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FlussderSterne
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Fluss der Sterne

Klappentext

»Drei des selben Blutes werden es sein, sie werden die Clans vereinen und sie in die letzte Schlacht gegen einen gemeinsamen Feind führen«


Ein Wald. Fünf Clans. Und alle wollen überleben.

Eine mysteriöse Prophezeiung vom SternenClan und zwei neue Jungen im Clan mit feindlichen Blut in den Adern. Der launische Heiler des WolkenClans denkt, er habe alles unter Kontrolle und hat das Rätsel der Prophezeiung schon längst gelöst. Amselfeder ist sich sicher, dass die HalbClan-Jungen eine Gefahr für seinen Clan darstellen und so müssen Dornenjunges und Qualmjunges ihre Treue zum Clan immer wieder beweisen. Als Dornenpfote auch noch Spitzkralle der ihr ebenfalls misstraut als Mentor bekommt, wird ihr Leben im Clan noch schwieriger.

Hierarchie der Clans

(!ACHTUNG! Die Seiten der Charaktere werden 24 Stunden nach der Veröffentlichung eines Kapitels aktualisiert und sind immer auf dem neusten Stand dementsprechend sind die Links voller Spoiler)

WolkenClan

Anführer Schlangenstern - hellgrauer Kater mit dunkelblauen Augen; Mentor von Sturmpfote
Zweiter Anführer Spitzkralle - großer, dunkelgrauer Kater mit ungewöhnlich langen Krallen
Heiler Amselfeder - pechschwarzer Kater
Krieger Goldkralle - getigerter Kater mit hellbraunem Fell

Frostfeder - weiße Kätzin

Natternherz - gesprenkelter Kater mit grauem Fell

Pilzohr - schildpattfarbene Kätzin mit einem braunem Ohr

Distelfrost - pechschwarzer Kater mit weißem Brustfell

Wespenstich - grauer Kater mit hellen Streifen

Himbeerglanz - cremefarbene Kätzin

Haselsturm - hellbraune Kätzin; Mentorin von Mauspfote

Wacholderzahn - dunkelbrauner Kater

Malvenfuß - schildpattfarbene Kätzin

Schneebart - schwarzer Kater mit weißem Unterkiefer

Schüler Sturmpfote - schwarz-weiß gescheckte Kätzin

Mauspfote - kleiner, grauer Kater

Königinnen Flammenblume - wunderschöne grünäugige Kätzin mit feuerroten Fell; Mutter von Qualmjunges und Dornenjunges

Langfell - cremefarbene Kätzin mit langem Fell; Mutter von Nussjunges, Krallenjunges und Dämmerjunges

Älteste Feuerglanz - rote Kätzin

Kurzbein - sehr kleiner, schwarzer Kater

Igelfell - brauner Kater, dessen Fell ungewöhnlich absteht


DonnerClan

Anführerin Düsterstern - dunkelgraue Kätzin mit dunkelrotem Schweif
Zweite Anführerin Habichtschrei - weiße Kätzin mit schwarzen Streifen
Heilerin Prachtfell - wunderschöne, blaugraue Kätzin; Mentorin von Efeupfote
Krieger Spinnenblut - riesiger schwarzer Kater mit vielen Narben; Mentor von Dunkelpfote

Fliederblüte - weiße Kätzin

Blattbart - brauner, getiegerter Kater

Schüler Efeupfote - braungetigerte Kätzin mit schwarzen Brustfell und Bauch

Dunkelpfote - sandfarbene Kätzin mit auffälliger schwarzen Nase

Älteste Laubnase - weiße Kätzin mit goldenen Tupfen

SchattenClan

Anführer Elsterstern - schwarzer Kater mit weißem Fleck
Zweiter Anführer Borretschhalm - blaugrauer Kater
Heiler Kräuterpelz - brauner Kater
Krieger Nesselstreif - dunkelbrauner Kater

Eichhörnchenherz - dunkelrote Kätzin

Schüler Scheinpfote - hellgraue Kätzin

Bachpfote - schwarze Kätzin mit hellen Streifen

Königinnen Nektarherz - schwarze Kätzin mit grauen und weißen Flecken; Mutter von Pflanzenjunges, Waldjunges und Strauchjunges


WindClan

Anführer Echsenstern - hellbrauner Kater mit scharfen Zähnen
Zweiter Anführer Falkenfeder - dunkler, getigerter Kater
Heilerin Sprenkelrose - schildpattfarbene Kätzin; Mentorin von Regenpfote
Krieger Steinblüte - graue Kätzin

Sumpffell - brauner Kater

Knotenfell - cremefarbene Kätzin mit zersaustem Fell

Funkennacht - schwarze Kätzin mit orangen Sprenkeln

Schüler Bussardpfote - dunkelroter Kater mit grünen Augen

Schneepfote - weißer Kater

Königinnen Herzschweif - getüpfelte Kätztin; Mutter von Wildjunges und Lichtjunges
Älteste Nachtjäger - pechschwarze Kätzin mit einer weißen Ohrspitze


FlussClan

Anführerin Tropfenstern - blaugraue Kätzin
Zweiter Anführer Grätenkralle - weißer Kater mit grauen Flecken
Heilerin Löwenohr - goldene Kätzin
Krieger Wolkenfall - schildpattfarbener Kater; Mentor von Zappelpfote

Rosenschein - wunderschöne schwarz-weiße Kätzin; Mentorin von Schimmerpfote

Gerstenfell - gelbe Kätzin

Farnkralle - brauner, getigerter Kater

Wasserkralle - schwarzer Kater mit weißen Pfoten

Schüler Schimmerpfote - hellgraue, fast schon silberne Kätzin

Zappelpfote - gefleckter Kater

Königinnen Flockensturm - schwarze Kätzin mit weißen Tupfen
Älteste Aschenblatt - grauer Kater; Ältester Kater des FlussClans

Die aktuelle Hierarchie findet ihr hier. Sie ist stets auf dem Stand des neusten Kapitels.

Territorium

Fallende Sterne Terri1

Alle Territorien mit Grenzmarkierungen

WolkenClan-Terri Fallende Sterne

Das WolkenClan-Territorium

Prolog

Die aufgehende Sonne erhellte den dunklen Himmel und wärmte den pechschwarzen Pelz eines ausgewachsenen Katers. Müde und erschöpft lief er übers Moor. Vier weitere Katzen liefen neben ihm. Langsam glättete sich das gegen die Kälte aufgeplustertes Fell einer schönen goldenen Kätzin. Auch sie und ihre anderen Weggefährten waren erschöpft von einer längeren Reise, die hinter ihnen lag. Ein kleiner Kater war der jüngste in der Gruppe. Er hatte große Schwierigkeiten mit den anderen Katzen mitzuhalten. Eine warme Brise ließ die goldene Kätzin schnurren.

"Das sind die letzen Sonnenstrahlen vor der Blattleere", miaute sie und blieb kurz stehen, um die Sonne zu genießen.

"Beeil dich, Löwenohr. Wir sind schon spät dran", beschwerte sich der pechschwarze Kater bei der goldenen Kätzin.

"Deine Krieger haben uns die Sonnenfelsen genommen", konterte Löwenohr und zuckte wütend mit den Schnurrhaaren. "Im FlussClan-Territorium gibt es keinen Platz mehr, um die Sonne richtig zu genießen"

"Es gab einen Kampf?", wollte der neugierige Heilerschüler des WindClans wissen, doch für diesen Kommentar erhielt er von seiner Mentorin einen sanften Schlag auf die Ohren.

"Die Kämpfe der anderen Clans gehen uns nichts an, Regenpfote", unterrichtete die freundliche schildpattfarbene Heilerin des WindClans ihren Schüler sanft.

"Ja, Sprenkelrose", der kleine Kater sah seinen Fehler ein und neigte kurz den Kopf vor seiner Mentorin.

"Sei nicht so streng zu ihm", sagte die liebevolle Heilerin des DonnerClans Prachtfell. "Die meisten Heilerschüler würden lieber kämpfen als Kräuter sammeln" Dabei warf sie einen Blick auf ihre eigene Schülerin Efeupfote.

Amselfeder, der pechschwarze Heiler des WolkenClans zuckte nur amüsiert mit seinem linken Ohr. "Ja, es gab einen Kampf, Regenpfote", während er mit seiner rauen Stimme sprach, warf er Löwenohr und verächtlichen Blick zu. "Und der WolkenClan hat wiedereinmal Stärke bewiesen und den FlussClan zurückgewiesen"

Die blauen Augen des jungen Heilerschülers wichen von Neugier zu Furcht. Seine Schnurrhaare zuckten nervös und er war sich unsicher, ob er darauf etwas erwidern soll. Zu seinem Glück übernahm der braune Heiler des SchattenClans das Wort: "Langsam wird der WolkenClan überheblich"

Als Antwort kam nur ein genervtes Schnauben von Amselfeder. Die Stimme von Kräuterpelz, dem Heiler des SchattenClans, wurde auf einmal sehr ernst: "Der SternenClan hat mir von einer bevorstehenden Gefahr prophezeiht. Hattet ihr beim Mondstein denselben Traum? Wenn nicht, dann betrifft diese Gefahr wohl nur meinen Clan"

Die Stimmung unter den reisenden Katzen wurde sofort ernster und nachdenklicher. Nach einer kurzen Zeit der Stille erhob Regenpfote nervös das Wort: "Z-Zuerst war mein Traum wie immer, doch dann wurde der Himmel bedeckt und eine Feder viel vor mir auf dem Boden. D-Dann bin ich aufgewacht"

Die anderen Heiler hörten dem jüngsten in ihrer Gruppe aufmerksam zu. Sprenkelrose erwiderte nichts auf die Aussage ihres Schülers. Die schöne FlussClan-Kätzin war diesmal diejenige die das Schweigen innerhalb der Gruppe brach: "Der SternenClan hat mir mitgeteilt, wer mein Nachfolger als Heiler werden wird, doch gerade als ich es herausfand, da...", sie schwieg kurz um nach passenden Worten zu suchen. "...da, sah ich in der Ferne ein riesiges Feuer"

Prachtfell neigte den Kopf und begann mit ruhiger Stimme von ihrer Vision zu erzählen. "Es war, als würden alle verstorbenen Krieger gleichzeitig sprechen. Ihre Worte waren: Drei die dasselbe Blut teilen werden die Clans vereinen, um einen gemeinsamen Feind zu bezwingen, den keiner allein töten kann"

"Ich habe Schlangen gesehen", berichtete Efeupfote und stellte ihr Fell auf.

"Wir verlassen euch nun", sprach Sprenkelrose sofort, bevor jemand nach ihrem Traum fragen konnte. Regenpfote machte das Maul auf um zu widersprechen, doch Sprenkelrose warf ihm einen strengen Blick zu. Mit einem kurzen Kopfnicken verabschiedeten sich die beiden WindClan-Katzen und trennten sich von der Gruppe.

"Sprenkelrose hat etwas erfahren, dass wir nicht wissen sollen", stellte Löwenohr misstrauisch fest. "Vielleicht weiß sie, wer die drei sind"

"Und wenn schon", lenkte Amselfeder ungeduldig ab. "Der SternenClan würde uns mehr Informationen geben, wenn die Prophezeiung dringend wäre. Wir werden bestimmt bald mehr wissen"

Kräuterpelz stimmte dem schwarzen Heiler mit einem nicken zu. Stumm liefen die fünf Katzen weiter. Noch bevor die Sonne ganz aufgegangen ist, kamen sie am Baumgeviert an. Jeder Heiler hatte es eilig zum Lager zu kommen und dem jeweiligen Anführer von der Gefahr zu berichten, weshalb sie die Verabschiedung kurz hielten.

"Wir sehen uns bei der nächsten Großen Versammlung", miaute Prachtfell und verschwand mit ihrer Schülerin im Unterholz.

"Hoffentlich wissen wir dann mehr", seufzte Löwenohr und trat ungeduldig von einer Pfote auf die andere.

"Möge der SternenClan euren Weg erleuchten", wünschte Kräuterpelz und lief schnell in sein Territorium. Löwenohr nickte dem WolkenClan-Heiler noch kurz zu, bevor sie ebenfalls schnell ins FlussClan-Territorium lief. Amselfeder hingegen trottete lässig am Fluss entlang auf dem Weg in sein eigenes Territorium. Er hatte keine Eile ins Lager zu kommen. Seine Ohren zuckten amüsiert, als er an seinen ersten Traum beim Mondstein zurückdachte.

"Drei die dasselbe Blut teilen werden die Clans vereinen, um einen gemeinsamen Feind zu bezwingen, den keiner allein töten kann", rief Bienenstern, die verstorbene Anführerin des WolkenClans. Feuer breitete sich um ihn herum aus und Rauch stieg empor. Ein Busch ausgekleidet mit Krallen stand inmitten des Feuers, doch brannte nicht. Eine Feder fiel vom Himmel und Schlangen krochen durch das heiße Feuer.

Als neuer Heilerschüler hatte er Angst vor diesem Traum, doch nach einer Weile begann er ihn zu verstehen. Amselfeder war sich schon damals sicher gewesen, dass diese Prophezeiung für ihn und seine Brüder bestimmt war. Der Busch mit den Krallen stand für seinen Bruder und Zweiten Anführer Spitzkralle. Die Schlangen, die durch das Feuer krochen, waren für Schlangenstern. Und er selber war die Feder, die zu Boden fiel und das Feuer, war die Bedrohung, die die drei bekämpfen werden. Nun, da die anderen Clans diese Nachricht auch vom SternenClan erhielten, war sich Amselfeder sicher, dass bald der Kampf gegen das Feuer beginnen wird. Kurz vor Sonnenhoch erreichte der schwarze Kater das Lager und zwängte sich durch die enge Lücke in dem Brombeerwall, der das Lager schützte. Als er in der Senke ankam zuckten seine Schnurrhaare überrascht. Die Hälfte des Clans war versammelt, doch Schlangenstern stand nicht auf dem Dornenast, wo er normalerweise zum Clan sprach. Die Katzen umringten eine einzige Katze und waren ihr immer wieder feindselige Blicke zu. Ein paar Krieger fauchten sogar. Amselfeder sah sich um und konnte weder Spitzkralle noch Schlangenstern entdecken.

"Was ist hier los?", verlangte Amselfeder mit fester Stimme zu erfahren. Die Köpfe seiner Clan-Gefährten drehten sich allesamt zu ihm. Goldkralle, ein mächtiger respektierter Krieger erhob als erstes das Wort: "Heute Nacht hat sich Flammenblume aus dem Kriegerbau geschlichen. Ich habe sie verfolgt. Und es stellte sich heraus, dass sie sich jede Nacht mit einem WindClan-Kater trifft!"

Der letzte Satz war nur noch ein Knurren aus Goldkralles Kehle. Die Angesprochene Kätzin hielt den Blicken ihrer Clan-Gefährten stand. Amselfeder beobachtete die junge flammenfarbene Kätzin misstrauisch. Seit Flammenblume ein Junges war hielt Amselfeder sie für arrogant und uneinsichtig, doch eine Beziehung mit einem Kater aus einem anderen Clan hätte er nicht von ihr erwartet.

"Habt ihr Schlangenstern schon informiert?", fragte der Heiler nach. Es überraschte ihn selber, wie viel Groll in seiner Stimme lag. Der goldene Krieger nickte bestätigend und deutete auf den Anführerbau. "Er redet gerade mit Spitzkralle und Igelfell"

Als Goldkralle diesen Satz beendete trat Schlangenstern aus seinem Bau heraus uns sprang auf den Dornenast. "Ich fordere alle Katzen auf, die alt genug sind ihre eigene Beute zu fangen, sich hier unter dem Dornenast zu einem Clan-Treffen zu versammeln", jaulte der graue Anführer des WolkenClans. Nur wenige Katzen kamen aus ihrem Bau, da die meisten schon vorher in der Senke versammelt waren. Spitzkralle sah sich kurz um und setzte sich schließlich neben Amselfeder. Die beiden beobachteten, wie Goldkralle und Natternherz sich bedrohlich neben Flammenblume stellten. Eine der Ältesten fauchte die Krieger an: "Lasst meine Tochter in Ruhe!", die feuerrote Kätzin bohrte ihre Krallen in den Boden und schaute die beiden Krieger wütend an.

"Bitte beruhige dich, Feuerglanz", sprach der Clan-Anführer die Älteste direkt an.

"Mich beruhigen?", Feuerglanz wirbelte sich entsetzt zu Schlangenstern um. "Diese Fuchsherze behandeln meine Tochter wie einen Feind!"

"Sie hat das Gesetz der Krieger gebrochen!", entgegnete Natternherz und fletschte mit den Zähnen. "Dafür muss sie bestraft werden"

"Wer hier für was bestraft wird ist immer noch meine Entscheidung, Natternherz", miaute Schlangenstern und peitschte zornig mit seinem Schweif hin und her. Sofort verstummte das Gemurmel unter den Katzen.

"Flammenblume, du weißt was dir vorgeworfen wird und...", fing Schlangenstern seine Rede an doch die junge angesprochene Kriegerin unterbrach ihn sofort. "Ich stehe dazu. Falkenfeder und ich lieben uns und ich erwarte Junge von ihm"

Die letzte Information brachte die Clan-Katzen wieder zum aufheulen. Auch Schlangenstern wirkte überrascht und dachte einen Moment nach, bevor er seinen Clan mit einem Jaulen wieder ruhig stellte.

"Ist dir bewusst, was du damit angerichtet hast?", fragte Schlangenstern. Seine Stimme bebte vor Enttäuschung und Zorn. "Es ist nicht nur, dass du das Gesetz der Krieger und deinen Clan mit Pfoten getreten hast. Du gibst deinen Jungen ein Leben als HalbClan-Katze. Ihre Loyalität wird immer gespalten sein und sie werden selbst nicht wissen wo sie hingehören. Durch deinen Fehler müssen unschuldige Junge damit zurechtkommen. Deine Junge werden für deinen Fehler bestraft werden"

Zum ersten Mal erkannte man Reue in Flammenblumes Blick. Sie schluckte und hielt den Atem an, als ihr Anführer weiter sprach: "Du wirst niemals wieder eine Pfote alleine aus dem Lager setzen. Es wird immer ein Krieger bei dir sein und du bekommst das hinterste Nest im Kriegerbau. Damit du Falkenfeder nie wieder sehen kannst, wirst du an keiner einzigen Großen Versammlung mehr teilnehmen. Dies ist deine Bestrafung, Flammenblume"

1. Kapitel - Die ersten Sonnenstrahlen

Die aufgehende Sonne ließ Licht durch die Dicke Wand aus Brombeersträuchern der Kinderstube leuchten. Die wenigen Strahlen kitzelten in der Nase einer kleinen jungen Kätzin. Ihr dunkles getigertes Fell wirkte im Schein der Sonne heller als gewöhnlich. Gähnend stand sie aus ihrem Nest auf und streckte ihre Glieder. Kurz sah sie sich um und stellte fest, dass sie als erstes wach geworden war. Langfell, eine langhaarige Königin, lag in ihrem Nest eingerollt und hatte ihren Schweif schützend vor ihre drei Jungen gelegt. Nach einigen Herzschlägen fiel der kleinen Kätzin etwas ein. Heute war der Tag, an dem sie die Kinderstube zum ersten Mal verlassen durfte. Sofort war jegliche Müdigkeit aus ihrem Körper verbannt und sie sprang freudig in der kleinen Kinderstube auf und ab.

"Qualmjunges, wach auf", das Junge stupste ihren Bruder mit der Nase an. "Heute dürfen wir endlich das Lager sehen!"

Der kleine orange Kater zuckte genervt mit seinem Ohr und machte wenig später die Augen auf. Nach einem langen Gähnen stand er auf und schüttelte seinen kleinen Körper. Durch die Hektik des getigerte Jungen wurde auch Langfell langsam wach.

"Du bist wie immer als erstes wach, Dornenjunges", schnurrte die cremefarbene Königin und weckte ihre eigenen Jungen sanft, indem sie ihnen abwechseln über den Kopf leckte. "Aufstehen meine Kleinen. Heute führe ich euch durchs Lager"

Dornenjunges, die kleine getigerte Kätzin, hüpfte zu ihrer eigenen Mutter und stupste sie mit beiden Vorderpfoten an. "Flammenblume! Flammenblume, wach auf! Wir sehen uns das Lager an"

Die feuerrote Kätzin murrte und zuckte genervt mit ihrem Schweif. "Ich kenne das Lager schon. Ich brauche es mir nicht ansehen", keifte die Königin und machte es sich wieder im Nest bequem um weiter zu schlafen.

"Komm, Dornenjunges", lenkte Langfell das enttäuschte Junge ab. "Wenn wir uns beeilen können wir zusehen wie Spitzkralle die Patrouillen einteilt"

Dämmerjunges, eine Kätzin aus Langfells Wurf, war die erste, der aus der Kinderstube trat. Ihre beiden Brüder Nussjunges und Krallenjunges liefen dicht hinter ihr. Qualmjunges und Dornenjunges stellten sich hinter ihnen auf. Als Dornenjunges über die große Senke schaute begannen ihre Augen vor Freude zu leuchten. Dass war ihr Zuhause. Das WolkenClan-Lager. Jedoch unterbrach Langfell den Moment des Staunens, als sie die Junge sanft weiter schob.

"Da drüben ist der Kriegerbau. Beeilt euch. Spitzkralle fängt gleich an", miaute sie und lief vor, um sich ein wenig abseits der Krieger hinzusetzen. Die Jungen folgten ihr und schauten sich immer wieder um. Dornenjunges staunte, bei der Menge an Katzen, die in dem Bau schliefen. Sie versammelten sich alle vor einem Baumstumpf, auf dem ein riesiger dunkelgrauer Kater saß. Seine gelben Augen beobachteten die Katzen vor ihm. Ein schwarzer Kater mit hellen Streifen trat als letzter aus dem Kriegerbau. Dornenjunges freute sich, dass sie wenigstens einen dieser Katzen bei Namen kannte. Der Kater war nämlich Wespenstich, der Vater von Langfells Jungen. Er war schon einige Male in der Kinderstube. Als Wespenstich seine Gefährtin und die Junge sah, trottete er lächelnd auf sie zu und setzte sich neben die cremefarbene Kätzin.

"Heute ist also euer großer Tag, ja?", schnurrte er und begrüßte seine Jungen mit einem Nasenstupser. Er bewegte seine Ohren sanft hin und her, unterhielt sich jedoch nicht weiter mit seinen Jungen, da der Kater auf dem Baumstumpf anfing zu reden.

"Jetzt, da die Blattfrische endgültig gekommen ist, werden wir sicherlich genug Beute für alle finden", miaute der Kater woraufhin zufriedenes Schnurren seiner Clankameraden folgte. "Um uns dessen sicher zu sein sende ich drei Jagdpatrouillen aus. Schneebart, du wirst deine Gruppe zu den Jagdfelsen führen. Nimm Wespenstich und Himbeerglanz mit"

Wespenstich sah seine Gefährtin entschuldigend an, bevor er sich zu einem schwarzen Kater mit einem weißen Unterkiefer gesellte. Das muss Schneebart sein, dachte Dornenjunges und versuchte sich den Namen einzuprägen.

"Haselsturm, du und dein Schüler jagen mit Malvenfuß bei den Sonnenfelsen. Falls du noch andere Trainingseinheiten mit Mauspfote machen möchtest, dann tue das nach Sonnenhoch", bestimmte der Zweite Anführer des WolkenClans und sah sich eine Weile um. Dornenjunges versuchte herauszufinden welche der Krieger angesprochen waren, doch es waren zu viele Katzen.

"Die letze Patrouille jagt in der Nähe des Froschtümpels", Dornenjunges zuckte zusammen, als plötzlich ein großer grauer Kater neben ihr stand. Langsam trottete er auf die Krieger zu. "Ich werde Sturmpfote und Pilzohr mitnehmen. Wir brechen Sonnenhoch auf"

"Wie kann er es wagen Spitzkralle Befehle zu erteilen?", fragte Dämmerjunges ihre Mutter und zuckte verständnislos mit ihren Schnurrhaaren.

"Das ist Schlangenstern. Der Anführer unseres Clans", schnurrte Langfell amüsiert, woraufhin Dämmerjunges beschämt zu Boden blickte. Der Zweite Anführer nickte seinem grauen Anführer kurz zu bevor er weiter sprach: "Um Sonnenhoch werden Goldkralle, Frostfeder und ich die DonnerClan-Grenze kontrollieren. Natternherz, Distelfrost und Wacholderzahn kontrollieren jetzt die FlussClan-Grenze. Seid vor Sonnenhoch zurück"

Mit einem kleinen Sprung stand der Zweite Anführer des WolkenClans vor seinen Kriegern und signalisierte ihnen so, dass sie aufbrechen sollen. Aufmerksam sah Dornenjunges dabei zu, wie die Krieger in kleinen Gruppen auf eine Lücke in den dichten Brombeerbüschen, die das gesamte Lager umringten, zusteuerten und darin verschwanden. Langfell holte die junge Kätzin wieder aus ihren eigenen Gedanken hervor.

