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May homophobia is gay 15:03, 20. Mär. 2014 (UTC)



Original: Ghostfur's Prophecy

Auf dem Cover sind Geistpfote (Mitte), Milchwolke (Links) und Brandflamme (Rechts) zu sehen. Die Augen gehören Meer. Dieses Buch ist nur aus der Sicht von Geiststern geschrieben.

Prolog

Zweigenblatt saß still da. Neben ihm – ein hellgrauer Kater, dessen eisblaue Augen leuchteten. „Meer“, murmelte Zweigenblatt ruhig. Der hellgraue Kater, den Zweigenblatt mit Meer angesprochen hatte, spitzte die Ohren und wandte den Kopf. Zweigenblatt zuckte mit den Ohren in Richtung Nachthimmel. „Geister“, miaute er leise. „Spürst du es? Wie sie um uns fliegen, uns begleiten... Tag und Nacht?“ Meer starrte seinen Heiler an. „Ist das eine Prophezieung?“, fragte er. Zweigenblatt sah seinem Anführer fest in die Augen. „Geister werden kommen. Sie werden kommen, wenn es schon zu spät ist. Der MeerClan wird sterben. Aber die Geister werden kommen und alles wieder retten. Vertrau auf die Geister, Meer.“ Meer schaute wieder zum Nachthimmel. „Geister werden kommen“, wiederholte der graue Kater leise.

Zur selben Zeit drückte sich eine pechschwarze Kätzin an einen braun getigerten Kater mit eisblauen Augen. „Habichtfrost“, murmelte die schwarze Kätzin. Habichtfrost stupste sie sanft an. „Was ist denn, meine Liebe?“, fragte er. Unbehaglich trat die Kätzin von einer Pfote auf die andere. „Ich erwarte Junge“, miaute sie schließlich. „Das ist nicht gut, Habichtfrost. Sie werden HalbClan-Katzen sein. Sie werden dich niemals kennenlernen.“ Habichtfrost leckte ihr übers Ohr. „Komm in den FlussClan, bitte“, murmelte er.“Es hat keinen Sinn, im DonnerClan zu sein, Nachtflügel.“ Nachtflügel dachte kurz nach. „Ich kann nicht, Habichtfrost.“ Die schwarze Kätzin sah ihrem Gefährten kurz in die Augen und drehte sich dann um, denn im DonnerClan machten sie sich sicher schon Sorgen.

1. Kapitel

Die kleine, hellbraune Kätzin drückte sich an den Bauch ihrer Mutter. Geschwister hatte die Kleine nicht. Ihre Mutter legte den Schweif um das Junge. Es war etwa 2 Monde alt. Die Kätzin war gerade dabei, einzuschlafen, als sie plötzlich merkte, wie ihre Mutter sie hochhob. Das Junge wand sich und wollte runter. Ihre Mutter ließ es einfach zappeln. Das dämmrige Licht der Kinderstube wurde durch tiefschwarze Nacht ausgewechselt. Das Junge hörte auf, zu zappeln. Ihre Mutter lief geradewegs durch den Ginstertunnel und rannte so schnell sie konnte. Nach einiger Zeit kam sie zum Stehen. Das Junge hörte einen Fluss plätschern. Ihre Mutter legte sie ab. „Geistjunges“, miaute sie. „Wir werden uns hier im Gebüsch ein Nest bauen und morgen mit deinem Vater in den FlussClan gehen.“ Das Junge schaute verwundert ihre Mutter an, doch protestierte nicht, als ihre Mutter ein warmes Nest baute und sie an ihren Bauch legte.

