Jeder der meine Geschichte liest darf Rechtschreibfehler korrigieren
Ein Herz für vier Clans
A heart for four clans
Allgemeines
Autor: XXLaubwirbelXx
Details
Erstveröffentlichung: 04.07.2020
Chronologie
Vorgänger
Finstere Zeiten
Nachfolger
Wütender Stern

Ein Herz für vier Clans Cover-0.png

Meine zweite Hauptgeschichte

Wild rabbit warriors

Hierarchie meiner Staffel -Der Ursprung der fünf Clans- 

Hierarchie von "Der Ursprung der fünf Clans"

Wichtige Info:

In dieser Geschichte gibt es eine Stelle wo ihr eure Fantasy benutzen müsst. Denn ich werde ein Lied einfügen und ich bin nicht fähig selber ein Video von dieser Stelle zu erstellen, deshalb müsst ihr an dieser Stell eure Fantasy benutzen.

Hierarchie 

Mondclan

Anführerin

Nachtmond - Schwarze Kätzin mit blauen Augen

Heilerin

Sonnentüpfel - cremefarbene Kätzin mit leuchtend grünen Augen

Krieger

Donner- breitschultriger orangefarbener Kater mit weißen Pfoten

Himmelsstern - golden getigerte Kätzin mit grünen Augen

Blitzschweif - schwarzer Kater

Blatt - schwarz-weißer Kater

Wolfsruf - schwarz-rotbraun gefleckte Kätzin

Klee - rot-weiße Kätzin

Silberdistel - rotbrauner Kater

Schüler

Dämmerwolke - ein weißliche Kätzin wo ihre dunklen Verfärbungen am Kopf, Beinen und Schweif schon zu sehen sind.

Schattensprung - ein schwarzer Kater mit den bernsteinfarbenen Augen seines Vaters

Wolkenclan

Anführer

Wolkenhimmel- hellgrauer Kater mit blauen Augen

Heiler

Wolkenfleck - langhaariger, schwarzer Kater mit weißen Ohren, weißer Brust und zwei weißen Pfoten

Krieger

Eichelfell - rotbraune Kätzin

Dorne - räudige Kätzin mit fleckigem Fell

Sperlingfell - schildpattfarbene Kätzin

Flinkes Wasser - grau-weiße Kätzin

Nessel - grauer Kater

Birke - roter Kater

Erle - grau-weiße Kätzin

Blüte - schildpattfarbene-weiße Kätzin

Sturm - blasse silbergraue getigerte Kätzin mit grünen Augen

Eulenauge - grauer Kater

Ältester

Rotauge - alter, weißer, halb blinder Kater

Flussclan

Anführer

Strömender Fluss - silbergrauer Kater mit grünen Augen

Heilerin

Getupfter Pelz - zierliche, schildpattfarbene Kätzin mit goldgelben Augen

Krieger

Brechendes Eis - grau weißer Kater mit grünen Augen

Nacht - schwarze Kätzin

Niesel - grau weiße Kätzin mit hellblauen Augen

Morgennebel - weiß orange Kätzin mit grünen Augen

Moosschwanz - dunkelbrauner Kater mit goldenen Augen

Kiefernadel - schwarzer Kater mit gelben Augen

Birkenfell - brauner Kater mit dunkel braunem Muster

Schattenclan

Anführerin

Großer Schatten - schwarze Kätzin mit dickem Pelz und grünen Augen

Heiler

Kieselherz - braun getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen

Krieger

Honigfleck - weiße Kätzin mit hell braunen Flecken

Sonnenschatten - schwarzer Kater

Zackiger Berg - grau getigerter Kater

Distel - schwarze Kätzin mit abstehendem, buschigem Fell

Mausohr - getigerter Kater mit kleinen Mauseohren

Schlammpfote - hellbrauner Kater mit schwarzen Pfoten

Schüler

Sturmpelz - grauer Kater mit dichtem Fell

Taunase - braun getigerte Kätzin mit weißer Schnauze und Schwanzspitze

Adlerfeder - brauner Kater

Windclan

Anführerin

Windläufer - drahtige, braune Kätzin

Heilerin

Mottenflug - weiße Kätzin mit grünen Augen

Krieger

Ginsterpelz - magerer, grau getigerter Kater

Schiefer - dunkelgraue Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen

Grauer Flug - schlanker, grauer Kater mit goldgelben Augen

Fleckenfell - goldbrauner Kater mit geflecktem Fell

Flosse - grau-weiße Kätzin

Schilf - silbergrau getigerter Kater

Staubnase - grau getigerter Kater

Schüler

Silberstreif -hellgrau getigerte Kätzin mit kurzem Fell und blauen Augen

Weißschwanz - dunkelgrauer Kater mit weißen Flecken, kurzem Fell und bernsteinfarbenen Augen

Schwarzohr - Schwarz- weiß gefleckter Kater mit dickem Fell und bernsteinfarbenen Augen

Rückentitel

Dämmerwolke und Schattensprung, die zwei Jungen von Nachtmond und Donner, sind dem Mondclan beigetreten. Der Wunsch beider Jungen ist ein Krieger zu sein und dem Clan zu dienen. Während Schattensprung dies gelingt, wendet sich Dämmerwolkes Schicksal gegen ihren Willen auf den Pfad einer Heilerkatze. Dämmerwolke zeigt aber kein Interesse daran und zürnt dem Sternenclan, weswegen sie ihm ausweicht. Stattdessen packt sie ihre Neugier und sie schleicht sich immer wieder in die Territorien der anderen. Den eindringlichen Warnungen ihrer Mutter zum Trotz schleicht sie sich eines Tages außerhalb der Territorien und ist auf völlig unbekanntem Gebiet. Sie trifft auf einen Streuner, der ihr verspricht, ihr alles über das Streunerleben zu erzählen, wenn sie im Gegenzug ihm alles über die Clans erzählt. Neugierig wie sie ist kann Dämmerwolke nicht widerstehen und gibt die Geheimnisse der Clans preis. Sie ahnt nicht, das dies ein großer Fehler war und am Ende muss jemand, der ihr sehr am Herzen liegt, mit dem Leben bezahlen.

Prolog

EIN KALTER WIND weht über die Lichtung voller Katzen, er trägt den Geruch des Waldes mit sich und verstreut ihn quer über die Lichtung. Der eisige Wind zupft an dem Fell der Katze und die Kälte bohrt sich wie ein Dorn tief in ihre Haut. Der Wind ist das einzigste Geräusch, die Vögel schweigen und man spürt die eisigen Blicke der verschiedenen Katzen.

Ein langhaariger, dunkel getigerter Kater mit weißen Brustfell und weißen Bauch, sitzt, in aufrechter Haltung, auf einem Stein. Aus seinen weißen Pfoten fährt er die spitzen Krallen heraus, die in der Sonne aufblitzen, und seine Bernsteinfarbenen Augen starren gerade aus. Ein weiße Kätzin mit brauen Pfoten schleicht um ihn herum, "Wer ist unser Feind?" fragt die weiße Kätzin energisch. Der getigerte Kater bewegt sein weißes Maul, "Die Clans." sagt er gefühllos. "Welche Katze hat deinen Vater getötet?" fragt die Weiße wieder. "Nachtmond." knurrt der Getigerte. Die weiße Kätzin bleibt stehen und starrt den Kater unverwandt an, er starrt jedoch weiter gerade aus und lässt sich nicht von ihrem Blick ablenken. "Und was musst du tun?" miaut die Kätzin mit einem unterschwelligen Knurren. "Ich muss sie töten!" faucht der Kater und zeigt die Zähne. Die weiße Kätzin grinst zufrieden, unzählige Katzen um sie herum miauen triumphierend auf. Sie fauchen und jubeln als wäre etwas großartiges passiert.

"Du bist bereit, Wolkenbruch." miaut die weiße Kätzin finster. Wolkenbruch löst sich von dem starren Blick und schaut zu der weißen Kätzin, "Bist du dir auch sicher, Lilie?" fragt er verunsichert. "So, wie du meinen Vater beschrieben hast war er sehr stark und clever, wurde aber trotzdem besiegt. Wie soll ich das denn dann schaffen?" miaute er frustriert. "Ganz sicher nicht, indem du dich wie ein Junges benimmst. Zweifel haben keinen Platz in deinem Herzen!" faucht Lilie. "Aber ich bin ja auch an deiner Seite, ich war dabei als Aschenfeuer..." Lilie verstummt und in ihren Augen blitzt Reue auf. "Gescheitert ist." zischt sie dann. "Wenn wir uns an den Plan halten, dann wird das funktionieren, sie dich nur um." sagt sie und deutet mit ihrem Schwanz auf die vielen Katzen, die um sie herum sitzen. Wolkenbruch lässt seinen Blick schweifen, "Es sind deutlich mehr zu allem entschlossene Streuner als Aschenfeuer damals besessen hat. Sie sind bereit, dir zu folgen und zögern nicht, zu töten." Lilie kneift die Augen zusammen und grinst, sie scheint sich des Sieges sicher zu sein.

Wolkenbruch springt von dem Felsen, "Du hast recht. Ich werde den Tod meines Vaters rächen." knurrt er. Wolkenbruch malt sich ein Bild aus, seine Mutter hat ihr Nachtmond deutlich beschrieben. Er sieht, wie sie unter seinen Pfoten liegt, ihr schwarzer Pelz blutverkrustet und ihre blauen Augen geweitet vor Angst. Er hört Nachtmonds ängstliche Stimme schon förmlich sagen, "Bitte verschone mich." Aber von seiner Mutter hat er gelernt kein Mitleid zu haben, Wolkenbruch zögert keinen Herzschlag lang und beißt der Mörderin von Aschenfeuer die Kehle durch. Dann erschlafft sie und Wolkenbruch hat gesiegt und seine Rache vollendet.

Er blinzelt sich in die Wirklichkeit zurück, ihm ist bewusst das es noch dauern wird, bis es soweit kommt. Doch er freut sich aber schon auf den Moment, das Blut in seinem Mund zu schmecken und zu spüren, wie seine Krallen in das Fell der Clankatzen dringt und er eine nach der anderen tötet. Er hat Monde über Monde lang dafür trainiert, seit er laufen kann, hat seine Mutter ihn für diesen Tag ausgebildet. Lilie sagt, er sei stärker als Aschenfeuer und das erfüllt Wolkenbruch mit Stolz und Zuversicht, das er sein Ziel erreichen kann. Er hat gegen alle Streuner gekämpft die sich ihm angeschlossen haben, am Anfang war es schwer. Aber dann hat er jede Kampftechnik beherrscht, ist stärker und schneller geworden und nun siegt er sogar, wenn drei Streuner sich gleichzeitig auf ihn stürzten.

"Wolkenbruch." Lilie reißt ihn aus seinen Erinnerungen. "Wir werden noch mal üben, unter Wasser zu kämpfen, Strom wird dir wieder dabei helfen." Wolkenbruch tappt zu seiner Mutter. Strom ist ein schneller und starker Kater, er sieht seinen hellen blau grauen Pelz aufblitzen. Strom ist ein ausgezeichneter Kämpfer unter Wasser, er hat ihm beigebracht, wie man aus einer misslichen Lager unter Wasser entkommt. Aber Strom und Lilie sind nicht die einzigen Katzen, die Wolkenbruch etwas beigebracht haben.

Zug, eine helle cremefarbene Kätzin ab deren Hälfte ihres Rückens braune Punkte beginnen, hat seine Schnelligkeit trainiert. Kralle, ein starker brauner Kater, hat ihm gelehrt, sich schnell auf Bäumen fortzubewegen. Ginster, eine recht dunkel graue Kätzin mit einer weißen Schwanzspitze, hat mit ihm geübt, sich lautlos in den Schatten zu bewegen. Und seine Mutter hat ihm Geduld beigebracht. Wolkenbruch ist perfekt vorbereitet. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er Phase zwei seines Planes in die Tat umsetzen kann. Wenn das geschafft ist, folgt Phase drei, die Rache für Aschenfeuer.

Er will Nachtmond nicht nur bluten, sondern auch leiden und sterben sehen, er will, das alle dafür bezahlen.

Kapitel 1

ZWÖLF MONDE sind vergangen, seit die Streuner besiegt worden sind und Nachtmond zur Anführerin des MondClans ernannt wurde. Trotzdem kann Nachtmond sich noch sehr lebhaft an den Tag erinnern, als sie den Wolkenclan verlassen hat. Sie hat es laut verkündet.

"Ich werde mit dir kommen, ich möchte dich nicht noch einmal verlieren!" hatte Donner gesagt, kaum das sie es ausgesprochen hatte. Nachtmond hätte vor Freude laut aufjaulen können, sie war dankbar, das Donner mit ihr kam. "Wenn du gehst, gehe ich auch!" verkündete Blitzschweif gleich darauf. Nachtmond konnte deutlich sehen, wie erleichtert Donner darüber war, das sein Freund ihn begleiten würde. Wolfsruf hat sich mit ihren Jungen ebenfalls angeschlossen, sie meinte, das sie Nachtmond viel zu verdanken hätte und das sie zum Dank dafür dem MondClan dienen möchte. Und weil Wolfsruf mitkam, wollte Blatt auch mitkommen, die beiden sind schon halbe Gefährten, das einzige was fehlt, ist das Liebesgeständnis. Himmelsstern wollte auch umgedingt mitkommen. "Du warst meine erste Freundin und ohne dich hätte mein Leben ein anderen Lauf genommen." hatte ihre Freundin gesagt. Der Rest ist geblieben, nur Stich hat sich ihnen noch angeschlossen, was für Nachtmond aber nicht überraschend kam. Stich hat sich bei Wolkenhimmel nicht sonderlich wohlgefühlt und Nachtmond freute sich, das ihre Freundin bei ihr blieb.

Nachtmond denkt immer wieder gerne daran zurück, das sich so viele ihr angeschlossen haben, bewies, das man ihr vergeben hat.

"Ich kriege den Moosball zuerst!" jault eine weißliche kleine Kätzin auf, "Nicht wenn ich schneller bin!" miaut ein schwarzer Kater und läuft seiner Schwester hinter her. Der schwarze Kater stürzt sich auf das weiße Junge bevor sie den Moosball erreichen konnte, "Schattensprung, pass auf das du Dämmerwolke nicht wehtust!" mahnt Nachtmond. Schattensprung ist in der Regel ein sehr sanfter Kater, kann aber auch manchmal zu grob sein. Dämmerwolke konnte sich von ihrem Bruder befreien und lief, mit aufgeplustertem Fell, davon. Schattensprung hinterher. Nachtmond schnurrt, Dämmerwolke ist weiß zur Welt gekommen, aber ihr Fell verfärbt sich mit der Zeit. Es ist schon cremefarbener geworden und an ihren Beinen, Kopf und Schwanz sieht man schon deutlich die leichte dunkle Verfärbung. Nachtmond beobachtet die zwei noch einen Moment, Dämmerwolkes blaue Augen blitzen fröhlich auf. Und die bernsteinfarbenen Augen von Schattensprung funkeln in der Sonne, Schattensprung hat die Augen von Donner geerbt und Nachtmond schaut ihm so gerne in die Augen, weil sie denen seines Vaters so ähnlich sehen.

Dann wird Nachtmond durch eine Bewegung am Heilerbau abgelenkt, Sonnentüpfel kommt heraus. Früher hieß sie Stich, doch nachdem sie dem MondClan beigetreten ist wollte sie einen anderen Namen. Sonnentüpfel trägt gerade ein Bündel Kräuter nach draußen und legt es in die Sonne, Nachtmond schnurrt. Sie kann immer noch nicht glauben, das Sonnentüpfel Freude daran hat zu Heilen, das hätte Nachtmond niemals von ihr erwartet. Sie hat sich als Kriegerin auch gut gemacht, aber als der SternenClan die Nachricht übermittelte, das es Heilerkatzen geben soll, hat Sonnentüpfel sofort Gefallen daran gefunden. Sie hat sich jeden Tag mit Wolkenfleck getroffen, der ihr dann alles über Heilkräuter, und wie man sie verwendet, beigebracht hat. Auf großen Versammlungen hat Nachtmond beobachtet, wie sie sich mit den anderen Heilern ausgetauscht hat.