"Kommt mit, ich zeige euch das restliche Lager", miaute sie und entfernte sich von dem Kriegerbau, der nur aus Moosnestern und einem Blätterdach bestand. Die fünf Junge tapsten ihr schnell hinterher. Das Lager schien für die kleinen Katzen unendlich riesig. Dornenjunges war größer, als die anderen Jungen, weshalb es ihr nicht schwer fiel mitzuhalten. Langfell blieb vor einem riesigen Dornenbusch mit einem stämmigen Ast stehen.

"Das ist der Dornenast", erklärte Langfell und blickte, genau wie die Junge, nach oben. "Wenn Schlangenstern mit dem ganzen Clan redet, dann klettert er hinauf"

"Ich möchte auch mal Anführerin werden!", rief Dämmerjunges und bäumte sich auf. "Ich werde die beste WolkenClan-Anführerin die der SternenClan je gesehen hat!"

Nussjunges warf seine Schwester um und hielt sie spielerisch am Boden fest. "Dann musst du erstmal an Nussstern vorbei!", mauzte er triumphierend.

Dornenjunges beachtete ihre Baugefährten nicht, sondern schaute weiterhin ehrfürchtig  zum Hochstein hinauf. Am gestrigen Tag hatte Langfell viel über den SternenClan gesprochen und dass er den Anführern Neun Leben schenkte. Die Tigerkatze wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Dämmerjunges und Nussjunges mit eingezogenen Krallen spielerisch auf einander losgingen.

"Wenn ihr zu beschäftigt seid, dann zeige ich nur Krallenjunges, Qualmjunges und Dornenjunges das Lager", miaute Langfell und sofort ließen die beiden Geschwister von einander ab und stellten sich zu ihrer Mutter. Die cremefarbene Kätzin schnurrte amüsiert und deutete mit ihrem Schweif auf einen umgefallenen Baum neben dem Dornenast. "Der Baum ist von innen hohl. Das ist der Anführerbau. Dort schläft Schlangenstern, doch jetzt kommt schnell mit. Er möchte bestimmt nicht von euch gestört werden"

Langfell wandte sich vom Hochstein ab und stellte sicher, dass die Junge dasselbe taten, bevor sie weiter ging. Sie ging auf einen kleinen Tunnel zu, doch blieb schon einige Fuchslängen davor stehen. Die Jungen taten es ihr gleich wegen der Angst etwas verbotenes zu machen.

"Dieser Tunnel führt zum Heilerbau. Erinnert ihr euch, was ich gestern über Heiler erzählt habe?", fragte Langfell und musterte die Jungen vor ihr.

"Sie haben oft Kontakt mit dem SternenClan", antwortete Krallenjunges sofort und streckte seinen Schweif vor Freude in die Höhe.

"Und sie sammeln Kräuter und Blumen im Wald um verletzten Katzen zu helfen", fügte Qualmjunges noch hinzu. "Einen Heiler dürfen wir nicht angreifen, selbst wenn er aus einem anderen Clan stammt"

Die cremefarbene Mutter schnurrte zufrieden. "Der Heiler des WolkenClans ist Amselfeder. Er mag keine Besuche. Also kommt mit, ich zeige euch den Schülerbau"

Sofort wurden die Junge hellhörig und tappten neben Langfell her. Nur Qualmjunges warf noch einmal einen Blick zurück zum Heilerbau. Vor dem Schülerbau lag eine schwarz-weiß gescheckte Kätzin und putzte ihr Brustfell. Als die Schülerin die Junge erblickte, schnurrte sie zufrieden.

"Endlich gibt es kleinere Pfoten im Clan", miaute zu freudig und begrüßte Langfell, indem sie ihr sanft über die Ohren leckte.

"Ich möchte auch Schülerin sein!", quengelte Dämmerjunges und stellte sich auf die Hinterpfoten um größer zu wirken. Dies nutze Nussjunges jedoch aus und warf seine Schwester um.

"Dann musst du erst mich besiegen!", miaute der brauner Kater und setze sich stolz vor die gescheckte Schülerin. "Hast du das gesehen? Ich bin schon bereit ein Schüler zu sein!"

"Wir sollten Sturmpfote jetzt wieder alleine lassen", meinte Langfell und schob ihre Jungen sanft von der Schülerin weg. "Sie muss bestimmt noch trainieren"

Sturmpfote verabschiedete sich mit einem Schweifschnippen und trottete dann zu einer reinweißen Kätzin in der Nähe des Kriegerbaus. Dornenjunges sah ihr noch länger hinterher, weshalb sie nicht mitbekam, wie Langfell und ihre gleichaltrigen Baugefährten auf einen weiteren Bau zusteuerten. Schnell lief sie ihnen hinterher und kam gerade noch rechtzeitig an um gemeinsam mit den anderen den Bau, der umgeben von Farn war, zu betreten. Drei Nester aus Moos befanden sich in einer Ecke und verschiedene Katzen lagen darin.

"Igelfell, Kurzbein! Wacht auf. Wir haben Besuch!", sagte eine fremde Stimme und trat näher an die Gäste heran. Dornenjunges erkannte, dass die Fremde dieselbe Fellfarbe wie ihre Mutter Flammenblume hat. Auch Qualmjunges Pelz glich dem der Ältesten.

"Guten Morgen, Feuerglanz", schnurrte Langfell. "Ich hoffe wir haben euch nicht zu früh geweckt"

"Das macht nichts, Langfell", murrte ein anderer schwarzer Kater. "Igelfell muss aufhören seine Zeit nur noch mit schlafen zu verbringen"

Dornenjunges strengte sich an, sich den Geruch von Feuerglanz einzuprägen. Die Älteste roch nach etwas was die junge Kätzin noch nie gerochen hat. Vermutlich eine Blume die sie nicht kannte.

"Wenn man mir nicht verbieten würde draußen zu jagen würde ich nicht so viel schlafen, Kurzbein", zischte der angesprochene Kater zurück. Sein braunes Fell stand zu allen Seiten ab und seine bernsteinfarbenen Augen blickten trotz seinen scharfen Ton friedlich zu seinem Baugefährten. Dann blickte der Kater zu den fünf Jungen die schüchtern neben Langfell standen.

"Ahh", begann er zu schnurren. "Die Junge von Wespenstich und Langfell sind hier"

Dornenjunges verstand nicht, warum sich seine Miene verfinsterte, als sein Blick auf sie und ihren Bruder viel. "..und die von Flammenblume", fügte Kurzbein weniger enthusiastisch hinzu.

Die älteren Katzen tauschten schnelle Blicke aus bevor sie sich wieder den Jungen zu wanden.

"Wer möchte hören, wie ich als Schüler alleine gegen einen riesigen Fuchs gekämpft habe?", fragte Igelfell und betonte jedes einzelne Wort überschwänglich.

"Du wurdest gerade erst zum Schüler ernannt und dein Mentor musste dich retten", warf Kurzbein ein und verdrehte amüsiert seine grünen Augen.

"Was ist ein Fuchs?", fragte Krallenjunges neugierig.

"Ein Fuchs ist das hässlichste Tier, das ihr je sehen werdet", erklärte Igelfell. "Sie haben einen niedrigen Körper, rotes Fell, einen buschigen Schwanz mit weißer Schweifspitze und eine lange, schmale Schnauze"

"Und sie sind gefährlich", fügte Kurzbein hinzu. "Nur die besten Krieger können es alleine mit einem Fuchs aufnehmen. Doch noch schlimmer sind Hunde!"

"Was sind Hunde?", fragte diesmal Qualmjunges und reckte neugierig seinen Kopf.

2. Kapitel - Treue

"Darf ich mitspielen?", fragte Dornenjunges schüchtern. Nussjunges und Dämmerjunges tauschten kurze Blicke aus.

"Das Spiel geht nur zu Zweit", antwortete Dämmerjunges und warf die Mooskugel wieder zu ihrem Bruder. Enttäuscht ließ Dornenjunges den Kopf hängen und schaute sich nach ihrem eigenen Wurfgefährten um. Ihr Instinkt führte sie zum Ältestenbau, denn seitdem Langfell die Junge vor vier Monden zum ersten Mal durchs Lager geführt hat waren Qualmjunges und Krallenjunges von den Geschichten der Ältesten gefesselt. Als Dornenjunges in den Ältestenbau sah, konnte sie den flammenfarbenen Pelz ihres Bruders erkennen. Er und Krallenjunges hingen an den Wörtern von Igelfell. Dornenjunges hatte keine Lust auf eine weitere erfundene Heldentat, weshalb sie wieder umdrehte und sich vor die Kinderstube saß. Die Sonne begann schon unterzugehen und eine Jagdpatrouille kam gerade mit viel Beute durch den Lagereingang. Das kleine getigerte Junge beobachtete wie Goldkralle, Wacholderzahn, Haselsturm und Mauspfote ihre Beute auf dem Frischbeutehaufen legten. Wespenstich erhob sich aus einer kleinen Gruppe von Kriegern und schlenderte zum Haufen hinüber um sich eine Drossel zu nehmen. Damit ging er zu seiner Gefährtin Langfell, die vor der Kinderstube lag und ihr cremefarbenes Fell putzte. Dämmerjunges und Nussjunges hörten sofort auf zu spielen und rannten zu ihrem Vater um ihn zu begrüßen. Dornenjunges wurde eifersüchtig, denn immer wenn sie Flammenblume fragt, wer ihr Vater sei gab sie keine richtige Antwort. Die Tigerkätzin seufzte und spielte alleine mit der Mooskugel weiter. Immer mehr Katzen nahmen sich Frischbeute und aßen zusammen. Wie jeden Abend bemerkte Dornenjunges die misstrauischen Blicke auf ihrem dunkeln Pelz. Früher flüchtete sie immer schnell in die Kinderstube, doch mittlerweile konnte sie den Blicken stand halten. Es wurde schnell langweilig, alleine mit der Mooskugel zu spielen, weshalb Dornenjunges aufhörte um zu Langfell zu gehen.

"Habe ich etwas falsch gemacht?", fragte sie und blickte sich um. Sie hatte dieselbe Frage zwar schon einmal gestellt, doch Langfells Antwort war nicht wirklich aufschlussreich gewesen. Wespenstich drehte seinen Kopf weg und signalisierte so, dass er mit Dornenjunges nicht reden würde.

"Ich bin nicht diejenige, die es dir sagen sollte, Dornenjunges", miaute Langfell entschuldigend und leckte das Junge sanft zwischen den Ohren. Die dunkle Kätzin gab sich mit der Antwort zufrieden und ging hinter die Kinderstube um aus dem Moos dort eine größere Kugel zu formen.

"Du hast es deinen Jungen nicht gesagt?", Dornenjunges war überrascht die Stimme von Schlangenstern aus der Kinderstube zu hören.

"Wovon sprichst du?", erwiderte Dornenjunges Mutter Flammenblume.

"Deine Junge glauben sie hätten etwas falsch gemacht, weil die Krieger sie misstrauisch angucken. Dabei bist du diejenige, die einen Fehler begangen hat"

Dornenjunges schämte sich ein wenig, dass sie unabsichtlich bei einem Gespräch des Anführers zuhörte.

"Ich habe sie nicht angelogen", zischte Flammenblume wirkte aber mehr traurig als wütend. "Ich habe ihnen gesagt, dass ihr Vater ein edler Krieger ist"

Die Tigerkätzin reckte ihre Brust vor Stolz, als ihre Mutter wiederholte was für ein großartiger Krieger ihr Vater ist.

"Ich werde mit Dornenjunges und Qualmjunges reden", seufzte Schlangenstern und verließ mit einem Rascheln die Kinderstube. Schlangenstern wollte mit ihr reden? Vor Aufregung vergaß sie den Moosball und rannte wieder auf die Lichtung zu Langfell. Dort stand Schlangenstern nun und unterhielt sich mit der Königin. Krallenjunges und Qualmjunges kamen in der Zwischenzeit aus dem Ältestenbau und gesellten sich ebenfalls zu der kleinen Gruppe.

"Dornenjunges und Qualmjunges", sprach Schlangenstern die Wurfgefährten direkt an. "Kommt mit in meinem Bau"

Der hellgraue Kater tappte los und steuerte auf den hohlen Baumstamm zu. Qualmjunges folgt ihm unbeeindruckt während Dornenjunges vor Aufregung auf und ab hüpfte.

"Das ist unfair!", jammerte Dämmerjunges beleidigt und sah ihren Baugefährten hinterher. Bevor die drei beim Anführerbau angekommen sind, erhob sich eine tiefe Stimme: "Himbeerglanz hat Neuigkeiten für den Clan"

Als Dornenjunges sich nach der Stimme umsah, erblickte sie den pechschwarzen Heiler Amselfeder. Sie mied den mürrischen Kater so gut wie es geht. Neben dem Heiler entdeckte sie das cremefarbene Fell von Himbeerglanz.

"Ich erwarte Junge", miaute sie und ihre blauen Augen strahlten vor Freude. Wacholderzahn erhob sich sofort von seinem Platz neben Spitzkralle und stürmte auf seine Gefährtin zu. Schlangenstern begann zu schnurren und wartete noch einen Augenblick, bevor er in den hohlen Baum trat. Qualmjunges und Dornenjunges tauschten noch einmal Blicke, bevor sie ihrem grauen Anführer folgten. Sie staunten bei den Anblick des Inneren. Der Baum war schon alt, weshalb er zur Hälfte schon im Sand steckte, was den Bau angenehm groß machte. Im dunklen Ende des Stammes war ein Nest aus Moos. Schlangenstern setzte sich vor die Jungen und legte seinen Schweif sorgfältig über seine Vorderpfoten.

"Wie viel wisst ihr schon über euren Vater?", fragte der Anführer und blickte die Jungen abwechselnd an. Dornenjunges Herz machte einen Sprung. Kann es sein das Schlangenstern ihr Vater ist?

"Flammenblume hat gesagt, er sei ein großartiger Krieger", antwortete Qualmjunges. "Und er hat noch nie einen Kampf verloren"

"Nun, euer Vater ist ein guter Krieger", Schlangenstern schien über die richtige Formulierung nachzudenken. "Es ist Falkenfeder"

Die Jungen lebten schon seit fünf Monden im WolkenClan, doch an einen Krieger namens Falkenfeder konnte sich Dornenjunges nicht erinnern.

"Er ist der Zweite Anführer des WindClans", beendete Schlangenstern seinen Satz. Dornenjunges taumelte nach hinten, als hätte ihr Anführer sie gekratzt. Qualmjunges hingegen schien nicht sehr beeindruckt: "Das erklärt, warum uns jeder so misstrauisch anguckt..."

Das Fell der Tigerkätzin sträubte sich. "Der WolkenClan ist mein zuhause! Und das ich WindClan-Blut in meinen Adern habe, wird nichts daran ändern!"

Schlangenstern nickte Dornenjunges anerkennend zu. "Ich zweifle nicht an eurer Treue, doch einige Krieger befürchten, ihr würdet lieber im WindClan leben wollen"

Dornenjunges legte ihr Fell wieder an und nahm sich ein wenig Zeit um die Neuigkeit zu verkraften.

"Qualmjunges", wandte sich Schlangenstern dem breitschultrigen Kater zu. "Die siehst deiner Mutter Flammenblume sehr ähnlich und hast auch den Körper eines WolkenClan-Kriegers... doch du Dornenjunges..."

Sein Blick wurde trüber und Dornenjunges hatte das Gefühl seine dunkelblauen Augen würden sie durchblicken. "Du hast dieselbe Fellfarbe wie dein Vater Falkenfeder. Du bist schlank und hast lange Beine wie eine WindClan-Katze"

Das getigerte Junge bekam plötzlich Angst. Würde Schlangenstern sie aus dem WolkenClan verbannen? Würde sie im WindClan leben müssen? Ihr Blick fiel kurz zu Boden, bevor sie entschlossen zu ihrem Anführer hinaufblickte.

"Ich würde mein Leben für den WolkenClan geben", schwor Dornenjunges mit fester Stimme in der keine Zweifel hingen. Schlangenstern nickte den Jungen nochmal zu und verließ den Bau. Die beiden Geschwister folgten und gesellten sich wieder zu den anderen Jungen vor der Kinderstube.

"Ich möchte Schlangensterns Bau auch von Innen sehen!", miaute Dämmerjunges und sah Qualmjunges und Dornenjunges eifersüchtig an. Die beiden ignorierten die schwarze Kätzin jedoch und setzen sich neben Krallenjunges. Während die drei sich einen Fink teilten, versprach Dornenjunges im Stillen, dass sie ihre Treue so oft beweisen würde wie sie nur müsste.

3. Kapitel - Das Zeichen des SternenClans

"Feuer! Feuer!", der schrille Schrei einer Kätzin riss Dornenjunges aus ihren Träumen. Sie brauchte ein wenig Zeit, um zu realisieren, dass sie sich in einer gefährlichen Situation befand. Auch Qualmjunges, Flammenblume und Himbeerglanz sind wach geworden. In den smaragdgrünen Augen der Kätzin lag pure Panik. Obwohl Dornenjunges und Qualmjunges bereits kräftig und schwer waren, hievte Flammenblume ihre Jungen hoch und rannte aus der Kinderstube. Dabei rissen die Dornen in der Wand ihr Ohr ein, doch das störte die Mutter nicht. Auf der Lagerlichtung jedoch herrschte keine Panik. Verwundert setzte Flammenblume ihr Jungen wieder auf dem Boden ab. Alle Katzen, die gerade noch panisch aus ihren Bauen flüchteten versammelten sich um etwas kleines, das Dornenjunges nicht sehen konnte. Der Rauch, der aus der Mitte der Katzenversammlung emporstieg, brand in der empfindlichen Nase der Tigerkätzin.

"Lasst mich durch", knurrte eine raue Stimme. Amselfeder, der Heiler des WolkenClans, bahnte sich seinen Weg durch die Krieger.

"Hier brennt nichts", gab Spitzkralle die Entwarnung. "Es ist nur Rauch"

"Was kann das bedeuten?", fragte Goldkralle und sah zum Himmel, an dem jedoch keine Sterne mehr zu erkennen sind. "Was möchte der SternenClan uns mitteilen?"

Amselfeder antwortete nicht auf die Frage des braunen Kriegers sondern starrte auf den getigerten Pelz von Qualmjunges. Viele folgten seinem Blick, weshalb schon bald der ganze Clan den breitschultrigen Kater anschaute.

"Der SternenClan hat meinen Nachfolger bestimmt. Qualmjunges wird ein Heiler sein", sprach der pechschwarze Heiler mit Verachtung in der Stimme. Er konnte keine Gesellschaft ab und schon gar keinen Schüler der dauerhaft in seiner Nähe sein würde. Schlangenstern, der gerade eben noch zwischen seinem Stellvertreter und Igelfell stand, sprang nun auf den Dornenast hinauf.

"Qualmjunges tritt vor", rief der Anführer hinunter. Überrumpelt von all den Ereignissen in kürzester Zeit stolperte der orange Kater nach vorne.

"Qualmjunges, bis du den Umgang mit Kräutern und Verletzungen aller Art gelernt hast wirst du Qualmpfote heißen. Beim nächsten Halbmond wirst du mit deinem Mentor Amselfeder zum Mondstein reisen, damit der SternenClan deine Ausbildung befürworten kann", sagte Schlangenstern feierlich und Amselfeder trat mürrisch vor, um mit seinem Schüler das Ritual zu vollenden. Ihre Nasen berührten sich kurz, bevor der Clan den neuen Schüler begrüßte: "Qualmpfote! Qualmpfote!"

Dornenjunges rief am lautesten den neuen Namen ihres Bruders. Nachdem die Rufe verklungen waren herrschte eine bedrückende Stille. Schlangenstern tauschte einen längeren Blick mit dem Zweiten Anführer Spitzkralle aus. Erst als der dunkelgraue Kater nickte sprach der Anführer weiter: "Nun zu dir Dornenjunges. Tritt vor"

Mit klopfenden Herzen setzte Dornenjunges eine Pfote vor die andere. Sie würde endlich Schülerin werden! Eine Fuchslänge vor dem Dornenast kam die Tigerkätzin zum stehen.

"Dornenjunges, du bist nun sechs Monde alt und es ist an der Zeit, um mit deiner Ausbildung zu beginnen. Von diesem Tag an, bis diese Schülerin sich ihren Kriegernamen verdient hat, wird sie Dornenpfote heißen. Ich bitte den SternenClan, über diese Schülerin zu wachen, bis sie in ihren Pfoten die Kraft und den Mut eines Kriegers findet", vor ein paar Sonnenaufgängen, wurden Dämmerjunges und ihre Brüder zu Schülern ernannt und Dornenpfote konnte sich noch genau daran erinnern, wie Schlangenstern durch seine versammelten Krieger blickte sich einen passenden Mentor überlegte. Diese Zeit nahm sich der Anführer dieses mal nicht, sondern er schien schon vor einigen Monden gewusst zu haben, welchen Krieger er für Dornenpfotes Ausbildung wählt: "Spitzkralle, du hast dem Clan schon immer treu gedient und aus deinem alten Schüler Wacholderzahn, ist ein genauso treuer Krieger geworden. Du wirst der Mentor von Dornenpfote sein und ich bin davon überzeugt, dass du dein Wissen an sie weitergeben wirst"

Das Herz der Tigerkätzin setzte kurz aus. Spitzkralle?! Jeden Krieger hätte sie lieber als Mentor gehabt als den nie gut gelaunten Spitzkralle. Zitternd vor Aufregung, drückte sie ihre Nase an die Nase des großen Katers.

"Dornenpfote! Dornenpfote!", rief der Clan, doch die ihre Blicke waren nach wie vor misstrauisch. Entschlossen blickte Dornenpfote in die stechenden Augen ihres Mentors. Schlangenstern sprang vom Dornenast und beendete somit die Versammlung.

"Ich werde dir unser Territorium zeigen, damit du sich zukünftig zurechtfindest", sprach Spitzkralle. "Doch vorher muss ich die Patrouillen einteilen"

Dornenpfote nickte eifrig und gesellte sich zu den anderen Schülern und Kriegern die schon vor Spitzkralles Baumstumpf warteten. Sturmpfote nickte ihr kurz zu bevor Spitzkralle auch schon anfing zu sprechen: "Wir haben diesen Blattfall sehr viele Schüler und sie müssen auf die Blattleere vorbereitet werden. Goldkralle, nimm deine Schülerin Dämmerpfote, Wespenstich und Frostfeder mit. Ihr werdet bei den Weiden jagen. Kommt den Zweibeinern nicht zu Nahe! Eine zweite Jagdpatrouille wird bei den Sonnenfelsen jagen. Malvenfuß und Nusspfote ihr werdet dabei sein und nimmt noch mit wen ihr wollt. Natternherz, Schneebart und Krallenpfote kontrollieren die DonnerClan-Grenze. Ich werde eine Patrouille zur FlussClan-Grenze führen. Wer sich anschließen will kommt Sonnenhoch zum Fluss"

Die Katzen trennten sich und verließen das Lager durch die Lücke im Brombeergestrüpp. Spitzkralle sprang vom Baumstumpf und leckte sich ein paar Mal über sein Brustfell, bevor er ebenfalls aus dem Lager ging. Dornenpfote folgte ihrem Mentor. Vor Aufregung zitterten ihre Pfoten und ihr Herz pochte gegen ihre Brust. Die Wiesen erschienen so riesig im Gegensatz zum Lager. Große Eichen standen einzeln dort und würden in heißen Blattgrüne Tagen Schatten spenden. Unendlich viele neue Gerüche krochen in Dornenpfotes Nase.

"Die Hochkiefern sind nur wenige Hasensprünge vom Lager entfernt. Doch momentan gehört dieses Gebiet dem DonnerClan", erklärte Spitzkralle und blieb auf einem kleinem Abhang stehen. Von dort aus konnte Dornenpfote den Wald, das Jagdgebiet des DonnerClans sehen. Hohe Kiefern ragten in die Höhe und eine Lerche trällerte ihr Lied. 

"Dort wo der Wald aufhört ist die Grenze zum DonnerClan. Jetzt zeige ich dir die Trainigshöhle. Merke dir den Weg und versuch mitzuhalten!"

Und schon rannte der große dunkelgraue Krieger los. Dornenpfote folgte ihm. Dank ihrer langen Beine, die für eine WolkenClan-Katze sehr ungewöhnlich waren, hatte sie keine Probleme ständig hinter ihrem Mentor zu bleiben und nicht an Abstand zu verlieren. Es dauerte nicht lange, da blieb Spitzkralle auch schon wieder stehen. Vor ihm war ein Höhleneingang. Die Sonne schien hinein, weshalb sie das Innere von außen erkennen konnte. Die Höhle war groß und die Wände waren ausgestattet mit Moos.

"Hier wirst du kämpfen lernen und Moos für Nester finden", meinte der dunkelgraue Kater und deutete dann mit dem Schweif in eine andere Richtung. "Wenn wir weiter in diese Richtung gehen würden, kommen wir zum Zweibeinerort"

Dornenpfote nickte und strengte sich an alle neuen Informationen zu behalten.

"Nun prüfe die Luft und sag mir was du riechst"

Nach mehreren langen Atemzügen konnte Dornenpfote die fremden und vertraulichen Gerüche einordnen. "Ich rieche Schlangenstern und Sturmpfote. Doch der Geruch ist schwach sie waren vermutlich gestern hier und in der Nähe wächst Ampfer", antwortete die Schülerin und blickte in die stechenden Augen ihres Mentors. "Die anderen Gerüche kenne ich nicht"

"Hier riecht es nach Blut und nach Dachs", murrte Spitzkralle. "Er muss hier in der Nacht gejagt haben und er hatte Erfolg. Ich werde nächsten Sonnenaufgang eine Patrouille losschicken um ihn zu vertreiben. Und merk dir den Geruch. Ich werde es dir kein weiteres Mal mehr vorsagen"

Dornenpfote nickte eingeschüchtert und atmete den Geruch noch ein paar Mal ein, bevor sie ihrem Mentor weiter über die Wiesen folgte.