Eine warme Brise wehte um Geistpfotes Nase. Federschweif stand neben ihr und blickte hinunter aus Moorland. Die WindClan-Katzen versammelten sich um den Fluss, um zu trinken, was Leopardenstern ihnen ja erlaubt hatte. „Geistpfote“, miaute Federschweif dann. Sie legte den Schweif um Geistpfotes Schultern und führte sie weg. „Ich muss dir was sagen.“ Geistpfote nickte und spitzte die Ohren. „Ich muss weg.“ Geistpfote starrte ihre Mentorin an. „Was meinst du damit?“, fragte sie entrüstet. Federschweif nickte. „Und Sturmpelz auch. Es ist zum Besten der Clans.“ Geistpfote machte einen Schritt zurück. „Nein, das ist schlecht!“, rief sie aus. „Was soll ich denn dann tun?“ „Du bekommst einen neuen Mentor“, erwiderte Federschweif ruhig. „Aber erzähle Leopardenstern nichts davon, okay?“ Geistpfote nickte, als sie merkte, dass es Federschweif wichtiger war als alles Andere, wenn es ums Überleben der Clans ging. „Ich muss mit Krähenpfote reden“, murmelte sie. „Geh du schon mal ins Lager.“ Geistpfote nickte erneut und rannte in Richtung Lager. Dabei erlegte sie noch zwei Mäuse, die sie auf den Frischbeutehaufen legte und holte sich dann selber was zum Fressen. Als sie den Fisch aufgefressen hatte, putzte sie sich kurz und ging dann in den Schülerbau, um zu schlafen. Sie rollte sich zusammen und legte sich ihren buschigen Schweif über die Schnauze. Dann schloss sie die Augen und schlief ein. Urplötzlich fand sie sich in einer Strandlandschaft wieder. Viele Katzen saßen um sie versammelt. Sie fühlte sich stark und groß, wie eine Kriegerin. Sie konnte sehen. Weit mehr, als sie sonst sehen könnte. Eine lange Wanderschaft. Katzen. Einen hellgrauen Kater. Einen dunkelgrauen Kater, der ihr das Kämpfen beibrachte. Und sie sah sich selbst. Sie wanderte einen langen Weg vom Fluss zum Meer. Und plötzlich stand der hellgraue Kater vor ihr. „Geister werden kommen“, miaute er, ehe er verschwand. Geistpfote wachte auf. Ich muss hier weg, dachte sie. Ich muss zum Meer. Ich spüre es. Geistpfote sah sich um. Es war noch dunkel draußen. Sie musste zu ihrer Mutter. Also stand sie auf und schlich sich zum Kriegerbau. Leise tappte sie hinein, achtete darauf, nicht auf Katzen zu treten, bis sie bei ihrer Mutter war. Sie beugte sich hinab und flüsterte ihr leise „Komm bitte mit“ ins Ohr. Ihre Mutter spitzte die Ohren und schlug die Augen auf. Die pechschwarze Kätzin nickte und schlich sich zusammen mit Geistpfote aus dem Kriegerbau. Geistpfote entschied sich dazu, aus dem Lager hinauszugehen. Federschweifs und Sturmpelz‘ Geruch hing im Eingang. Geistpfote ignorierte das und führte ihre Mutter zu einer stillen, verlassenen Uferböschung. „Was ist los, Kleines?“, fragte Nachtflügel. „Ich muss weg“, erwiderte Geistpfote ruhig. „Wohin?“ Nachtflügel klang erschrocken. „Zum Meer“, miaute Geistpfote gelassen. „Zum... Meer?“, fragte Nachtflügel irritiert. „Was willst du dort?“ Geistpfote senkte den Kopf. „Der SternenClan hat mich dorthin gerufen. Ich muss gehen.“ Nachtflügel schüttelte den Kopf. „Das kommt garnicht in Frage! Du bist noch Schülerin!“, rief sie aus. Geistpfote zuckte die Schultern. „Weißpfote und Schwarzpfote kommen mit. Sie sind fast Krieger.“ „Du hast sie nicht einmal gefragt! Sie sind deine älteren Halbbrüder! Sie sind im DonnerClan!“ Nachtflügel wurde hysterisch und Geistpfote hatte Angst, der FlussClan würde sie hören. „Nein, aber sie werden mitkommen, wenn sie erfahren, was ich ihnen zu sagen habe.“ Nachtflügel schloss die Augen. „Warum willst du mich nicht dabeihaben?“, fragte sie schließlich. „Weil einer von uns bei den Clans bleiben muss. Außerdem würdest du Habichtfrost nie verlassen können.“ „Das stimmt allerdings“, murmelte Nachtflügel. Geistpfote drückte sich an ihre Mutter. „Ich werde dich vermissen, Mutter“, schnurrte sie traurig. „Du gehst jetzt schon?“, fragte Nachtflügel erschrocken. Geistpfote nickte. „Ich muss sofort gehen.“ Geistpfote leckte ihrer Mutter über die Wange. „Sag dem FlussClan, dass ich gegangen bin, um meine Bestimmung zu finden. Sag ihnen, dass ich sie vermissen werde, und ich hier bisher ein wunderbares Leben hatte. Und dass sie sich keine Sorgen machen müssen.“ Geistpfote nickte ihrer Mutter zum Abschied traurig zu und ging über die Trittsteine zu den Sonnenfelsen. Als sie sich umdrehte, sah sie kein eisblaues Augenpaar mehr, was ihr nachsah – ihre Mutter war bereits zurück auf dem Weg ins Lager. Geistpfote blickte wieder in Richtung DonnerClan-Territorium. Sie rannte nun so schnell sie konnte, damit sie vor Sonnenaufgang im Lager ankam. Sie kannte den Weg zum Lager genau – warum, wusste sie nicht. Als sie schließlich ankam, wurde der Himmel allmählich heller. Sie rannte die Schlucht hinunter durch den Ginstertunnel. Als sie auf die Lichtung kam, saßen Weißpfote und Schwarzpfote in der Mitte, schweigend. Sie starrten Geistpfote an – sie waren nun Krieger, weil sie Nachtwache gehalten hatten. Weswegen sonst sollten sie dort sitzen? Weißpfote zischte, was anscheinend bedeuten sollte, dass Geistpfote wieder abhauen sollte, doch sie ging auf die beiden zu. Schwarzpfote schüttelte hysterisch den Kopf. Doch Geistpfote ignorierte das. Sowie sie in Nähe der beiden Krieger war, flüsterte sie: „Ihr müsst mitkommen. Mitkommen und nie wiederkommen. Wir müssen zum Meer. Ich brauche euch, unsere Mutter will nicht mitkommen.“ Schwarzpfote und Weißpfote sahen sich zweifelnd an. „Bitte, ihr seid meine letzte Rettung!“, flehte Geistpfote. Schließlich nickten die zwei. Geistpfote schnippte mit dem Schweif und die drei Katzen rannten aus dem Lager bis zum Baumgeviert. Als sie schließlich dort ankamen, keuchten sie vor Erschöpfung. Weißpfote sprach zuerst. „Warum brauchst du uns?“, fragte er. Geistpfote holte Luft und erklärte, dass sie vom SternenClan berufen wurde, zum Meer zu gehen. Sie wusste nicht warum, aber es hatte irgendwas mit einem Clan zu tun, das wusste sie. Schwarzpfote antwortete. „Wir sind jetzt übrigens Krieger“, miaute er. „Weißkralle und Schwarztatze.“ Geistpfote schnurrte: „Herzlichen Glückwunsch!“ Weißkralle und Schwarztatze schnurrten dankend. „Also, kommt ihr mit?“, fragte Geistpfote. Beide Kater nickten. „Danke“, miaute Geistpfote und blickte zum FlussClan-Territorium. Ihr Zuhause. Doch dann wandte sie sich ab und hielt den Blick starr geradeaus gerichtet – sie blickte auf ihre Zukunft.