"Donner!" piepsen Dämmerwolke und Schattensprung im Chor. Nachtmond reißt sich von den Gedanken an Sonnentüpfel los und schaut zu ihrem Gefährten auf. Donner empfängt seine Jungen liebevoll, Dämmerwolke krallt sich an seinem Bein fest und hangelt sich hinauf, bis sie auf seinem Rücken sitzt. "Machst du mit mir eine Runde Dachsritt?" bettelt sie. "Oh ja ich auch!" miaut Schattensprung begeistert und zieht sich an Donners anderem Bein hoch. Donner schmunzelt, "Na gut, aber haltet euch gut fest." schnurrt er. Dämmerwolke und Schattensprung bohren ihre winzigen Krallen in das dichte Fell ihres Gefährtes und ducken sich. "Los gehts." miaut Donner und fängt an zu rennen. Dabei trampelt er bewusst fest auf und schwankt hin und her. Die Jungen juchzen begeistert auf. Nachtmond schaut ihnen noch kurz nach, dann tappt sie zum Frischbeutehaufen. Sie hat sich heute Morgen nichts genommen und nun, nachdem Donners Jagdpatrouille zurückgekommen ist, kann auch sie sich bedienen.

Nachtmond beißt in ihre Maus hinein, sie ist noch ein wenig warm. Während sie kaut, beobachtet sie ihre Jungen, sie piepsen fröhlich auf Donners Rücken und ihre Augen glänzen. Nachtmonds Herz wird ganz warm, sie ist froh, Donner zu haben, denn ohne ihn wäre alles viel schwieriger.

Er hat die Verantwortung für den Clan übernommen, als sie die Jungen erwartete. Natürlich hat Nachtmond ihre Anführer Verpflichtungen nicht vernachlässigt. Aber mit der Zeit wurde es immer anstrengender und als die Jungen erstmal auf der Welt waren, hatte sie kaum Zeit, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Donner hat den Clan in der Zeit geführt, er hat Nachtmond immer alles berichtet und die Entscheidungen mit ihr abgestimmt. Jetzt, wo die Jungen schon größer und ein paar Monde älter sind, hat sie ihre Verpflichtungen wieder aufgenommen. Sie kann sich noch daran erinnern das sie befürchtete, der Clan würde es ihr übel nehmen, das sie genau jetzt Junge bekommen hat, dabei war es noch nicht einmal geplant gewesen. Sie hat am wenigsten zum Aufbau des Lagers beigetragen und sie fühlt sich immer noch schlecht deswegen, aber offenbar hatten sich alle mit ihr gefreut und ihr geholfen.

"Lass das liegen, ich mach das schon." hatte Blatt zu ihr gesagt, als sie die Äste hinüber zum Kriegerbau tragen wollte. Jeder freut sich über den Anblick ihrer Jungen und das beruhigt Nachtmond ein wenig. Sie hat so wenig zum Lager beigetragen doch jetzt, da die Jungen Frischbeute essen können,.wird sie wieder mehr mitarbeiten.

Sie schluckt ihren Bissen hinunter und denkt nach. Donner kümmert sich gerade um die Jungen, also hätte sie doch jetzt Zeit, etwas für den Clan tun oder nicht? Sie frisst ihre Maus schnell auf und leckt sich über die Lippen, dann tappt sie zum Heilerbau. Es ist der größte Bau von allen, man kann ihn schon benutzen, aber Sonnentüpfel wollte gerne die Außenwände des Baues verstärken.

Nachtmond tappt zu ihrer Freundin, Sonnentüpfel hebt gerade ein paar Äste auf. "Kann ich helfen?" fragt sie. Sonnentüpfel blick auf, "Brauchst du nicht, ich schaffe das schon alleine." nuschelt sie wegen den Ästen in ihrem Maul. Nachtmond lässt ihren Schwanz hängen, sie möchte ihrer Freundin gerne helfen. "Wirklich? Zu zweit geht es aber schneller." widerspricht sie. Sonnentüpfel schaut sie an und blickt dann an ihr vorbei zu den Jungen, "Na gut. Danke, Nachtmond" sagt sie schließlich. Nachtmond hebt den zweiten Teil der Äste auf und folgt Sonnentüpfel zum Bau, dann fängt sie an, die Äste in die Lücken zu stecken.

"Kannst du die Kräuter in den hinteren Teil des Baues bringen?" Fragt Sonnentüpfel nachdem Nachtmond ihre Äste alle verbraucht hat. Ihre cremefarbene Freundin schnippt mit dem Schwanz auf ein paar Kräuter, die ausgebreitet in der Sonne liegen. "Natürlich." schnurrt Nachtmond, froh darüber zu helfen. "Pass aber auf das du nicht drauf beißt." mahnt Sonnentüpfel, Nachtmond schnippt mit einem Ohr als Zeichen, das sie sie gehört hat.

Sie scharrt die Kräuter auf einen Haufen und hebt sie dann auf, ihr intensiver Geruch steigt ihr in die Nase. Sie schlüpft durch den Eingang und bleibt dann stehen, vor ihr liegen ein paar Nester für die kranken Katzen. Sie sieht einen Eingang in der Wand, eine Art Höhle und geht bis hinten durch, sie erinnert sich an Sonnentüpfels Wort.

>Kannst du die Kräuter in den hinteren Teil des Baues bringen?<

Wurzeln strecken sich über ihrem Kopf und sie riecht die Erde, je weiter sie in die kleine Höhle hineingeht, desto mehr kann sie die Kräuter riechen. Dann erblickt sie eine Felswand, in den Ritzen hat Sonnentüpfel ihre Kräuter gelagert, ratlos starrt Nachtmond auf die vielen verschiedenen Blätter.

Welches Kraut gehört wohin? fragt sie sich. Wegen der vielen verschiedenen Gerüche verwirren Nachtmond, sie kann die Kräuter nicht nach ihrem Geruch sortieren. Schließlich legt sie sie einfach auf dem Boden ab, sie möchte ungerne etwas falsch machen. Dann schaut sie sich um, sie sieht einen kleinen Haufen von dicken Stöcken liegen und weiß genau, wofür die sind. Nachtmond hat bei ihrer Geburt einen Stock zwischen die Zähne bekommen.

In der hinteren Ecke des Baues hängen dicke Wurzeln von der Decke, sie krümmen sich und sehen aus wie verschrumpelte Beute. Sonnentüpfel hat daran Spinnenweben aufgehangen, fast jede Wurzel ist mit einem dicken Bündel Spinnenweben ausgestattet.

Dann verlässt sie den hinteren Teil des Baues wieder und schlüpft dann schließlich ganz hinaus. Nachtmond atmet erleichtert die frische Luft ein, der intensive Kräutergeruch im Bau ist gewöhnungsbedürftig. "Ich habe die Kräuter einfach auf den Boden gelegt, ich wusste nicht wohin sie gehören." gestand Nachtmond und hoffte, Sonnentüpfel würde es verstehen. "Schon in Ordnung." miaut die Heilerin fröhlich und steckt gerade den letzen Ast in den Bau. "Das müsste genug sein." murmelt sie und schüttelt sich die Rinde aus dem Pelz. "Brauchst du noch weitere Hilfe?" fragt Nachtmond aber Sonnentüpfel schüttelt den Kopf. "Ich werde jetzt die Kräuter einsortieren und dabei kannst du nicht helfen." sagt sie. "In Ordnung." miaut Nachtmond und schnippt mit dem Schwanz, sie hätte gerne mehr getan, aber Sonnentüpfel hat Recht, dabei wäre sie wirklich keine Hilfe. "Ich danke dir trotzdem, das du mit geholfen hast." miaut ihre Freundin zum Abschied und schlüpft dann in ihren Bau.

Nachtmond ist auf dem Weg zurück zu ihren Jungen, sie fühlt sich jetzt besser, nachdem sie etwas nützliches getan hat.

Donner liegt ausgestreckt im Schatten, während Dämmerwolke und Schattensprung auf ihm herumtollen, "Na, haben die zwei dir die Kraft geraubt?" miaut Nachtmond neckend und legt sich zu ihrem Gefährten. Der Boden kühlt ihren Pelz und Nachtmond schnurrt als Donner ihr über die Ohren leckt. "Sie werden immer schwerer." miaut er belustigt.

Plötzlich spürt sie ein Gewicht auf ihrem Rücken, Nachtmond linst nach oben und sieht den hellen Pelz ihrer Tochter. Donner hat recht, sie werden tatsächlich immer schwerer. Es wird nicht mehr lange dauern da werden meine Jungen keine Jungen mehr sein. denkt sie mit einem Anflug von Wehmut.

So viel Zeit ist noch nicht vergangen und trotzdem sind sie schon fast bereit das Lager zu verlassen und das Jagen und Kämpfen zu lernen. Nachtmond denkt an Klee und Silberdistel, sie sind bereits gute Jäger und befassen sich jetzt mit Kampftechniken. Eines Tages werde ich meine zwei Jungen trainieren, denkt sie schnurrend.

Sie lässt ihren Blick durch das Lager schweifen, sie sieht Wolfsruf und Blatt, die sich Zungen geben. Klee und Silberdistel trainieren zusammen und üben die neuen Kampftechniken, Nachtmond schnurrt. Sie erinnert sich noch daran wie klein die beiden waren, als sie dem Wolkenclan - damals noch Wolkenhimmels Lager, beigetreten ist. Sie haben spät ihre Ausbildung angefangen, machen sich aber gut. Sie sind so groß geworden, fast schon erwachsende Katzen, dabei waren sie damals kaum Pfotevoll.

Nachtmond blick auf ihre Jungen und hofft das sie nicht ganz so schnell erwachsen werden, sie ist gerne Mutter und möchte sie noch eine Zeit lange ihre Jungen nennen können.

Kapitel 2

DÄMMERWOLKE ÖFFNET blinzelnd ihre Augen, ihr Bruder Schattensprung liegt noch schlafend neben ihr. Er hat sich in das weiche Fell von Donner gekuschelt, der ebenfalls noch schläft. Nur ihre Mutter ist verschwunden, Dämmerwolke kann sich genau daran erinnern, wie sie sich am Abend zuvor in das weiche Fell ihrer Mutter gekuschelt hat und nun ist sie nicht mehr da.

Die Müdigkeit überkommt sie erneut und Dämmerwolke schließt ihre Augen und legt ihren Kopf auf die Pfoten, sie kommt bestimmt gleich wieder. sagt sie zu sich selbst. Aber dann schlägt sie ihre Augen wieder auf, Dämmerwolke hat außerhalb des Baues Stimmen gehört. Sie lauscht und erkennt die Stimme ihrer Mutter, sie möchte aufspringen, zu ihr rennen und sie fragen, wieso sie nicht mehr im Nest ist. Aber sie hält ihre Pfoten still, vielleicht ist es etwas wichtiges, das Junge noch nichts angeht? Aber nach einigen Herzschlägen hält sie es einfach nicht mehr aus. Dämmerwolke war schon immer sehr neugierig und nun packt auch hier ihre Neugier sie wieder.

Leise schleicht sie sich aus dem Nest, sie zuckt zusammen, als Schattensprung anfängt zu schnarchen. Sie versucht, leise zum Ausgang des Baues zu schleichen und linst durch den Flechtenvorhang, dann merkt sie erst, wie früh es noch ist. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, die Sterne beginnen zwar langsam zu verblassen, aber der Himmel ist immer noch dunkel. Die Vögel, die sonst immer fröhlich ihr Lied zwitschern, schlafen auch noch und draußen auf der Lichtung ist keine Katzenseele.

Aber dann erblickt sie ihre Mutter, sie sitzt vor dem Bau, ihr Fell steht an manchen Stellen noch vom Schlafen ab. Offenbar ist es etwas Wichtiges, sonst hätte ihre Mutter sich vorher gepflegt. Dämmerwolke kann noch eine Katze erkennen und späht langsam an Nachtmond vorbei, dann erkennt sie die helle Gestalt von Sonnentüpfel. Dämmerwolke hält den Atem an, wenn Nachtmond mit Sonnentüpfel spricht ist es garantiert etwas Wichtiges. Sonnentüpfel ist die Heilerin des Clans, die hat bestimmt eine Nachricht vom Sternenclan bekommen. Dämmerwolke weiß, das es sie eigentlich nichts angeht, aber sie muss es wissen. Sie neugieriger als der ganze Sternenclan, sie spitzt die Ohren und lauscht auf die Worte der zwei Katzen.

"Und du bist dir sicher, das es deswegen ist?" fragt Nachtmond, in ihrer Stimme klingt etwas besorgt. Sonnentüpfel nickt finster, "Sie hat uns doch gedroht und wir wissen beide, das die Zeit gekommen ist. Es ist unmöglich, das die Prophezeiung etwas anderes meint." miaut Sonnentüpfel mit belegter Stimme. Nachtmonds Augen glimmen besorgt auf, "Nun gut, dann müssen wir uns vorbereiten. Die Patrouillen werden gründlicher vorgehen und wir werden die Kampftechniken wiederholen. Außerdem werde ich meinen Jungen ein paar Züge zeigen. Ich will nicht das sie vollkommen wehrlos sind, wenn wir angegriffen werden." miaut ihre Mutter und zuckt angespannt mit dem Schwanz. Dämmerwolkes Pelz kribbelt aufgeregt, sie würden jetzt schon lernen zu kämpfen, dabei sind sie noch nicht mal fünf Monde alt. Klee und Silberdistel haben ihre Ausbildung erst mit sieben Monden vernünftig angefangen, sie würden also schneller Krieger werden als die beiden.

"Was ist mit den anderen Clans, müssen wir sie nicht warnen?" fragt Sonnentüpfel, ihr Kräutergestank wird auf Dämmerwolke zugeweht, so das sie fast würgen musste. Beute riecht viel besser, die Kräuter riechen ekelhaft. Dämmerwolke würde niemals freiwillig auf die Idee kommen, eine Heilerkatze zu werden, lieber würde sie Krähenfraß fressen. "Teile es den andren Heilerkatzen bei Halbmond mit." beschließt Nachtmond, Sonnentüpfel nickt. Ihre Mutter macht kehrt und Dämmerwolkes Pelz stellt sich vor Schreck auf. Wenn sie beim Lauschen erwischt würde, bekäme sie mächtig Ärger. Zum Nest zurück zu rennen würde nicht funktionieren, sie wäre zu langsam. Dämmerwolke macht sich klein und schließt die Augen, sie hofft ein Wunder, das sie aus dieser Situation rettet.

Dämmerwolke hört den Flechtenvorhang rascheln, "Nachtmond." flüstert Sonnentüpfel ihre Anführerin zurück. Dämmerwolke hört, wie ihre Mutter sich entfernt und atmet erleichtert aus, sie wollte schnell zurück ins Nest, jedoch bleibt sie noch einen Moment länger, sie will unbedingt hören, was Sonnentüpfel zu sagen hat. "Wann, denkst du, werden sie angreifen?" flüstert die Heilerin. Nachtmond zuckt ratlos mit den Schultern, "Wiederhole noch einmal die Prophezeiung." bittet ihre Mutter.

Sonnentüpfel räuspert sich, "Wenn der Schatten unruhig ist, die Wolken voller Grau sind, der Wind nicht mehr Jagd und der Fluss nicht mehr strömt, wird daraus die Glut der Asche emporsteigen." Dämmerwolke spitzt interessiert die Ohren, eine echte Prophezeiung, staunt sie. "Halber Mond hat dann noch gesagt, das die Dämmerung woanders aufgehen muss." flüstert Sonnentüpfel nachdenklich. "Aber man kann doch die Dämmerung nicht kontrollieren." miaut sie verwirrt. Nachtmond runzelt nachdenklich die Stirn, "Halte nach weiteren Zeichen ausschau, ich denke wir müssen einfach auf einen Tag warten, wo die Schatten, der Wind, die Wolken und der Fluss sich anders verhalten." murmelt ihre Mutter. "Mag sein, aber was ist dann mit den letzten Worten von Halber Mond?" fragt Sonnentüpfel, aber Nachtmond zuckt nur mit den Schultern, "Ich denke wir müssen abwarten." miaut sie.