Mitten auf einer Wiesen waren riesen große Steine, darunter auch welche die gefährlich spitz aussahen. Spitzkralle hielt zwar nicht an um zu erklären wie dieser Ort genannt wird, doch Dornenpfote konnte sich denken dass es sich hier um die Jagdfelsen handeln musste. Durch ihren WindClan-Körper hatte sie viel Ausdauer geerbt, weshalb sie deutlich entspannter als Spitzkralle vor den Weiden stehen bleiben konnte.

"Hast du die Jagdfelsen gesehen?", erkundigte er sich. "Dort und hier wirst du noch öfter jagen müssen. Den Froschtümpel zeige ich dir ein anderes mal"

Ohne auf eine Antwort zu warten lief der Zweite Anführer weiter, diesmal langsamer. Nach mehreren Baumlängen konnte Dornenpfote ein rauschen hören. Kurze Zeit später erblickte sie den reißenden Fluss.

"Wenn wir am Ufer weitergehen kommen wir zum Baumgeviert, wo die Großen Versammlungen stattfinden", erklärte der dunkelgraue Kater. "Doch ich kann sie dir nicht zeigen weil wir feindliches Territorium betreten würden"

"Wann darf ich an einer Großen Versammlung teilnehmen?", fragte Dornenpfote aufgeregt und fragte sich wie wohl die Katzen der anderen Clans sind.

"Sobald du weißt für welchen Clan die deine Krallen ausfährst", knurrte Spitzkralle.

"Der WolkenClan ist mein zuhause, egal welches Blut durch meine Adern fließt", miaute sie mit fester Stimme. Spitzkralle öffnete sein Maul um etwas zu sagen, doch in diesem Moment liefen Schneebart und Krallenpfote auf sie zu.

"Wir sind hier um uns der Grenz-Patrouille anzuschließen", erklärte der schwarze Kater mit dem weißem Kiefer. "Krallenpfote braucht mehr Erfahrung"

"Lasst uns gehen", mit einem scharfen Blick an Dornenpfote trotte Spitzkralle vorweg an der Grenze des FlussClans entlang. Von der Grenze aus konnte sie den Fluss weiterhin sehen. Je länger sie flussaufwärts gingen desto langsamer wurde das Wasser. Gerade als Schneebart eine Duftmarkierung erneuern wollte, roch er frischen FlussClan-Geruch und schon bald stand eine Patrouille des FlussClans vor ihnen. Es waren zwei ausgewachsene Katzen und eine jüngere, vermutlich eine Schülerin. Sie sahen alles andere als feindselig aus.

"Wasserkralle", begrüßte Spitzkralle den feindlichen Krieger mit einem kurzen Nicken. "Ist bei deinem Clan alles in Ordnung?"

"Tropfenstern ist tot", verkündigte der angesprochene schwarze Kater. "Grätenstern ist nun unser Anführer"

4. Kapitel - Gefahren

Dunkelheit umhüllte das Lager. Nur wenige Katzen waren außerhalb ihrer Baue. Seit der Neuigkeit von Tropfensterns Tod waren wenige Sonnenaufgänge vergangen. Vor ein paar Herzschlägen hatte eine Patrouille das Lager verlassen. Sie waren auf dem Weg zur Großen Versammlung. Blinzelnd sah Dornenpfote zum Vollmond hinauf. Außer Sturmpfote, die sich gerade mit ihrer Mutter Frostfeder die Zunge gab, musste kein Schüler mit ihr im Lager bleiben. Gestern hatte Spitzkralle seine Schülerin zum ersten Mal mit in die Trainingshöhle genommen, um dort das Kämpfen zu trainieren, doch Dornenpfote hatte sich so ungeschickt angestellt, dass sie nicht mit zur Großen Versammlung durfte. Die Tigerkätzin war enttäuscht, dass sie ihre erste Große Versammlung nicht zusammen mit ihrem Bruder Qualmpfote erleben durfte. Der kräftige schwarze Kater Distelfrost blieb auch im Lager. Unruhig lief er vor dem Kriegerbau auf und ab. Während Dornenpfote ihn beobachtete, streckte Pilzohr ihren weißen Kopf aus dem Kriegerbau. Ihr linkes braunes Ohr zuckte genervt.

"Kannst du nicht woanders nervös rumlaufen?", fragte die Schildpattkätzin und streckte ihre Glieder. "So kann keiner Ruhe finden"

"Tut mir leid", nuschelte Distelfrost und blieb stehen. Seine blauen Augen musterten den Lagerausgang. Pilzohr schnippte noch einmal genervt mit ihrem Schweif bevor sie Dornenpfotes Blick bemerkte. Schnell blickte die Schülerin auf ihre Pfoten. Ihr Pelz wurde heiß vor Scham. Langsam trottete Pilzohr zu Dornenpfote hinüber. Als sie bei ihr angekommen war, legte sie sich neben die Tigerkatze.

"Spitzkralle hat mir erzählt, warum du nicht mit zur Großen Versammlung darfst", miaute sie mit einem ungewohnt sanften Ton. Dornenpfote kannte bis jetzt nur die grobe Seite der tapferen Kriegerin.

"Ich werde mich beim nächsten Training mehr anstrengen", versprach Dornenpfote und schaute in die hellgrünen Augen von Pilzohr.

"Da bin ich mir sicher", schnurrte diese und begann sich zu wachen. "Aber deswegen bin ich nicht zu dir gekommen"

Dornenpfote richtete ihre Ohren gespannt auf. Was könnte sie von ihr wollen?

"Weißt du", begann Pilzohr und stoppte mit ihrer Wäsche. "Du wurdest in der Blattfrische geboren und in der Blattleere davor war ich trächtig von Spitzkralle"

Die Schülerin zuckte überrascht mit ihrem Schweif. Davon hatte sie noch nie gehört, doch sie vermutete schon, dass die Geschichte ein trauriges Ende nehmen wird. Schließlich müssten die Jungen auch noch Schüler sein.

"Spitzkralle hat sich so gefreut Vater zu werden, dass er teilweise sogar seine Aufgaben als Zweiter Anführer vergessen hat"

Die beiden Kätzinnen schnurrten amüsiert. Dornenpfote hatte noch nie erlebt, dass Spitzkralle einen Fehler in seinen Befehlen hatte oder sogar seine Aufgaben ganz vergas.

"Doch bei der Geburt ging vieles schief", die Stimme der Kriegerin wurde leiser und kratziger. "Beide Jungen starben kurz nach der Geburt... wir hatten nicht einmal Zeit ihnen Namen zu geben"

Dornenpfote wusste nicht, was sie sagen sollte, weshalb sie versuchte die Kriegerin zu trösten, indem sie ihr sanft über die Ohren leckte.

"Doch während der Totenwache haben wir uns für Glanzjunges und Fleckenjunges entschieden, dass sie wenigstens mit einen Namen im SternenClan ankommen", Pilzohrs Stimme war nur noch ein Hauchen. Es dauerte mehrere Herzschläge, bis sie sich wieder gefasst hatte. "Doch ich bin auch nicht zu dir gekommen, um mich zu beklagen. Ich möchte dir nur sagen, dass Spitzkralle eigentlich ein guter Kater ist"

Dornenpfote schnaubte verächtlich, doch ihre Stimme blieb respektvoll. "Vielleicht ein guter Kater aber ein unfairer Mentor. Ich glaube er hasst mich"

"Er bewundert dich", diese Information verblüffte Dornenpfote so sehr, dass sie unweigerlich den Kopf schüttelte. "Er bewundert dich, weil du nicht einfach dein Schicksal akzeptierst. Du bist keine WolkenClan-Katze. Du bist nicht für die Jagd von Raubvögeln gemacht und auch unser Kampfstil ist unmöglich für dich zu erlernen. Trotz all dem kämpfst du gegen dein Schicksal an. Warum?"

Diese Frage überrumpelte die Tigerkätzin etwas, weshalb sie einige Zeit brauchte bevor sie antwortete: "Der WolkenClan ist mein zuhause. Ich kann ihn nicht einfach ersetzen"

Aus Angst Pilzohr könnte an ihrer Treue zweifeln, stand Dornenpfote schnell auf und flüchtete in den Schülerbau. Dort legte sie sich in ihr Moosnest nah beim Eingang. Sie schloss die Augen und fiel kurze Zeit später in einen unruhigen Schlaf.

Am nächsten Morgen wachte Dornenpfote gähnend auf. Seitdem sie eingeschlafen war, hat sich der Schülerbau gefüllt. Sie sah dabei zu wie sich die Flanken ihrer Baugefährten sanft bewegten. Nur Mauspfote war auch schon wach. Er strich mit seiner rauen Zunge gleichmäßig über sein graues Fell. Dornenpfote stand auf und streckte ihre Glieder, bevor sie aus dem Bau ging. Die aufgehende Sonne färbte den Himmel bereits rot. Aus der Kinderstube konnte sie die aufgeregten Stimmen der Jungen hören. Himbeerglanz hat vor wenigen Sonnenaufgängen geworfen und Dornenpfote vermutete, dass die Jungen nun zum ersten Mal die sicheren Brombeerranken die die Kinderstube schützen verlassen dürfen. Ihr Verdacht bestätigte sich, als Langfell ihren Kopf durch den engen Eingang streckte. Die cremefarbene Mutter hatte ihr Kriegerleben nicht wieder aufgenommen nach dem ihre Jungen in den Schülerbau gezogen sind. Langfell entschied den anderen Königinnen zu helfen. Dornenpfote begann ihr zersaustes Fell zu waschen. Währenddessen krochen zwei kleine Junge hinter Langfell aus der Kinderstube. Dabei war ein kurzhaariger brauner Kater. Seine bernsteinfarbenen Augen funkeln ängstlich. Seine Wurfgefährtin jedoch sah sich staunend um. Das erinnerte Dornenpfote an ihren ersten Tag im Lager.

"Dornenpfote", Langfell schlenderte schnurrend auf sie zu. "Darf ich dir Schneckenjunges und Horizontjunges vorstellen?"

"Warum bist du so groß? Ich möchte auch so groß werden!", miaute Horizontjunges und versuchte sich auf ihre Hinterpfoten zu stellen, doch sie viel um und wirbelte Staub auf.

Dornenpfote schnurrte belustigt und half dem kleinen Jungen aufzustehen.

"Ich bin so groß, weil ich immer auf meine Mutter gehört habe und nur freundlich zu den älteren Katzen war", antwortete Dornenpfote.

"Dann werde ich das auch immer tun!"

Während der kurzen Unterhaltung hatte sich der Kriegerbau geleert. Sie saßen nun versammelt vor Spitzkralles Baumstumpf. Die meisten Krieger sahen noch verschlafen aus. Der Blick des Zweiten Anführers traf den seiner Schülerin. Dornenpfote verabschiedete sich schnell von Langfell und den Jungen, bevor sie sich zu den versammelten Katzen gesellte.

"Auf der Großen Versammlung ist nicht viel passiert", berichtete Spitzkralle und warf Dornenpfote dabei einen neutralen Blick zu. "Der WindClan hat einen neuen Schüler. Grätenstern und Düsterstern zeigen keine Absicht uns die Sonnenfelsen noch vor der Blattleere wegnehmen zu wollen"

"Das ist gut", krächzte eine alte Stimme aus der hintersten Reihe. Als Dornenpfote sich umdrehte erkannte sie Igelfell. "Kurzbein, Feuerglanz und ich werden heute die letzten Sonnenstrahlen dort genießen"

"Dornenpfote und ich werden euch begleiten. Es wird dort reichlich Beute geben", sprach Spitzkralle und teilte weitere Patrouillen ein. Als er fertig war, sprang er von seinem Baumstumpf und schloss sich den Ältesten und Dornenpfote an. Die große Patrouille verließ schweigend das Lager. Erst als sie den Bach, der in der Nähe des Lagers fließt überquert hatten, brach Igelfell das Schweigen: "Wenn diese Bäume Geschichten erzählen könnten..."

"Hoffentlich würden sie nichts zu den Geschichten hinzufügen so wie du", neckte Kurzbein seinen Freund.

Feuerglanz schnurrte amüsiert. "Ich weiß noch wie du, Igelfell, dich immer über die Ältesten beschwert hast als wir noch Junge waren"

Dornenpfote musste einen kleinen Bogen um einen großen Baum machen, bevor sie durch Kaninchengeruch von dem Gespräch der Ältesten abgelenkt wurde. Nach einer stummen Absprache mit Spitzkralle verfolgte sie den Geruch bis zur DonnerClan-Grenze. Das Kaninchen aß fröhlich das grüne Gras und schien die tödliche Gefahr überhaupt nicht wahrzunehmen. Mit einem weiten Sprung und einem Biss ins Genick wurde das Kaninchen zu Frischbeute gemacht. Stolz hob Dornenpfote ihre Beute auf und folgte ihrer Patrouille zu den Sonnenfelsen. Spitzkralle erneuerte gerade die Duftmarken an der FlussClan-Grenze während es sich die Ältesten auf den warmen Steinen gemütlich machten. Keiner bemerkte den riesigen Habicht, der sich den kleinen Kater Kurzbein genauer ansah.

5. Kapitel - Verlust

"Kurzbein!", der Warnruf von Spitzkralle kam für den kleinen, grauen Kater zu spät. Der Habicht schaffte es mit einem Sturzflug innerhalb weniger Herzschläge Kurzbein zu packen und ihn mit in die Luft zu reißen. Vor Schreck ließ Dornenpfote ihr Kaninchen fallen und machte sich bereit für einen Rettungsversuch, doch der Habicht flog schon über den Baumkronen.

"Kurzbein!", übertönte Igelfell die lauten Klagerufe des todgeweihten Ältesten. Feuerglanz ließ ihren Kopf hängen, während der braune Kater seinem besten Freund hinterherrennen wollte, doch sein eigener Sohn Spitzkralle hielt ihn auf.

"Wir können nichts mehr für ihn tun", miaute der Zweite Anführer, doch Igelfell riss sich los und starrte hinauf in den Himmel. Betrübt setzte sich Feuerglanz in Bewegung und berührte ihren Baugefährten fürsorglich an der Schulter. Spitzkralle schien weniger zu trauern, denn er interessierte sich für den Mausgeruch. Als der Zweite Anführer ins Gestrüpp verschwand, beschloss Dornenpfote ihm nicht zu folgen. Sie war geschockt von dem Schaubild. Kurzbein war kaum größer als ein 5 Monde altes Junge, doch das ein Habicht ihn zur Beute machen könnte hätte sie gedacht. Wenige Herzschläge später kam Spitzkralle mit einer Maus im Maul wieder.

"Ein Wunder das diese Maus nicht sofort weggelaufen ist bei Kurzbeins Schrei", meinte er und trottete zu seiner Schülerin. Als er das zuvor erlegte Kaninchen sah, nickte er ihr anerkennend zu.

"Igelfell, Feuerglanz! Es ist hier nicht sicher. Wir werden euch wieder ins Lager bringen", rief er den trauernden Ältesten zu. Feuerglanz murmelte dem braunem Kater etwas ins Ohr, was ihn dazu brachte umzudrehen und hinter seinem Sohn her zu laufen. "Dornenpfote, lauf vor und berichte dem Clan was passiert ist"

Die Tigerkätzin gehorchte und Feuerglanz trug die Beute zum Lager. Dornenpfote beschleunigte ihre Schritte. Das hohe Gras strich an ihrem Bauch entlang und hinterließ Tau auf dem dunklen Pelz der jungen Schülerin. Als sie ihren Kopf durch den Lagereingang streckte, blendete sie die pralle Sonne, weshalb sie über Horizontjunges stolperte. Das kleine schwarz-weiße Junge erschrak und blickte unschuldig mit klaren blauen Augen Dornenpfote an.

"Horizontjunges!", die Mutter der Kätzin, Himbeerglanz, hatte die Szene mit beobachtet. "Du musst besser aufpassen"

"Es ist nichts passiert", entschärfte Dornenpfote die Situation und stand auf. "Sie kann nichts dafür, die Sonne hat mich geblendet und ich konnte nicht sehen wohin ich laufe"

"Dornenpfote", die tiefe Stimme von Schlangenstern erklang von wenigen Fuchslängen entfernt. Die Angesprochene drehte sofort ihren Kopf zu dem Anführer. "Wo sind die anderen? Warum seid ihr schon wieder zurück?"

Die Schülerin neigte respektvoll den Kopf bevor sie sprach: "Kurzbein ist tot. Ein Habicht hat sich auf ihn gestürzt. Wir konnten ihn nicht mehr retten"

In den dunkelblauen Augen des grauen Katers glitzerte für wenige Herzschläge Trauer, doch Schlangenstern blinzelte es weg. "Amselfeder!"

Die laute Stimme des Anführers hallte durchs Lager und erreichte sogar den Heilerbau am anderen Ende des ausgetrockneten Flussbettes. Zuerst lief Qualmpfote aus dem Bau gefolgt von seinem Mentor Amselfeder. Auch die wenigen anderen Katzen, die noch im Lager waren wurden nun aufmerksam und versammelten sich um Schlangenstern. Die meisten Krieger waren auf Patrouillen oder trainierten mit ihren Schülern.

"Was ist?", grummelte Amselfeder mit seiner üblich schlechten Laune.

"Kurzbein ist tot"

"Kein großer Verlust für uns"

"Er war dein Mentor!"

Die Katzen um sie herum zuckten zurück und nahmen Abstand. Es kam nicht oft vor, dass Schlangenstern wütend wurde. Sturmpfote, die neben Dornenpfote stand trat nervös von einer Pfote auf die andere.

"Igelfell wird den Verlust nicht verkraften können", miaute Schlangenstern und zwang sich in einer ruhigen Tonlage zu sprechen. Gerade als er aufhörte zu sprechen, raschelte das Brombeergestrüpp, und Feuerglanz erschien mit der gefangenen Frischbeute von Dornenpfote. Hinter ihr liefen Spitzkralle, der immer noch seine Maus im Maul hatte, und Igelfell dem es offensichtlich nicht gut ging. Der braune alte Kater lies den Kopf hängen und seine Beine zitterten. Dornenpfote fragte sich, wie er den ganzen Weg zurück ins Lager geschafft hat. Feuerglanz führte ihren Baugefährten in den Ältestenbau, wo er sich in sein Nest legte. Als Igelfell an der Tigerkätzin vorbeiging hörte sie ihn murmeln: "Vogelschweif... und jetzt auch noch Kurzbein... warum SternenClan? ... warum?"

Schlangenstern folgte seinem Vater um für ihn da zu sein. Die kleine Versammlung begann sich aufzulösen.

"Amselfeder!", Spitzkralle drehte sich zu dem pechschwarzen Heiler um. "Igelfell beschwerte sich über ein Kratzen in seinem Hals. Kannst du etwas dagegen tun?"

"Natürlich kann ich das. Ich bin eine Heiler-Katze", blaffte Amselfeder zurück. "Wenn er aufhören würde zu Klagen würde sein Hals gar nicht wehtun. Er braucht Honig aber das bewahre ich nicht in meinem Bau auf. Du musst frisches holen"

Spitzkralle blickte sich um und schien kurz zu überlegen. "Dornenpfote und Natternherz kommt mit mir"

Der alte Krieger mit den grauen Sprenkeln setzte sich auf und folgte dem Zweiten Anführer aus dem Lager. Schnell lief Dornenpfote hinterher. Die junge Schülerin erinnerte sich an ein Bienenstock in der Nähe der DonnerClan-Grenze. Die selbe Erinnerung ereilte Spitzkralle, denn er ging in diese Richtung. Unwillkürlich beschleunigte der Zweite Anführer seine Schritte, bis sie schließlich über die Wiesen rannten. Natternherz hatte es durch seine alte Knochen deutlich schwerer mitzuhalten als Dornenpfote. Kurz bevor sie beim Bienenstock ankamen, hörten die Katzen ein lautes Summen vieler Bienen.

"Wir müssen aufpassen, dass wir nicht gestochen werden", warnte Spitzkralle und setzte sich mit genügend Abstand zu den Bienen hin. "Natternherz du holst als erster Honig"

Der graue Kater nickte und kletterte auf die Eiche vorerst auf einen Ast weit entfernt vom Bienennest. Von dort aus suchte er sich einen Ast, der sein Körpergewicht auch halten kann und sprang geschickt auf einen näheren Ast, näher auf den Bienenstock zu. Nach diesem sicheren Sprung kam er bei seinem Ziel an, schaffte es Honig zu stehlen und kehrte unversehrt zu den beiden wartenden Katzen zurück.

"Jetzt du Dornenpfote", befahl der Zweite Anführer seiner Schülerin. Die Tigerkätzin tat es dem älteren Krieger gleich. Sie kletterte auf den selben Ast. Als sie bei oben ankam und einen Blick nach unten riskierte, bohrte sie sofort ihre scharfen Krallen in die morsche Rinde. Ihr Herz begann sie rasen und ihre Pfoten wollten sehnsüchtig festen Boden unter ihnen haben. Dornenpfote schüttelte dieses Verlangen und die Angst weg. Sie spürte die Blicke ihres Mentor auf ihrem Pelz. Entschlossenheit machte sich in Dornenpfotes Körper breit. Sie würde Spitzkralle zeigen, dass auch sie klettern kann obwohl sie eine HalbClan-Katze ist. Sie visierte den Ast neben dem Bienenstock an. Schwungvoll stieß sie sich mit den Hinterpfoten ab. Während des Sprunges streckte sie ihre Vorderpfoten nach ihrem Ziel aus, doch sie hatte sich verschätzt. Dornenpfote sprang über ihre Ziel hinaus und prallte gegen einen anderen Ast des Baumes, bevor sie zu Boden stürzte. Durch den Aufprall hörte sie die Worte ihres Mentors nur gedämpft und konnte sie nicht verstehen. Ihre Sicht war verschwommen und ihre Gelenke schmerzten. Nach wenigen Herzschlägen wurden das Miauen deutlicher und die gelben Tulpen vor ihrem Auge nahmen Struktur an.

"Steh auf", murrte Spitzkralle, unfreundlich wie immer. Dieses mal konnte Dornenpfote verstehen warum sie der Grund für seine schlechte Laune war. Sie hat vor einem alten, respektierten Krieger versagt. Die Schülerin kannte Natternherz nur oberflächlich, doch er wirkte nicht wie jemand, der sowas für sich behalten würde. Langsam rappelte sich die Tigerkätzin auf. Dornenpfote konnte nicht sagen, welches Körperteil am meisten weh tat. Vor dem Wald konnte sie drei Katzen des DonnerClans ausmachen, die das Schauspiel beobachtet haben.

"Das nächste mal wenn du fällst, benutzt du deinen Schweif um auf den Pfoten zu landen", miaute Spitzkralle und warf seiner Schülerin einen strengen Blick zu. Dornenpfote sah beschämt auf das grüne Gras unter ihren Pfoten. Sie hätte sich aus Instinkt in der Luft drehen müssen, doch sie war in diesem Moment zu benommen von der Kollision mit dem Ast des Baumes. Nun stahl Spitzkralle selber Honig und trottete ohne ein weiteres Wort wieder in Richtung Lager. Dornenpfotes Beine wehrten sich stark, doch sie zwang sie ihr zu gehorchen und hinter ihrem Mentor her zu laufen. Sie dankte dem SternenClan, dass sie dank dem Honig nicht so schnell laufen konnten wie zuvor, denn dabei hätte die verletzte Schülerin nicht mehr mithalten können. Doch wenn Spitzkralle und Natternherz ihre Schritte beschleunigen würden, würde zuviel von dem kostbaren Honig verloren gehen. Nach einer gefühlten Ewigkeiten, konnte Dornenpfote den Lagereingang sehen durch den die Patrouille hindurchschlüpfte. Die Tigerkätzin wünschte sich nichts sehnlicher als ihre warmes Nest aus Farn und Moos unter ihrem Pelz zu spüren.

6. Kapitel - Erinnerungen

Qualmpfote war zu sehr damit beschäftigt die neugieren Katzen vom Ältestenbau fernzuhalten, so das er gar nicht die Ankunft der Patrouille bemerkte. Erst als sich Spitzkralle zwischen Distelfrost und Malvenfuß durchquetschte roch er den frischen Honig.

"Endlich", raunte Amselfeder und nahm seinem Bruder den Honig ab. "Qualmpfote kümmere du dich um seine Verletzung"

"Was? Ich habe keine Verletzung", miaute Spitzkralle mit fester Stimme.

Als Qualmpfote den dunklen Pelz des Zweiten Anführers genauerer betrachtete, fiel ihm auf, dass er an der Schulter und am Bauch mehrere Bienenstiche bekommen hat. Er erinnerte sich, wie er diese behandeln muss.