2. Kapitel

„Weiß einer von euch, wo lang wir jetzt müssen?“, fragte Geistpfote. Hunger nagte in ihrem Bauch, als sie in der Nähe des Ahnentors stand und auf ein Gewirr von Donnerwegen blickte. Weißkralle schüttelte den Kopf, doch Schwarztatze erwiderte: „Ich denke mal, dass wir geradeaus müssen.“ Geistpfote vertraute ihrem Halbbruder einfach mal und schlug den Weg ein, den er genannt hatte – mitten hinein in die Donnerwege. Sie ignorierte ihren Hunger und ging stetig weiter geradeaus, denn sie wollte ihr Ziel erreichen – selbst, wenn sie wusste, dass es länger dauern würde. Sie war froh, ihre Halbbrüder dabei zu haben. Zwei Krieger, denen man sofort ansehen konnte, dass sie aus dem gleichen Wurf stammten und, obwohl sie erst vor kurzem ihre Kriegernamen erhalten hatten, die sehr stark und kräftig waren. „Geistpfote“, miaute Weißkralle. „Hast du keinen Hunger?“ Geistpfote wandte ihm den Kopf zu, hörte ihren eigenen Magen knurren, doch schüttelte trotzdem den Kopf. „Wir dürfen keine Zeit verlieren“, miaute sie. „Ich weiß, dass ein Clan in Gefahr ist.“ Weißkralle schaute sie zweifelnd an. „Aber du kennst diesen Clan nicht. Warum willst du ihn suchen?“, fragte er. „Ich muss“, erwiderte Geistpfote. „Ich habe so einen Drang in mir... Ich muss einfach gehen. Weißkralle, Schwarztatze“, fügte sie hinzu. „Ihr könnt jederzeit umkehren, wenn ihr wollt.“ Zwar verlor sie schon bei dem Gedanken daran den Mut, doch sie wollte und konnte ihre Halbbrüder nicht zwingen. Schwarztatze trat einen Schritt vor. „Niemals, Geistpfote“, miaute er fest. „Ich verlasse dich nicht. Was ist, wenn dir was passiert?“ Geistpfote schnurrte. „Danke“, sagte sie. „Ich danke euch. Nun kommt, wir müssen weiter.“ Sie machte sich wieder auf den Weg und wusste, dass ihre Brüder ihr folgten – überallhin.