Nachtmond wandte sich schon zum gehen, als Sonnentüpfel noch etwas flüstert, das Dämmerwolke nicht hören kann. Schnell huscht sie wieder in ihr Nest, sie möchte nicht von Nachtmond entdeckt werden. Sie kuschelt sie eng an ihren Bruder und schließt schnell die Augen, als ihre Mutter den Bau betritt. Nachtmond legt sich vorsichtig wieder ins Nest. Dämmerwolke spürt wie besorgt ihre Mutter ist und fragt sich, wie ernst die Lage ist. Aber egal was passiert, es gibt nichts, das der Mondclan nicht schaffen kann.

Die Wärme macht sie schläfrig, sie atmet den vertrauen Duft ihrer Mutter ein und dann schläft sie wieder ein.

Dämmerwolke wird von dem Gezwitscher der Vögel wach, sie öffnet ihre Augen und springt aufgeregt auf ihre Pfoten. Sie merkt, wie müde sie noch ist, aber das ist ihr egal, ihre Mutter hatte gestern Nacht gesagt, sie würde ihren Jungen das Kämpfen lehren. Vielleicht fängt sie heute schon damit an und das will sie natürlich nicht verpassen, "Wach auf!" quiekt sie und stubst ihren Bruder unsanft an. Er ist der einzige der noch schläft, Donner und Nachtmond müssen schon draußen auf der Lichtung sein. Schattensprung blinzelt sie verschlafen an, "Aufstehen, du Siebenschläfer." miaut sie und huscht dann schnell aus dem Bau.

Sofort entdeckt sie ihre Mutter und ihren Vater, anhand des ernsten Blick der beiden vermutet Dämmerwolke, das Nachtmond ihm von letzter Nacht erzählt hat. Sie tappt zu ihren Eltern hinüber, dabei begegnet sie dem Blick von Sonnentüpfel. Die Heilerin starrt sie an und Dämmerwolke kribbelt der Pelz, hat Sonnentüpfel etwa bemerkt, das sie gestern gelauscht hat? Dämmerwolke verdrängt diesen Gedanken, es ist unmöglich das sie sie bemerkt hat. Außerdem hätte Sonnentüpfel sie bestimmt darauf angesprochen, wahrscheinlich hat sie nur ein komisch abstehendes Haar auf ihrem Fell.

"Guten Morgen Dämmerwolke." begrüßt Donner sie freundlich. "Morgen." miaut sie hastig zurück. Sie linst zu ihrer Mutter in der Hoffnung, sie würde sagen das sie mit ihr und ihrem Bruder das Lager zum ersten mal verlässt, aber Nachtmond bleibt stumm. "Wo bleibt den Schattensprung?" miaut Nachtmond und schaut zurück zum Bau, genau in diesem Moment schlüpft Schattensprung aus dem Bau und eilt zu ihnen. "Hier bin ich!" quiekt er und und kommt neben Dämmerwolke zum stehen. Nachtmond blickt nachdenklich drein, dann schnippt sie mit dem Schwanz. "Ihr habt sicher Hunger, geht und bedient euch." miaut sie fröhlich. Schattensprungs Augen fangen an zu leuchten und kurz darauf kann Dämmerwolke seinen Magen knurren hören. "Ich bin am verhungern." sagt er und eilt zum Frischbeutehaufen. Dämmerwolke rennt hinterher, wirft aber noch einmal einen Blick zurück.

Nachtmond und Donner unterhalten sich erneut und Dämmerwolke ist sich sicher, das es sich um gestern Nacht handelt. Vielleicht reden sich aber auch darüber wann sie uns das Kämpfen lehren? Dämmerwolkes Bauch kribbelt vor Aufregung. Nachdem Nachtmond sich nicht dazu geäußert hat, ist sie enttäuscht, aber der Tag ist noch lang, Hoffnung hat sie also immer noch.

Schattensprung hat gerade seinen letzten Bissen hinunter geschluckt, jetzt liegt er ausgestreckt in der Sonne. Er ist viel ruhiger geworden, heute Morgen war er ganz aufgeregt. Dämmerwolke starrt auf ihre halb aufgegessene Wühlmaus, sie hat keinen Hunger mehr. Sie ist zu aufgeregt, als das sie etwas essen könnte, zögernd verschlingt sie die restlichen Stücke und leckt sich dann über ihr Maul. Sie wollte keine Beute verschwenden, aber nun ist ihr Bauch so voll, das er fast platzt. Sie legt sich auf die Seite und streckt ihre Beine aus, die Sonne wärmt ihren Pelz und der leichte Wind sorgt dafür, das ihr nicht zu warm wird.

Tiefe Müdigkeit überkommt sie, sie hat eindeutig zu viel gegessen. Dämmerwolke schließt nur kurz ihre Augen, sie möchte sich etwas ausruhen, damit sie fit genug ist, wenn sie vielleicht heute wirklich in den Wald gehen. Eine tiefe Leere überkommt sie, es wird ruhig um sie herum, nur die Sonne kann sie auf ihrem Pelz spüren. Ohne das Dämmerwolke es beabsichtigt schläft sie ein, die Geräusche verblassen und die gewohnte Umgebung verwandelt sich in Schwärze.

Dämmerwolke schreckt hoch, die Sonne ist verschwunden und der Schatten hat das Lager ergriffen. Dämmerwolke schaut hoch zum Himmel, es ist bereits nach Sonnenhoch. Verärgert peitscht sie mit dem Schwanz, sie ist eingeschlafen. Wahrscheinlich, weil sie letzte Nacht gelauscht hat und deshalb nicht genug Schlaf bekommen hat. Dämmerwolke schaut sich um, sie entdeckt Schattensprung. Ihr Bruder spielt mit Klee, wieso hat sie denn niemand geweckt? Sofort stemmt sie sich auf ihre Pfoten und eilt rüber zu ihnen, "Wieso habt ihr mich nicht geweckt?" miaut sie vorwurfsvoll. Schattensprung und Klee starren sie an. "Wir dachten, ein wenig Schlaf tut dir gut." Es ist Nachtmond die antwortet. Dämmerwolke erstarrt, weiß sie doch das ich sie beobachtet habe? "Ja, wenn du schon einschläfst, warst du wohl noch zu müde." bestätigt Schattensprung. Dämmerwolke beruhigt sich ein wenig, sie glaubt nicht das jemand davon erfahren hat.Trotzdem wollte sie nicht schlafen, sie wollte spielen und raus in den Wald. Sie öffnet ihr Maul um zu protestieren. Aber da ertönt ein lauter Schrei, er kommt aus dem Heilerbau. Dämmerwolke zuckt zusammen, was mag wohl passiert sein? Ob der Schrei von Sonnentüpfel kam? Sie kann sich vorstellen, das es schrecklich ist, eine Heilerin zu sein, aber ist es so schrecklich, das Sonnentüpfel anfängt zu schreien?

Jedoch war es nicht Sonnentüpfel sondern Wolfsruf. Sie kommt mit leuchtenden Augen aus dem Heilerbau gerannt, direkt auf Nachtmond zu. "Was ist passiert?" fragt Nachtmond alarmiert und ihr schwarzer Pelz sträubt sich. "Ich erwarte Junge!" miaut Wolfsruf laut. Nachtmond seufzt erleichtert, "Glückwunsch, von Blatt?" fragt sie dann, nachdem ihr Pelz sich angelegt hat. Wolfsruf nickt hastig. Dämmerwolke freut sich für Wolfsruf, aber kann sie nicht mal weggehen und ihre Mutter in Ruhe lassen? Sie möchte noch heute erfahren ob sie noch in den Wald gehen, wenn ihre Mutter ständig beschäftigt ist, dann wird das nichts mehr.

"Freut mich." miaut Dämmerwolke halbherzig. Obwohl, so ganz unecht ist ihre Freude nicht. Für Dämmerwolke ist es nur gerade nicht passend. "Hast du schon Blatt bescheid gesagt?" fragt sie dann. Wolfsruf erstarrt. "Nein, das habe ich nicht." Mit diesen Worten ist sie auch schon auf und davon. Dämmerwolke zuckt zufrieden mit den Schnurrhaaren, dann schaut sie ihre Mutter erwartungsvoll an. Aber Nachtmond reagiert nicht auf sie, ihr Pelz prickelt verärgert. Dämmerwolke hat es doch mit ihren eigenen Ohren gehört, sie sind schon bereit Krieger zu werden. "Nachtmond?" miaut sie unschuldig. "Ja?" Nachtmond blinzelt sie liebevoll an. "Wann bringst du uns das Kämpfen bei?" will sie dann wissen und rückt ein Stück näher. Sie schaut flehend zu ihrer Mutter, Dämmerwolke kann es kaum erwarten mit dem Kämpfen anzufangen, sie wird die beste Kriegerin des ganzen Clans.

Nachtmond schaut zu Donner, in ihrem Blick liegt etwas das sie nicht deuten kann. Aber dann nickt ihr Vater knapp und Dämmerwolkes Hoffnung wächst. "Ein paar Verteidigungtricks und Angriffstechniken für Junge kann ich euch bestimmt beibringen." sagt sie dann fröhlich und stubst Dämmerwolke liebevoll gegen die Wange. "Nur für alle Fälle." fügt sie hinzu, ihre Stimme zittert dabei fast unmerklich. "Wirklich?!" fragt Schattensprung mit glänzenden Augen, Nachtmond nickt. "Juhu!" jubelt er und hüpft hoch. Dämmerwolke freut sich auch, aber sie ist eher erleichtert, das sie endlich diese Spannung und Aufregung unter ihrem Pelz nicht mehr spürt. "Kommt, verlieren wir keine Zeit." Ihre Mutter stubst sie Richtung Ausgang. "Ich bleibe hier und übernehme die Führung!" hört er ihren Vater noch von hinten rufen.

Der Ausgang ist schon ganz nah, nun spürt sie ein aufgeregtes kribbeln. Es wird wahr, nun kommt ihre erste Kampfstunde.

Kapitel 3

SCHATTENSPRUNG TAPPT mit hoch erhobenem Schwanz hinter Dämmerwolke und Nachtmond her, seine Schwester scheint ebenso aufgeregt zu sein, denn ihr Schwanz zuckt hin und her. Er atmet all die fremden Gerüche ein, Nachtmond hat ihm zwar schon alle Gerüche beschrieben aber sie sind trotzdem noch fremd für ihn.

Schattensprung prüft die Luft und riecht den modrigen Waldgeruch, es riecht nach feuchtem Moos und Baumrinde. Er schaut noch unten, er setzt eine Pfote nach der anderen und obwohl er hier noch nie war, fühlt es sich richtig an, hierher zu laufen. Dass ist sein Territorium und er wird es immer verteidigen, sogar gegen Dachse.

Nachtmond führt sie einen schmalen Pfad entlang, der Pfad ist nur schwer zu erkennen, weil sie dieses Territorium noch nicht sehr lange besiedelt haben, müssen sie die Pfade alle erst noch gründlich austreten. Ein fremder Geruch steigt ihm in die Nase, Schattensprung schaut sich um. Die Bäume scheinen irgenwie höher zu sein, er richtet seinen Blick weit nach oben. Er kann die vielen Äste sehen und den blauen Himmel der durch das dichte Laub schimmert, dann blitzt eine Bewegung dort oben auf. Ob das ein Eichhörnchen ist, oder ein Vogel? fragt er sich.

Plötzlich bleibt Dämmerwolke stehen und Schattensprung läuft in sie hinein, "He!" miaut sie und blickt nach hinten. "Entschuldige." murmelt er verlegen. "Kommt zu mir." fordert Nachtmond und winkt mit dem Schwanz. "Prägt euch den Geruch gut ein." sagt sie und hebt ein wenig den Kopf um selber die Luft zu prüfen, Dämmerwolke tut es ihr nach. Schattensprung schnuppert ebenfalls, er riecht den fremdartigen Geruch den er zuvor auch bemerkt hat. Es riecht nach Katze, aber dennoch fremd und eigenartig, Schattensprung kann es nicht zuordnen.

"Was ist das?" Dämmerwolke spricht Schattensprungs Gedanken auch. "Das ist der Geruch des Wolkenclans, seine Grenze verläuft hier und die dürfen wie nicht übertreten." sagt sie streng, offensichtlich meint sie es ernst. Schattensprung macht seine Pfoten schwer, er würde immer auf Mondclan Territorium bleiben. Er beobachtet seine Schwester, sie mustert die andere Seite gründlich. Auf einmal zuckt sie erschrocken zusammen und ihr heller Pelz stellt sich auf. Was ist los? Was hat sie gesehen?

Schattensprung starrt ebenfalls auf die andere Seite, ein Gebüsch raschelt und Schattensprung versteht, wieso Dämmerwolke zusammengezuckt ist. Da kommt etwas auf uns zu! Schattensprung schaut ängstlich zu seiner Mutter, aber sie sitzt entspannt auf ihrem Fleck und wartet. Hat sie denn keine Angst? Was ist, wenn es ein Fuchs oder ein Dachs ist? Schattensprung prüft die Luft, aber er kann nichts außer den Wolkenclangeruch feststellen.

Das - was immer es sein mag -  kommt näher, eilig sucht Schattensprung nach den richtigen Worten, um ihre Mutter zu warnen, aber er bekommt keinen Ton raus. "Da kommt was!" jault Dämmerwolke ängstlich. Nachtmond schnurrt nur, "Keine Angst es ist nichts Gefährliches." schnurrt sie. Schattensprung zieht sich trotzdem ein wenig zurück, nur für alle Fälle. Aber Dämmerwolke bleibt mit leuchtenden Augen da vorne stehen und lehnt sich sogar ein wenig vor, "Was machst du denn da?" zischt Schattensprung. Dämmerwolke schaut zu ihm zurück, "Ich will wissen was das ist, bist du denn gar nicht neugierig?" fragt sie angespannt und schaut wieder nach vorne. Schattensprung schmunzelt, ihre Neugier wird sie eines Tages noch umbringen. Wie kann sie sich so in Gefahr bringen?

Die Büsche rascheln und ein paar Katzen tauchen auf, Schattensprung erstarrt. Werden sie angreifen? Aber sie scheinen freundlich zu sein und als Nachtmond ihnen entgegen läuft, wagt auch er sich ein paar Schritte nach vorne. "Hallo Flinkes Wasser!" ruft seine Mutter. Eine kleine, grau weiße Kätzin dreht ihren Kopf, ihre bernsteinfarbenen Augen leuchten erfreut auf, als sie Nachtmond sieht. "Nachtmond, schön dich zu sehen." sagt sie freundlich und kommt mit ihrer Patrouille näher zu ihnen. "Wie geht es dem Mondclan?" will Flinkes Wasser wissen. Schattensprung starrt seine Mutter nur an, würde sie wirklich etwas verraten? "Uns geht es gut, das Lager ist nun fertig gebaut und Wolfsruf erwatet Junge." schnurrt Nachtmond. Schattensprung kann kaum glauben, das sie sowas einfach verrät, muss man die Geheimnisse der Clans nicht schützen? Andererseits ist es nichts Schlimmes, es ist sogar positiv, auf einmal versteht Schattensprung. Nachtmond würde nur die guten Sachen erzählen, das schreckt Feinde ab, anzugreifen. Aber wenn er darüber nachdachte, dann gab es momentan auch nichts Schlechtes zu verheimlichen.