"Komm mit", befahl der junge Heilerschüler dem großen Krieger und tappte aus dem Ältestenbau. Auf der Lichtung entdeckte er seine Schwester Dornenpfote, die alles andere als gut gelaunt aussah. Qualmpfote beschloss mit ihr zu reden, sobald er Spitzkralle behandelt hat. Ohne darauf zu achten ob der dunkelgraue Kater ihm folgte lief er in den Heilerbau hinein. Erst vor einem Sonnenaufgang hatten sein Mentor und er den Kräutervorrat nochmals erneuert. Unter anderem haben sie Brombeerblätter gesammelt. Das ist der Grund, warum er noch genau wissen musste was zutun war. 

Er begann damit vorsichtig die Stachel aus Spitzkralles Pelz zu ziehen. Zwischendurch zuckte der Zweite Anführer oder drückte seine Augen vor Schmerzen zusammen. Als Qualmpfote die offensichtlichen Stacheln entfernt hatte, begann er vorsichtig den dunklen Pelz abzutasten. Tatsächlich fand er im Nacken noch einen Stachel. Nachdem er auch diesen hin ausgezogen hatte, tapste er in die dunkle Ecke, wo die Kräuter gelagert werden. Der scharfe Geruch der frisch gepflügten Ampferblättern überdeckte jegliche andere Gerüche der vielen Kräuter. Qualmpfotes Augen mussten sich zunächst an die Dunkelheit gewöhnen, bevor er die Brombeerblätter entdecken konnte.

Während er Spitzkralles Bienenstiche mit diesen behandelte, kam Amselfeder in den Heilerbau hinein. Er würdigte seinen Schüler nicht einmal mit einem kurzen Blick. Auch der pechschwarze Kater musste einige Herzschläge warten, bevor er die Kräuter vor ihm erkennen konnte. Mit Thymian im Maul lief er wieder an ihnen vorbei aus dem Bau hinaus. Als Qualmpfote fertig war, bedankte sich Spitzkralle mit einem kurzen Nicken und zusammen liefen sie auf dich Lagerlichtung. Der Zweite Anführer gesellte sich zu seiner Gefährtin Pilzohr, die gerade mit ihrer Jagdpatrouille ins Lager kam. Qualmpfote lief zum Schülerbau um nach seiner getigerten Schwester zu sehen, doch schon von weitem sah er dass sich Sturmpfote bereits um sie kümmerte. Er wollte die beiden Kätzinnen nicht stören, weshalb er in den Ältestenbau ging. Dort angekommen lag Igelfell in seinem Moosnest zusammengerollt und ignorierte seine beiden Söhne Amselfeder und Schlangenstern.

"Amselfeder!", Sturmpfote drückte sich an Qualmpfote vorbei um mit ihrem Onkel zu sprechen. "Du solltest dir Dornenpfote angucken"

"Qualmpfote kann das machen", raunte der pechschwarze Kater zurück und funkelte seinen Schüler aus bernsteinfarbenen Augen an, so wie er es immer nach einem Befehl tat. Der rote Kater nickte seinem Mentor zu und folgte Sturmpfote in den Schülerbau. Dort lag Dornenpfote in ihrem Nest aus Farn.

"Sie ist von einem Baum gefallen", erklärte die schwarz-weiße Schülerin besorgt und rückte ein Stück zur Seite damit der Heilerschüler die Patientin besser sehen kann.

"Meine Gelenke schmerzen", beklagte sich Dornenpfote. Qualmpfote begann sich zu konzentrieren und überlegte ob er schon die passenden Kräuter gegen Gelenkschmerzen kannte. Doch ihm viel nichts ein.

"Ich hole dir mehr Moos, damit die bequemer liegst. Dann rede ich mit Amselfeder", versprach er seiner Schwester und tapste wieder aus dem Schülerbau hinaus.

"Ich hole das Moos", meinte Sturmpfote und war schon aus dem Lager verschwunden, bevor Qualmpfote widersprechen konnte. Daraufhin wechselte er die Richtung und ging erneut in den Ältestenbau, doch nur noch Schlangenstern war an Igelfells Seite. Der Heilerschüler wollte sie nicht stören, weshalb er sich schnell zurückzog. Im Heilerbau traf er auf seinen Mentor.

"Dornenpfote hat Gelenkschmerzen", berichtete Qualmpfote ihm. "Ich weiß nicht wie ich das behandeln soll"

Amselfeder schnaubte verächtlich. "Natürlich weißt du das nicht. Du bist schließlich nur eine HalbClan-Katze" Qualmpfote ließ den Kopf hängen. Nun erinnerte er sich wieder daran, dass er Gänseblümchen verwenden musste. Amselfeder hatte es kurz erwähnt, als er erklärte wie man Reisekräuter richtig mischt.

"Wir haben keine Gänseblümchen mehr", meinte der ausgewachsene Heiler. "Gebe ihr Mohnsamen, damit sie besser schlafen kann. Womöglich sind ihre Schmerzen morgen wieder weg"

Qualmpfote nickte eifrig und holte aus dem dunkeln Kräutervorrat die kleinen, schwarzen Samen. Auf dem Weg zum Schülerbau konzentrierte er sich darauf, dass keine der Mohnsamen hinunterfiel. Sturmpfote war bereits zurückgekehrt und Dornenpfote lag auf frischem, weichem Moos.

"Hier iss das", Qualmpfote schob seiner Wurfgefährtin die Mohnsamen vor das Maul. "Sie helfen dir zu Schlafen und der Schmerz wird nachlassen"

Die getigerte Kätzin schnurrte schwach und aß die Mohnsamen. Danach rollte sie sich zusammen und schloss die Augen.

"Ich passe auf, dass keiner kommt und ihren Schlaf stört", versprach Sturmpfote und legte sich in das Nest neben ihrer Freundin. Qualmpfote nickte der schwarz-weißen Kätzin dankend zu und tappte aus dem Bau. Die Sonne begann unterzugehen und die restlichen Patrouillen kamen wieder ins Lager und erfuhren von dem heutigen Verlust. Obwohl Kurzbeins Körper nicht in der Mitte der Lichtung lag, gingen die Krieger nacheinander dorthin, schauten zum blassen Silbervlies hinauf und verabschiedeten sich von dem kleinen Ältesten. Qualmpfote beschloss sich seinen Clangefährten anzuschließen. Nachdem Langfell, die gerade noch in der Mitte saß, wieder zur Kinderstube ging, setzte er sich in die dorthin. Am Himmel waren noch fast gar keine Sterne zu sehen.

Kurzbein... Du kanntest mich nur wenige Monde, doch ich kannte dich mein ganzes Leben lang. Ich habe immer gerne die Geschichten von Igelfell und dir gehört. Ich hoffe der SternenClan ist für dich ein besserer Ort.

Mit gesenktem Kopf verließ Qualmpfote die Lagermitte und nahm sich eine Lerche vom Frischbeutehaufen. Mit wenigen Bissen verschlang er die Beute und ging in seinen Bau. Er dankte dem SternenClan, dass Amselfeder noch nicht dort war, denn deshalb hatte er seine Ruhe und konnte friedlich einschlafen.

Qualmpfote riss die Augen auf. Er erschrak sich so sehr, dass er aufjaulen wollte, doch er konnte nicht. Er lag nicht in seinem warmen sicheren Nest im WolkenClan-Lager. Er befand sich am Baumgeviert. Doch warum? Amselfeder meinte zu ihm, dass er erst Träume vom SternenClan bekommen würde, wenn er wenigstens einmal beim Mondstein war. Doch der schwarze Heiler musste sich geirrt haben. Vor Qualmpfote waren unzählige Katzen, dessen Pelze schimmerten und glänzten wie Sterne. Ein großer brauner Kater mit roten Flecken verließ seinen Platz zwischen all den anderen Geisterkatzen und ging auf Qualmpfote zu.

"Ich gebe dir nun dein letztes Leben, Schlangenauge", sprach der Kater mit einer klaren und festen Stimme. Qualmpfote war verwirrt und wollte zurückweichen, doch er hatte keine Kontrolle über seinen Körper. Dann wurde ihm klar, dass er sich gar nicht bin seinem Körper befand. Ohne dass er sich währen konnte legte der Kater seine Nase auf seine Stirn.

"Das Leben der Aufopferung", sprach der große Kater. "Nutze sie für alle Katzen die dir wichtig sind"

Eine qualvoller Schmerz loderte durch den Körper indem sich Qualmpfote befand. Doch neben den körperlichen Schmerzen spürte der Heilerschüler noch etwas: Trauer. Der braune Kater musste ihm viel bedeutet haben.

"Meine Schwester Flammenblume wird drei Junge gebären", miaute der Kater, als der Schmerz aufhörte. "Gebe auf sie acht"

Als der große Krieger wieder seinen Platz in den Reihen der SternenClan-Krieger eingenommen hatte, fingen sie an zu rufen: "Schlangenstern! Schlangenstern!"

Qualmpfote sprang auf. Glücklich stellte er fest, dass er wieder in seinem bekannten Bau war und nicht beim SternenClan. Die Rufe der Geisterkatzen hallten immer noch in seinen Ohren. Sie jubelten den Namen des WolkenClan-Anführers. Unruhig lief Qualmpfote aus dem Bau hinaus, da Amselfeders Schnarchen zu laut war. Die Senke war leer. Nur Schneebart, der Nachtwache hielt war zusehen. Die kühle Luft der Nacht wirkte befreiend für den jungen Heilerschüler. Was habe ich gerade gesehen? War es eine Erinnerung? Die Erinnerung von Schlangenstern an seine Anführerzeremonie? Wie kann das möglich sein?

Diese Fragen quälten Qualmpfote so sehr, dass er keine Ruhe fand. Er lief an dem überraschten Schneebart vorbei aus dem Lager. Auf den Wiesen herrschte eine unheimliche Stille. In Gedanken lief er über das Gras. Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen. Der große Kater sagte zu Schlangenstern dass Flammenblume drei Junge bekommen würde. Geschockt von der Erkenntnis er hätte noch einen Wurfgefährten, von dem er nichts wüsste lief er schnell zurück ins Lager. Er wollte in den Kriegerbau stürmen, seine Mutter aufwecken und sie zur Rede stellen, doch vor dem Bau blieb er stehen. Wenn Flammenblume eins ihrer Jungen vor ihm verheimlicht wird das einen Grund haben. Mit einem Kopf voller Fragen auf die er keine Antwort bekam, legte er sich wieder in sein Nest. Kurz bevor er wieder einschlief stellte er sich eine letzte Frage: Warum zeigte der SternenClan ihm das?

(Kurzgeschichte zur gesamten Anführerzeremonie: Schlangensterns Zeit)

7. Kapitel - Fischgesichter

"Guter Fang", schnurrte Sturmpfote und leckte sich kurz über ihr schwarzes Brustfell. "Deine Kauerstellung ist schon ziemlich gut"

"Spitzkralle meinte ich sehe aus wie ein dreibeiniger Hund der durch den Wald stolpert", erwiderte Dornenpfote und war froh endlich mal Lob von ihren Clangefährten zu bekommen.

"Spitzkralle wird auch noch etwas zu Meckern haben wenn du Hund alleine vertreibst", miaute die schwarz-weiße Schülerin. Die beiden Kätzinnen wurden an diesem Morgen für eine gemeinsame Jagdpatrouille auserwählt. Es tat Dornenpfote gut mehr mit ihrer Freundin Sturmpfote zu machen.

Gleichzeitig prüften die beiden Schülerinnen die Luft um mehr Beute für den Clan zu fangen. Doch statt einen Vogel oder einem Eichhörnchen rochen sie Blut. Die Blicke der beiden trafen sich und spiegelten Entsetzen wieder. Zusammen jagten sie dem Blutgeruch nach. Dornenpfote zügelte ihr Tempo damit Sturmpfote mithalten konnte. Das letzte was die junge Schülerin wollte, ist alleine beim Schlachtfeld einzutreffen. Ihr Weg durch die Bäume führte sie zu den Sonnenfelsen. Nun strömten noch mehr Gerüche auf sie ein. Überwiegend war es der faule Geruch der FlussClan-Krieger. Noch bevor die Sonnenfelsen in Sichtweite kamen, hörten sie das Jaulen und Fauchen der kämpfenden Katzen. Dornenpfote bekam Angst. Sie war noch nicht bereit für einen wahren Kampf, das wusste sie.

"Du holst Verstärkung aus dem Lager", keuchte Sturmpfote neben ihr. "Ich werde mitkämpfen"

Erfreut über diesen Ausweg bremste Dornenpfote ab sodass Staub aufgewirbelt wurde. Sie drehte um und rannte in die entgegengesetzte Richtung zum Lager. Ihre Pfoten trommelten auf den mit Blätter bedeckten Waldboden. Das Blut pochte in ihren Ohren. Ihr Atem beschleunigte sich durch die Anstrengung. Kurz vor dem Lager erblickte Dornenpfote den gestreiften Pelz von Wespenstich.

"Dornenpfote? Was ist los?", fragte Pilzohr, die hinter Wespenstich aus dem Gebüsch trat.

"Der FlussClan versucht die Sonnenfelsen zu erobern", keuchte die junge Kätzin.

"Ich wusste das diese Fischgesichter es nochmal vor der Blattleere versuchen würden", fauchte die schildpattfarbene Kätzin verärgert und lief mit einem wilden Blick in Richtung Sonnenfelsen. Wespenstich folgte seiner Clangefährtin. Dornenpfote rannte durch den Lagereingang und konnte gerade noch rechtzeitig bremsen, bevor sie in Spitzkralle hinein gerannt wäre.

"Du solltest jagen", fauchte der Zweite Anführer verärgert.

"Unsere Patrouille wurde bei den Sonnenfelsen angegriffen", wiederholte die Schülerin ihre Worte. 

"Schlangenstern!", jaulte Spitzkralle sofort und sah sich auf der Lichtung nach dem Anführer um. Schon bald erschien der graue Pelz aus dem Heilerbau. "Die Schüler und Malvenfuß bleiben im Lager. Der Rest folgt mir", befahl der Stellvertreter ohne sich mit Schlangenstern abzusprechen.

Sofort waren alle Krieger die noch im Lager waren hellwach. Mit Entschlossenheit und Kampflust liefen sie ihrem Zweiten Anführer hinterher. In Distelfrosts eisigen Augen konnte Dornenpfote unendlichen Kampfgeist sehen, als er an ihre vorbei durch den Lagerausgang hinaus rannte. Malvenfuß hatte große Mühe ihren Schüler Nusspfote davon abzuhalten mit in den Kampf zu ziehen. Unruhig begann Dornenpfote im Lager auf und ab zu gehen. Der Gedanke, dass jeder sein Leben riskierte um den Clan zu retten doch sie nicht dazu in der Lage war quält sie.

"Dornenpfote?", die Schülerin erschrak, als ihr Wurfgefährte sie von der Seite ansprach. "Ich könnte Hilfe gebrauchen beim Spinnweben sammeln"

Froh endlich etwas tun zu können nickte sie ihrem Bruder zu und zusammen verließen sie das Lager.

"Ich muss dir was erzählen", platzte es aus Qualmpfote raus, als hätte er schon länger überlegt ob er es sagen soll. "Ich hatte einen Traum vom SternenClan"

"Du bist eine Heilerkatze. Träume vom SternenClan sind doch nichts ungewöhnliches oder?", erkundigte sich Dornenpfote. Sie wollte ihn nicht drängen ihr von dem Inhalt des Traums zu erzählen.

"Nein du hast Recht. Vermutlich war es nichts besonderes", miaute Qualmpfote und schien mehr erleichtert als enttäuscht. Die Geschwister blieben vor einem Blaubeerbusch stehen. In den kleinen Zweigen haben gleich zwei Spinnen ihr Netz gespannt.

"Sehe mir zu", befahl der orange Tigerkater und entfernte die Spinne vorsichtig mit seinen Krallen bevor er dann die Spinnweben um seine Vorderpfote wickelt. Konzentriert machte Dornenpfote es ihrem Bruder an dem anderem Netz nach. Mit den Spinnweben gingen sie ins Lager zurück. Der widerliche Geruch von Blut verriet, dass der Kampftrupp bereits im Lager war. Nacheinander zwängten sie sich durch den Lagereingang und Dornenpfote hielt die Luft an, aus Angst in der Mitte des Lagers könnte der tote Körper einer ihrer Clangefährten liegen. Doch in der Senke wurde nicht getrauert sondern gefeiert. Wacholderzahn erzählte seinen Jungen Horizontjunges und Schneckenjunges von dem Kampf während sich Goldkralle und Natternherz über den Kampfstil des FlussClans lustig machten. Keiner der Krieger schien ernsthafte Verletzungen zu haben. Dornenpfote folgte Qualmpfote zu Amselfeder, der gerade Schneebarts Schulter verarztete.

"Wurde aber auch Zeit", grummelte der Heiler als er seinen Schüler erblickte. Nach einer kurzen Verabschiedung ließ Dornenpfote die Spinnweben bei ihrem Bruder und tappte hinüber zum Schülerbau. Dort wurden Sturmpfote und Mauspfote von Dämmerpfote und Nusspfote umzingelt. Die beiden ältesten Schüler mussten ihnen jedes kleinste Detail der Schlacht erzählen. Als Dornenpfote näher kam um die Worte zu verstehen drehte sich Dämmerpfote zu ihr um.

"Hier stinkt es nach WindClan findet ihr nicht auch?", miaute die schwarze Kätzin abfällig und funkelte sie aus blauen Augen an.

Bevor Dornenpfote etwas erwidern konnte, fauchte Sturmpfote: "Dornenpfote ist ein loyales Mitglied des WolkenClans. Jeder der die Treue seiner Clangefährten infrage stellt wird niemals die Bedeutung eines Clan kennen. Wir jagen zusammen und wir kämpfen zusammen. Wenn wir unseren Clangefährten nicht vertrauen dann können wir das nicht. Dann sind wir nur eine Bande hinterlistiger Streuner"

Dämmerpfote war nach diesen Worten deutlich eingeschüchtert. Sie hatte wohl nicht erwartet, dass Sturmpfote ihre Meinung entgegen sagt. Die angespannte Situation zwischen den Schülern wurde von Schlangenstern unterbrochen: "Ich fordere alle Katzen auf, die alt genug sind ihre eigene Beute zu fangen, sich hier unter dem Dornenast zu einem Clan-Treffen zu versammeln!"

"Danke", murmelte Dornenpfote Sturmpfote ins Ohr während sie Seite an Seite zum Dornenast gingen. Es dauerte nicht lange bis sich der gesamte Clan versammelt hatte.

"Wir haben einen glorreichen Tag hinter uns!", miaute der Anführer feierlich und zustimmende Jubelrufe waren zu hören. "Anscheinend ist der FlussClan immer noch besessen von den Sonnenfelsen. Tropfensterns Tod und der Anführerwechsel zu Grätenstern haben nichts daran geändert. Doch deswegen habe ich euch nicht versammelt"

Seine Augen wurden weich und er wechselte einen kurzen Blick mit seiner Gefährtin Frostfeder.

"Mauspfote und Sturmpfote tretet vor", rief er zu seinen eigenen Jungen. Während die beiden Geschwister vortraten wandte sich Spitzkralle ab und lief aus dem Lager. Doch dies war nicht vielen aufgefallen. Bloß Pilzohr und Dornenpfote sahen ihm nach. Die Tigerkätzin interessierte sich momentan mehr für die Kriegerzeremonie ihrer Freundin als für das merkwürdige Verhalten ihres Mentors.

"Haselsturm", sprach Schlangenstern die hellbraune Kriegerin an. "Bist du davon überzeugt, dass dein Schüler dazu bereit ist ein Krieger zu werden?"

"Er ist mehr als bereit dazu", stimmte Haselsturm schnurrend zu.

"Und auch ich kann bestätigen, dass meine Schülerin Sturmpfote bereit ist eine Kriegerin zu werden", miaute der Anführer. "Ich, Schlangenstern, Anführer des WolkenClans rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diese Schüler herabzublicken. Sie haben hart trainiert, um euren edlen Gesetzen gehorchen zu können, und ich empfehle sie euch nun als Krieger. Mauspfote und Sturmpfote, versprecht ihr, das Gesetz der Krieger einzuhalten und den Clan zu beschützen und zu verteidigen, selbst wenn es euer Leben kostet?"

"Ich verspreche es", hauchte Sturmpfote zitternd. Von der selbstbewussten Art mit der sie vor wenigen Augenblicken noch Dämmerpfote gegenüber getreten war, war nichts mehr zu erkennen. 

Mauspfote hingegen richtete sich entschlossen auf. "Ich verspreche es"

"Dann gebe ich euch, mit der Kraft des SternenClans, eure Kriegernamen. Mauspfote, von diesem Augenblick an wirst du Mausfang heißen. Der SternenClan ehrt deinen Eigenständigkeit und deine Geduld und wir heißen dich als vollwertigen Krieger im WolkenClan willkommen", nun wandte sich Schlangenstern zu seiner Tochter. "Sturmpfote von nun an wird man dich Sturmblatt nennen. Der SternenClan ehert deine Aufrichtigkeit und Treue und auch dich heißen wir als vollwertige Kriegerin im WolkenClan willkommen"

"Mausfang! Sturmblatt! Mausfang! Sturmblatt", jaulte der Clan. Dornenpfote freute sich für ihre Freundin. Bevor sie zu ihr ging, um ihr zu gratulieren sah sie wie Pilzohr Spitzkralle hinterher lief.

8. Kapitel - Du bist du

"Steh schon auf", knurrte Spitzkralle und peitschte verärgert mit seinem Schweif. "Während eines Kampfes darfst du nicht länger als einen Herzschlag auf dem Boden liegen bleiben. Sonst bist du wie ein Vogel ohne Flügel: leichte Beute"

Dornenpfote erhob sich wieder auf ihre zittrigen Pfoten und spuckte Moos aus. Seit Sonnenaufgang trainierte ihr Mentor mit ihr Kampftechniken in der Trainingshöhle doch jedes mal wenn Dornenpfote dachte, sie hätte den Zug gemeistert fand sie sich kurze Zeit später im Moos liegend wieder. Spitzkralle war einer der gefürchtetsten Gegner im ganzen Wald und Dornenpfote wusste, dass ihr Mentor nicht mal die Hälfte seiner Kraft benutzte.

"Pah. Ich wusste dass es Zeitverschwendung ist dich zu trainieren", Spitzkralle spuckte diese Worte förmlich aus. "Du wirst niemals eine wahre WolkenClan-Kriegerin werden"

Dornenpfotes Augen verrenkten sich zu schmalen Schlitzen. Pilzohr sagte vor einiger Zeit, dass ihr Mentor sie bewunderte und sie hatte der Schilpattkätzin geglaubt. Doch wie er jetzt sprach war kein bisschen bewundernd. Es war pure Abscheu die der Zweite Anführer des WolkenClans für sie empfand. Wut kroch in Dornenpfote hoch und verankerte sich tief in ihrem Herzen. Die vergangenen zwei Monde ihrer Ausbildung konnte sie stets die Sticheleien und negativen Anspielungen auf ihre Herkunft von Spitzkralle ignorieren doch es kam ihr vor als würde der gesamte unterdrückte Ärger nun aufbrodeln. Sie sträubte ihr Fell.

"Du wirst niemals zum WolkenClan gehören!", dieser Satz ihres Mentor brach das letzte Stück Selbstbeherrschung, dass in Dornenpfote zu finden war. Sie stürzte sich auf Spitzkralle, rammte ihn von der Seite, warf ihn um und begrub ihn unter sich. Mit hasserfüllten Augen blickte sie auf ihren Mentor hinunter. In seinen Augen lag ungewöhnliche Weisheit. Spitzkralle trat Dornenpfote in den Bauch und schleuderte sie von sich. Wieder fiel sie in das Moos, doch diesmal sprang sie auf und vergeudete nicht mal Zeit das Moos auszuspucken, bevor sie ein weiteres mal auf Spitzkralle zu sprang. Der dunkelgraue Krieger konnte mit einem weitem Sprung ausweichen. Gleichzeitig wirbelten die Katzen herum und standen sich wieder bevor. Angesicht zu Angesicht. Diesmal war es Spitzkralle der zum Sprung ansetzte. Er schien auf Dornenpfotes Schulter zu zielen, weshalb sie den selben Trick nutzte wie ihr Mentor zuvor. Sie sprang zur Seite, außer Reichweite des Kriegers. Doch darauf war der Zweite Anführer vorbereitet. Er landete sicher auf seinen Pfoten und sprang einen halben Herzschlag später wieder auf seine Schülerin. So schnell konnte Dornenpfote nicht reagieren, weshalb Spitzkralle sie umwarf und am Boden festhielt. Die junge Schülerin sammelte all ihre übrige Kraft in ihren Hinterläufen. Diese nutzte sie nun dazu um Spitzkralle ins Gesicht zu treten. Dieser taumelte überrascht ein paar Schritte zurück und ließ von ihr ab. Dornenpfote rappelte sich schnell wieder auf, bereit für einen erneuten Angriff, doch Spitzkralle begann friedlich seine Vorderpfoten zu lecken. Die junge Schülerin konnte ein überraschtest Mauzen nicht unterdrücken. Das Adrenalin, das gerade noch wie Lava in ihr brodelte, löste sich langsam auf und ihre gesträubtes Fell senkte sich.