Die Sonne ging langsam unter, als Geistpfote, immer noch hungrig, zusammen mit Weißkralle und Schwarztatze, einen der vielen Donnerwege überquerte. Es schien kein Ende zu nehmen. „Geistpfote“, miaute Weißkralle. „Lass uns eine Pause machen. Wir sind alle hungrig und es wird dunkel.“ Geistpfote blickte ihn an, als ein Ungeheuer vorbeirauschte. Das grelle Licht seiner Augen spiegelte sich in Geistpfotes eigenen eisblauen Augen wieder. „Aber ich muss weiter“, protestierte sie. „Ja, ich weiß“, antwortete Weißkralle. „Aber denk mal nach. Glaubst du wirklich, du kannst diese Reise schaffen, wenn du dich nie ausruhst? Jede Katze muss mal Pause machen.“ Geistpfote seufzte. „Ja, du hast recht“, miaute sie, wenn auch zögernd. Sie hatte Angst. Der Clan, den sie suchte, könnte in sehr großer Gefahr sein. Er könnte sich bereits im Kampf mit einer unbekannten Gefahr befinden. Sie schauderte. Was ist, wenn sie zu spät kam? Wenn es den Clan dann nicht mehr gab? „Geistpfote!“, holte Schwarztatze sie zurück aus ihren Gedanken. Er winkte mit seinem Schweif vor ihrem Gesicht herum und sie schüttelte den Kopf. „Tut mir leid“, miaute sie. „Ich geh mal jagen.“ Sie wandte sich von den beiden Katern ab und sprang in eine Böschung, in der sie Beute vermutete. Sie roch Maus und schlich sich leise an. Dann sprang sie und tötete die Maus mit einem Biss. Als sie erneut schnüffelte, fand sie nichts mehr außer dem Gestank der Donnerwege. Also nahm sie ihre Maus und ging zurück zu ihren Brüdern. Sie ließ die Maus fallen. „Habt ihr nichts gefunden?“, fragte sie. „Wie willst du hier was finden?“, konterte Weißkralle. „Die Maus riecht genauso nach Donnerweg wie es das gesamte Gebiet hier tut. Ich fragte mich, wie du sie gefunden hast.“ „Naja, ich war in einer Böschung“, erwiderte Geistpfote. „Aber mehr hab ich auch nicht gefunden. Wer soll sie fressen?“, fragte sie. Weißkralle nickte Geistpfote zu. „Du natürlich“, miaute auch Schwarztatze. „Aber ich brauche nichts“, sträubte sich Geistpfote dagegen. „Wenn wir die Donnerwege erstmal hinter uns haben, kann ich was fressen. Teilt euch sie.“ Weißkralle und Schwarztatze wechselten einen Blick und fraßen dann die Maus. Geistpfotes eigener Magen knurrte fürchterlich, doch sie ignorierte es. Sie musste den Clan finden, so schnell wie möglich. „Können wir weiter?“, fragte sie ungeduldig. „Nein“, miaute Weißkralle. „Wir müssen schlafen.“ Geistpfote sträubt das Fell. „Nein!“, rief sie aus. „Wir können nicht schlafen. Ich kann nicht schlafen. Ich muss den Clan finden!“ Sie wollte losrennen, obwohl sie nicht wusste, in welche Richtung sie musste. Schwarztatze miaute: „Bleib hier, Geistpfote. Du weißt genauso gut wie Weißkralle und ich, dass es keinen Sinn hat, in der Dunkelheit weiterzugehen.“ Geistpfote gab nach. „Na gut“, murmelte sie resigniert. „Aber morgen müssen wir ganz früh weiter.“ Sie legte sich auf einen Grasfleck, der nach Donnerweg roch, aber sie musste schlafen, da hatten Weißkralle und Schwarztatze Recht. Sie legte den Kopf auf die Pfoten und schlief tatsächlich recht schnell ein. Geistpfote erwachte. Sie sah sich um. „Du bist auf dem richtigen Weg, Geistpfote“, miaute eine Stimme hinter ihr. Sie wirbelte herum. „Wo lang muss ich?“, fragte sie. „Du musst den Donnerwegen folgen, bis zu einem Zweibeinerort. Dahinter liegt das Meer.“ Geistpfote sah sich um. Sie konnte nur die Stimme hören, sehen tat sie nur Dunkelheit. „Und dann?“, rief sie in die Finsternis hinein. Doch sie erhielt keine Antwort. So wachte Geistpfote auf. Sie fühlte sich, als hätte sie nur einen kurzen Augenblick geschlafen. Doch sie mussten weiter, denn die Sonne dämmerte bereits. Sie blickte auf ihre Halbbrüder, die noch schliefen. „Wacht auf“, zischte sie. Schwarzkralle hob den Kopf. „Geistpfote“, murmelte er. „Hinter dir.“ Geistpfote wandte langsam den Kopf. Sie hörte ein Knurren. Es kam aber nicht von den Katern oder ihr – vor ihr stand ein magerer Fuchs, der die drei Katzen aus wütenden Augen anfunkelte.