"Und wer sind diese beiden?" fragt Flinkes Wasser und deutet auf Dämmerwolke und Schattensprung. Er zieht sich innerlich in seinen Pelz zurück, Dämmerwolke hingegen sitzt offen und entspannt da, sie scheint nur wieder neugierig zu sein. "Das sind meine Jungen." erwidert Nachtmond. Die Augen von Flinkes Wasser weiten sich, "Von dir und Donner? Glückwunsch!" schnurrt die Wolkenclan Kätzin laut. Die Spannung in Schattensprungs Pelz legt sich, er richtet sich ein wenig auf. "Danke, aber wie geht es den Wolkenclan?" Nachtmond wechselt das Thema. "Sehr gut, Sturm erwartet Junge, sie hat es vor kurzem schnurrend verkündet. Rotauge ist nun offiziell ein Ältester und wir alle haben den Verlust der Katzen gut ertragen." miaut sie fröhlich. "Sturm erwartet auch Junge, das freut mich." staunt seine Mutter. "Es wird aber noch einen Mond dauern." Meint Flinkes Wasser, dann winkt sie mit dem Schwanz. "Wir müssen weiter, auf Wiedersehen." miaut sie zum Abschied und führt ihre Patrouille wieder voran. "Auf Wiedersehen!" ruft Nachtmond ihnen hinterher.

Schattensprung ist erleichtert das sie endlich weg ist, auch wenn Flinkes Wasser gegen Ende hin ziemlich freundlich war, hatte er trotzdem Angst sie könnte jeden Moment angreifen.

Nachtmond führt sie zurück zum Lager, ursprünglich wollte sie ihren Jungen das Territorium zeigen und ihnen danach zeigen, wie man kämpft. Jedoch haben Schattensprungs Pfoten geschmerzt und Dämmerwolke hat bei jedem Schritt schmerzhaft ihr Gesicht verzerrt. "Wir sind fast da." miaut Nachtmond nach hinten. Schattensprung ist erleichtert, seine Beine zittern schon und er ist froh, bald das weiche Moosnest zu spüren.

"Warte!" ruft Dämmerwolke und bleibt stehen. Schattensprung hofft, das sie nicht zu neugierig ist, Dämmerwolke will immer alles wissen und lernen. Eigentlich fand Schattensprung das immer toll, aber jetzt wünscht er sich, das sie zu erschöpft ist, um neugierig zu sein. "Was ist denn?" fragt Nachtmond und tappt zu ihrer Tochter. "Tut dir was weh? Ich hätte nicht so viel mit euch machen wollen, ihr seit erst knapp fünf Monde alt, ich hätte wissen sollen, dass das zu viel auf einmal ist." miaut Nachtmond verzweifelt. Schattensprung bekommt Mitleid, seine Mutter macht ihre Sache gut, aber wir sind ihr erster Wurf und da können schon ein paar Fehler passieren. "Nein, meine Pfoten tun nur weh." seufzt Dämmerwolke schnell und lässt sich auf den Boden sinken. Schattensprung ist erleichtert, sie hat nicht gefragt, ob Nachtmond ihnen trotzdem das Kämpfen lehren kann.

Aber seine Freude verschwindet, als er ihre Augen aufgeregt aufblitzen sieht, "Du kannst uns doch jetzt trotzdem das Kämpfen beibringen!" Miaut sie aufgeregt, Schattensprung fällt innerlich in sich zusammen. Genau davor hat er sich gefürchtet, aber Nachtmond würde das jetzt niemals machen. Hoffe ich.

Seine Mutter scheint nachzudenken aber dann schüttelt sie den Kopf, "Morgen werden ich es euch beibringen, heute habt ihr die Wolkenclan Grenze kennengelernt." sagt sie bestimmt. Dämmerwolke öffnet den Mund, offensichtlich wollte sie widersprechen, aber sie schließt ihn wieder. "Na gut." seufzt sich und rollt mit den Augen. "Ruht kurz eure Pfoten aus, dann gehen wir weiter." miaut Nachtmond und setzt sich.

Schattensprung lässt sich auf den Boden sinken, er lauscht in der Umgebung. Er hört das rauschen der Blätter und das Atmen seiner Schwester, sonst ist der Wald still. Schattensprung kommt das komisch vor, müssten normalerweise nicht überall Mäuse rumlaufen und Vögel zwitschern? Plötzlich wird das Rauschen der Blätter stärker, ein starker Windzug kommt ihm entgegen und raubt ihm für kurze Zeit den Atem. "Wir sollten weiter gehen." sagt Nachtmond besorgt. "Wieso?" Diesmal ist es Schattensprung, der diese Entscheidung hinterfragt und neugierig ist. "Es wird bald regnen." miaut sie und plustert ihren schwarzen Pelz auf. Schattensprung schaut durch die Äste bis zum Himmel, er hat sich verdunkelt. Als Schattensprung das letzte mal zum Himmel geschaut hat, war er hell und klar, jetzt ist er voller dunkler Wolken, die viel Regen in sich tragen.

"Dann lass uns gehen." stimmt Schattensprung zu, Dämmerwolke stellt sich mühsam auf ihre Pfoten. Gerade als Nachtmond los läuft, klatscht schon ein dicker Tropfen auf seine dunkle Nase, "Es fängt an zu regnen". miaut er, als ein weiterer Tropfen auf ihn platscht. "Dann sollten wir uns beeilen." schlägt Nachtmond vor und beschleunigt ihr Tempo.

Schattensprung fällt es schwer, mit seiner Mutter Schritt zu halten und auch Dämmerwolke hat zu kämpfen. "Warte!" keucht Schattensprung, Nachtmond bleibt stehen. "Wir können nicht so schnell." piepst Dämmerwolke kläglich. Nachtmond duckt sich schnell, "Klettert auf meinen Rücken." miaut sie hastig, offensichtlich möchte sie schnell zurück zum Lager. Ohne zu zögern nimmt Schattensprung ihr Angebot an, er zerrt sich an ihr hoch und rutscht auf ihre Schultern, Dämmerwolke sitzt hinter ihm.

Kalter Wind peitscht ihm ins Gesicht, als seine Mutter anfängt zu rennen. Der Regen wird stärker und dringt in seinen Pelz, er friert und drückt sich tiefer in das Fell seiner Mutter. Schattensprung schließt seine Augen um dem Regen zu entkommen. Er lauscht, der Regen macht flüsternde Geräusche. Ein weiterer dicker Wassertropfen landet auf seine Nase und er zuckt zusammen, er hört, wie Dämmerwolke hinter ihm mit den Zähnen klappert.

Als kein Regen mehr auf seinen Pelz prasselt, öffnet er seine Augen, er ist im Dornentunnel. Nachtmond hält inne und steht vor dem Eingang, hier ist es trocken und Schattensprung sieht zwischen den Ohren seiner Mutter die Lichtung, die voller Pfützen ist. "Nur noch ein kleines Stück." keucht Nachtmond. Schattensprung presst sich wieder in den schwarzen Pelz, als seine Mutter anfängt zu rennen und er schließt seine Augen wieder, dann spürt er wie eine Dornenranke an seinem Fell zupft und schließlich riecht er den vertrauten Duft des Baues.

Hat er es geschafft, ist er sicher vor dem Regen? Zögernd öffnet er sein Augen, Schattensprung ist erleichtert, als er merkt, das er endlich im Bau angekommen ist. "Da seid ihr ja." Donner, der in seinem Nest gewartet hat, steht auf und kommt ihnen erleichtert entgegen. Rasch greift er zu und hebt Dämmerwolke sanft von Nachtmonds Rücken, dann setzt er sie vorsichtig neben dem Nest ab. Seine raue Zunge fährt über ihren Kopf und Schattensprung spürt die Erschöpfung in seinen Beinen. Er gleitet ebenfalls von Nachtmonds Schultern und taumelt zum Nest, wo er sich erschöpft und frierend niederlässt, sein Blick fällt auf Dämmerwolke und Nachtmond. Seine Mutter schüttelt sich kräftig, aber Dämmerwolke bleibt reglos sitzen. Ihre Pelze kleben ihnen eng am Körper, besorgt beugt Nachtmond sich über ihre Tochter. "Mi-mir ist s-o ka-kalt." stottert sie und fängt an zu zittern. "Ich werde sie zu Sonnentüpfel bringen." miaut Nachtmond und packt Dämmerwolke am Nackenfell, "Ich kümmere mich um Schattensprung." antwortet Donner liebevoll. Dann beugt sein Vater sich hinab und leckt ihm sein Fell trocken, Schattensprung schließt seine Augen und lässt sich, von den gleichmäßigen Zungenstrichen getröstet und gewärmt, in den Schlaf sinken.

Er mochte den heutigen Tag, er hat zum ersten mal den Wald gesehen. Es waren so viele tolle Gerüche und sie haben den Wolkenclan gesehen und gerochen, aber der Regen am Ende hat ihm die letzte Kraft geraubt, seine Glieder entspannen sich und nach wenigen Herzschlägen ist Schattensprung eingeschlafen.

Kapitel 4

DÄMMERWOLKE SITZT im Heilerbau, der eklige Kräutergestank steigt in ihre Nase und sie muss sie rümpfen. Nachtmond hat sie hier her gebracht nachdem sie so sehr gefroren hat, im Nest ist sie sofort halb eingeschlafen. Sie hat nur noch mitbekommen, wie Sonnentüpfel ihrer Mutter für Schattensprung ein paar Kräuter mitgegeben hat und gesagt hat:"Kau es zur einer Paste und schmiere es auf seine Pfoten." Dämmerwolke spürte, wie ihre Mutter ihr sanft über den Kopf leckte, bis sie dann aus dem Bau verschwunden ist.

Sonnentüpfel hat ihr dann eine Paste auf die Ballen geschmiert, es war angenehm kühl und ihr Schmerz in den Pfoten ist verschwunden. Sonnentüpfel hat ihr dann mehr Moos ins Nest gesteckt bis ihr schön warm war, der Regen hat sie ausgekühlt. Erschöpft von der langen Wanderung und dem anschließenden Regen ist sie dann schließlich eingeschlafen.

"Du bist ja wach." miaut Sonnentüpfel und kommt mit ein paar Kräutern auf sie zu, Dämmerwolke lässt den Schwanz hängen. Sie wollte nicht noch mehr Kräuter, ihr geht es schon wieder viel besser. Außerdem schmecken die Kräuter schrecklich. Sonnentüpfel lässt sich vor ihr nieder, "Ich brauche keine Kräuter mehr." miaut Dämmerwolke hastig, sie stellt sich auf die Pfoten und spürt überrascht, wie schwach sie eigentlich ist. Ihre Beine zittern als würde die Erde schwanken, zögernd lässt sie sich wieder nieder, mit diesen schwachen Beinen würde sie nicht weit kommen.

Sonnentüpfel fängt an zu schnurren und streck ihr ein Blatt entgegen, "Kau darauf rum so das du den Saft runterschlucken kannst, es wird dir Kraft geben." Zögernd nimmt Dämmerwolke das Blatt in ihren Mund und fängt an darauf rumzukauen, das Blatt schmeckte erst scheußlich, aber nachdem der Saft austrat, schmeckt es ein wenig süß. Trotzdem würde sie lieber ein Stück Beute essen anstatt dieses Blatt, "Jetzt spuck es wieder aus." miaut Sonnentüpfel. Dämmerwolke spuckt das Blatt auf den Rand ihres Nestes, der Geschmack liegt ihr immer noch auf der Zunge, "Kann ich jetzt raus?" fragt sie. Sie wollte nicht mehr in diesem stinkendem Bau bleiben, außerdem wollte sie Schattensprung sehen. "Nein, ruh dich noch ein wenig aus. Gleich müsstes du mehr Kraft bekommen." miaut Sonnentüpfel und verschwindet im hinteren Teil des Baues.

Dämmerwolke hat ihren Kopf auf den Rand des Nestes gelegt, ihr Magen ist leer und sie hatte keine Lust mehr. Nachtmond hatte sie besuchen wollen, aber Sonnentüpfel meinte, sie bräuchte Ruhe, aber das war Unsinn. Dämmerwolke hat wieder Energie und Kraft, sie braucht frische Luft und ein Stück Beute. Egal was Sonnentüpfel ihr gegeben hat, es hat gewirkt.

Dann hört sie Schritte, die Heilerin kommt aus dem hinteren Teil des Baues nach vorne. An ihr klebt ein intensiver Kräutergeruch, wahrscheinlich hat sie ihre ach so kostbaren Pflanzen gerade sortiert. "Kann ich jetzt gehen?" fragt sie sofort. "Sag mal, was hältst du eigentlich davon eine Heilerin zu sein?" fragt Sonnentüpfel, ohne auf ihre Frage zu antworten.

Dämmerwolke verdreht genervt die Augen. Es ist schon schlimm genug das sie nicht raus darf, aber jetzt muss sie auch noch über Heilerzeug reden. "Davon halte ich gar nichts, darf ich jetzt raus?" antwortet sie schnell. Dämmerwolke verliert die Geduld, sie ist neugierig wie es Schattensprung wohl geht, oder ob etwas passiert ist, vielleicht geht Nachtmond aber auch wieder mit ihnen in den Wald? "Und wieso nicht?" will Sonnentüpfel wissen und ignoriert erneut ihre Frage. Dämmerwolke muss sich beherrschen, sie würde am liebsten jetzt einfach aus dem Bau laufen, aber das wäre unhöflich.

"Ich habe einfach keine Lust auf sowas!" antwortet sie genervt. "Aber wieso?" Sonnentüpfel kneift die Augen zusammen. Dämmerwolke bohrt die Krallen in das Nest, was will Sonnentüpfel denn von ihr? Wieso kann sie sie nicht einfach in Ruhe lassen?

"Ich will nicht nach Kräutern stinken und ich will mich auch nicht mit irgendwelchen Prophezeiungen auseinandersetzen. Ich meine, komm schon: >wenn der Schatten nicht mehr wackelt< oder wie ging die noch mal? Ach egal. Wer weiß denn bitteschön, was das bedeutet? Ich habe garantiert keine Lust dazu, mich in meinen Bau zu setzen und ständig über diese Prophezeiung nachzudenken!" blafft Dämmerwolke zurück. Sonnentüpfels Augen weiten sich und da erst wird Dämmerwolke bewusst, was sie gerade gesagt hat. Sie hat gerade ihr Geheimnis verraten. Ihr ganzer Ärger verfliegt und sie wird furchtbar nervös, Sonnentüpfel weiß jetzt das sie sie belauscht hat. Am liebsten würde Dämmerwolke sich in ihren Pelz verkriechen und nie wieder rauskommen.

Das hat man davon wenn man so vorlaut sein muss, dummes Mäusehirn! faucht sie innerlich zu sich selbst. "Woher weißt du davon?" staunt Sonnentüpfel. Dämmerwolke fehlen die Worte, wenn sie zugibt gelauscht zu haben wird sie bestimmt mächtig Ärger bekommen, aber was sollte sie sonst sagen? Der Sternenclan habe sie persönlich besucht? Dann macht man aus ihr eine Heiler Katze und das möchte Dämmerwolke gewiss nicht. "Ich...Ich habe gelauscht." sagt sie zögerlich und duckt sich noch tiefer in ihren Pelz. Sonnentüpfels Miene verrät nichts, "Na gut." Sonnentüpfel wirkt auf einmal so entspannt, als wäre das gar nichts neues. "Heißt dass, das ich keinen Ärger bekomme und das du es meiner Mutter nicht sagen wirst?" fragt Dämmerwolke hoffnungsvoll, aber Sonnentüpfel schüttelt den Kopf und Dämmerwolkes Hoffnung verfliegt wieder. "Natürlich werde ich es ihr erzählen aber von mir wirst du keinen Ärger bekommen, dafür bin ich nicht zuständig. Aber du weißt jetzt so der so von der Prophezeiung. Also? Was hältst du von ihr?" fragt die Heilerin gelassen.

Dämmerwolke findet keine Antwort dazu, aber wenigstens bekommt sie von Sonnentüpfel keinen Ärger. "Sie ist sinnlos und bedeutungslos." sagt sie gleichgütig und schnippt mit dem Schwanz. "Und die Worte von Halber Mond, die Dämmerung muss woanders aufgehen, was siehst du darin?" fragt Sonnentüpfel. Dämmerwolke seufzt, "Das ist mehr als nur mäusehirnig. Man kann die Dämmerung nicht woanders aufgehen lassen." erklärt sie. "Mal ehrlich, diese Prophezeiungen sind nichts weiter als ein paar Sätze die keinen Sinn ergeben." knurrt sie gereizt. "Nein das sind sie nicht, sie helfen uns, uns auf etwas vorzubereiten." widerspricht Sonnentüpfel. Dämmerwolke wird das zu blöd, Heiler sind so naiv. "Wenn du meinst." sagt sie und geht aus dem Bau.

