfotes Mentorin. Diese nickte. „Ja, er ist bereit.“ sagte sie mit stolz in der Stimme. Er war ihr erster Schüler gewesen. Und er war ein echt guter Schüler. Das Jagen hatte er schnell raus und im Kämpfen war er ein Naturtalent. „Ich, Rabenstern, Anführerin des SchattenClans rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diesen Schüler herabzublicken. Er hat hart trainiert, um euren edlen Gesetzen gehorchen zu können, und ich empfehle ihn euch nun als Krieger.“ Rabenstern wandte sich zu dem Schüler. „Schneepfote, versprichst du, das Gesetz der Krieger einzuhalten und den Clan zu beschützen und zu verteidigen, selbst wenn es dein Leben kostet?“

Der Schüler nickte mit vor Aufregung leuchtenden Augen. „Ich verspreche es!“ „Dann gebe ich dir, mit der Kraft des SternenClans, deinen Kriegernamen. Schneepfote, von diesem Augenblick an wirst du Schneeklang heißen. Der SternenClan ehrt deinen Stärke und deinen Mut und wir heißen dich als vollwertigen Krieger im SchattenClan willkommen.“

Nun war es vollbracht. Rabenstern war froh, dass sie ihm noch selbst seinen Kriegernamen geben konnte. "Schneeklang! Schneeklang!" riefen die Clankatzen. Der Kater strahlte und drehte sich zu seiner Anführerin um. "Ich liebe diesen Namen, Rabenstern! Und ich danke dir, für alles."

Wissenswertes

  • Die Idee für diese Geschichte kam, nachdem ich den Anime Hotarubi no Mori e geschaut habe, der ebenfalls um einen Waldgeist und einem Mädchen handelt.
  • "Yukine" heißt soviel wie "Klang des Schnees"
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