3. Kapitel

Geistpfote machte langsam einen Schritt zurück. Das hatte ihnen noch gefehlt. Der Fuchs knurrte. Instinktiv stellte sich Geistpfote zwischen ihre Brüder, die sie beschützen konnten. Dann fiel ihr ein, dass sie nur zu dritt waren und der Fuchs viel stärker war als eine Schülerin und zwei frischernannte Krieger. Also bewegte sie sich wieder vor und knurrte den Fuchs an. Geistpfote sträubte das Fell, um größer zu erscheinen. „Keinen Schritt weiter“, knurrte sie, wissend, dass der Fuchs nicht verstand was sie sagte, aber der Klang ihrer Stimme müsste ihm verraten, was sie zu sagen hatte. Doch der Fuchs knurrte erneut und machte ein paar Schritte auf die drei Katzen zu. Weißkralle warf Geistpfote einen Blick zu, den sie sofort verstand: Sie sollte sich fernhalten und ihre Brüder das erledigen lassen. Doch das ließ sie nicht zu. Sie machte den ersten Schritt zum Kampf und sprang auf den Fuchs zu. Der Fuchs knurrte, als sie ihm über die Schnauze schlug. „Geistpfote, was machst du denn da?“, fauchte Schwarztatze und rannte um den Fuchs herum, der sich verwirrt umdrehte. Schwarztatze sprang dem Fuchs auf den Rücken und der Fuchs bellte wütend. Geistpfote und Weißkralle rannten auf je einen Seite, um den Fuchs zu verwirren. Er schaute von einer Seite zur anderen, entschied sich dann aber, Weißkralle anzugreifen. Er bäumte sich auf und schüttelte so Schwarztatze von seinem Rücken. Weißkralle schoss vor, doch der Fuchs fing ihn im Sprung ab und packte sein Bein, sodass Weißkralle vor Schmerzen schrie. Geistpfote konnte das nicht mit ansehen. Sie sprang dem Fuchs vor die Augen und zerkratzte ihm erneut die Schnauze. Vor Wut ließ der Fuchs Weißkralle fallen und nahm sich stattdessen Geistpfote vor, die er am Rücken packte und schüttelte. Sie schrie, doch als plötzlich eine schwarzweiße Katze vorschoss und dem Fuchs das Ohr zerkratzte, ließ er Geistpfote fallen. Die schwarzweiße Katze war eine Kätzin, groß und kräftig und fauchte dem Fuchs wütend ins Gesicht. Ihr Fell war gesträubt, sodass sie möglicherweise doppelt so groß wirkte, wie sie in Wirklichkeit war. Geistpfote stöhnte vor Schmerzen, doch sah voller Erstaunen, dass die schwarzweiße Kätzin den Fuchs verjagt hatte und nun vor den drei Katzen stand. „Was habt ihr euch denn dabei gedacht?“, fragte sie mit strenger Stimme. „Gegen Mike zu kämpfen ist genauso, als würde man vor ein Monster rennen, damit man getötet wird.“ Geistpfote spuckte Blut und fragte mit zitternder Stimme: „Mike?“ Die schwarzweiße Kätzin nickte. „Ich kann füchsisch“, miaute sie. „Mike ist hier in der Gegend der stärkste Fuchs. Er hasst Fremde. Ich kenne ihn schon, seit ich hier lebe. Er ist eigentlich ein recht netter Fuchs, aber von Fremden hält er nichts.“ Sie zuckte mit einem Ohr. „Also, wer seid ihr?“ Schwarztatze, der Unversehrteste von allen, antwortete ihr. „Ich bin Schwarztatze. Der weiße Kater ist mein Bruder Weißkralle und die Kätzin ist meine Halbschwester Geistpfote.“ Die schwarzweiße Kätzin nickte. „Ich bin Nacht“, murmelte sie. „Was wollt ihr hier?“ Als Geistpfotes Magen allerdings unüberhörbar knurrte, miaute Nacht: „Kommt mit, ich bring euch zu einem Ort, wo ihr Beute bekommt und euch erst einmal ausruhen könnt.“