Endlich kann sie wieder atmen, der Wind fegt ihr durch den Pelz und es ist ein herrliches Gefühl. Sie schaut zum Himmel und entdeckt ein paar Wolken, sie sind dunkel, aber Dämmerwolke glaubt nicht, das es regnen wird. "Dämmerwolke!" Nachtmond kommt fröhlich auf sie zu. "Du bist wieder gesund, ich wollte gerade nach dir sehen. Dann kann ich mich ja mal kurz bei Sonnentüpfel erkundigen, wie es gelaufen ist, bis später." schnurrt ihre schwarze Mutter. Dämmerwolke begrüßt sie kurz und reibt ihre Nase an ihre Wange bis Nachtmond weiter gehen muss. Bei dem Gedanken, das ihre Mutter jetzt zum Heilerbau geht und Sonnentüpfel ihr alles erzählen wird, muss sie schwer schlucken. Sie schlägt die Route zum Frischbeutehaufen ein, sie ist halb am verhungern.

Sie setzt sich neben Schattensprung, der gerade an einer Maus knabbert, "Dämmerwolke!" miaut er fröhlich und blickt auf. Dämmerwolke ist froh, ihn zu sehen, er hat ihr gefehlt. "Du bist also wieder gesund?" fragt er schnurrend. Dämmerwolke zieht sich eine Maus aus dem Haufen, "Abgesehen davon, das ich am verhungern bin, war ich noch nicht mal krank, nur unterkühlt, aber jetzt geht es mir besser." Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, beißt sie in ihre Beute und kaut zufrieden auf ihrem Stück herum.

"Dämmerwolke!" Das scharfe Miauen von Nachtmond hallt zu ihr rüber, das Beutestück rutscht ihr wie ein dicker Kloß den Hals hinunter und ihr Pelz kribbelt nervös. Sie wagt es erst gar nicht, Schattensprung anzuschauen, er würde nur Fragen stellen, die sie nicht beantworten möchte. "In meinen Bau!" knurrt ihre Mutter, mit zitternden Pfoten stellt sie sich auf und trabt mit tief geducktem Kopf in den Bau.

>Jetzt kann ich mich auf was gefasst machen!< Dämmerwolke fragt sich, was sie als Strafe bekommt. Vielleicht muss sie länger warten, bis sie das Kampftraining wieder aufnehmen darf, beziehungsweise die kleinen Techniken, die Nachtmond ihnen beibringen möchte, damit sie nicht ganz ohne Schutz dastehen.

Dämmerwolke schlüpft in den Bau und hört wie Nachtmond hinter ihr den Bau betritt, langsam dreht sie sich zu ihrer Mutter um und schluckt schwer, als sie in die wütenden Augen ihrer Mutter schaut.

Es ist schon nach Sonnenhoch, Dämmerwolke sitzt im Schatten und wartet auf die Rückkehr von Schattensprung und Nachtmond. Sie ist mit ihm raus in den Wald gegangen, aber Dämmerwolke durfte nicht mit. Seufzend lässt sie sich auf den Boden sinken. Es ist so langweilig ohne ihren Bruder. Dämmerwolke erinnert sich an das Gespräch mit ihrer Mutter, es hängt ihr immer noch nach. Sie wünscht sich sie hätte ihre Mutter und die Heilerin niemals belauscht, dann wäre sie nicht in dieser misslichen Lage.

Als wäre es nicht schon schlimm genug, das sie nicht mit raus in den Wald durfte, jetzt muss sie auch noch vorübergehend eine Heiler Katze werden. Frustriert peitscht Dämmerwolke mit dem Schwanz und knurrt, es ist langweilig im Bau einer Heilerin Kräuter zu sortieren.

"Du wirst Sonnentüpfels Heilerschülerin sein, du wirst ihr helfen und alles machen was sie dir sagt, verstanden?!" hatte Nachtmond gefaucht, Dämmerwolke hatte nur widerwillig zugestimmt. "Und wie lange?" fragte sie dann, ihre Mutter hat sie mit ihrem wütendem Blick durchbohrt. "Bist du sechs Monde bist und dir selbst aussuchen kannst, ob du Heilerin oder Kriegerin werden willst." hatte sie geknurrt, dann war Nachtmond aus dem Bau verschwunden.

Dämmerwolke kann es immer noch nicht fassen, es dauert noch eineinhalb Monde bis sie sechs Monde alt ist. Diese Zeit als Heilerin wird die schlimmste Zeit ihres Lebens, das einzige, was sie lernen wird, sind die Namen und Wirkungen der Kräuter. Jagen und Kämpfen kann sie erstmal vergessen, obwohl Nachtmond in der einen Nacht gesagt hat, sie müsste ihren Jungen das kämpfen lehren. Aber anscheinend ist das jetzt nicht mehr wichtig, sie hatte sich darauf gefreut, denn eigentlich lernt man erst ab sechs Monde das Kämpfen.

"Dämmerwolke!" Der Ruf von Sonnentüpfel reißt sie aus den Erinnerungen. "Komm doch mal her, ich möchte dir gerne etwas über das ein oder andere Kraut beibringen!" ruft sie, dann hört Dämmerwolke ein rascheln und sie vermutet, das die Heilerin in den Bau gegangen ist. Wiederwillig steht sie genervt auf und tappt lustlos zum Heilerbau, der Kräutergestank weht ihr entgegen, als sie hinein geht und sie rümpft die Nase.

"Ich bin hier hinten!" hört sie Sonnentüpfel fröhlich rufen, sie schlendert in den hinteren Teil des Baues. Dämmerwolke kann sich das Staunen nicht verkneifen, es ist mit Abstand der schönste Bau von allen. Ihr gefällt es, wie die Wurzeln aus der Erde gucken und wie die Spinnenweben an den Wurzeln herab hängen. "Freut mich, das es dir gefällt." schnurrt Sonnentüpfel, Dämmerwolke starrt sie an.

Gefallen tut mir nur ein Teil des Baues.

Sofort hört sie mit dem bewundern des Baues auf, Sonnentüpfel soll schließlich nicht denken, es würde ihr Spaß machen, eine Heilerin zu sein. "Setzt dich." miaut die Heilerin einladend und streicht mit ihrem Schwanz über eine Stelle neben sich. Dämmerwolke setzt sich, sie starrt auf verschiedene Kräuter die vor ihr liegen.

"Das hier..." Miaut Sonnentüpfel und deutet auf grüne Stängel mit lila Blüten. "Das ist Wasserminze, oder auch Bachminze genannt. Es hilft gegen Bauchschmerzen." Die letzten Worte von Sonnentüpfel hört sie kaum noch, Sonnentüpfel muss es erst vor kurzem gesammelt haben, denn der frische Fluss Geruch klebt noch daran. Dämmerwolke atmet ihn tief ein und versinkt in ihren Gedanken, sie hat mal gehört, das der Flussclan im Fluss schwimmen geht. Ihr ganzer Pelz kribbelt, als sie sich vorstellt, nass zu werden, ihr hatte der Regen gereicht.

Ihre Gedanken schweifen noch weiter ab. Sie versucht sich das Flussclan Territorium vorzustellen. Dort gibt es bestimmt viel Wasser und Schilf, an einigen Stellen ist der ein oder andere Sumpf und wenn die Sonne auf das Wasser scheint, reflektiert es sie wunderschön. Dämmerwolke stellt sich das Territorium der Fluss-Katzen wunderschön vor, das angenehme Rauschen des Flusses kann sie schon fast selbst hören. Dämmerwolke schließt ihre Augen und versinkt tief in ihrer Fantasie, Sonnentüpfel hat sie schon vergessen. Die junge Kätzin stellt sich vor, durch das Flussclan Territorium zu wandern, sie hört Vögel zwitschern und Frösche quaken. Dann atmet sie tief ein und riecht den Fluss, hinter ein paar Schilfstängeln schimmert die Wasseroberfläche und Dämmerwolke gleitet durch das Schilf und lässt sich am Bach nieder. Sie nimmt ein paar Zungenstriche Wasser zu sich, es ist angenehm kühl.

Neben ihr im Wasser schwimmt eine kleine Gestalt, sie blickt auf und erkennt, das es ein Fisch ist. Sie schaut den Fisch eindringlich an und überlegt, ob sie ihn fangen soll, aber dann auf einmal taucht der Fisch ab und hinterlässt ein paar Wasserspritzer die auf Dämmerwolkes Ohr landen. Komischerweise tun die Wasserspritzer ganz schön weh, als würde sie jemand schlagen. Dann hört sie auf einmal den rauschenden Wind, aber irgendwas ist komisch daran. Dämmerwolke kehrt in die Wirklichkeit zurück und als sie Sonnentüpfel anschaut, fängt sie an zu verstehen. Das war nicht das Wasser, das so geschmerzt hat, die Heilerin hat sie grob auf ihr Ohr gehauen. Und der Wind war das verärgerte Fauchen von ihr, auf einmal wird Dämmerwolke ganz heiß unter ihrem Pelz. "Zuhören! Du bist nicht hier um zu träumen!" faucht Sonnentüpfel verärgert und peitscht mit dem Schwanz. Schmollend richtet sie ihre Aufmerksamkeit wieder den Kräutern zu, als sie die Wasserminze sieht, erinnert sie sich daran, wie schön sie sich das Flussclan Territorium vorgestellt hat.

Sie linst zu Sonnentüpfel und verspürt tiefen Groll, sie ist doch erst knapp fünf Monde, sie sollte spielen und nicht lernen. Andererseits kann Dämmerwolke auch sehr gut nachvollziehen, wieso sie das ganze jetzt durchmachen muss, es ist ihre eigene Schuld. Das ändert aber nichts daran, das Dämmerwolke lieber was anderes machen würde. Wenn ich zuhöre und mich konzentriere, vergeht die Zeit wie im Flug, redet sie sich ein und richtet ihre ganze Aufmerksamkeit auf Sonnentüpfel und die Kräuter.

Kapitel 5

"JETZT STOSS dich mit aller Kraft ab!" miaut Nachtmond. Schattensprung spannt seine Hinterbeine an und springt. Er ist nicht weit gekommen, aber er hat das Gefühl, das sein Gleichgewicht, wie seine Mutter versprochen hat, besser wird. Denn bevor er kleine Kampftechniken kennen lernt, braucht er Gleichgewicht, "Schon besser, oder?" piepst er fröhlich. Nachtmond nickt stolz, "Hört gut zu. Du bist noch klein und deshalb nicht so stark. Wenn du angegriffen wirst, muss du dich mit einer Rolle in Sicherheit bringen und dich verstecken. Das werden wir jetzt üben." miaut sie ernst. Schattensprung ist ganz aufgeregt, das gehört mit zum Kampftraining, das wird seine erste Lektion.

Nachtmond kommt langsam auf ihn zugelaufen und schlägt sanft und mit eingezogenen Krallen nach im aus, Schattensprung erinnert sich, wegen der Aufregung, fast nicht mehr an die Worte seiner Mutter. Er rollt sich vor dem Angriff in Sicherheit, das rollen beherrscht er schon ganz gut, weil er es auch immer bei den spielerischen Kämpfen zwischen ihm und Dämmerwolke angewendet hat. Er rollte sich einmal um sich selbst und kommt dann wieder auf die Pfoten, kurz verharrt er auf der Stelle, um sein Gleichgewicht wiederzufinden. Aber dann springt er mit einem Piepsen in das nächste Gebüsch.

"War das gut?" fragt er keuchend und schlüpft wieder aus dem Gebüsch. "Sehr gut sogar." lobt Nachtmond ihn. Schattensprung lässt sich auf den Boden sinken, er ist müde und kraftlos. Nachtmond streicht ihm sanft mit ihrem Schwanz über die Flanke, "Wir sollten nach Hause gehen." beschließt sie. Schattensprung ist erleichtert, sie haben sich nicht weit vom Lager entfernt, aber lange genug trainiert. Nun ist Schattensprung sehr erschöpft und müde, auch wenn es Spaß gemacht hat, möchte er jetzt lieber nach Hause.

Seine Mutter hebt ihm am Nackenfell hoch und setzt ihn auf ihre Schultern, er kuschelt sich in ihr warmes weiches Fell hinein und lässt sich zum Lager tragen.

Sie sind schon fast beim Lager angekommen, Schattensprung kann schon den Eingang in der Ferne sehen. Er schaut nach oben und sieht den mit Wolken bedeckten Himmel, in der Nacht wird es bestimmt regnen. Er spürt, wie die Äste an seinem Rücken entlang streichen, als Nachtmond durch den Dornentunnel geht, einer zwickt an seinem Pelz und hat ihm bestimmt ein paar Haare ausgerissen.

Schattensprung lässt sich von den Schultern seiner Mutter gleiten, er würde zu gerne nachsehen wie es Dämmerwolke geht. Nachdem sie in den Heilerbau verbannt wurde, sehen sie sich nur noch selten, er fragt sich, was sie wohl gemacht hat. Aber er ignoriert all die Fragen, die in ihm aufkommen, er ist einfach nur müde und möchte in seinem Nest eine Runde schlafen. Kurz schaut er noch einmal zurück auf die Lichtung bevor er in den Bau geht, Nachtmond ist stehen geblieben und unterhält sich mit Donner. Vielleicht erzählt sie ihm wie großartig er heute im Wald war. Sein Blick schweift zu Himmelsstern, sie trägt gerade ein Beutestück zu Wolfsruf. Bevor er sich aber mit dem Beobachten der Katzen aufhält, schlüpft er in den warmen Bau, er blinzelt damit seine Augen sich an das Dämmerlicht gewöhnen. Halb blind tappt er zu seinem Nest und legt sich hinein. Es dauert nicht lange bis seine Augen erschöpft zufallen und er in einen traumlosen Schlaf versinkt.

Schattensprung öffnet seine Augen, Dämmerwolke liegt neben ihm und schläft noch. Langsam kriecht er aus dem Nest und streckt sich. Auch wenn er geschlafen hat, ist er immer noch furchbar müde, er zwängt sich aus dem Bau und erstarrt. Es hat wohl über Nacht geregnet, denn auf der Lichtung ist eine riesengroße Pfütze, seine Augen leuchten auf und er stürmt sofort hinab und springt mit einem Hüpfer in die Pfütze hinein. Das Wasser spritzt zu allen Seiten und reicht ihm bis unter den Bauch, Schattensprung wusste gar nicht, das hier eine so tiefe Kuhle ist.

Er nimmt all seine Kraft zusammen und hüpft so hoch er kann, als er wieder landet, schluckt er aus Versehen ein wenig Wasser. Er musste fast würgen, es schmeckt nach Erde.

"Das war aber ein hoher Hüpfer." Schnurrend kommt sein Vater auf ihn zu. Schattensprung watet aus dem Wasser und schmiegt sich schnurrend an Donner, "Das habe ich von Nachtmond gelernt." sagt er stolz und streckt die Brust raus. "Kannst du mir das auch beibringen?" Das flehende Miauen von Dämmerwolke hallt zu ihm rüber. Er dreht seinen Kopf und sieht, wie seine Schwester auf ihn zu gelaufen kommt, "Es ist ganz einfach, du musst einfach nur springen. Es braucht ein wenig Übung, aber das klappt schon." erklärt er ihr. Dämmerwolke hüpft hoch in die Luft, es ist nicht ganz so hoch wie Schattensprung es geschafft hat, aber wenn sie weiter übt, dann wird Dämmerwolke es besser können.