"Ich bin zufrieden", miaute Spitzkralle ohne aufzuschauen. "Du warst zu sehr darauf fixiert jeden deiner Schritte zu durchdenken, doch nicht der Krieger mit den klügsten Kopf gewinnt. Es gewinnt der mit den stärksten Gefühlen"

Dornenpfote blinzelte verwirrt. "D-Du hast mich absichtlich wütend gemacht damit ich diese Lektion lerne?"

Der graue Kater nickte und schaute sie mit diesen weisen bernsteinfarbenen Augen an. "Wut lässt dich wild kämpfen doch ehrenhaft kämpfst du mit dem Gefühl der Treue zum Clan" Mit diesen Worten tappte er aus der Trainingshöhle und ließ seine Schülerin zurück. Am Ausgang blieb er nochmals stehen und drehte sich zu ihr um. "Dein Zuhause ist der WolkenClan. Wer dein Vater ist und dein Körperbau ändert daran nichts"

Dornenpfote schaute Spitzkralle hinterher, wie er nun endgültig davon ging. Seine letzten Worte machten sie glücklich und stolz. Pilzohr hatte also doch nicht gelogen als sie sagte dass Spitzkralle sie bewundere. Spitzkralle war derjenige der log wenn er sagte dass Dornenpfote keinen Platz im WolkenClan habe. Ein zufriedenes Schnurren verließ ihre Kehle nach dieser Erkenntnis.  

"Du warst gut", Dornenpfote zuckte zusammen, als Pilzohr aus dem Inneren der Höhle, die nicht mehr mit Moos ausgestattet war trat.

"Warst du die ganze Zeit da unten und hast uns zugeguckt?", fragte Dornenpfote und war ein wenig peinlich berührt, da ihr das gar nicht aufgefallen war.

"Um ehrlich zu sein war es ein Befehl von Schlangenstern", miaute die Schildpattkätzin und machte eine kurze Pause. "Er hat Angst das Spitzkralle zu hart mit dir ist"

Die junge Schülerin wusste nicht wie sie darauf antworten sollte.

"Du konzentrierst dich zu sehr darauf wie wir anderen WolkenClan-Katzen zu sein, Dornenpfote", sprach Pilzohr und wirkte dabei viel älter und weiser als sie eigentlich war. "Irgendwann wirst du erkenne das dass nicht möglich ist und dann wirst du aufgeben"

Dornenpfote verstand nicht was sie damit meinte. Sonst war die Kriegerin immer auf ihrer Seite und unterstützte sie wo sie nur konnte und jetzt sagte sie ihr, dass sie keine DonnerClan-Katze werden konnte?

"Ich meine damit nicht dass du nicht zu uns gehörst", miaute Pilzohr als hätte sie Dornenpfotes Gedanken gelesen. "Ich meine damit dass du aufhören musst nur auf das zu achten wo du den Kriegern des WolkenClans nachstehst. Du hast andere Qualitäten die dich zu dem machen wer du bist. Du wirst niemals die kräftigen Hinterläufe einer WolkenClan-Katze besitzen. Du wirst niemals klettern können wie ein Eichhörnchen. Du wirst niemals so weit springen können wie wir und du wirst niemals einen Vogel im Flug fangen. Das musst du akzeptieren. Doch sag mir, Dornenpfote: Was ist für den Clan am besten? Einen weiteren Krieger wie jeden anderen oder einen Krieger mit anderen Fähigkeiten? Der SternenClan schenkte dir einen Körper eines WindClan-Kriegers. Du denkst dieser Körper grenzt dich von uns aus doch dieser Körper macht dich besonders. Du bist schneller und wendiger als wir. Das hat der SternenClan dir geschenkt. Also hör auf zu denken es wäre eine Bestrafung und nimm dieses Geschenk an, denn du bist etwas Besonderes, Dornenpfote"

Sprachlos ließ Pilzohr die Schülerin in der Höhle zurück. Genau wie Spitzkralle vor ihr blieb sie am Ausgang nochmals stehen.

"Ich werde dafür sorgen dass du mit zu nächsten Großen Versammlung darfst", miaute sie und verschwand endgültig. Dornenpfote blieb noch lange in der Trainingshöhle sitzen und dachte über Pilzohrs Worte nach. Stimmt es was die Schildpattkätzin sagte? War ihr Körper wirklich mehr zu gebrauchen als sie dachte? War sie wirklich etwas Besonderes?

9. Kapitel - Große Versammlung

Still und schweigend lief die große Katzengruppe am Ufer, überquerten den kleinen Bach und schlichen durch das Unterholz das zu einem feindlichen Territorium gehörte. Dornenpfote war aufgeregt. Heute Nacht ist Vollmond was bedeutete, dass sich die Clans am Baumgeviert zu einer Großen Versammlung trafen. Die junge Schülerin war neugierig auf die Krieger der anderen Clan, doch besonders wollte sie ihren Vater Falkenfeder sehen. Schlangenstern, der seinen Clan durch den Laubwald führte blieb stehen, kauerte sich nieder und deutete seinen Kriegern dasselbe zutun. Ohne Widerworte gehorchten die Katzen. Dornenpfote sah sich nach ihrem Bruder Qualmpfote um, da sie nicht alleine zum Baumgeviert laufen wollte. Doch sie sah den orangegetigerten Pelz neben dem von Amselfeder und Goldkralle. Diese beiden Kater miet sie lieber. Sturmblatt war auch keine Option, da diese neben ihrem Vater Schlangenstern hockte. Bevor sich Dornenpfote nach Pilzohr umschauen konnte, gab der Anführer das Zeichen zum Aufbruch. Sofort setzte sich der WolkenClan in Bewegung und mischte sich unter die anderen Clans. Die Schülerin öffnete den Mund um Gerüche aufzunehmen. Daran stellte sie fest, dass erst der Donner- und der FlussClan anwesend waren. Der Wind- und SchattenClan fehlten noch. Unsicher tappte sie auf zwei FlussClan-Schüler zu. Einer von beiden war ein ungewöhnlich gefleckter Kater, der alles andere als nervös aussah. Die andere war eine wunderschöne silberne Kätzin, die sie schon einmal bei einer Grenzpatrouille gesehen hatte.

"Hat der WindClan etwa nur einen Schüler geschickt?", spottete der gefleckte Kater, als er Dornenpfote erblickte.

"Ich bin eine WolkenClan-Katze", fauchte sie entrüstet und sträubte ihr Fell vor Ärger.

"Zappelpfote", ein Krieger mit schildpattfarbenem Fell, was für Kater sehr ungewöhnlich war, hatte das Gespräch vermutlich mit angehört und ging nun auf den jungen Schüler zu. "Die Große Versammlung ist eine Zeit des Friedens. Es ist keine Zeit um dir und dem FlussClan neue Feinde zu machen"

"Ja, Wolkenfall", murmelte Zappelpfote und senkte respektvoll den Kopf vor dem Krieger. Dornenpfote wandte sich von den FlussClan-Katzen ab. In diesem Moment strömten der WindClan und der SchattenClan in die Senke.

Ihr fiel ein dunkelroter Kater ins Auge, der sich von der WindClan-Gruppe trennte und sich alleine in den Sand setzte. Zielstrebig lief Dornenpfote auf den Kater zu doch bevor sie ihn erreichen konnte rief eine andere Katze nach ihm: "Bussardpfote!"

Als der Dunkelrote diesen Namen hörte erhob er sich und lief zu der grauen Kätzin die ihn gerufen hatte. Dornenpfote blieb stehen und blickte sich um. Sie spürte den strengen Blick von Spitzkralle auf ihrem Pelz haften, weshalb sie sich schnell zu zwei SchattenClan-Schülerinnen und Nusspfote gesellte.

"Der Fuchs war riesig und stank", erzählte die pechschwarze SchattenClan-Kätzin gerade. "Doch wir konnten ihn vertreiben. Jetzt ist er irgendwo auf dem WindClan-Territorium"

Dornenpfote hatte keine Lust auf die Prahlerei noch auf Nusspfote weswegen sie sich nochmals abwandte. Einen Platz mit guten Blick auf den Großfelsen fand sie schließlich neben einer DonnerClan-Schülerin die ebenfalls alleine war. Auffällig war an der Schülerin ihre schwarze Nase. Gerade als sie die sandfarbene Kätzin begrüßen wollte, jaulte ein alter Kater: "Katzen aller Clans seid willkommen"

Die fünf Anführer standen nebeneinander auf dem Felsen in der Mitte der Senke. Ein schwarzer Kater trat vor. Sein Bauch war weiß und an seinen Flanken waren jeweils weiße Streifen. Dornenpfote musste ein amüsiertes schnurren unterdrücken. Sie hätte nie gedacht, dass eine Katze einer Elster so ähnlich sehen konnte. Nun verstand sie warum sein Name Elsterstern lautete.

"Der SchattenClan hat heute nicht viel zu berichten", fing der Kater an zu rufen. "Nektarherz hat drei gesunde Junge geboren und unsere Krieger haben einen Fuchs ins WindClan-Territorium gejagt"

Sofort sträubten sich die Pelze der WindClan-Krieger und eine Kätzin heulte auf. Der rotbraune Kater den sie zuvor gesehen hatte peitschte wütend mit dem Schweif. Der Anführer des WindClans, Echsenstern, trat nun auch vor und fletschte mit seinen Zähnen.

"Nun der WindClan hat auch Neuigkeiten", alle anwesenden Katzen konnten seine Worte hören, doch er starrte beim Reden Elsterstern an. "Schneepfote wurde von einem Fuchs regelrecht in Fetzen zerrissen. Als wir ihn fanden konnte selbst der SternenClan nichts mehr für ihn tun"

Elsterstern neigte respektvoll den Kopf vor dem älteren Anführer. "Es tut mir leid das zu hören, Echsenstern. Doch die Aufgabe meiner Krieger ist es den SchattenClan vor Gefahren zu schützen. Dabei können wir keine Rücksichten auf die anderen Clans nehmen"

Doch diese Worte sengte die Gemühter des WindClans nicht. Ein brauner WindClan-Kater der zwischen zwei SchattenClan-Kriegern saß stand auf und stolzierte davon.

"Auch der WolkenClan hat Verluste", nun war Schlangenstern vorgetreten und versuchte sich so gut wie möglich zwischen Elsterstern und Echsenstern zu stellen. "Kurzbein, einer unserer Ältesten wurde von einem Fischadler fortgetragen. Er hat zu seinen Lebzeiten dem WolkenClan treu gedient"

"Ich dachte ihr esst Raubvögel?", spottete ein schwarzer Kater am anderen Ende der Senke. "Da wurde wohl der Jäger zum Gejagten gemacht"

Einige Katzen stimmten ein amüsiertes Mauzen an, doch andere sprangen entsetzt auf. So auch Dornenpfote. Schlangenstern blickte kalt auf den Krieger hinab und öffnete den Mund um etwas zu sagen doch Düsterstern, die Anführerin des DonnerClans kam ihm zuvor: "Schämt euch! Schämt euch alle! Das Silbervlies ist über euren maushirningen Köpfen also zeigt Respekt", fauchte sie ihre eigenen Krieger an und wand sich dann an Schlangenstern. "Ich bedaure über seinen Tod zu hören"

Es herrschte eine lange Zeit stille, bis Grätenstern vortrat: "Der FlussClan heißt zwei neue Schüler willkommen. Schimmerpfote und Zappelpfote"

Alle Köpfe drehten sich zu den beiden genannten Schülern. Es waren die beiden mit denen sich Dornenpfote am Anfang der Versammlung unterhielt. Beide reckten ihre Köpfe in die Höhe und genossen die kurze Aufmerksamkeit.

"Der FlussClan ist gut für die kommende Blattleere vorbereitet", beendete Grätenstern seine Rede und sprang als erster vom Großfelsen. Die anderen Anführer folgten.

"Ist das deine erste Versammlung?", fragte die sandfarbene Schülerin, die die ganze Versammlung neben ihr saß.

"Ja, das ist es", antwortete sie. "Ich bin Dornenpfote"

"Freut mich dich kennen zu lernen", schnurrte die grünäugige. "Mein Name ist Dunkelpfote. Rate mal was mein Kriegername sein wird"

Dornenpfote war schon beim ersten Blick die auffällige schwarze Nase, die für eine sandfarbene Kätzin ungewöhnlich war aufgefallen.

"Dunkelnase", beantwortete Dornenpfote amüsiert die Frage.

Im Augenwinkel sah sie wie Spitzkralle sie zu sich mit dem Schweif winkte.

"Ich muss los", entschuldigte sich Dornenpfote bei Dunkelpfote. "Hoffentlich sehen wir uns bei der nächsten Großen Versammlung"

Mit einem Schweifschnippen verabschiedeten sich die beiden Schülerinnen voneinander und die Tigerkätzin tappte zu ihrem Mentor der ungeduldig wartete.

"Die Nacht ist noch jung", miaute Spitzkralle. "Jetzt ist die perfekte Zeit deine Feinde besser kennen zulernen. Da du meine Schülerin bist, werde ich dich den anderen Zweiten Anführern vorstellen. Nicht jeder Schüler bekommt diese Ehre"

Dornenpfote nickte abwend und folgte ihrem Mentor zum Fuße des Großfels, wo die Stellvertreter aller Clans versammelt waren. Ein blaugrauer Kater saß kerzengerade im Schatten des Felsens. Seine blauen Augen funkelten einen dunkelgetigerten Kater an. Als sich Dornenpfote diesen Kater genauer ansah, machte ihr Herz einen Sprung. Diese schwarzen Musterungen im Fell. Die langen Beine und schmalen Schultern. Sein ganzer Körper sah aus wie ihrer. Dornenpfote begann zu realisieren: Dieser Kater ist Falkenfeder. Ihr Vater.

10. Kapitel - Verrat, Treue & Liebe

"Dornenpfote", sprach Spitzkralle laut genug sodass sich alle Stellvertreter im zuwendeten. "Das sind die Zweiten Anführer der Clans"

Ein goldgetigerter Kater schnippte zur Begrüßung mit seinem Schweif. "Mein Name ist Farnkralle. Möge der SternenClan deinen Weg zu einer ehrenvollen Kriegerin erleuchten, junge Dornenpfote"

Ein hässlicher blaugrauer Kater zuckte nur genervt mit seinen Ohren und sah die Tigerkätzin mit durchdringen blau leuchtenden Augen an.

"Das ist Borretschhalm", miaute eine Kätzin, die vom Geruch nach aus dem DonnerClan zu kommen scheint. "Er ist weder freundlich noch mag er die anderen Clans"

Borretschhalm warf der Kätzin einen vernichteten Blick zu. "Warte bis die Waffenruhe vorbei ist, Habichtschrei. Dann mache ich aus dir Krähenfraß"

Mit diesen Worten wirbelte er herum und stolzierte zu seinem Anführer Elsterstern. Dornenpfote beachtete gar nicht die Unterhaltung zwischen den Stellvertretern. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt jede kleinste Ähnlichkeit an ihr und ihrem Vater zu erkennen. Falkenfeders Blick lag ebenfalls auf ihrem Pelz.

"Du hast ziemlich lange Beine für eine WolkenClan-Schülerin", scherzte Habichtschrei, ohne zu wissen welchen Hintergrund dies hatte. "Der SternenClan meint es wohl gut mit dir"

Falkenfeder öffnete sein Maul um etwas zu sagen doch Spitzkralle kam ihm zuvor: "Komm mit, Dornenpfote. Es gibt noch ein paar Dinge die ich dir zeigen muss"

Mit einen letzten Blick in die bernsteinfarbenen Augen ihres Vaters folgte sie ihrem Mentor bis zum Rande der Senke.

"Die Große Versammlung ist der beste und fast einzige Weg deine Feinde besser kennen zulernen", erklärte Spitzkralle und Dornenpfote hörte ihm genau zu. "Der Kater dort drüben neben Schlangenstern ist Echsenstern. Der Anführer des WindClans. Er ist alt und gebrechlich doch immer noch ein gefährlicher Gegner im Kampf. Dort drüben ist Sumpffell. Er gehört auch zum WindClan. Er ist dümmer als eine Fliege doch er hat einen starken Hieb. Der braune Kater neben Schneebart ist Nesselstreif. Er hat Zähne wie ein TigerClan-Krieger"

Spitzkralle machte eine Pause um auf sein eingerissenes Ohr zu zeigen. "Das war er. Neben ihm die rote Kätzin ist Eichhörnchenherz. Ich habe noch nie gegen sie gekämpft doch schon oft mit mir geredet. Sie ist nicht wie alle anderen SchattenClan-Katzen. Sie ist klug und ruhig. Ich denke sie wird eines Tages Anführerin. Wasserkralle hast du schon auf Grenzpatrouillen kennengelernt. Er kämpft sehr stürmisch und kann viel einstecken. Siehst du den pechschwarzen Kater neben Düsterstern? Das ist Spinnenblut. Er ist der beste Kämpfer im ganzen Wald. Selbst wenn Schlangenstern und ich zusammen gegen ihn kämpfen wäre unser Sieg nicht sicher"

Dornenpfote starrte den schwarzen Kater beeindruckt an. Er sah noch relativ jung aus doch ihm fehlten Fellfetzen an vielen Stellen und eine lange Narbe zog sich mitten über sein Gesicht. Dann deutete Spitzkralle auf Falkenfeder. "Ein Krieger ohne Furcht. Er würde sich sogar einer Horde Dachse in den Weg stellen"

Dornenpfotes Augen begannen vor stolz zu leuchten. Ihr Vater ist ein ehrenhafter Krieger, genau wie es ihre Mutter erzählt hatte.

"Spitzkralle", Pilzohr trat zu den beiden. "Erinnerst du dich an meine alte Freundin Funkennacht? Ihr Junges ist hier komm mit"

Dornenpfote sah den beiden Gefährten hinterher. Es amüsierte sie, wie sehr Pilzohr den grummeligen Kater im Griff hatte. Die Schildpattkätzin drehte sich nochmal zu Dornenpfote um und machte sie durch ein Kopfzeichen unmissverständlich auf Falkenfeder aufmerksam, der gerade hinter einer Hecke verschwand. Dornenpfote nickte ihr stumm zu und bedankte sich im Stillen bei ihr. Sie folgte ihrem Vater möglichst unauffällig hinter die Hecke. Ihre Schnurrhaare zuckten nervös und ihr Herz begann gegen ihre Brust zu klopfen. Falkenfeder saß geduckt dort und sah sie aus liebevollen Augen an.

"Dornenpfote", seine tiefe Stimme versagte und er drückte seine Stirn an ihre Schulter. Die Tigerkätzin war zu überfordert mit der Situation und wusste nicht was sie machen sollte.

"Es stimmt also", stammelte die Schülerin. "Du bist mein Vater"

"Ja, das bin ich", sagte Falkenfeder stolz und reckte seine Brust. "Wie ergeht es dir im WolkenClan? Was ist mit deinem Bruder Qualmpfote? Ist er enttäuscht kein Krieger zu werden?"

Dornenpfote konnte ein Schnurren nicht unterdrücken. "Qualmpfote ist froh Heilerschüler zu sein. Er würde nicht mal einer Fliege etwas antun können"

"Dann ist er ganz so wie eure Tante Sprenkelrose", schnurrte Falkenfeder. "Sie ist der Heilerin des WindClans und meine Schwester"

Die lockere Stimmung zwischen Vater und Tochter wurde angespannter als der ältere weiter sprach: "Was ist mit den anderen Katzen des WolkenClans? Akzeptieren sie dich und deinen Bruder?"

Dornenpfote überlegte kurz bevor sie bedacht antwortete: "Die meisten Krieger denken, dass wir nicht wüssten für welchen Clan unsere Herzen schlagen. Doch ich werde allen beweisen, dass ich nur dem WolkenClan meine Kraft schenke!"

"Aus dir wird einmal eine wunderbare Kriegerin", schnurrte Falkenfeder und sah sie aus vor stolz funkelnden Augen an. 

"Ich kann nicht gut auf Bäumen klettern oder weit und hoch springen. Auch die Kampftechniken die Spitzkralle mir zeigt sind schwer für mich. Ich bin nun mal nicht kräftig und groß wie alle anderen aus meinem Clan", miaute Dornenpfote bedrückt und senkte den Kopf. Sie wollte nicht das ihr Vater sie für eine Versagerin hielt, doch sie konnte ihn auch nicht anlügen.

"Ich hätte eine Lösung", überlegte Falkenfeder und zuckte selber unsicher mit seinen Ohren. "Wir könnten uns nachts hier beim Baumgeviert treffen und ich zeige dir unsere Kampf- und Jagdtechniken. Diese wirst du meistern können"

Dornenpfote überkam Unbehagen. Wenn sie das Angebot annehmen würde, müsste sie sich in der Nacht aus dem Lager schleichen und durch feindliches Territorium gehen um zum Baumgeviert zu kommen. Doch wenn sie ablehnt würde sie auf ewig versuchen wie jede andere WolkenClan-Katze zu jagen und zu kämpfen. Und dafür war sie definitiv nicht geschaffen.

"W-Warum machst du mir dieses Angebot?", fragte sie schließlich stotternd nach. "Vielleicht werde ich eines Tages gegen deinen Clan, gegen dich kämpfen müssen"

Falkenfeders Augen wurden weich. "Dornenpfote, der einzige Grund warum ich noch Zweiter Anführer des WindClans bin ist der, dass mein Vater Echsenstern ist. Ich habe den WindClan verraten durch meine Liebe zu deiner Mutter Flammenblume. Die Treue zu meinem eigenem Clan ist verloren und auch meine eigenen Krieger vertrauen mir nicht mehr. Ein anderer Anführer hätte mich verbannt oder zu mindestens anders bestraft aber nicht Echsenstern. Er konnte nicht mich, seinen eigenen Sohn, scheitern sehen, weil er mich liebt. Und so liebe ich dich, Dornenpfote. Wenn du eines Tages selber Junge bekommst, wirst du es verstehen"

Nach einer langen Pause nickte Dornenpfote schließlich und nahm somit das Angebot an. Sie hatten noch genug Zeit um abzusprechen wann sie sich treffen würden, bevor Schlangenstern das Zeichen zum Aufbruch gab. Als Dornenpfote aus dem Gebüsch schlich, bemerkte sie dass der SchattenClan schon die Senke verlassen hatte. Schnell schloss sie sich ihren eigenen Clangefährten an und machte sich mit ihnen am Ufer entlang auf den Weg ins Lager.

11. Kapitel - Nacht

Die Sonne stand schon hoch am Himmel als Qualmpfote zum ersten Mal an diesem Tag den Heilerbau verließ. Den ganzen Morgen hat er eingegangene Kräuter aussortiert und Dornenpfote, die erst für die Sonnenhochpatrouille eingeteilt war, trug sie aus dem Lager. Er genoss es immer wieder Zeit mit seiner Schwester zu verbringen. Dadurch dass sie nicht dieselbe Ausbildung teilten vergingen manchmal Tage an denen sie kein einziges Wort miteinander wechselten. Qualmpfote wusste jedoch auch dass sie sich blind vertrauen und allerlei Risiken füreinander aufnehmen würden.

"Ich muss los sonst verpasse ich meine Patrouille", miaute Dornenpfote und verabschiedet sich mit einem Nasenstupser. Qualmpfote wollte gerade wieder in seinen Bau zurückkehren um die letzten paar Kräuter aus dem Lager zu bringen als Schlangenstern, der Anführer des WolkenClans, seinen Namen rief.

"Qualmpfote, weißt du wo Amselfeder ist?"

"Nein", gestand Qualmpfote. "Er hat noch vor Sonnenaufgang sein Nest verlassen ohne mit mir zu reden"

Schlangenstern hielt einen Herzschlag inne bevor er sich wieder abwandte und aus dem Lager verschwand. Qualmpfote dachte sich nichts weiter dabei und scherte die letzten vermatschten Beeren zusammen. In einem Eichenblatt transportierte er sie aus dem Lager. Auf dem Weg musste er aufpassen nicht über das Energiebündel Horizontjunges zu stolpern. Das kleine schwarz-weiße Junge war kaum zwei Monde alt und dennoch brachte es so viel Leben in den Clan hinein. Jeder wusste dass sie eines Tages eine mächtige Kriegerin werden wird. Qualmpfote trug die Beeren zum Froschtümpel. Dort jagen die Schüler oft und vielleicht würden Beeren mehr Vögel anlocken. Die Sonne versteckte sich hinter riesigen Wolken, weshalb der Weg über die Wiesen kalt war. Die Blätter der Eichen fielen langsam hinunter und kündigten die Blattleere an. Am Froschtümpel angekommen legte er die Beeren ab. Eine Bewegung im kleinen Tümpel erregte seine Aufmerksamkeit. Es waren kleine Wellen, doch der Tümpel lag am heutigen Tage windgeschützt. Vorsichtig näherte Qualmpfote sich dem Wasser. Als seine Pfoten schon fast nass wurden starrte er in die Wellen. Eigentlich müsste sich der mit Wolken bedeckte Himmel spiegeln doch es erschien ihm ein anderes Bild.