„Interessant“, murmelte Nacht und nickte langsam. Geistpfote mochte die schwarzweiße Kätzin. Sie war kräftig und nett und Geistpfote war versucht, zu fragen, ob sie mit ihnen reisen wollte. Sie hatten ihr gerade von der Reise erzählt, wohin sie gingen und warum. Nacht schien irgendwie zu verstehen, was Geistpfote so wichtig war. „Ich mag die Vorstellung, dass Katzen sich helfen“, miaute Nacht nachdenklich und ihr Blick schien in weiter Ferne zu liegen. „Ich komme mit“, miaute sie nach einer Weile. Sie sah Geistpfote fest in die Augen. „Ich werde Mike vermissen, aber dies ist meine Bestimmung.“ Ihre Worte hatten die Kraft einer Prophezeiung und mit einem weisen Funkeln in den Augen stand sie auf, streckte sich und führte die drei anderen Katzen durch den Zweibeinerort. „Mike“, rief sie, als sie den Fuchs erblickte. Der knurrte nicht, als er die Katzen erblickte. Er neigte den Kopf vor Geistpfote und ihren Halbbrüdern. Nacht streckte sich und flüsterte dem Fuchs etwas ins Ohr. Sein Gesichtsausdruck wurde verständlich und er leckte der schwarzweißen Kätzin übers Ohr. „Viel Glück“, murmelte er mit einer rauen Stimme und Geistpfote war erstaunt, dass sie seine Worte verstehen konnte. „Er spricht kätzisch“, miaute Nacht, als Mike davontrabte. Die vier Katzen zogen in die entgegengesetzte Richtung, stetig auf die untergehende Sonne zu. Die Donnerwege wurden in orangenes Licht getaucht. Geistpfote musste lächeln und dachte dann an Zuhause. Was war gerade im FlussClan los? Machten sie sich Sorgen? Suchten sie nach ihr oder hatte Nachtflügel ihren Clan-Kameraden gesagt, dass es Geistpfote gut ging und sie eine Bestimmung zu erfüllen hatte? Die kleine, braune Kätzin hoffte es. Sie hoffte auch, dass Habichtfrost sich nicht eigenständig auf die Suche nach ihr gemacht hatte. Sie wollte den Clan des Meeres finden und ihn retten. Nacht, Weißkralle und Schwarztatze würden ihr dabei helfen. Und Nacht würde eine gute Kriegerin abgeben. Sie konnte außerdem füchsisch – wie praktisch war das denn?

4. Kapitel

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