Nachtmond kommt dazu, Schattensprung spürt sofort die aufkommende Nervosität von Dämmerwolke. Er fragt sich was wohl passiert ist, aber egal wen und egal wie oft er auch fragt, es wird ihm nicht verraten. "Dämmerwolke, ich habe mit Sonnentüpfel geredet. Den halben Tag darfst du mit Schattensprung spielen. Aber danach musst du wieder zu deinen Pflichten als Heilerin zurückgehen, verstanden?" miaut Nachtmond. Dämmerwolkes Augen weiten sich und sie hüpft freudig auf und ab, "Au ja!" ruft sie. Schattensprung freut sich auch, er hat schon etwas länger nichts mehr mit ihr unternommen und ohne sie ist es so langweilig. "Komm, wir spielen Fuchsangriff, ich bin der Fuchs." miaut Schattensprung spielerisch und stürzt sich sofort auf seine Schwester. Gemeinsam kullern sie über die Lichtung. Als Dämmerwolke auf ihn zu geschossen kommt, erinnert er sich an das was Nachtmond ihm beigebracht hat. Er rollt sich zur Seite und springt dann schnell in Sicherheit, Dämmerwolke starrt ihn verblüfft an.

"Willst du das auch können?" fragt er und Dämmerwolke nickt aufgeregt. Schattensprung zeigt ihr alles was Nachtmond ihm beigebracht hat, zuerst hüpfen sie auf und ab. Dämmerwolke kommt immer höher und bekommt immer mehr Gefühl dafür, dann zeigt Schattensprung ihr den Zug mit der Rolle.

"Du musst das schneller machen, schau!" miaut er und zeigt seiner Schwester noch einmal, wie es richtig geht. Dämmerwolke nickt mit konzentrierten Gesichtsausdruck. Dämmerwolke rollt so schnell zur Seite wie noch nie, aber als sie dann in Sicherheit springen will, kippt sie zur Seite um. Schattensprung schmunzelt, "Es dreht sich alles!" miaut sie laut. Seine Schwester versucht aufzustehen, aber kippt immer wieder um, Schattensprung schnurrt laut.

"Das ist nicht witzig!" miaut Dämmerwolke verwirrt, "Ich kann nicht mehr laufen." Aber Schattensprung kann sich das laute Schnurren nicht verkneifen, es sieht so lustig aus, wie sie immer versucht aufzustehen und wegen dem Schwindel wieder umfällt. Dämmerwolke schüttelt ihren Kopf und verharrt kurz auf einer Stelle, "So, geht wieder." sagt sie peinlich berührt. "Lass uns weiter spielen!" Dämmerwolke streckt ihren Schwanz nach oben als sei nichts gewesen, aber Schattensprung weiß, wie es ihr peinlich ist, das sie sich gerade blamiert hat.

"Dämmerwolke!" Sonnentüpfel ruft sie vom Heilerbau aus. Dämmerwolke schaut auf und sofort sinkt ihr Schwanz tief nach unten, sie tut Schattensprung leid. Er weiß zu gut, das Dämmerwolke keine Heilerin werden möchte und trotzdem wird sie dazu gezwungen, das ist nicht fair. "Auf Wiedersehen." Sagt sie lustlos. "Warte!" Schattensprung springt ihr hinterher. "Wieso musst du das denn machen?" fragt er gekränkt. Nicht nur Dämmerwolke gefällt das nicht sondern auch Schattensprung ist nicht damit zufrieden, sie haben nur noch wenig Zeit zusammen. Dämmerwolke seufzt, "Ich war etwas zu neugierig, deshalb bin ich jetzt in dieser Situation."

Schattensprung schaut seiner Schwester nach und fragt sich dabei, was sie damit meint, sie war zu neugierig. Was ist, wenn seine Schwester etwas weiß das niemand wissen soll, so etwas wie ein Geheimnis? Dämmerwolke war schon immer neugierig und Schattensprung hat immer geahnt, das sie eines Tages dafür büßen wird. Aber er hat nie gewusst, das es so enden wird. Mit herabhängendem Schwanz trottet er zum Frischbeutehaufen. Das viele Spielen hat ihn hungrig gemacht, aber egal, wie viel er essen wird: Das große Loch wird bleiben, denn Trauer kann man nicht weg essen.

Wenigstens dauert es nur noch einen Mond. Denkt er sich und versucht so seine Laune zu bessern. Dämmerwolke ist schon ein halben Mond eine Heilerschülerin, vielleicht darf sie ja früher damit aufhören? Aber das bezweifelt Schattensprung, auch wenn das wunderbar wäre. Er und Dämmerwolke müssen eben noch einen Mond warten, dann wird alles besser werden, ganz bestimmt.

Plötzlich wittert er einen fremden Geruch, die Katzen um ihn herum werden unruhiger und versammeln sich vorne am Eingang. Schattensprung lässt seine Beute liegen und zwängt sich durch die vielen Katzen. "Was wollt ihr hier?" hört er die Stimme seiner Mutter. Schattensprung stolpert nach vorn, er sieht zwei zierliche Katzen vor Nachtmond stehen. Die eine ist weiß mit hellen Flecken und die andere ist schneeweiß, Schattensprung mustert die Katzen genauer. Sind das Streuner? Oder Katzen aus einem anderen Clan? fragt er sich. "Wir sind hier um euch zu warnen." sagt die weiße Kätzin mit den hellen Flecken sanft und neigt den Kopf.

"Und wovor?" fragt Nachtmond mit gedämpfter Stimme. "Mottenflug hat beim Kräutersammeln Regen gerochen. An Hand der Wolken, dem stärkerem Wind auf dem Moor und dazu noch dem Regen vermuten wir, das demnächst ein Sturm aufziehen wird." erwidert die Gefleckte und deutet mit einem Ohrenzucken auf die schneeweiße Kätzin neben sich, die zustimmend nickt. "Der Sturm wird direkt über uns hinweg ziehen." ergänzt Mottenflug noch, Nachtmond neigt den Kopf. "Vielen Dank, das ihr uns davor gewarnt habt." miaut sie höflich. Die zwei fremde Katzen neigen respektvoll den Kopf und kehren um, mit einem Ohrenzucken von seiner Mutter gehen Himmelsstern und Blitzschweif hinter her. Die versammelten Katzen verteilen sich wieder auf der Lichtung, aber Schattensprung bleibt an Ort und Stelle. Ein Sturm? Schattensprung zittert, auf einmal ist im ganz kalt. Er blickt nach oben zum Himmel, die Wolken sind dunkel und Schattensprung schluckt schwer.

Wann der Sturm wohl kommen wird?

Kapitel 6

NACHTMOND SCHAUT über das Lager hinweg, sie hat alle Katzen in ihre Baue geschickt und überprüft, ob wirklich jeder in seinem Bau ist. Die Wolken sind so dunkel und dicht das man schon denkt, die Nacht beginnt, dabei ist es kurz nach Sonnenhoch. Zwei Sonnenaufgänge ist es her, seitdem Honigfleck und Mottenflug sie vor dem Sturm gewarnt haben und, weil heute der Wind am stürmischsten ist und die Wolken am dunkelsten, vermutet sie das der Sturm heute auftreten wird.

Doch dann kommt ihr die Prophezeiung in den Sinn, sie schaut hoch zum Himmel und erinnert sie an die Worte >...wenn die Wolken voller Grau sind,...< Heute sind die Wolken dunkel, sogar der Wind ist unruhig. Sie schließt ihre Augen und lässt sich ihren Pelz zerzausen und obwohl so viele Kriterien dafür sprechen das genau heute der Tag ist den der Sternenclan gemeint hat, weiß Nachtmond das es nicht so ist.

"Sind alle im Bau?" fragt Donner und streckt den Kopf aus dem Bau, Nachtmond wird aus ihren Gedanken gerissen, dann nickt sie. Sie kann nur hoffen, das die Baue stabil genug sind, ein Blatt klatscht ihr ins Gesicht und erschrocken zuckt sie zusammen. Der Wind nimmt deutlich zu, es ist kaum noch dran zu zweifeln, das der Sturm genau jetzt beginnt. Nachtmond dreht sich um und verschwindet in ihrem Bau, sie schüttelt sich, damit ihr Pelz wieder glatt anliegt. Schattensprung und Dämmerwolke spielen zusammen, während Donner ein Auge auf sie hat. "Alle sind sicher im Bau, der Sturm kann kommen." sagt sie dann.

"Was ist, wenn der Sturm unser Lager zerstört, oder die Baue fortweht und wir ohne Schutz sind?" fragt Schattensprung ängstlich. Nachtmond schnurrt und streicht ein abstehendes Haar in Schattensprungs Fell mit ihrer Zunge wieder flach. "Das passiert schon nicht." sagt sie beruhigend. "Lass uns weiter spielen!" miaut Dämmerwolke. Schattensprung scheint seine Angst verloren zu haben und stürzt sich wieder mit Dämmerwolke in den spielerischen Kampf. Nachtmond setzt sich zu Donner und schmiegt sich an ihn, "Ich kann nur hoffen, das ich auch wirklich recht habe." murmelt sie, während sie ihren Jungen beim spielen zuschaut. "Es passiert schon nichts." versichert ihr Gefährte ihr.

Nachtmond lauscht, der Wind hat zugenommen. Er peitscht an die Wände des Baues und bringt ihn zwischendurch zum beben. Nachtmond duckt sich und zieht ihre Pfoten unter ihren Bauch, insgeheim hofft sie, das Donner recht hat und wirklich nichts passiert.

"Nachtmond!" Ein Schrei hallt über die Lichtung bis in ihren Bau. Nachtmond setzt sich ruckartig auf und lauscht. "Hast du das auch gehört?" fragt sie besorgt, Donner nickt. Sofort stürmt sie aus dem Bau, braucht jemand ihre Hilfe? Ist jemand verletzt? Der Wind peitscht ihr ins Gesicht, so das ihr die Luft wegbleibt, sie legt ihre Ohren nach hinten an um sie vor den Wind zu schützen und schließt ihre Augen zu schmalen Schlitzen. Dann lässt sie ihren Blick über die Lichtung schweifen, das Wasser aus der Pfütze wurde großflächig verteilt so das nur noch halb so viel Wasser darin ist. Blätter und Äste liegen verstreut auf der Lichtung, aber die Baue sind zum Glück heil geblieben. Aber wer hat meinen Namen gerufen? fragt sie sich. Dann erblickt sie eine Katzengestalt, Nachtmond braucht einen Augenblick bis sie erkennt, wer dort auf der Lichtung steht. "Wolkenhimmel?!" ruft sie erstaunt. Wolkenhimmel nähert sich ihr, sein graues Fell ist zerzaust vom Wind und in seinen Augen liegen Panik und Angst. "Was ist los?!" fragt sie als der Wolkenclan Anführer bei ihr angekommen ist. "Es ist wegen Sturm!" ruft er verzweifelt gegen den Wind an. "Sie ist sauer auf mich und in den Wald gegangen, aber ich kann sie nicht finden. Ich mach mir solche Sorgen, bitte, du musst mir helfen!" fleht er sie an. "Ich! - Wieso?" fragt sie erstaunt. Schließlich konnte Wolkenhimmel sie nie richtig leiden? Wieso also bittet er sie um Hilfe und nicht jemand aus seinem Clan? "Ja, du. Ich war an eurer Grenze, als ich beschlossen habe das ich Hilfe brauche!" erklärt er ihr.

Nachtmond überlegt. Es ist viel zu gefährlich, jetzt raus zu gehen, aber offensichtlich braucht Wolkenhimmel wirklich dringend Hilfe. "In Ordnung, aber wir gehen sie erst nach dem Sturm suchen!" beschließt sie. Nachtmond möchte kein unnötiges Risiko eingehen. Wolkenhimmel starrt sie fassungslos an, aber bevor er etwas sagen kann, unterbricht ihn Donner. "Wolkenhimmel hat recht, es ist viel zu gefährlich für sie jetzt ganz alleine. Ihr könnte was passieren, wir müssen jetzt gehen!" miaut er laut, als er aus dem Bau rausgekommen ist.

"Wir?" fragt Nachtmond nach. Donner nickt, "Ich werde mitkommen, sie ist meine Mutter! Himmelsstern kann in der Zeit auf die Jungen aufpassen!" Nachtmond überlegt, was ist, wenn Donner etwas passiert? Das würde sie sich niemals verzeihen. Gleichzeitig aber hat Donner ein Recht darauf mitzukommen und er würde ein Nein nicht akzeptieren. "Na gut." sagt sie deshalb. Donner stürmt davon, er läuft so schnell er kann zum Kriegerbau und kommt einige Herzschläge später mit Himmelsstern wieder heraus. "Deinen Jungen wird nichts passieren!" miaut ihre Freundin überzeugt. Nachtmond nickt ihr dankbar zu, sie hat ein wenig Sorge um ihre Jungen. Wenn ihnen doch etwas passiert, ist sie selbst Schuld, "Kommt!" Wolkenhimmels Ruf reißt sie aus ihren Sorgen. Zögerlich folgt sie Wolkenhimmel und Donner und lässt das Lager hinter sich.

"Sturm!" ruft Wolkenhimmel verzweifelt gegen den Wind. Es ist schwer gegen den starken Wind anzukommen, in der Zeit als sie die Grenze überschritten haben, hat der Wind noch mehr zugenommen. Es ist schwer überhaupt etwas zu erkennen, das einzige was Nachtmond sehen kann, sind verschwommene Äste und Blätter, die sich im Wind stark hin und her bewegen. Eine Katzengestalt ist fast unmöglich zu sehen. Wolkenhimmel, Donner und Nachtmond brauchen Glück, um Sturm wiederzufinden. "Könnt ihr sie riechen?!" Die verzweifelte Frage von Wolkenhimmel kommt fast nicht bei ihr an. "Selbst wenn sie direkt vor dir steht, würdest du sie nicht riechen können, wegen dem Wind!" ruft Nachtmond zurück. Wolkenhimmel zuckt enttäuscht mit dem Schwanz, er wollte anscheinend gerade etwas sagen, als Donner ihn unterbricht. "Ich glaube ich habe was gesehen!" ruft er, Nachtmond schöpft Hoffnung. Zusammen mit Wolkenhimmel folgt sie Donner, sie schlüpft unter einem umgekippten Baum. Die anderen Bäume stützen ihn, deshalb liegt er nicht ganz auf dem Boden.

Donner macht an einem Haufen dicker Äste halt, "Ich dachte, ich hätte ihren grauen Pelz gesehen." miaut er enttäuscht und blickt entschuldigend zu seinem Vater. Nachtmonds eben aufkommende Hoffnung versiegt, gibt es überhaupt noch Hoffnung sie zu finden? "Das hast du auch, Donner!" ruft Wolkenhimmel auf einmal begeistert. Nachtmond eilt an seine Seite, Wolkenhimmel müht sich ab, einen dicken Ast beiseite zu ziehen und Nachtmond schiebt am anderen, dicht belaubten Ende des Astes, die Blätter und Zweige weg.. "Sturm!" jault Wolkenhimmel erleichtert auf als er grauen Pelz erblickt. Zu dritt zerren sie den letzten schweren Ast von ihr runter, Nachtmond bleibt keuchend vor Anstrengung stehen.

"Es ist alles wieder gut!" miaut Wolkenhimmel zutiefst erleichtert und stürzt sich auf sie und vergräbt sofort seine Schnauze in ihrem weichen Fell. Nachtmond blick an Wolkenhimmel vorbei und schaut Sturm in die Augen, sie scheint schon weit weg zu sein. Auf einmal wird ihr mit schweren Herzens bewusst, das Sturm es nicht überleben wird. Die graue Königin öffnet langsam ihr Maul, aber die Worte kommen kaum hörbar über ihre Lippen. Nun scheint auch Wolkenhimmel gemerkt zu haben wie schlecht es ihr geht, in seinen Augen spiegeln sich Angst und Trauer. Er bewegt sein Maul und Nachtmond kann erkennen, das er Sturm gesagt hat. Sturm schaut ihn liebevoll in die Augen, aber dann wird ihr liebevoller Blick starr und leer.