Qualmpfote sah die Umrisse einer dunklen Katze. Hinter ihr eine größere Kreatur mit rötlich braunem Fell und spitzer Schnauze. Entsetzt taumelte der Heilerschüler zurück und trat in die Beeren die er zuvor dort abgelegt hatte. Er wirbelte herum und sah die Beeren die eigentlich rot sein sollten an. Ihre Farbe hatte sich zu schwarz verändert. Eine kalte Brise erwischte ihn und es war als würde der Wind flüstern: "Nehme dich in Acht vor dem Verräter der Nacht"

Der Heilerschüler erkannte die Stimme. Sie gehörte Rostblüte der ehemaligen Heilerin des WolkenClans und Amselfeders Mentorin. Er hatte sie bei seinem ersten Besuch beim Mondstein kennengelernt. Panisch betrachtete er den sanft der Beere der noch an seiner Pfote klebte. Er verstand nicht was der SternenClan von ihm erwartete, doch wenn Rostblüte nicht wartet bis er wieder zum Mondstein geht um ihn zu warnen muss es dringend sein. Er lief schnell zum Fluss um seine Pfoten zu waschen, da er sich nicht mehr in die Nähe des Tümpels traute. Qualmpfote lief an den Jagdfelsen vorbei und ergatterte verwirrte Blicke von Goldkralle und Dämmerpfote, die gerade nach Vögeln Ausschau hielten. Am Fluss angekommen streckte er seine Pfote aus und tunkte sie in das eisige Wasser.

"Fischdieb", ein Fauchen von der anderen Seite des Flusses ließ Qualmpfote zusammenzucken. Dort stand ein gefleckter Kater und fletschte mit seinen Zähnen.

"Zappelpfote", ein schildpattfarbener Kater tauchte neben dem Schüler aus dem Schilf auf. "Das ist Qualmpfote er ist der Schüler von Amselfeder, dem Heiler des WolkenClans"

"Er ist zwar ein Heilerschüler aber er kann trotzdem Beute stehlen", fauchte Zappelpfote und funkelte Qualmpfote aus orangen Augen an.

"Ich würde meinen Pelz nie freiwillig nass machen", miaute Qualmpfote und sah dabei den schildpattfarbenen Kater an, da er keinen Sinn darin sah mit dem Schüler zu diskutieren.

"Du wirst ihn doch nicht davon kommen lassen oder Wolkenfall?", fragte der gefleckte Kater ungeduldig und fuhr seine Krallen aus.

"Es ist verboten einen Heiler anzugreifen", erwiderte Wolkenfall mit Nachdruck dann wandte er sich wieder an den Heilerschüler des WolkenClans. "Nimm Abstand von der Grenze, junger Kater"

Qualmpfote nickte Wolkenfall zu, wirbelte herum und lief davon. Er dankte dem SternenClan dass er auf keine feindseligere Gruppe von FlussClan-Katzen getroffen ist. Es begann bereits zu dämmern als er das Lager erreichte. Qualmpfote lief das Wasser im Mund zusammen als er den aufgefüllten Frischbeutehaufen sah. Die Jagdpatrouillen waren am heutigen Tage erfolgreich gewesen. Doch er hatte keine Zeit zu essen. Sein Ziel war der Ältestenbau. Feuerglanz lag als einzige in ihrem Nest und wusch ihr Fell. Qualmpfote senkte grüßend den Kopf bevor er begann zu sprechen: "Wo ist Igelfell?"

"Er macht einen Spaziergang durchs Territorium", antwortete die Älteste und stoppte ihre Wäsche. "Keine Sorge, Schlangenstern ist bei ihm"

"Und du machst dir trotzdem Sorgen, nicht wahr?", fragte Qualmpfote. Feuerglanz war nicht gut darin ihre Gefühle zu verstecken.

"Er ist nicht mehr derselbe seit Kurzbeins Tod", seufzte sie und wartete einige Herzschläge bevor sie weiter sprach. "Kann ich dir irgendwie helfen?"

"Das hoffe ich", miaute Qualmpfote. "Gibt es in irgendeinen anderen Clan eine Katze namens Nacht?"

Feuerglanz setzte sich sich auf. "So jung und schon bekommst du Prophezeiungen vom SternenClan?"

"Ich habe nicht gesagt dass es mit dem SternenClan zutun hat", sagte Qualmpfote und war überrascht über die Kenntnisse der alten Kätzin.

"Das brauchst du mir nicht sagen", schnurrte Feuerglanz. "Meine Schwester war auch eine Heilerin. Ich kenne diesen ängstlichen und zugleich neugierigen Blick wenn jemand eine Prophezeiung vom SternenClan erhält"

"Deine Schwester war Rostblüte?", fragte der Heilerschüler überrascht.

"Du hast sie also schon kennengelernt?", Feuerglanz stand auf und treckte ihre Glieder. "Um deine Frage zu beantworten: im WindClan gab es eine Zweiten Anführerin namens Nachtjäger. Ich weiß jedoch nicht ob sie verstorben ist oder noch als Älteste lebt. Tut mir leid"

Qualmpfote senkte enttäuscht seinen Schweif doch bedankte sich bei Feuerglanz und verabschiedete sich. Auf seinem Weg in den Heilerbau wich er Horizontjunges aus, die versuchte einen Grashüpfer zu fangen. Schon von draußen hörte Qualmpfote die Stimme seines Mentors vom drinnen. Er schlüpfte durch das kleine Loch. Amselfeder betastete gerade Frostfeders Bauch. Qualmpfote konnte sich nicht daran erinnern das der pechschwarze Heiler jemals liebevoll mit jemanden umgegangen ist doch diesmal schien er sich wirklich zu bemühen die weiße Kätzin nicht zu verletzen.

"Du erwartest Junge", verkündete Amselfeder und schnurrte. Noch etwas was Qualmpfote noch nie vorher hörte.

"Herzlichen Glückwunsch", miaute Qualmpfote und sah die Gefährtin des Anführers an. "Der WolkenClan braucht mehr starke und gesunde Junge"

"Doch die Blattleere kommt bald", sagte Amselfeder besorgt. "Du musst darauf achten dass du jeden Tag etwas zu essen bekommst selbst wenn der Rest des Clans dafür hungern muss"

"Ich möchte nicht dass meine Geburt so verläuft wie die von Pilzohr", erwiderte Frostfeder und ging aus dem Heilerbau um dem Clan von der Neuigkeit zu berichten. Qualmpfote hat von Kurzbein schon über Pilzohrs Geburt gehört. Die schildpattfarbene Kätzin wurde auch kurz vor der Blattleere trächtig doch die Jungen konnten sich nicht richtig entwickeln, weil Pilzohr zu wenig essen konnte. Beide Jungen starben noch bevor ihnen Namen gegeben wurden. Qualmpfote betrachtete seinen Mentor wie er Frostfeder hinterher schaute. Er wusste dass es dort eine unerzählte Geschichte gab von der er vermutlich nie erfahren wird.

12. Kapitel - Kraft und Geschwindigkeit

Der Ruf eines Nachtigall signalisierte Dornenpfote den Einbruch der Nacht. Schon seid unzähligen Herzschlägen wartete sie darauf dass Nusspfote und Dämmerpfote endlich einschliefen. Die beiden Wurfgefährten haben sich noch lange gestritten wer bessere Fortschritte macht. Langsam erhob sich Dornenpfote aus ihrem Nest. Mit einer eleganten Bewegung schlüpfte sie schnell und geräuschlos durch den Ausgang. Die Senke wurde vom abnehmenden Mond erhellt. Dornenpfote entdeckte Haselsturms hellbraunen Pelz. Die junge Kätzin war von ihren eigenen Gedanken so abgelenkt, dass sie nicht bemerkte wie Dornenpfote aus dem Lagerausgang flitzte. Mit rasendem Herzen lief die Tigerkätzin weiter über die Wiesen in Richtung Sonnenfelsen. Um zum Baumgeviert zu gelangen musste die feindliches Territorium betreten. Doch Dornenpfote war bereit alles zu tun um ihren Vater zu treffen. Das Blut pochte in ihren Ohren als sie die Duftmarkierungen überschritt. Die Nacht war noch jung woraus Dornenpfote schloss dass sie auf keine Nachtpatrouille treffen würde. Trotzdem schlich zu durchs Schilf so nah wie möglich am Ufer des Flusses. Das Kreischen einer Eule lies sie zusammen zucken. Ihre Pfoten zitterten vor Angst irgendjemand könnte sie beobachten. Kurz vor dem Baumgeviert musste sie dass sichere Schilf verlassen. Dornenpfote entschied kurzerhand die restlichen Baumlängen zu rennen. Ihre trainierten WindClan-Beine brachten sie innerhalb von wenigen Herzschlägen zu den mächtigen vier Eichen.

"Ich dachte schon du würdest nicht kommen", Falkenfeder, der sich in zwischen den Wurzeln der Eichen versteckt hatte, stand auf und begrüßte seine Tochter indem er ihr zärtlich über den Kopf leckte.

"Nusspfote und Dämmerpfote waren noch ewig wach", entschuldigte sich Dornenpfote und genoss die Liebkosung ihres Vater.

"Bist du gut an der Nachtwache vorbeigekommen?", Falkenfeders intensive Bernsteinaugen spiegelten Dornenpfotes identischen Körper in ihnen. Sie nickte eifrig.

Der Zweite Anführer des WindClans schnurrte. "Wir sollten nicht zuviel Zeit vertrödeln. Schließlich brauchst du genug Schlaf um Spitzkralle morgen zum Staunen zu bringen"

Dornenpfotes Müdigkeit war wie weggeblasen. In ihren Pfoten juckte es endlich richtige Kampfzüge zu lernen.

"Nun wir haben einen kleinen, wendigen Körper und kraftvolle Beine mit dem wir übers Moor rennen. Wir können wir es jedoch auch im Kampf zu unserem Vorteil nutzen?", fragte Falkenfeder mit ernster Stimme.

"Wir kämpfen mit Kraft und Geschwindigkeit. Wir können schneller ausweichen als die anderen Clans", riet Dornenpfote. "Und damit den Gegner verwirren"

"Genau", schnurrte der Zweite Anführer des WindClans. "Du wirst meistens gegen größere Gegner als du kämpfen müssen. Dadurch unterschätzen die meisten Krieger unsere eigentliche Kraft. Viele Krieger bäumen sich vor dir auf wenn sie dich angreifen wollen. Wir reagierst du darauf?"

"Ich mache mich bereit auszuweichen", antwortete Dornenpfote sofort.

"Warum warten wenn du die Zeit nutzen kannst deinen Gegner anzugreifen", korrigierte Falkenfeder seine Tochter und bäumte sich vor dieser auf. "Mit einem gezielten Hieb auf meine Hinterbeine bringst du mich zum Fall"

Dornenpfote tat wie es ihr gesagt wurde und holte mit ihrer orangen Pfote aus. Nun schlug sie ihrem Vater die Beine unterm Pelz weg. Mit einem dumpfen Aufprall landete Falkenfeder im Laub.

"Sehr gut", miaute der getigerte Kater. "Nun liegt dein Gegner benommen vor Überraschung auf dem Boden. Was tust du?"

"Festnageln, damit er nicht fliehen kann", miaute Dornenpfote nachdem sie einige Herzschläge überlegte.

"Bloß nicht", antwortete Falkenfeder in einem sanften Ton. "Festnageln ist zwar ein beliebter Kampfzug des DonnerClans doch wenn du das tust gibst du deinen Bauch frei. Deine Kehle und deinen Bauch musst du am besten schützen. Bisswunden und Krallenspuren an deinen Beinen oder deinem Rücken verheilen aber nicht mal der SternenClan kann dich noch retten wenn dir jemand die Kehle aufschlitzt"

Dornenpfote schluckte. Sie schien erst jetzt zu realisieren wie gefährlich und brutal ein Kampf zwischen zwei Katzen ist und wie tödlich diese enden können.

"Zerkratze die Ohren und die Nase deines Gegners", lehrte Falkenfeder seiner Tochter. "Kätzinnen die ihre Schönheit nicht verlieren wollen werden sofort fliehen"

Dornenpfote schnurrte amüsiert und musste an Spinnenblut, einem Krieger aus dem DonnerClan denken, der ganz und gar zerfetzte Ohren hat.

"Die Nase ist zwar keine empfindliche Stelle doch dein Gegner wird nichts mehr außer sein eigenes Blut riechen", erklärte der getigerte Kater.

"Und dadurch bildet er sich mehr Verletzungen ein als er wirklich hat", verstand Dornenpfote und ihre Augen begannen zu leuchten. "Und ab da an kann er mich nur noch sehen und hören. Er mich nicht mehr riechen"

"Aus dir wird noch die beste Kriegerin des WolkenClans", miaute Falkenfeder erfreut und leckte seine Tochter ein paar Mal über die Wange. Danach hielt er kurz inne und schien über etwas nachzudenken.

"Was ist?", fragte Dornenpfote neugierig nach.

"Du solltest zurück in dein Nest", wich Falkenfeder der Frage aus. "Du musst bei Sonnenaufgang fit für dein Training mit Spitzkralle sein"

"Aber ich bin doch gar nicht müde! Ich möchte noch mehr lernen", quengelte die junge Kätzin und war abgelenkt von ihrer Frage.

"Wir können uns in zwei Nächten wieder treffen", schlug der Ältere vor. "So bekommst du genug Schlaf"

Dornenpfote nickte enttäuscht. Sie hätte gerne noch etwas mehr Zeit mit ihrem Vater verbracht. Falkenfeder schmiegte sich dich an seine Tochter und verabschiedete sich mit einem Nasenstupser.

"Sei vorsichtig bei deiner Heimreise", miaute er doch machte selber keine Anstalten in sein Territorium zurückzukehren. Dornenpfote nickte ihm noch einmal zu und rannte wieder zum schützendem Schilf. Sie spürte den Blick ihres Vaters an ihrem Pelz kleben. Wie auch schon zuvor schaffte sie unbemerkt durchs FlussClan-Territorium zu schleichen. Mit jedem Schritt wurden ihre Pfoten schwerer und Dornenpfote wünschte sich nichts sehnlicher als weiches Moos unter ihrem Fell zu spüren.

13. Kapitel - Füchse

Ein energisches Rütteln weckte Dornenpfote auf. Sie blinzelte dem grellen Licht entgegen und es dauerte eine Weile bis sie das cremefarbene Fell von Krallenpfote erkannte.

"Spitzkralle möchte dich sehen", sagte der kleine, schüchterne Kater dem es sichtlich unangenehm war seine Baugefährtin zu wecken. Dornenpfote nickte ihm nur zu und sprang sofort auf. Wegen ihren nächtlichen Aktivitäten hatte sie verschlafen und das Einteilen der Patrouillen verpasst. Ohne ihr zersaustes Fell zu pflegen tappte sie aus dem Schülerbau. Es war als fiele ein schwerer Stein von ihrem Herzen. Spitzkralle saß nicht auf seinem Baumstumpf und peitschte ungeduldig mit seinem Schweif wie sonst immer wenn sie zu spät kam. Nein, der Zweite Anführer des WolkenClans lag neben seiner dösenden Gefährtin Pilzohr und pflegte mit gleichmäßigem Lecken ihren schildpattfarbenen Pelz. Leise, um die ausruhende Kriegerin nicht zu wecken trat Dornenpfote an ihren Mentor heran.

"Geht es Pilzohr nicht gut? Soll ich Amselfeder holen?", fragte die Schülerin besorgt. Es war ungewöhnlich dass die sonst so unberechenbare Kätzin Zeit für sich selbst nahm. Seitdem Dornenpfote sie kennt, war Pilzohr immer die erste die auf zusätzliche Patrouillen ging oder ohne zu zögern in den Kampf zieht wenn es denn sein muss. Spitzkralle kam nicht dazu Dornenpfotes Frage zu beantworten da Haselsturm, eine kräftige hellbraune Kriegerin mit grünen Augen auf sie zu preschte und nur Mäuselängen vor ihnen zum Stehen kam. Durch diese Hektik schreckte Pilzohr aus ihrem Halbschlaf hoch.

"Fuchs", keuchte Haselsturm und rang nach Atem. Ihr Flanke hob und senkte sich ungewöhnlich schnell und ihre Schnurrhaare zitterten. "Eine ganze Familie. Beim Froschtümpel"

"Dornenpfote, warne Himbeerglanz. Sie soll ihre Jungen in der Kinderstube lassen. Und suche einen Krieger der vor der Kinderstube Wache hält", befahl Spitzkralle seiner Schülerin. Dornenpfote hätte gerne noch mehr Informationen über die Füchse von Haselsturm erhalten doch die Jungen zu beschützen war wichtiger als ihre Neugier. Nach einem kurzem Sprint kam sie bei der Kinderstube an und trat ein. Wenn die Situation nicht so gefährlich wäre würde sie amüsiert schnurren, bei dem Chaos was sich vor ihr abspielte. Himbeerglanz versuchte energisch Horizontjunges' Fell zu glätten. Das kleine schwarz-weiße Junge zappelte jedoch wild umher und wollte nicht stillsitzen. Schneckenjunges jagte währenddessen den Schweif seiner Schwester.

"Was gibt es, Dornenpfote?", begrüßte Langfell ihre ehemalige Baugefährtin. 

Die Tigerkätzin beugte sich zu der Königin vor damit sie so leise sprechen konnte, dass die Jungen sie nicht hörten und Angst bekamen: "Bei dem Froschtüpfel treiben sich Füchse umher. Die Jungen dürfen die Kinderstube nicht verlassen. Ein Krieger wird draußen Wache halten"

Die cremefarbene Königin nickte ihr zu und bedankte sich für die Warnung. Mit einem letzten Blick auf die albernen Jungen verließ Dornenpfote die Kinderstube. Sie schaute sich im Lager um, suchend nach einem Krieger der die Kinderstube bewachen kann.

"Ich bleibe vor der Kinderstube", Pilzohr trottete mit matten, grünen Augen auf sie zu. "Spitzkralle ist gerade erst mit seiner Patrouille losgegangen. Wenn du dich beeilst kannst du sie noch einholen"

"Nein", Schlangensterns tiefe Stimme erklang vom Dornenast. "Dornenpfote, ich brauche dich um die Jagdpatrouille von Frostfeder bei den Weiden zurückzuschicken. Es ist zu gefährlich dort. Die Füchse könnten in diese Richtung laufen"

Dornenpfote erschrak als sie Wut in Pilzohrs Augen aufblitzen sah.

"Die Patrouille besteht nur aus Kriegern. Sie können sich selbst beschützen", knurrte die schildpattfarbene Kriegerin. "Wenn Dornenpfote den Füchsen über den Weg läuft wird sie in Fetzen gerissen!"

"Niemand wird in Fetzen gerissen", entschärfte Distelfrost die Situation. Der pechschwarze Kater mit weißem Brustfell kam gerade ins Lager gelaufen. Hinter ihm die Patrouille von Spitzkralle. "Ich habe ihre Spur bis zum Bach beim Zweibeinerort verfolgt. Dort ist ihr Nest"

"Gut gemacht, Distelfrost", lobte Schlangenstern den jungen Krieger. "Jetzt, da unser Lager nicht mehr in Gefahr ist können wir mehr Jagdpatrouillen losschicken"

"Die Füchse können immer noch zurückkehren", widersprach Spitzkralle seinem Anführer.

"Sie würden das Lager nicht finden", miaute Schlangenstern zuversichtlich. "Ich gehe mit Wacholderzahn und Mausfang jagen"

Mit diesen Worten sprang er vom Dornenast und trottete aus dem Lager. Die beiden angesprochenen Kater hinterher. Mit einem Schweifzucken winkte Spitzkralle seine Schülerin zu sich.

"Ich möchte das du jagen gehst", sagte er sobald Dornenpfote bei ihm ankam. "Und zwar alleine in der Nähe der DonnerClan-Grenze. Pass auf das du keiner feindlichen Patrouille begegnest. Der DonnerClan würde alles tun um die Hochkiefern für sich zu behalten"

"Aber die Hochkiefern sind doch eine wichtige Nahrungsquelle für uns", widersprach Dornenpfote ihrem Mentor. "Um die Blattleere zu überstehen sind wir vielleicht auf das kleine Stück Territorium angewiesen"

Spitzkralle seufzte und wartete einige Herzschläge bevor er antwortete: "Es ist nicht allein meine Entscheidung gegen wen und für was wir kämpfen. Und jetzt beeile dich damit du noch vor Sonnenuntergang im Lager bist"

Dornenpfote war dankbar dass sie alleine jagen durfte. Sie lief los aus dem Lager. In ihren Pfoten spürte sie noch immer ihre nächtliche Aktivität nach. Im kühlen Schatten einer Eiche blieb die junge Kätzin stehen. Ein Falke flog über ihr. Dornenpfote wusste das dies für jede WolkenClan-Katze leichte Beute war, doch sie konnte nicht so hoch springen. Sie beobachtete den Falken der wiederum etwas viel kleineres beobachtete. Dornenpfote verfolgte seinen Blick und sah eine fette Maus im hohen Gras. Sie knabberte ein einer Nuss. Die Jagdinstinkte der Tigerkätzin wurden geweckt. Wenn sie schon nicht den Falken zur Beute machen konnte würde zu ihm seine Beute nehmen. Sie rannte auf die Maus zu. Diese bemerkte die Gefahr jedoch zu spät. Ihr kläglicher Fluchtversuch rettete ihr nicht das Leben. Stolz auf ihren Fang hob Dornenpfote die Frischbeute hoch und vergrub sie unter der Eiche. Ihr Blick strich weiter übers Grasland. Sie erkannte Spitzkralle, der ihr den Rücken zuwandt und in Richtung Trainingshöhle ging. Dornenpfote wusste dass er sie beobachtet hatte.

Ein Eichhörnchen und zwei Drosseln später lief die Tigerkätzin einem Hasen hinterher. Er war schneller als sie gehofft hat. Es raubte ihre übrige Kraft die letzten Fuchslängen aufzuholen. Bei den Jagdfelsen bekam sie endlich den Pelz des Hasen zwischen die Krallen.

"Guter Fang", miaute Schlangenstern, der mit seiner Patrouille bei den Jagdfelsen jagte.

"Danke", erwiderte Dornenpfote stolz.

"Es wird Zeit für uns zurückzugehen", verkündete der Anführer des WolkenClans. "Es beginnt bereits zu dämmern"

Dornenpfote wartete bis Schlangenstern, Mausfang und Wacholderzahn ihre Beute aufsammelten. Dann schloss sie sich der Patrouille an und zusammen liefen sie in einem gemütlichen Tempo zum Lager. Dornenpfote entschied sich dazu erstmal den Hasen zum Frischbeutehaufen zu bringen und dann die restliche Beute zu holen. Doch etwas unerwartetes durchkreuzte ihre Pläne. Ihr Atem hielt an und sie riss ihre Augen weit auf. Sie roch Blut. Nicht das Blut der Beute. Nein. Katzenblut. 

14. Kapitel - Verräter

Auch der Rest der Patrouille roch den frischen todbringenden Geruch. Die Gedanken über ihre Beute verließen ihren Kopf. Zusammen mit den anderen preschte sie ins Lager hinein. Es war verwüstet. Der Farn, der den Schülerbau umgab, war platt getrampelt. Mitten in dem Chaos lag die Ursache des stechendem Geruchs, ein toter Fuchs. Dornenpfote erschauderte. Sie hatte zwar nicht so viele Geschichten von den Ältesten gehört wie ihr Bruder Qualmpfote doch sie war sich sicher, dass noch nie ein Fuchs den Weg in Lager gefunden hat. Wacholderzahn war der erste der Patrouille der sich aus seiner Starre löste. Der dunkelbraune Kater stürmte zur Kinderstube wo sich zur Zeit seine Jungen aufhielten sollten. Dornenpfote betete zum SternenClan dass ihnen nichts passiert ist. Als die junge Tigerkätzin es endlich schaffte ihre Augen von dem Fuchs zu reißen viel ihr etwas anderes auf. Alle Katzen die im Lager waren versammelten sich in der Lagermitte in einem Kreis. Dornenpfote schluckte denn so hatte sie ihren Clan erst einmal erlebt: bei Kurzbeins Tod. Mit hämmerndem Herzen setzte sie eine Pfote vor die andere. Ihre Beine fühlten sich schwer an und wehrten sich gegen jede Bewegung. Sie wollte nicht wissen wessen Körper in der Mitte des Lagers lag. Sie wollte nicht wissen wen der Clan diesmal verloren hat.

"Lasst mich durch", sprach Schlangenstern mit einer festen Stimme. Sofort rückten die Katzen zur Seite damit ihr Anführer den Leichnam sehen konnte. Auch Dornenpfote hatte somit die Möglichkeit den toten Körper zu sehen. Sie vergas zu atmen als sie einen feuerroten Pelz erkannte. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und ihre Augen waren vor Schreck geweitet. Die sonst smaragdgrünen Augen die immer vor Lebensfreude und Gewissheit leuchteten waren matt, leer und tot. Ein großer Teil von ihr wollte wegrennen. Doch der kleinere Teil wusste, dass sie ihr die letzte Ehre erweisen musste.

"Feuerglanz", miaute Schlangenstern zum toten Körper, laut genug dass es alle hörten. "Du hast dem WolkenClan mit deiner unabhängigem Liebe und Nachsichtigkeit bereichert. Wir danken dem SternenClan dich gekannt zu haben und möge er dich mit Freuden aufnehmen. Ruhe in Frieden"

"Feuerglanz! Feuerglanz!", rief jede einzelne Katze des WolkenClans. Sie jubelten ihren Namen als wäre sie gerade erst zu einer Kriegerin geworden. Als sie verstummten löste sich der Kreis auf. Dornenpfote ging auf wackeligen Beinen auf Feuerglanz zu und vergrub ihre Nase im Pelz ihrer Großmutter. Auch Qualmpfote stellte sich neben seine Schwester und tat es ihr gleich. Als letztes kam Flammenblume und legte sich neben ihre gleich aussehende Mutter.