Nachtmond bleibt reglos stehen und starrt nur auf die Leiche, aus dem offenem Maul sickert Blut, welches sich in einer kleinen Pfütze sammelt. Ein Schmerz zieht durch ihr Herz, sie stand Sturm nicht so nah wie Donner oder Wolkenhimmel, doch sie war eine gute Kätzin und sie erwartete Junge.

Nachtmond blickt zu Donner, ihr Gefährte starrt fassungslos auf seine Mutter. Dann wandert ihr Blick zu Wolkenhimmel, seine Augen flimmern vor Traurigkeit. Dann stößt er einen verzweifelten, kummervollen Schrei aus, der sogar den tosenden Wind übertönt. In seinem Ruf ist so viel Schmerz, das es Nachtmond das Herz zerreißt, noch nie hat sie Wolkenhimmel so angeschlagen gesehen wie jetzt. Der laute Trauerschrei verklingt in der Ferne und Wolkenhimmel vergräbt seine Schnauze im grauen Pelz seiner Gefährtin. Donner setzt sich neben seine Mutter, er zeigt keinerlei Reaktion. Außer den traurigen Blick und den herabhängenden Schultern lässt nichts darauf schließen, wie es in ihm aussieht. Trotzdem weiß Nachtmond, das es Donner tief im Herzen getroffen hat.

Auf einmal sieht sie eine Bewegung in ihrem Augenwinkel. Zuerst glaubt Nachtmond das es nur ein Blatt sei bis es ihre volle Aufmerksamkeit erregt. Sie schaut genauer an Sturms Bauch und entdeckt einen kleinen Katzenschwanz, sofort schiebt sie Sturm sanft beiseite. Drei Junge kommen zum Vorschein. Sofort beugt sich Nachtmond hinunter und beginnt sie abzulecken. Ein winziges Bündel, winziger als Dämmerwolke und Schattensprung damals, leckt sie zu erstab. Es ist eine weiß graue Kätzin. Tiefer Schmerz zieht durch ihr Herz als sie feststellt, dass das Junge nicht mehr lebt. Nachtmond wendet sich dem nächsten zu, es sieht Wolkenhimmel ähnlicher, aber auch dieses regt sich nicht und erneut wogt Kummer durch ihr Herz. Ohne Hoffnung, das überhaut ein Junges überlebt hat leckt sie das dritte Junge ab. Es ist eine kleine Kätzin. Nachtmond zuckt zusammen als es sich auf einmal ganz leicht bewegt. "Es lebt!" jault sie überglücklich. "Wirklich?" miaut Donner und Nachtmond nickt. Sie packt das Junge am Nackenfell und reicht es Wolkenhimmel, der immer noch bei Sturm saß, jedoch alles beobachtet hatte.

"Sind die Jungen nicht zu früh?" fragt Donner und starrt auf das graue Bündel das in Nachtmonds Maul hängt. Wolkenhimmel nickt, "Wolkenfleck hatte vermutet, das sie zu früh kommen werden und wegen dem Stress sind sie anscheinend heute gekommen!" sagt er gegen den Wind. Nachtmond hält Wolkenhimmel das Junge entgegen, aber er weicht nur zurück. "Nimm!" nuschelt sie, aber Wolkenhimmel schüttelt nur den Kopf. "Sie sieht Sturm so ähnlich, ich kann sie nicht behalten." Tiefe Trauter überschattet seine Stimme. Nachtmond legt das Junge vor ihre Pfoten und beginnt es zu putzen damit es warm bleibt. Sie ist geschockt über das was Wolkenhimmel gesagt hat, aber das Junge geht vor.

"Was!" Donner ist fassungslos. "Du hast nicht nur mich damals weg geschickt sondern jetzt auch sie?!" faucht er entrüstet und zeigt auf das Junge das sich unter Nachtmonds gleichmäßigen Zungenstrichen kaum bewegt. Beschämt blickt Wolkenhimmel zu Boden, "Verstehe doch, sie wird mich immer an Sturm erinnern. Das kann ich nicht!" miaut Wolkenhimmel verzweifelt. In Nachtmond kommt die Wut hoch, wie kann man sein eigenes Junges verstoßen und das gleich zweimal? Aber sie schweigt und wärmt das Junge, sie weiß, Donner wird sich um seine jüngere Schwester kümmern. "Wenn du meinst. Bei uns ist es besser aufgehoben, denn da hat sie Katzen, die sie lieben und sie sie nicht wegschicken!" blafft Donner, Wolkenhimmel schweigt. Offensichtlich fiel es ihm nicht leicht, diese Entscheidung getroffen zu haben, doch erhatte sich entschieden. Er ist eben immer noch der gleiche Kater wie damals, denkt Nachtwolke ungehalten, egal wie sehr er um Sturm trauert. "Nehmt sie mit und kümmert euch gut um sie!" bittet der Wolkenclan Anführer. "Du bist der schlechteste Vater den es gibt!" zischt Donner wütend, dann kehrt er mit peitschendem Schwanz um.

Nachtmond hebt das Junge auf und folgt in seinem Windschatten, das Junge soll so wenig wie möglich dem Sturm ausgesetzt sein. Sie hört ein kleines und leises maunzen und insgeheim hofft sie, dass das Junge überlebt. Es ist so klein und schwach.

Nachtmond dreht sich noch einmal nach hinten um, Wolkenhimmel kauert nach wie vor bei Sturm und trauert - er scheint sich nicht mal für die Jungen zu interessieren. Hoffentlich wird er sie wenigstens ordentlich bestatten, denkt sie noch, dann wendet sie sich endgültig ab und folgt Donner.

Kapitel 7

FÜNF SONNENAUFGÄNGE sind vergangen, seit dem Dämmerwolkes Mutter, Nachtmond, ein Junges mit ins Lager gebracht hat. Sie kann sich noch gut an den Tag erinnern. Dämmerwolke und Schattensprung saßen, zusammen mit Himmelsstern, im Bau und warteten, bis Nachtmond und Donner zurück kamen. Schattensprung hat die ganze Zeit gewimmert und Himmelsstern hat ihn immer wieder mit sanften Worten beruhigt. Dämmerwolke hatte sich fürchterliche Sorgen um ihre Eltern gemacht und die ganze Zeit gelauscht, aber wegen dem Wind war das kaum möglich.

Als sie dann endlich angekommen sind, hatten sie ein weiteres Junges dabei, es sah ganz klein und zerbrechlich aus. Es hing ganz schlaff aus dem Maul ihrer Mutter und hatte sich kaum gerührt. Donner hatte ihnen erklärt, wie sie Sturm gefunden haben und Wolkenhimmel das Junge nicht haben wollte. Sie war zutiefst erschrocken, das Wolkenhimmel sein eigenes Junges ablehnte, damals hat sie sich vorgestellt, wie es für sie gewesen wäre, wenn Nachtmond und Donner sie und Schattensprung einfach weggegeben hätten. Das wäre grauenvoll. Sofort hat Dämmerwolke Mitleid mit dem winzigen Kätzchen bekommen. Während Nachtmond Sonnentüpfel geholt hatte, hatte Donner ihnen gesagt, das es einen halben Mond zu früh geboren ist und deshalb sehr schwach und zerbrechlich sei und er hatte recht. Denn als Sonnentüpfel endlich gekommen war, war sich die Heilerin unsicher, ob es überhaupt überleben würde. Trotzdem hat sie sich um das Junge gekümmert und ihr ein paar der Kräuter gegeben, deren Namen sich Dämmerwolke nicht merken kann. Dann hat sie die Aufgabe von Sonnentüpfel bekommen auf das Junge aufzupassen und es immer im Auge zu behalten. Sie musste zugeben das es besser war, als im Heilerbau zu sitzen und Kräuter zu lernen.

"Ich werde kurz zum Frischbeutehaufen gehen und was essen, pass du bitte so lange gut auf Sturmwolke auf, ja?" miaut Nachtmond und reißt Dämmerwolke aus ihren Erinnerungen, dann nickt sie zustimmend. Nachtmond schiebt den Flechtenvorhang beiseite und grelle Sonnenstrahlen scheinen Dämmerwolke ins Auge. Es tut gut, ein wenig Sonne abzubekommen, nach dem starken Sturm , leider kann sie die Sonne kaum nutzen, weil sie auf Sturmwolke aufpassen muss.

Dämmerwolke schaut auf das kleine Junge hinab, es liegt ganz still da und zuckt manchmal ein wenig mit dem Schwanz. Die Augen der kleinen Kätzin sind noch immer geschlossen und Sonnentüpfel meinte, das ihre Entwicklung länger dauern wird, weil sie noch so klein und zu früh geboren ist. Dämmerwolke beobachtet Sturmwolke und erinnert sich daran, wie sie den Namen bekommen hat. Nachtmond und Donner haben sich für den Namen entschieden, weil er an Sturm und Wolkenhimmel erinnern soll.

Sie legt sich zu der kleinen grauen Kätzin und wärmt sie, schließlich hat Sonnentüpfel gesagt, das ihr nicht zu kalt werden darf. Sturmwolke hebt ganz leicht den Kopf, lässt ihn dann aber direkt wieder sinken. Bei dem Anblick des Jungen spürt Dämmerwolke wie ihr das Herz aufgeht. Im Vergleich zu Sturmwolke ist sie riesengroß, Dämmerwolke beugt sich hinab und leckt ihr sachte über den Kopf. Erinnerungen stiegen in ihr auf, wie sie in ihrem Nest lag und Nachtmond ihr und Schattensprung abwechselnd mit der Zunge über den Kopf gestrichen hat.

"Dämmerwolke." Nachtmond ruft ihren Namen als sie, mit einer Maus im Maul, in den Bau kommt. Dämmerwolke blickt auf, "Sonnentüpfel erwartet dich in ihrem Bau." miaut sie nachdem sie die Maus abgelegt hatte. "Aber was ist mit Sturmwolke?!" protestiert sie. Wenn Sonnentüpfel sie brauchte, würde das irgendwas mit Kräutern zu tun haben, Dämmerwolke würde lieber bei Sturmwolke bleiben. Außerdem war es doch ihre Aufgabe, auf Sturmwolkes Gesundheit zu achten. "Ich passe schon auf. Sturmwolkes Zustand hat sich außerdem in den fünf Sonnenaufgängen verbessert. Es passiert ihr schon nichts." sagt ihre Mutter und schubst Dämmerwolke aus dem Nest, damit sie sich selbst hineinlegen kann um Sturmwolke zu wärmen. Dämmerwolke rollt mit den Augen und trottet ohne ein Wort aus dem Bau, sie seufzt genervt. Bestimmt muss sie wieder irgendetwas total Langweiliges machen, wie Kräuter auswendig lernen oder sortieren. Bisher hat Sonnentüpfel ihr nur einmal etwas erklärt, was ihr wirklich nützlich vorkam, wenn sie mal eine Kriegerin werden wollte. Denn vor ein paar Sonnenaufgängen hat Sonnentüpfel ihr gezeigt, wie man eine Katze wieder beleben kann. Leider war das auch das Einzig mal.

Ausnahmsweise hat sie da sogar etwas zugehört, trotzdem nicht alles mitbekommen, weil sie mit anderen Gedanken beschäftigt war. "Du wolltest das ich zu dir komme." miaut Dämmerwolke stumpf, als sie den Bau betrat. An den strengen Kräutergeruch hat sie sich schon gewöhnt, weshalb er ihr nichts mehr ausmacht.

Sonnentüpfel kommt aus dem hinteren Teil des Baues, "Gut das du da bist!" sagt sie fröhlich und winkt Dämmerwolke mit einer Schwanzgeste zu sich nach hinten. "Die Kräuter müssen aussortiert werden, würdest du das bitte machen? Ich gehe in der Zeit neue sammeln." miaut die Heilerin und schnippt mit dem Schwanz. "Natürlich." seufzt Dämmerwolke genervt und verdreht die Augen. "Gut." Nach diesem Wort verlässt Sonnentüpfel den Bau.

Dämmerwolke lässt sich vor der Wand mit den Kräutern nieder, "Zum Glück dauert es nicht mehr lange, bis ich sechs Monde alt bin." Murmelt sie, während sie ein Bündel Kräuter aus der Wand zieht. Dämmerwolke weiß, das es Ampfer ist und man diese Kraut für Wunden verwendet, aber das ist auch fast das einzige, was sie weiß. Sie kennt noch Mohnsamen, das unterdrückt den Schmerz und macht Katzen schläfrig. Sie hat mal überlegt, Sonnentüpfel heimlich ein paar Mohnsamen zu geben damit sie schön lange schläft und ihr nicht mit irgendwelchen Heileraufgaben das Leben schwer machen kann. Aber obwohl sie die Arbeit einer Heilerkatze verabscheut, versteht sie, wie wichtig Sonnentüpfel ist und hat es dann gelassen.

Dämmerwolke legt den sortieren Ampfer wieder zurück und nimmt sich das nächste Kraut. Es ist Ringelblume, aber was sie bewirkt weiß sie nicht mehr. Dämmerwolke legt einen Stängel des Krautes beiseite, er ist schon zu alt und hat seine Wirkung verloren, den Rest legt sie wieder zurück. "Das ist so langweilig." stöhnt sie und wirft ihren Kopf in den Nacken. Sie betrachtet die Decke des Baues, die eine oder andere Wurzel lugt dort heraus und dann rieselt ein wenig Erde auf ihre Schnauze. Dämmerwolke nimmt ihren Kopf aus dem Nacken und schüttelt die Erde von sich ab, sie betrachtet die Wand mit den vielen Kräutern und zieht lustlos ein weiteres Kraut heraus.

"Sonnentüpfel!" Ein Schrei auf der Lichtung ertönt und Dämmerwolke zuckt erschrocken zusammen. Der Bau fängt an zu beben und sofort kommt Dämmerwolke in den vorderen Teil des Baues. Blitzschweif und Himmelsstern tragen den jungen Kater Silberdistel auf ihren Schultern, die Augen der zwei glänzen panisch. "Was ist passiert?" fragt Dämmerwolke erschrocken und starrt mit weit aufgerissenen Augen auf den jungen Kater. "Beim Jagen ist Silberdistel in den Fluss gefallen!" jault Himmelsstern ängstlich und lässt, zusammen mit Blitzschweif, den rotbraunen Kater auf den Boden sinken. "Wir konnten ihn rausziehen, aber er atmet nicht mehr." miaut Blitzschweif mit belegter Stimme und lauscht mit einem Ohr an Silberdistels Brust. Dämmerwolke ist wie erstarrt, was soll sie bloß tun? Sonnentüpfel ist nicht da und sie weiß nicht, was sie machen soll. "Wir brauchen Sonnentüpfel." sagt Himmelsstern energisch. Dämmerwolke senkt den Kopf, "Sie ist nicht da." murmelt sie. Himmelsstern und Blitzschweif wechseln besorgte Blicke, "Silberdistel hat Wasser in der Brust, er braucht sofort Hilfe. Ich gehe Sonnentüpfel suchen!" sagt Blitzschweif entschlossen und wollte gerade aus dem Bau stürmen.

"Warte!" ruft Dämmerwolke plötzlich, Blitzschweif bleibt stehen und schaut sie an. "Es würde zu lange dauern, ich kann Silberdistel helfen." miaut Dämmerwolke entschlossen. "Gut, dann tu was du tun muss." sagt Himmelsstern erleichtert.

Zögernd lässt sich Dämmerwolke vor dem nassen Kater nieder, ihr Pelz kribbelt. Was hat sie da nur gesagt? Sie weiß doch gar nicht was sie tun muss? Mit schwerem Herzen wird Dämmerwolke bewusst, das alles was sie weiß nichts bringen wird. Silberdistel hat keine Wunden, wo man Ampfer einsetzen kann oder Schmerzen, wo man Mohnsamen ihm geben könnte. Dämmerwolke schließt die Augen. Sie spürt, welch ein Druck auf sie lastet und versucht sich zu beruhigen, um richtig denken zu können.