"Igelfell, was ist passiert?", verlangte der graue Anführer von seinem Vater zu wissen.

"Schneckenjunges und Horizontjunges haben draußen mit Feuerglanz gespielt als der Fuchs ins Lager kam", berichtete der braune Älteste. "Das widerliche Vieh hätte Schneckenjunges gefressen hätte sich Feuerglanz nicht dazwischen geworfen"

"Zum Glück waren genug Krieger im Lager", warf Haselsturm ein. "Wir konnten ihn schnell bewältigen doch nur wenige sind unverletzt geblieben"

Die junge hellbraune Kriegerin sah besorgt zu ihrem ehemaligen Schüler Mausfang, der gerade von Amselfeder behandelt wurde. Qualmpfote leckte seiner Schwester tröstend über die Wange bevor er zu seinem Mentor lief um ihn zu helfen.

"Noch nie hat sich ein Fuchs in unser Lager getraut!", rief Natternherz, einer der ältesten Krieger. Es wird nicht mehr lange dauern bis er zu Igelfell in der Ältestenbau zieht. "Es ist das erste Mal dass ich mich nicht mehr sicher in unserem eigenem Lager fühle"

"Wir sollten darüber nachdenken warum der Fuchs überhaupt hier war", Amselfeder hatte seinen Schüler sich selbst überlassen und stand nun vor dem versammeltem Clan. "Er wäre niemals vom Zweibeinerort bis hier hin aus Zufall gelaufen. Es ist nicht mal einen halben Tag her da war er noch beim Bach. Es muss einen Verräter im WolkenClan geben, der den Fuchs ins Lager geführt hat!"

Laute Protestrufe und Schreie vor Entsetzen übertönten jegliches anderes Geräusch. Dornenpfote schien das Blut in den Ohren zu gefrieren. Ein Verräter im WolkenClan? Niemals! Sie konnte sich niemanden vorstellen der seinen eigenen Clan verraten würde.

Nusspfote meldete sich aus der letzten Reihe zu Wort: "Hier gibt es nur eine Katze die es schaffen würde einen Fuchs zu locken. Kein anderer ist so schnell wie Dornenpfote"

Die angesprochene Tigerkätzin wirbelte zu ihrem braunem Mitschüler herum. Alle Blicke waren auf sie gerichtet. Sie fühlte sich noch unwohler in ihrem Pelz als sonst.

"Sie hat feindliches Blut in den Adern. Sie ist die Verräterin!", stimmte Amselfeder Nusspfote zu. Dornenpfotes Schweif zuckte empört. Sie war zum ersten Mal alleine jagen und nun wurde ihr vorgeworfen eine Verräterin zu sein.

"Sie ist doch fast noch ein Junges", Dornenpfote war erleichtert Langfells Stimme zu hören. Die cremefarbene Königin hatte sie schon immer unterstützt.

"Dornenpfote ist dem WolkenClan treu! ", beteuerte auch Flammenblume und Dornenpfote wurde warm ums Herz. Wenigstens gab es ein paar Katzen die sie niemals für ihre Abstammung beurteilen werden.

"Genug!", Schlangenstern war auf den Dornenast gesprungen und peitschte wütend mit seinem Schweif. "Was seid ihr? Ein Haufen Dachse? Wir sind Krieger des WolkenClans also verhaltet euch auch so"

Spitzkralle räusperte sich, weil der Clan immer noch seine Schülerin feindselig anstarrte: "Ich habe Dornenpfote den ganzen Tag bei der Jagd beobachtet. Sie kann es nicht gewesen sein"

Dornenpfotes Atem stockte erneut. Spitzkralle hatte soeben den Clan angelogen zu ihren Gunsten. Es stimmte zwar dass er sie beobachtet hat doch nur bei ihrem ersten Fang. Danach ist er verschwunden. Also hätte er genug Zeit gehabt zum Zweibeinerort zu laufen und den Fuchs zu locken. Geschockt über sich selbst schob Dornenpfote diesen Gedanke beiseite. Spitzkralle war der letzte der seinen Clan verraten würde!... oder? Schlangenstern nickte seinem Bruder zu und sprang vom Dornenast. Damit signalisierte er dass er keine weitere Diskussion darüber duldete. Dornenpfote kauerte sich neben Feuerglanz' Leichnam nieder. Sie entschied die ganze Nacht bei ihrer Großmutter zu bleiben. Die Tigerkätzin schloss die Augen um den feindseligen Blicken ihrer Clangefährten zu entgehen. Plötzlich spürte sie einen weichen Pelz neben ihr. Als sie ihr rechtes Auge nur einen kleinen Schlitz weit öffnete erkannte sie das schildpattfarbene Fell von Pilzohr.

"Noch ein Beweis wie mäusehirnig die besten Krieger sein könnten", knurrte sie im Flüsterton. "Keine Katze mit normalen Verstand würde eine 8 Monde alte Katze als Verräterin bezeichnen"

"Danke, dass du an mich glaubst", sagte Dornenpfote erleichtert. Es tat gut jemanden zu haben auf den man sich immer verlassen konnte. "Wirst du auch Nachtwache für Feuerglanz halten?"

"Ja", antwortete Pilzohr. "Sie war meine Mentorin"

Ein anderer nicht ganz so weicher Pelz streifte die linke Seite von Dornenpfote. Ihre Freundin Sturmblatt hatte sich neben sie gelegt. Tröstend drückte die gescheckte Kätzin ihren Kopf gegen Dornenpfotes Schulter. Die Tigerkätzin fühlte sich durch die beiden Kätzinnen beschützt vor den Blicken ihrer Clangefährten. Die Nacht brach an und im Lager wurde es still.

15. Kapitel - Stille Nacht

Nacheinander trat jede Katze an die verstorbene Älteste heran und murmelte unverständliche letzte Worte. Dornenpfote wusste, dass Feuerglanz die älteste Katze im Clan war. Somit gab es keinen im WolkenClan, der sie nicht von Anfang seines Leben gekannt hat. Zudem viel der Tigerkätzin auf wie geschwächt der Clan aussah. Der Fuchs hatte einen wirklichen Schaden angerichtet. Mausfang blutete an der Flanke, Haselsturm hatte ein eingerissenes Ohr und selbst Spitzkralle hat einen Kratzer überm Auge abbekommen. Qualmpfote kam als einer der Letzten doch er ging nicht wieder weg. Er legte sich neben die Kätzin dessen Fellfarbe er geerbt hat.

"Qualmpfote?", Langfell war es unangenehm den jungen Kater in seiner Trauer zu stören. "Sind im Heilerbau noch Mohnsamen? Wespenstich kann nicht gut schlafen wegen seiner schmerzenden Schulter"

"Tut mir leid, Langfell", miaute der Heilerschüler und blinzelte. "Die hälfte der Krieger haben bereits Mohnsamen bekommen. Wir haben unseren ganzen Vorrat aufgebraucht"

Die cremefarbene Königin nickte verständlich und lief wieder zu ihrem Gefährten. Dornenpfote schauderte als sie realisierte wie angreifbar der Clan doch war. Spitzkralle setzte sich neben Pilzohr und flüsterte seiner Gefährtin etwas ins Ohr.

"Ich frage mich worauf Flammenblume wartet", miaute Sturmblatt mit gesenkter Stimme.

"Was meinst du?", fragte Dornenpfote und sah zu ihrer Mutter herüber die unbeholfen und alleine vor dem Kriegerbau lag.

"Es ist eine Tradition des WolkenClans verstorbene Katzen zu ehren", erklärte die gescheckte Kätzin. "Der Anführer sagt etwas, dann jede Katze einzeln für sich und dann der der dem Verstorbenen am nächsten stand"

"Tradition des WolkenClans? Haben die anderen Clans diese Tradition nicht?", wollte Dornenpfote neugierig wissen.

"Ich bin mir sicher sie haben eine andere Art ihre Verstorbenen zu ehren", miaute Pilzohr, die nur mit einem Ohr der Unterhaltung zugehört hat. Schließlich erhob sich Flammenblume auf ihre Pfoten und ging auf ihre tote Mutter zu. Eine Fuchslänge vor dem Leichnam blieb sie stehen.

"Ich weiß ich habe dich oft enttäuscht, Feuerglanz", sprach Flammenblume mit brüchiger Stimme und den meisten fiel es schwer ihre Worte zu verstehen. "Doch ich konnte dich so oft enttäuschen wie ich wollte, denn du hast nie aufgehört mich zu lieben. Feuerglanz, du hast vieles in deinem Leben verloren. Deine Brüder Kleinstern und Kurzbein... deine Schwester Rostblüte, deinen Gefährten Eichenzweig und deinen Sohn Buschfeuer. Doch du warst immer für mich da und hast dir selbst nicht erlaubt lange zu trauern. Du warst für mich da als Eichenzweig starb. Du warst da als ich Buschfeuer verlor. Ich denke ich habe mich nicht vorbereitet auch dich zu verlieren"

Nach diesen Worten ließ sie sich neben ihren Sohn fallen und leckte ihm ein paar mal tröstend über die Ohren bevor sie ihre Schnauze in den Pelz ihrer Mutter drückte um eine letzte Nacht bei ihr zu sein. Langsam leerte sich die Senke. Die Schüler schliefen im Ältestenbau, da der Schutzwall des Schülerbaus vom Fuchs zerstört wurde. Distelfrost, der zu den wenigen Unverletzten gehörte half Wacholderzahn den toten Fuchs aus dem Lager zu ziehen. Dornenpfote plusterte ihr Fell gegen die eisige kühle Luft auf. Die Nacht war alles andere als still. Ein Uhu schrie durch die Finsternis und der Wind ließ die Blätter der Eichen rascheln. Dornenpfote konnte hören wie Schneckenjunges und Horizontjunges aufgeregt in der Kinderstube tuschelten. Schwere Pfotenschritte teilten der Tigerkätzin die Wiederkehr von Distelfrost und Wacholderzahn an. Doch etwas fühlte sich nicht richtig an. Es hörte sich an als würden sie schleichen. Warum sollten sie ins Lager schleichen? Doch gleich danach fiel ihr noch etwas viel merkwürdigeres auf: das waren keine Pfotenschritte von nur zwei Katzen!

Pilzohr schien dasselbe bemerkt zu haben, denn die beiden Kätzinnen sprangen gleichzeitig auf und wirbelten herum zum Lagereingang. Unzählige Augenpaare schauten sie aus der Finsternis an. In der vordersten Reihe: die eisblauen Augen von Distelfrost.

"Überfall!", kreischte Pilzohr um den Clan zu warnen.

Die fremden Katzen fletschten mit den Zähnen. Dornenpfote verstand nicht was sich vor ihr abspielte.

"Angriff!", der Befehl kam von einer Stimme die Dornenpfote zu gut kannte: Distelfrost. Der Tigerkätzin kam der Einwand von Amselfeder wieder in den Sinn. Es müsse einen Verräter im WolkenClan geben, der den Fuchs ins Lager lockte, hatte er behauptet. Die Erkenntnis traf Dornenpfote wie ein Schlag ins Gesicht. Der Fuchs hat fast alle Krieger verletzt und sie waren erschöpft. Und nun waren sie leichte Beute für die Streuner. Sie schüttelte den Kopf um ihre Gedanken zu sortieren. Jetzt war keine Zeit um über den Verrat nachzudenken. Sie musste ihren Clan beschützen! Mit einem wilden Jaulen sprang sie auf den Rücken einer getigerten Kätzin, die gerade Krallenpfote am Boden festnagelte.

"Zerkratze die Ohren und die Nase deines Gegners", hallten die Worte ihres Vaters in ihrem Kopf nach. Die Kätzin unter ihr riss den Kopf hoch was Dornenpfote eine perfekte Gelegenheit bat. Sie fuhr ihrer Gegnerin mit den Krallen quer durchs Gesicht. Die Kätzin heulte auf und floh aus dem Lager.

Dornenpfote wollte sich nach ihrem nächsten Opfer umsehen doch da wurde sie schon von einem mächtigem Kater umgerissen. Er war doppelt so groß wie sie und sein braun-weißes Fell stank nach Krähenfraß. Seine Krallen, die scharf waren wie Adlerklauen, bohrten sich in Dornenpfotes Schultern.

Deine Kehle und deinen Bauch musst du am besten schützen!

Dornenpfote holte mit ihren Hinterläufen aus und zerkratzte das weiche Bauchfell des Gegners. An seinen schmerzendem Blick konnte die Tigerkätzin sehen dass es etwas bewirkte doch der Griff lockerte sich nicht. Bevor sie etwas dagegen tun konnte schlugen seine scharfe Zähne in ihre Schulter als plötzlich das gesamte Gewicht von ihr genommen wurde. Sofort sprang Dornenpfote auf und erkannte Spitzkralle, der sich auf den braun-weißen Kater geworfen hatte. Seine bernsteinfarbenen Augen waren trüb und schläfrig. Daran fiel Dornenpfote noch eine Schwachstelle der WolkenClan-Krieger auf: die Mohnsamen. Jeder Krieger der die schwarzen Samen gegessen hat wird sich nicht schnell genug bewegen können. Der Kater sprang in einem hohen Bogen auf ihren Mentor zu. Spitzkralle schaffte es nicht rechtzeitig auszuweichen weshalb er mit einem dumpfen Aufprall in den Sand gedrückt wird. Dornenpfote eilte zu ihm hin und biss dem Gegner in den Schweif. Sie wusste dass dies keine empfindliche Stelle war, weshalb sie all ihre Kraft sammelte und den Kater wegzog. Dadurch bekam sie jedoch wieder die Aufmerksamkeit des blutrünstigen Streuners. Er hob seine Vorderpfote und schlug zu.

Ich mache mich bereit auszuweichen.

Warum warten wenn du die Zeit nutzen kannst deinen Gegner anzugreifen?

Dornenpfote riss ihren Kopf gerade noch rechtzeitig nach unten. Dann machte sich ihr Körpergröße zum Vorteil, schlüpfte unter den riesigen Kater hindurch und zog ihm die Hinterbeine weg. Spitzkralle rappelte sich in der Zeit auf und nagelte den verdutzen Gegner am Boden fest. Nach einem sauberen und schnellen Krallenhieb über seine Flanke floh er aus dem Lager.

Dornenpfotes Gefühl von Triumph wurde im Keim erstickt als sie sah wie ein grauer Kater Langfell, die die Kinderstube beschützte, wegschleuderte. Ihre WindClan-Beine trugen sie in kürzester Zeit zu dem Streuner. Doch dieser sah sie kommen und bäumte sich vor ihr.

Mit einem gezielten Hieb auf meine Hinterbeine bringst du mich zum Fall.

Dornenpfote holte mit ihrer Vorderpfote aus und zog auch noch diesem Gegner die Hinterläufe unterm Pelz weg. Doch sie interessierte sich nicht dafür den grauen Kater weiter zu verletzen, denn sie sprang in die Kinderstube. Dort saßen Schneckenjunges und Horizontjunges wimmernd in der hintersten Ecke. Himbeerglanz wollte gerade den Eindringling angreifen als sie Dornenpfote erkannte.

"Du bist es nur. Dem SternenClan sei dank", die cremefarbene Königin zitterte vor Angst.

"Ich bringe die beiden in Sicherheit", keuchte Dornenpfote und deutete auf die Jungen. "Ich bin schnell genug"

Himbeerglanz nickte und drehte sich zu ihren Jungen um. "Macht die Augen zu. Wir werden euch beschützen!"

Dornenpfote hob Schneckenjunges am Nackenfell hoch während Himbeerglanz Horizontjunges nahm. Die beiden Kätzinnen nickten sich nochmal zu bevor sie die Kinderstube verließen. Die Lage in der Senke hat sich nicht verbessert. Es waren immer noch unzählige Streuner dort. Doch darauf konnte sich Dornenpfote gerade nicht konzentrieren. Alles was jetzt zählte war die Junge aus dem Lager in Sicherheit zu bringen. Doch als sie Schlangensterns Jaulen hörte war sie unfähig sich zu bewegen: "Flieht, WolkenClan! Flieht!"

16. Kapitel - Für Feuerglanz!

Qualmpfotes Adern schienen einzufrieren. Sie sollen fliehen? Das Lager aufgeben? Schlangenstern rannte als erster aus dem Lagerausgang. Das Wort des Anführers ist Gesetz. So steht es im Gesetz der Krieger. Die WolkenClan-Krieger kämpften sich aus den Krallen der Streuner frei und folgten ihrem Anführer. Erst als Qualmpfote seine Schwester erkannte brachte er sich selbst dazu eine Pfote vor die andere zu setzen. Er musste sich beeilen um nicht von einen der Streuner angefallen zu werden. Qualmpfote verließ als einer der letzten die Senke die vor einer Nacht noch sein sicheres Zuhause war. Spitzkralle kämpfte immer noch verbittert gegen Distelfrost. Erst als alle anderen geflohen waren, folgte er seinen Clangefährten.

Die Streuner jaulten triumphierend während der WolkenClan vor Angst floh. 

"Wo sollen wir hin?!", dass selbst Mausfang keine Ruhe bewahren konnte machte Qualmpfote nur noch nervöser. Schlangenstern antwortete nicht.

"Zu der Trainingshöhle! Dort finden wir gemeinsam genügend Schutz", befahl Spitzkralle und übernahm die Führung. Der Clan rannte ihrem Zweiten Anführer hinterher. Das Adrenalin in ihren Körpern ließ sie die schmerzenden Wunden nicht spüren. Qualmpfote strengte sich an seinen Kopf von der Angst zu befreien damit er seinen Pflichten als Heilerschüler nachgehen konnte. Er konzentrierte sie für kurze Zeit auf jede einzelne Katze, um abzuschätzen wer als erstes versorgt werden musste.

Malvenfuß' Hinterbeine haben ein paar grobe Kratzer abbekommen. Wespenstich hinkte mit seinem rechten Vorderbein, doch diese Verletzung stammt noch von dem Kampf gegen den Fuchs. Schneebarts weißes Kinn wurde vom Blut rot gefärbt, doch in der Dunkelheit konnte Qualmpfote nicht erkennen ob es sein eigenes Blut oder Streunerblut war. Haselsturms Wange blutete doch ansonsten hatte sie keine sichtbaren Schrammen.

Atemlos blieben die Katzen in der Trainingshöhle zum stehen. Einige ließen sich erschöpft ins weiche Moos sinken.

"Sind alle da?", fragte Spitzkralle und sah sich um. "Die Jungen? Wo sind die Jungen?"

"Sie sind bei Dornenpfote und mir", antwortete Himbeerglanz und leckte ihre Jungen abwechselnd über den Kopf um sie zu beruhigen.

"Igelfell? Feuerglanz?", rief Spitzkralle nach den Ältesten und bemerkte kurz darauf selber, dass Feuerglanz nicht antworten würde.

"Ich bin hier", krächzte der braune Kater. Diese ungewöhnliche Stimme alarmierte Qualmpfote sofort und er bahnte sich durch die Menge zu Igelfell. Der alte Kater lag erschöpft im Moos und brachte jegliche Kraft auf seinen unruhigen Atem zu kontrollieren. Der orange Kater trat nervös von einer Pfote auf die andere. Ohne seine Kräuter im Heilerbau konnte er dem Ältesten nicht helfen.

"Amselfeder? Qualmpfote?", fragte Spitzkralle in die zerstreute Katzengruppe hinein.

"Ja"

"Ich bin hier", antworteten beide ziemlich angebunden. Während Spitzkralle weiter die Anwesenheit jeder Katze kontrollierte, sah sich Qualmpfote weiter nach Verletzten um. Ihm fiel auf das keine Katze wirklich schwer verletzt war.

"Wacholderzahn?", rief Spitzkralle den Namen seines ehemaligen Schülers.

Keine Antwort.

"Wacholderzahn!"

"Er hat mit Distelfrost den Fuchs aus dem Lager gezogen bevor der Angriff begonnen hat", sagte Flammenblume und stand auf. "Ich habe nur zwei Kratzer. Ich kann nach ihm suchen"

"Nein", befahl Spitzkralle bestimmt. "Wir müssen nun entscheiden wie wir weiter vorgehen. Dann wirst du eine Patrouille anführen um Wacholderzahn zu suchen"

Der dunkelgraue Zweite Anführer hat nun die komplette Führung des Clans übernommen. Schlangenstern lag neben seiner trächtigen Gefährtin Frostfeder und leckte ihr behutsam über die Wange.

"Ich bin bereit zu kämpfen!", sagte Natternherz mit fester Stimme. "Ich werde meinen Clan beschützen, selbst wenn es mein Leben kostet. Das habe ich vor vielen Monden versprochen"

Qualmpfote sah zu seinem Anführer. Ihm kam ein Gedanke den er nicht wagte auszusprechen. Schlangenstern hatte überreagiert als er den Befehl gab das Lager zu verlassen. Er sah es als einzigen Ausweg sicher zu gehen dass seiner Familie nichts passierte.

"Wir müssen zurück und unser Lager verteidigen!", schloss sich Goldkralle dem älteren Krieger an.

"Sie werden einen erneuten Angriff nicht erwarten", miaute Schneebart, doch die restlichen Krieger schienen nicht überzeugt.

"Feuerglanz...", murmelte Pilzohr laut genug dass es jeder hörte. "Ihr Körper ist immer noch im Lager. Und wenn ihr Geist ihren Körper verlässt um ihre Reise in den SternenClan anzutreten... Sie ist umgeben von Feinden"

Einige ließen ihre Köpfe sinken. Jeder einzelne hat die orange, lebensfrohe Kätzin gemocht.

"Wir werden angreifen", bestimmte Spitzkralle. "Für Feuerglanz"

"Für Feuerglanz!", wiederholte der Clan in einem feierlichen und dennoch wütenden Gejaul.

"Flammenblume, du nimmst Krallenpfote und Nusspfote mit um Wacholderzahn zu suchen. Wenn ihr ihn findet bringt ihn hier her. Amselfeder du begleitest sie auch, falls er sofortige kräuterliche Unterstützung braucht"

Nusspfote wollte sich beschweren, doch Langfell warf ihm einen warnenden Blick zu.

"Mausfang, Sturmblatt und ich bleiben hier um Frostfeder, Igelfell und die Jungen zu beschützen", befahl Schlangenstern ohne jegliche Betonung.

"Wir können nicht drei vollwertige Krieger zurücklassen", knurrte Spitzkralle seinen Bruder an. "Du musst deinen Clan in diese Schlacht führen, Schlangenstern!"

"Dämmerpfote und ich bleiben hier", entschärfte Langfell die Anspannung zwischen den Brüdern. Spitzkralle wandte sich von seinem Anführer ab und blickte nun direkt zu Qualmpfote

"Falls noch etwas schief geht brauchen wir Kräuter", miaute der Stellvertreter ruhig. "Kannst du genügend besorgen?"

Qualmpfote nickte und wusste schon wo er viel Ampfer finden würde. Nun warteten alle auf Schlangensterns Kommando. Der graue Kater stand auf und ließ seinen Blick durch die Katzen schweifen. Qualmpfote zuckte kurz zusammen als er einen Pelz neben seinen spürte. Es war Dornenpfote die sich an ihn schmiegte. Schlangenstern rannte endlich voraus. Sein Clan folgte ihm in den Kampf. Auch Dornenpfote riss sich von ihrem Bruder los und folgte ihren Clangefährten.

Für Feuerglanz.

Wiederholte Qualmpfote in Gedanken.

17. Kapitel - Die Blattleere kommt

Dornenpfotes Herz klopfte wie verrückt, als sie ihren Clangefährten zurück zum Schlachtfeld folgte. Sie würde jedem zeigen für welchen Clan sie ihre Krallen ausfährt: den WolkenClan! Ihre Schulter hat aufgehört zu bluten, was das Rennen deutlich angenehmer machte. Als sie nur noch wenige Baumlängen von der Senke entfernt waren, verlangsamte Schlangenstern seine Schritte und schlich durchs Gras. Dornenpfote hielt den Atem an.

Ich werde meinen Clan beschützen, selbst wenn es mein Leben kostet. Das habe ich vor vielen Monden versprochen.

Natternherz' Worte hallten in ihren Kopf nach. Irgendwann, nach vielen weiteren Trainingsstunden würde sie dieses Versprechen machen müssen. Sie sah die angespannten Krieger an. Sie alle kämpfen für ihren Clan ohne zu wissen, ob es dass letzte Mal ist.

Oh, SternenClan steh uns bei. Betete Dornenpfote in Gedanken. Stumm umkreisten die Krieger des WolkenClans die Senke.

"Bleib an meiner Seite", flüsterte Sturmblatt ihrer Freundin zu. Dornenpfote atmete erleichtert auf. Mit der jungen, gescheckten Kätzin an ihrer Seite fühlte sie sich sicherer. Die Streuner schliefen, wie selbstverständlichen in den Moosnestern der Clan-Katzen. Mit ein wenig Erleichterung stellte Dornenpfote fest, dass Feuerglanz' Körper unversehrt in der Mitte des Lagers lag. Dutzende Augenpaare starrten Schlangenstern an und warteten auf das Angriffssignal. Nachdem sie einige laute Herzschläge warteten, peitschte der Anführer des WolkenClans mit seinem Schweif und gab somit das Zeichen.

Seite an Seite sprangen Sturmblatt und Dornenpfote in die Senke. Mit ausgefahrenen Krallen stürzten sie sich auf den nächst besten Streuner. Dieser verfiel in eine Schockstarre, was es den Angreifern ziemlich einfach machte. Dornenpfote kratzte über seinen Rücken während Sturmblatt seine Flanke aufschlitzte. Nach einem lauten Schmerzensschrei schüttelte der Kater seine Angreifer ab und floh aus der Senke.

Spitzkralle taumelte in diesem Moment zwischen die beiden Freundinnen. Er wurde von gleich zwei Streunern attackiert. Um ihrem Mentor zu helfen warf Dornenpfote einen der beiden Katzen mit Sturmblatts Hilfe um. Sie erkannte den räudigen braun-weißen Kater vom Kampf zuvor. Bevor die Kätzinnen etwas anderes machen konnten war der Streuner schon wieder auf seinen Pfoten und holte Blitzschnell mit seiner Vorderpfote aus. Seine scharfen Krallen kratzten über Dornenpfotes Wange und ließ die Schülerin in Schmerzen zurück taumeln. Sie realisierte dass sie noch viel lernen musste bis sie eine Kriegerin werden könne. Der Schmerz in ihrem Gesicht wurde langsam von dem Adrenalin dass in ihrem Körper brannte wie Feuer betäubt. Als sich Dornenpfote wieder gefasst hatte nagelte der Streuner Sturmblatt am Boden fest. Die Tigerkätzin biss in seine braune Hinterpfote und zog sie mit aller Kraft zurück. Sie war angewidert von dem ekelhaften Blutgeschmack, doch sie ließ erst los nachdem Sturmblatt aufgesprungen war. Als der Streuner seine Aufmerksamkeit auf die gescheckte Kätzin fokussierte, stellte Dornenpfote etwas im Pelz des Katers fest. Es war eine Kratzwunde quer über seiner Flanke die ihm Spitzkralle im Kampf davor verpasste. Mit einem sauberen Schnitt ließ die Schülerin die bereits heilende Wunde aufplatzen. Auf diese Schmerzen war der Kater nicht vorbereitet. Er rannte aus dem Lager ohne sich noch einmal umzudrehen.

Dornenpfote und Sturmblatt sahen sich um, ob jemand Hilfe benötigte. Doch es sah wirklich nicht danach aus. Die WolkenClan-Krieger waren deutlich die dominanteren Kämpfer. Mit einem lauten Fauchen verließ auch der letzte Streuner das Lager. Dornenpfote überkam ein Gefühl des Triumphes. Sie haben gewonnen! Goldkralle begann ein Siegesheulen an und der Rest des Clans stimmte mit ein. Nach dem das Jaulen verstummte sah sich Spitzkralle um.

"Ich brauche jemanden der zur Trainingshöhle läuft und alle zurückholt", sprach der Zweite Anführer und versuchte auszumachen welcher Krieger noch einigermaßen laufen könne.

"Ich werde gehen", miaute Schlangenstern und war schon aus dem Lager bevor jemand etwas Erwidern konnte.

"Mausfang? Haselsturm? Fühlt ihr euch Fit genug den Streunern zu folgen, um zu kontrollieren ob sie wirklich unser Territorium verlassen haben?", fragte Spitzkralle die beiden jungen Krieger.

"Natürlich", antwortete der graue Kater und senkte respektvoll den Kopf. Gemeinsam verließen sie schnellen Schrittes das Lager.

Spitzkralle sprang auf seinen Baumstumpf um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. "Die schwer Verletzten versammeln sich beim Kriegerbau. Dort werdet ihr zuerst behandelt. Die restlichen Ruhen sich aus und werden geweckt sobald Amselfeder oder Qualmpfote Zeit für sie haben" Er machte eine kurze Pause beim Sprechen. "Ihr habt alle gut gekämpft heute Nacht. Unsere Ahnen und Feuerglanz werden Stolz auf uns sein"

Dornenpfotes inneres Feuer schien langsam zu erlöschen. Jeder einzelne Muskel ihres Körpers schmerzte. Sturmblatt humpelte zum Kriegerbau und ließ ihre Freundin alleine zurück. Dornenpfote wusste nicht wohin sie gehen sollte. Der Schülerbau war zerstört. Zu ihrem Entgegenkommen winkte Pilzohr ihr mit dem Schweif zu. Langsam tappte die Tigerkätzin zu ihr. Diese hatte ihr Moosnest einige Hasensprünge aus dem Kriegerbau gezogen und verteilte nun das Moos um mehr Platz zu schaffen. Müde legte sich Dornenpfote neben die ältere Kriegerin. Sie verstand selber nicht warum Pilzohr so fürsorglich mit ihr Umging, doch sie dachte nicht weiter darüber nach. Während Pilzohr langsam anfing durch das zersauste Fell von Dornenpfote zu lecken ließ diese den gesamten Tag nochmal Revue passieren. Erst meldete Haselsturm Fuchsgeruch auf dem Territorium, bevor Distelfrost Entwarnung gab da die Füchse in der Nähe des Zweibeinerortes leben würden. Dann griffen die Füchse an während Dornenpfote nicht im Lager war. Sie töteten Feuerglanz. Amselfeder nahm in Anbetracht dass es ein Verräter im WolkenClan gab, der die Füchse ins Lager gelockt hat. Er beschuldigte Dornenpfote, doch nun wussten sie wer es war: Distelfrost! Dornenpfote schlief ein noch bevor sie hörte wie Qualmpfote und die anderen ins Lager kamen.

Dornenpfote wurde von einer Schneeflocke geweckt, die genau auf ihrer Nase landete. Langsam öffnete sie die Augen. Als sie anfing sich zu bewegen bereute sie es sofort wieder. Ihr Körper schmerzte und die Wunde an ihrer Wange brannte förmlich. Qualmpfote taumelte auf sie zu.

"Qualmpfote", Dornenpfote war erfreut ihren Bruder zu sehen. "Geht es Flammenblume gut? Hat sie Wacholderzahn gefunden?"

"Er hat schreckliche Wunden, aber er wird es schaffen", antwortete der junge Heilerschüler und klang erschöpft. "Flammenblume ist wohlauf. Sie hilft gerade die Jungen zu beruhigen"

Pilzohr, die anscheinend während Dornenpfote geschlafen hat das Nest verlassen hat, trat zu den Wurfgefährten. "Qualmpfote, du musst dich ausruhen, dass hast du dir verdient"

"Aber es wurden noch nicht alle behandelt", widersprach der orange Kater, doch wurde von einem Gähnen unterbrochen. Pilzohr warf Qualmpfote einen strengen Blick zu, was ihn aufgeben ließ. Er tappte in seinen Bau um dort zu schlafen.

"Ich fordere alle Katzen auf, die alt genug sind ihre eigene Beute zu fangen, sich hier unter dem Dornenast zu einem Clan-Treffen zu versammeln", miaute Schlangenstern ohne seine Stimme wie gewohnt zu heben. Anscheinend wollte er die schlafenden Krieger nicht wecken. Doch nach einiger Zeit saßen mehr als die Hälfte der Clan-Katzen unterm Dornenast und sahen zu ihrem Anführer hinauf.

"Diese Senke war für uns alle, seid beginn unseres Leben, ein Zuhause", miaute Schlangenstern. "Doch nun, fühle ich mich angreifbar in meinem zuhause"

Zustimmendes Gemurmel erhob sich unter den versammelten Katzen. Auch Dornenpfote plagte dieses Gefühl.

"Deswegen werden wir uns ein neues Lager suchen", machte der graue Anführer seine Entscheidung bekannt.

"Wo sollen wir hin?", fragte Igelfell, der nun der Älteste im Clan war. "Der WolkenClan lebt in dieser Senke seit Anbeginn der Clans. Was würden unsere Ahnen denken, wenn wir einfach wegziehen?"

"Unser Lager ist nah genug an den Sonnenfelsen und den Hochkiefern. Wenn eine Grenzpatrouille angegriffen wird, kommt die Verstärkung früh genug an", argumentierte Natternherz.

"Ich stimme Schlangenstern zu", sagte Spitzkralle mit fester Stimme und erntete einige überraschte Blicke dafür. "Wir müssen dass tun was in diesem Moment für unseren Clan am besten ist. Und das ist das Gefühl von Sicherheit"

"Du redest so als gäbe es einen sicheren Ort auf unserem Territorium wo genug Platz für ein Lager ist", murrte Wespenstich. "Ich bin zwar nicht so alt wie du, aber ich kenne jeden einzelnen Fleck dieses Territoriums und kann an keinen anderen Platz denken außer dieser Senke"

"Ich bezweifle nicht dass du dich nicht auskennst, Wespenstich", mischte sich Pilzohr ein. "Deshalb müssen wir dort suchen wo wir noch nicht waren. Bis jetzt ist noch keiner weit in die Trainingshöhle hineingegangen. Wir sollten sie mehr erkunden"

"Die Höhle würde Schutz vor Kälte und Feinden jeder Art bieten. Mausfang und Haselsturm, ihr werdet in den nächsten Tagen die Trainingshöhle erkunden und herausfinden ob es für ein Lager geeignet ist", entschied Schlangenstern endgültig.

18. Kapitel - Nachtwache

Dornenpfote stapfte durch den Schnee. Seit dem Kampf gegen die Streuner waren schon einige Sonnen untergegangen. Mit zwei dürren Mäusen zwischen den Zähnen trat sie ins Lager. In dem vergangenen halben Mond, hat keiner Kräfte dafür verschwendet das Lager wieder aufzubauen. Die Reste des Schülerbaus lagen immer noch zerstreut in der Senke. Nur die Kinderstube war noch geschützt. Die Moosnester waren am Rande der Senke verteilt, dort wo es am windgeschützten ist. Schüler und Krieger schliefen nicht mehr getrennt, was Dornenpfote sehr entgegen kam. Während ihrer Jagd hat der Clan schon begonnen etwas zu essen. Vorsichtig legte Dornenpfote ihren Fang auf dem Frischbeutehaufen ab. Auch Spitzkralle, der mit seiner Schülerin jagen gewesen war, ließ seine Krähe auf dem Haufen fallen. Der dunkelgraue Kater nahm Dornenpfotes Beute mit zu seiner Gefährtin um mit ihr zusammen zu essen. Die Tigerkätzin entschied sich gegen die Krähe und für die Dohle. Damit ging sie zu Sturmblatt, die selber eine Drossel aß.

"Und? Ist der Fluss zugefroren?", fragte Sturmblatt aufgeregt und erinnerte Dornenpfote an ihre eigentliche Aufgabe.

"Ja", erwiderte sie knapp.

"Bist du aufs Eis gegangen?", fragte Horizontjunges, die die Unterhaltung belauschte, plötzlich. "Fühlt sich Eis genauso an wie Schnee?"

"Der Fluss ist die Grenze zwischen WolkenClan und FlussClan", erklärte Dornenpfote dem Jungen. "Wenn wir das Eis betreten könnte sich der FlussClan bedroht fühlen"

"Horizontjunges!", rief Himbeerglanz nach ihrer Tochter. "Komm sofort wieder in die Kinderstube sonst bekommst du Husten"

Nach einer kurzen Verabschiedungen rannte das schwarz-weiße Junge zu ihrer Mutter.

"Schlangenstern möchte dass Mausfang und ich Himbeerglanz' Junge ausbilden", teilte Sturmblatt ihrer Freundin mit. "Ich bin mir aber nicht sicher ob das die beste Wahl ist"

"Warum? Ihr seid beide gute, junge Krieger und neue Herausforderungen können nie schaden", erwiderte Dornenpfote und nahm einen Bissen von ihrer Dohle.

"Ich habe Angst als Mentorin zu versagen", gestand die gescheckte Kätzin mit gesenkter Stimme. "Ich habe nicht so viel Erfahrung wie andere Krieger"

"Du hast recht", stimmte Dornenpfote ihrer Freundin zu. "Du bist unerfahren, doch dass hält dich nicht davon ab eine gute Mentorin zu sein"

Sturmblatt antwortete daraufhin nicht mehr, weshalb sie schweigend nebeneinander lagen und aßen. Dornenpfote überlegte Sturmblatt ihr Geheimnis über Falkenfeder anzuvertrauen. Seit dem Kampf gegen die Streuner haben sie sich schon dreimal getroffen und diese Nacht soll schon das nächste Treffen sein.

"Ich hoffe wir können bald umziehen", seufzte Sturmblatt und machte es sich in ihrem Nest bequem. "In der Höhle währen wir auch vor dieser schrecklichen Kälte geschützt"

Nach diesen Worten kam Mausfang und Haselsturm ins Lager. Die beiden Krieger haben die Aufgabe die Trainingshöhle zu erkunden, um herauszufinden ob es sich als neues Lager eignen würde. Dornenpfote entschied sich jedoch dafür, sich noch ein wenig auszuruhen bevor sie zum Baumgeviert gehen würde. Sie drehte sich ein paar mal im Kreis bevor sie die gemütlichste Stelle in ihrem Nest fand. Dornenpfote schloss die Augen doch bemühte sich nicht einzuschlafen.

Es fühlte sich für die junge Kätzin wie eine Ewigkeit an, bis ihre Clangefährten endlich schliefen. Langsam öffnete Dornenpfote ihre Augen und versuchte zu erkennen wer Nachtwache hielt. Es war Pilzohr, die ruhig in der Nähe des Ausgangs saß. Die Tigerkätzin wusste, dass sie schnell sein musste wenn sie unbemerkt bleiben wollte. Sie legte sich anders hin damit sie bereit war loszulaufen sobald Pilzohr ihre Position verließ. Doch die schildpattfarbene Kätzin bewegte sich nicht vom Fleck. Als Dornenpfote schon anfing einen anderen Weg aus dem Lager zu suchen blickte sich Pilzohr um. Die Tigerkätzin wagte es nicht sich zu bewegen, aus der Furcht die Kriegerin könnte sehen, dass sie nicht schlief. Einige Herzschläge später stand Pilzohr auf und tappte an Dornenpfote vorbei in die Lagermitte. Dies nutzte die Schülerin aus und lief blitzschnell aus dem Lager hinaus. In Gedanken betete sie zum SternenClan, dass Pilzohr sie nicht gehört oder gesehen hat. Ohne ihre Schritte zu verlangsamen preschte sie über die weiten Wiesen in Richtung Sonnenfelsen. Auf ihrem weiteren Weg zum Baumgeviert traf sie eine Erkenntnis: ihre Mutter Flammenblume hat vor einigen Blattwechseln genau dasselbe getan wie sie jetzt. Nachts gewartet bis alle schliefen und sich dann aus dem Lager schleichen um zum Baumgeviert zu laufen.

"Dornenpfote", begrüßte der Vater seine Tochter liebevoll. Die angesprochene schmiegte sich an den Tigerkater. "Weißt du schon ob du mit zur nächsten Großen Versammlung darfst?"

"Es war doch gerade erst Halbmond", erwiderte Dornenpfote amüsiert. "Aber wenn ich mich beim Training anstrenge wird Spitzkralle mich mitnehmen"

"Dann zeige ihm, was du alles gelernt hast", miaute Falkenfeder. "Heute möchte ich dir zeigen, wie du fast lautlos rennst. Eigentlich ist es für die Hasenjagd, doch es kann auch in anderen Situationen helfen"

Dornenpfote nickte eifrig und war bereit von ihrem Vater zu lernen. 

19. Kapitel - Das neue Lager

Die Sonne blendete Qualmpfote, als er aus dem dunklen Heilerbau trat. Doch es störte ihn nicht sonderlich, da Sonnenschein eine schöne Abwechslung zu Schnee und eisigen Winden war. Als er gerade mit einer morgendlichen Wäsche anfangen wollte, erinnerte er sich daran warum er eigentlich aufgestanden war. Schlangenstern hatte den Clan zu einer Clanversammlung berufen. Pflichtbewusst setzte er sich auf seinen Posten neben seinem Mentor Amselfeder. Qualmpfotes Blick fiel auf seine Schwester Dornenpfote, die noch immer in ihrem Nest am Rande der Senke schlief. Da er schon auf seiner Position saß, konnte er nicht unauffällig zu ihr gehen und sie aufwecken. Auch Schlangenstern bemerkte die schlafende Schülerin. Viele Krieger folgten seinem Blick und schon bald schaute der ganze Clan auf die getigerte Kätzin. Schließlich löste sich Sturmblatt aus der Menge und tappte zu ihrer Freundin. Sie flüsterte Dornenpfote etwas ins Ohr und tippte sie mit der Vorderpfote an. Der ganze Clan beobachtete wie die Tigerkätzin aufwachte und peinlich berührt neben Sturmblatt in Richtung Dornenast lief.

Schlangenstern räusperte sich verärgert bevor er anfing zu sprechen: "Mausfang und Haselsturm haben nun die Trainingshöhle erkundet und sind zu dem Schluss gekommen, dass es ein perfektes Lager abgeben würde. Wir werden noch heute umziehen"

Spitzkralle, der wie immer auf seinem Baumstumpf saß übernahm das Wort: "Die Beute ist rar weshalb wir so viele Jagdpatrouillen wie möglich aussenden müssen. Wir teilen für heute den Clan in drei Gruppen auf. Heiler, Älteste, Schüler, Königinnen und Junge sind die ersten die sich von Mausfang das neue Lager zeigen lassen. Währenddessen wird Goldkralle mit Natternherz und Sturmblatt die DonnerClan-Grenze kontrollieren"

"Was ist mit mir?", fragte Dämmerpfote, die eigentlich erwartet hatte mit ihrem Mentor Goldkralle auf Patrouille zu gehen. Spitzkralle warf der blauäugigen Schülerin einen warnenden Blick zu. Er mochte es nicht wenn man ihn unterbrach.

"Alle Schüler werden heute neue Moosnester machen", miaute der Zweite Anführer. "Falls ihr frühzeitig fertig seid helft ihr Amselfeder und Qualmpfote die Kräuter ins neue Lager zu bringen"

Qualmpfote senkte den Blick auf seine Pfoten. Der Kräutervorrat ist durch die Blattleere sehr zur Neige gegangen und er bezweifelte dass es lange dauern würde die wenigen Blätter und Beeren zur Trainingshöhle zu tragen.

"Ich möchte dass der Rest von euch bis Sonnenhoch jagt. Sucht überall nach Beute nicht nur in unseren gewöhnlichen Jagdgebieten", befahl Spitzkralle. "Bei Sonnenhoch werden Sturmblatt, Goldkralle, Natternherz, Wespenstich und Flammenblume sich um neuen Lager zurechtfinden. Außerdem führe ich eine Patrouille zur FlussClan-Grenze mit Schneebart und Dornenpfote"

"Warum darf Dornenpfote auf Patrouille gehen, während wir Nester machen müssen?", murrte Nusspfote laut genug um von allen verstanden zu werden.

"Weil Dornenpfote nicht ihren Zweiten Anführer unterbricht, während er Befehle erteilt", fauchte Spitzkralle den jungen, braunen Kater an. Dieser zuckte überrascht und machte sich etwas kleiner.

"Vor Sonnenuntergang wird sich der Rest das Lager angucken", redete Spitzkralle weiter als ob nichts gewesen wäre. "Brecht jetzt auf. Dämmerpfote und Nusspfote kommt zu mir bevor ihr das Lager verlasst"

Qualmpfote war jedesmal aufs neue davon überrascht, wie gut Spitzkralle solche Sachen in kürzester Zeit organisierte. Die Versammlung löste sich langsam auf. Die ersten verließen das Lager, Langfell verschwand in der Kinderstube um den Jungen über die Neuigkeiten zu berichten, Dämmerpfote und Nusspfote wechselten einen ängstlichen Blick, bevor sie mit gesenktem Kopf zu Spitzkralle tappten. Liebend gern hätte Qualmpfote zugehört wie der Zweite Anführer den beiden Schülern eine Standpauke hielt, jedoch hatte er Pflichten, die ihm wichtiger waren. Der orange Kater lief zurück ins seinen Bau und kratzte die wenigen Kräuter zusammen auf einen Haufen. Seine Vermutung bestätigte sich nochmal: sie würden nicht viel Hilfe brauchen diesen winzigen Haufen Blätter und Beeren in den neuen Bau zu bringen.

"Lass die Kräuter erstmal hier", miaute Amselfeder, sein Mentor. "Wir werden erstmal den Königinnen helfen sicher zur Trainingshöhle zu kommen. Dann kümmern wir uns um die Kräuter"

"Seit wann machst du dir denn Sorgen um das Wohl Anderer?", fragte Qualmpfote obwohl er wusste, was das bewirkte. Zu seinem Glück erwiderte Amselfeder nichts sondern wandte sich nur verärgert von seinem Schüler ab.

Qualmpfote folgte seinem Mentor aus dem stickigem Bau. Sein Blick viel kurz auf Dornenpfote, die gerade mit Krallenpfote das Lager verließ. Er beeilte sich um seine Schwester einzuholen.

"Nimmst du gar keine Kräuter mit?", fragte Dornenpfote verwundert, als sie den orangen Kate bemerkte.

"Amselfeder möchte erst den Königinnen helfen", antwortete Qualmpfote und erntete einen ungläubigen Blick aus den bernsteinfarbenen Augen seiner Schwester. 

"Krallenpfote, wer als erstes beim neuen Lager ist!", Dämmerpfote sauste an den drei Schülern vorbei. Nusspfote war ihr dicht auf den Fersen. Krallenpfote rannte nun auch seinen Wurfgefährten hinterher.

"Du weißt, dass du gewinnen würdest, wenn du mitmachst oder?", fragte Qualmpfote Dornenpfote

Diese nickte nur abwesend und fragte nach einer Weile: "Was ist los mit dir? Du wirkst so... ängstlich"

Qualmpfote seufzte und wusste nicht ob er seiner Schwester alles erzählen sollte. Von der Erinnerung bis zur Warnung vom SternenClan. Schließlich entschied er sich keine Geheimnisse vor seiner Wurfgefährtin haben zu wollen: "Ein Heilerschüler zu sein ist.. verwirrend. Der SternenClan zeigt oder sagt mir etwas und ich weiß einfach nicht was ich damit anfangen soll"

"Warum bittest du nicht Amselfeder um Hilfe?", fragte Dornenpfote. Nach einem kurzen Blickwechsel wussten beide, dass Amselfeder keine große Hilfe sein würde. "Worum geht es denn?"

"Ich habe eine Erinnerung gesehen", erklärte der Heilerschüler langsam. "Es war nicht meine sondern die von Schlangenstern bei seiner Anführerzeremonie. Und ein Kater hat etwas seltsames die Schlangenstern gesagt"

Dornenpfote schwieg und ließ Qualmpfote ausreden. "Er sagte dass Flammenblume drei Junge bekommen würde und er bat ihn auf sie Acht zu geben."

"Ich glaube du machst dir unnötig Sorgen", sagte Dornenpfote nach einer langen Zeit der Stille. "Falls wir noch einen Wurfgefährten haben, ist er kurz nach der Geburt gestorben. Sonst wüssten wir davon"

"Vermutlich hast du Recht", seufzte Qualmpfote und betrat die Trainingshöhle. Dort wartete schon der graue Kater Mausfang um sie durchs neue Lager zu führen. Nusspfote und Dämmerpfote kämpften mit eingezogenen Krallen gegeneinander während Krallenpfote seinen Geschwistern zusah. Nach kurzer Zeit kamen auch Amselfeder, Frostfeder, Himbeerglanz, Langfell und die Jungen.

"Da jetzt alle da sind können wir anfangen", sagte Mausfang und verschwand in einem Tunnel, den Qualmpfote zuvor nicht gesehen hatte. Der Eingang war ziemlich klein so dass keine zwei Katzen gleichzeitig durchpassten. Horizontjunges wollte Mausfang begeistert folgen doch sie wurde von ihrer Mutter zurückgehalten. So kam es dass Qualmpfote als zweites durch das kleine Loch schlüpfte. Seine Augen brauchten eine Weile um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.

"Bleibt dicht zusammen", miaute Mausfang. "Solange ihr euch hier noch nicht auskennt, ist es gefährlich" Nach dem sie ungefähr drei Baumlängen einem schmalen Gang gefolgt sind wurden die Wände breiter und plötzlich standen sie an einer Gabelung.

"In diese Richtung geht es zu einer anderen Höhle doch dort endet der Gang", erklärte der graue Kater und deutete auf einen Tunnel der weiter nach unten führte. "Gerade aus würde es zum Schülerbau gehen doch erstmal zeige ich euch die Versammlungshöhle"

Mausfang wählte den dritten Tunnel und seine Patrouille folgte ihm neugierig. Sie kamen schließlich in einer großen Höhle an. Qualmpfote schaute sich erstaunt um. Ein unterirdisches Lager war zwar gewöhnungsbedürftig aber er könnte sich damit abfinden.

"Von hier aus starten viele Tunnelsysteme. Ich werde euch durch jeden einzelnen führen damit ihr das ganze Lager gesehen habt", entschied Mausfang.

LagerWolkenClanFallendeSterne

Das neue Lager des WolkenClans

20. Kapitel - Von Vater zu Vater

folgt...

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