Plötzlich spürt sie einen Windzug an ihrem Ohr und sie "hört" die Worte von Sonnentüpfel, als sie ihr erklärte, wie man Katzen wiederbelebt. Hoffnung keimt in ihr. "Aber natürlich." quiekt sie erfreut als, sie endlich weiß, was sie tun muss. Dämmerwolke legt ihre Pfoten auf die Brust von Silberdistel und drückt kräftig, aber sie ist zu schwach, um genügend Druck auszuüben. Dämmerwolke legt erneut ihre Pfoten auf sein nasses Fell und drückt wieder, so fest sie kann, auf seine Brust, aber nichts geschieht. Sie ist zu klein und leicht, um es mehrfach und schnell hintereinander zu machen, also würde es kaum was bringen. "Ich schaffe das nicht." murmelt sie frustriert und senkt den Kopf. "Aber du musst!" jault Blitzschweif nervös. Dämmerwolke traut sich nicht, in die Augen des erfahrenden Kriegers zu schauen, sie hat ihn und alle anderen enttäuscht.

"Du kannst das Dämmerwolke, das Leben von Silberdistel hängt von dir ab." miaut Himmelsstern beschwörend, aber Dämmerwolke hört den flehenden Unterton. Sie weiß das Silberdistel sterben wird, vielleicht ist es auch schon zu spät? Dämmerwolke starrt auf den nassen Körper, auf einmal strömt so Kraft und Entschlossenheit in sie. Sie spannt ihre Hinterläufe an und springt mit einem lauten Aufschrei auf Silberdistels Brust. Sofort beginnt er zu husten, schnell springt Dämmerwolke von ihm runter und starrt ihn erschrocken an.

Habe ich es geschafft? fragt sie sich. Silberdistel krümmt sich und spuckt eine Menge Wasser aus, dann sinkt er zu Boden. "Silberdistel?" maunzt Dämmerwolke und beugt sich nach vorne. "Mir geht es gut." krächzt er schwach. Dämmerwolke bekommt große Augen. Ich habe gerade einer Katze das Leben gerettet. Aufgeregt springt sie hin und her, sie ist so stolz auf sich, das sie Silberdistel gerettet hat. "Das hast du gut gemacht Dämmerwolke." lobt Himmelsstern sie, "Ja, gut gemacht." stimmt Blitzschweif zu. Dämmerwolke spürt eine Woge Stolz und reckt die Brust raus.

"Was ist denn hier los?!" Dämmerwolkes Blick huscht zum Eingang. Sonnentüpfel hat ihre Kräuter fallen gelassen und starrt verwirrt und erschrocken auf die vier Katzen. Zuerst schaut sie Blitzschweif und Himmelsstern an dann wandert ihr Blick zu Silberdistel und schließlich zu Dämmerwolke. "Hallo, Sonnentüpfel." miaut Dämmerwolke unsicher.

"Du hast was?!" miaut Sonnentüpfel laut, ihr heller Pelz sträubt sich und ihre Augen sind groß vor Überraschung. Dämmerwolke starrt auf ihre Pfoten. Sie hat ihrer Mentorin erzählt, das sie Silberdistel gerettet hat, aber Dämmerwolke ist sich unsicher, ob Sonnentüpfel das jetzt positiv oder negativ aufgenommen hat. Ihre Reaktion >Du hast was?!< kann Dämmerwolke nicht gut deuten. Was genau soll das jetzt bedeuten?

Zögernd hebt Dämmerwolke ihren Kopf ein wenig und schaut ihrer Mentorin in die Augen. Diese schweigt immer noch und starrt sie einfach an. "Das ist großartig!" jubelt Sonnentüpfel auf einmal. Dämmerwolke zuckt erschrocken zusammen, "Ich wusste, das ich dir was beigebracht habe!" Sie schnurrt begeistert. Dämmerwolke schaut sie verwirrt an, sie kommt mit den Gedanken nicht mehr hinterher. "Mir ist nicht entgangen, das du oft nicht aufpasst, aber das du dir die Technik gemerkt und sie sogar angewendet hast, erfüllt mich mit Stolz!" schnurrt Sonnentüpfel und stürmt auf sie zu um sie freundlich in die Wange zu knuffen. Dämmerwolke atmet erleichtert aus und genießt den Lob von ihrer Mentorin. Sie hat jemandem das Leben gerettet und das Gefühl ist großartig. Bald würde sie mit Zähnen und Krallen ihren Clan verteidigen und unzähligen Katzen das Leben retten, wird sie dann auch dieses großartige Gefühl spüren?

"Ihr könnt nun gehen. Silberdistel bleibt aber, ich werde ihn vorsichtshalber untersuchen." sagt sie zu Blitzschweif und Himmelsstern. Sonnentüpfels Stimme hat sich gesenkt, aber trotzdem hört man noch die aufgeregte Schwingung. Blitzschweif und Himmelsstern nicken und verschwinden mit einem letzten Blick auf Silberdistel aus dem Bau. "Berichte doch Nachtmond davon, Himmelsstern!" ruft Sonnentüpfel ihr noch hinterher.

Während Sonnentüpfel Silberdistel gründlich untersucht schaut Dämmerwolke nur zu, sie kann immer noch kaum glauben was sie vollbracht hat. Zum ersten mal hat es ihr gefallen, Heilerwissen zu besitzen, trotzdem zieht sie das Kriegerdasein vor. "Dir geht es gut, sag aber bescheid, wenn du irgendwelche Veränderungen merkst." Mit diesen Worten entlässt Sonnentüpfel den rot braunen Kater. Silberdistel blinzelt Dämmerwolke beim vorbeigehen freundlich zu.

Der Bau raschelt, "Dämmerwolke?" Die vertraute Stimme von Nachtmond dringt von außerhalb des Baues ins innere. Dann taucht ihre Mutter auf, "Ist es wahr?" fragt sie sofort bevor Dämmerwolke sie begrüßen kann. "Ja ist es, ist das nicht toll?" Es ist Sonnentüpfel, die antwortet und mit strahlenden Augen auf Nachtmond zuläuft. "Sie hat ihm das Leben gerettet!" miaut Sonnentüpfel noch einmal fröhlich und streckt den Schwanz nach oben. Offensichtlich freut sie sich sehr darüber, das Dämmerwolke Silberdistel das Leben gerettet hat und Dämmerwolke kann nicht leugnen, das auch sie sich darüber freut. "Das ist wunderbar, ich bin stolz auf dich." schnurrt Nachtmond und leckt Dämmerwolke sanft zwischen den Ohren, Dämmerwolke fängt an zu schnurren.

"Ich denke das du und Schattensprung so weit seid." miaut Nachtmond, nachdem sie sich geräuspert hat. Dämmerwolke schaut auf, wofür bereit? Nachtmond wechselt einen Blick mit Sonnentüpfel, die helle Kätzin nickt feierlich. "Morgen könnt ihr wählen welchen Weg ihr nehmen werdet." Bei den Worte ihrer Mutter werden Dämmerwolkes Augen ganz groß. Hat sie richtig verstanden? Morgen wird sie eine Kriegerin? "Wirklich?" fragt Dämmerwolke vorsichtshalber nach, kann ja sein das sie sich verhört hat. Nachtmond nickt, "Es sind sowieso nur noch ein paar Tage und ihr seid jetzt schon bereit." miaut sie und schnippt Gleichmütig mit dem Schwanz. Dämmerwolkes Herz klopft, endlich wird sich ihren Traum erfüllen. "Juhu!" jubelt Dämmerwolke und rast sofort aus dem Bau, sie schaut über die Lichtung und entdeckt Schattensprung, der sich an ein Blatt anpirscht. Sie läuft auf ihn zu und springt in seine Seite, dann drückt sie ihn zu Boden und blickt ihn überglücklich an.

Schattensprung schaut überrascht auf, aber bevor er fragen konnte was los ist, miaut Dämmerwolke laut:" Morgen können wir unseren Weg wählen!"

Kapitel 8

SCHATTENSPRUNG WARTET geduldig am Fuße des Felsvorsprungs, vor Aufregung kann er kaum still sitzen. Er schaut zu seiner Schwester rüber, Dämmerwolkes Augen leuchten aufgeregt und sie knetet den Boden mit ihren Pfoten. Schattensprung schmunzelt, seine Schwester scheint sich am meisten darüber zu freuen. Schließlich musste sie eine Heilerkatze sein und nun wird sie davon erlöst.

Schattensprung schaut über seine Schulter, hinter ihnen sitzt der ganze Clan. Wolfsruf und Blatt sitzen Pelz an Pelz an der Seite der Katzenmenge, bei genauerem hinsehen kann man sogar erkennen, das Wolfsrufs Bauch etwas dicker geworden ist. Himmelsstern sitzt dicht hinter ihm, als sie merkt, das Schattensprung sie anschaut, zwinkert die getigerte Kätzin ihm freundlich zu. Silberdistel und Klee haben sich einen Platz bei Wolfsruf und Blatt gesucht, Blitzschweif hat sich hinter Himmelsstern gestellt und Sonnentüpfel sitzt mitten in der Menge und starrt nachdenklich in den Himmel.

"Ich bitte um eure Aufmerksamkeit!" ruft Nachtmond laut, Schattensprung schaut schnell hoch zu seiner Mutter. Er kann es kaum abwarten, gleich wird er den Weg eines Kriegers gehen. Nachtmond und Donner werden ihm alles lehren, aber er ist gespannt, wer sein zusätzlicher Mentor wird. Nachtmond hat entschieden, das eine Katze, außerhalb der Familie, das Training begleiten soll und ebenfalls ein Mentor sein wird. Nachtmond meint das so verhindert wird, das die Mütter und Väter zu nachsichtig zu ihren Jungen sind. "Heute ist es so weit, zwei Junge können ihren Weg wählen!" ruft Nachtmond laut, dann blickt sie zu Schattensprung und winkt ihn zu sich. Schattensprung ist ganz aufgeregt, er bemüht sich seinen Pelz flach zu halten. Dann klettert er den Felsvorsprung hinauf und setzt sich aufgeregt neben Nachtmond. Die Aussicht von hier oben ist toll, alles sieht etwas kleiner aus und zu ersten mal ist er größer als alle anderen.

"Schattensprung!" Als Nachtmond seinen Namen ruft blickt er sie sofort an. Er kann Wärme und Stolz in ihren Augen wahrnehmen, sein Blick schweift hinüber zu Donner, der etwas weiter hinten sitzt und ihn voller Liebe und Zuneigung betrachtet. "Schattensprung, schwörst du deinem Clan ewige Treue?" fragt Nachtmond. Schattensprung bleiben zuerst die Worte ihm Hals stecken, niemand hat ihn darauf vorbereitet, das er eine Frage beantworten muss. Völlig überfordert sucht er nach den richtigen Worten. "Ich schwöre!" sagt er schließlich entschlossen. Nachtmond nickt, "Dann darfst du jetzt deinen Weg wählen!" miaut sie und nickt ihm freundlich zu. Schattensprung schaut hinunter auf seinen Clan, er setzt sich aufrecht hin und miaut laut:" Ich wähle den Weg eines Kriegers!" Der ganze Mondclan jubelt und streckt die Schwänze hoch in die Luft.

Nachtmond streckt den Schwanz in die Luft und sofort verstummt jeder, dann miaut sie:"Ich möchte das Klee deine Ausbildung mit beeinflusst und dir alles beibringt was sie kann!" Schattensprung sucht den Blick der jungen Kätzin, ihre Augen leuchten aufgeregt. "Du kannst nun wieder gehen." flüstert Nachtmond ihm ins Ohr. Stolz verlässt er den Felsvorsprung und stellt sich wieder an seinen Platz, er blickt kurz zu Klee und wechselt einen freundlichen Blick mit ihm. "Dämmerwolke, komm her!" bittet Nachtmond nun seine Schwester nach oben. Ihm entgeht nicht, wie sehr sie sich bemühen muss ihren Pelz flach zu halten, sie klettert geschickt den Felsvorsprung hinauf und stellt sich dann mit leuchtenden Augen neben Nachtmond. "Dämmerwolke, schwörst du deinem Clan ewige Treue?" fragt Nachtmond erneut. Dämmerwolke nickt aufgeregt, "Natürlich." antwortet sie. "Dann darfst du deinen Weg wählen." sagt seine Mutter und nickt Dämmerwolke zu.

"Ich wähle den Weg..."

"Einer Heilerin!" ruft Sonnentüpfel auf einmal. Schattensprungs Fell stellt sich auf. Soll das ein schlechter Scherz sein? Jeder weiß das Dämmerwolke eine Kriegerin wird. Die Katzen murmeln verwirrt miteinander, Unruhe kommt auf und Schattensprung wird nervös. Er blickt hinauf zu seiner Schwester, die Sonnentüpfel verärgert anstarrt und sie hat jedes Recht wütend auf sie zu sein. Sonnentüpfel kann doch nicht einfach den Weg einer anderen Katze bestimmen, sie kann doch nicht einfach mitten in der Zeremonie reinplatzen und sie für Dämmerwolke zerstören. "Sonnentüpfel, ich hoffe du hast eine gute Erklärung dafür, schließlich darf Dämmerwolke ihren Weg nun selbst bestimmen." miaut Nachtmond sanft. Sonnentüpfel richtet sich auf, "Ja das habe ich! Letze Nacht ist mir Halber Mond im Traum erschienen und sie sagte, die Dämmerung ging auf der richtigen Seite unter, sorge dafür, das sie auch auf der richtigen Seite aufgeht. Ich habe am Anfang nicht ganz verstanden was sie damit meinte, aber jetzt tu ich es." rechtfertigt sich Sonnentüpfel. Schattensprung spitzt die Ohren, er hat viel vom Sternenclan gehört, aber aber nie in irgendeiner Art und Weise mitbekommen, das er mit Sonnentüpfel spricht. Sonnentüpfel wendet sich an Dämmerwolke, "Tut mir leid, aber der Sternenclan möchte, das du eine Heilerin wirst." sagt sie und neigt höflich den Kopf.

Schattensprung schaut zu Dämmerwolke, sie starrt Sonnentüpfel ungläubig an. Die Katzen um ihn herum sind still, sie scheinen kein Wort von dem zu verstehen, was Sonnentüpfel gesagt hat. Auf einmal stellt sich der Pelz seiner Schwester auf, ihre Augen lodern vor Zorn und sie fährt ihre Krallen aus. Schattensprung duckt sich tief in seinen Pelz, so hatte er sich seine Zeremonie nicht vorgestellt. "Ich soll was?! Ich werde ganz bestimmt keine Heilerin, das kannst du nicht von mir verlangen!" faucht Dämmerwolke wütend. "Das verlange nicht ich von dir, der Sternenclan tut es." antwortet die Heilerin ruhig. Dämmerwolke blickt empört zu Nachtmond. "Tut mir leid, Dämmerwolke, dem Sternenclan dürfen wir uns nicht wiedersetzen." sagt diese und schüttelt traurig den Kopf. Dämmerwolkes wütender Blick verschwindet und verwandelt sich in tiefe Enttäuschung. Seine Schwester lässt ihren Schwanz tief sinken, offenbar hat sie eingesehen, das kein Weg um ihr dieser ungewollte Weg nicht erspart bleibt.

"Damit ist es also beschlossen, Dämmerwolke wählt den Weg einer Heilerin. Sonnentüpfel wird dir alles beibringen was sie weiß." sagt Nachtmond dann schließlich, um die unangenehme Situation zu beenden. Schattensprung bemitleidet Dämmerwolke, sie hatte sich so sehr auf diesen Tag gefreut, ihn herbeigesehnt und nun ist er zerstört. Der Clan löst sich auf und tuschelt miteinander, Schattensprung bleibt aber noch eine Weile auf seinem Platz sitzen und beobachtet, wie der Zorn in Dämmerwolkes Augen immer größer wird.

"Schattensprung." Donner, sein Vater, ruft seinen Namen. Schattensprung löst seinen Blick von seiner Schwester. "Komm, wir suchen Klee und fangen dann sofort an mit dem Rundgang vom Territorium." miaut er fröhlich und schnippt mit dem Schwanz.

Schattensprung trottet seinem Vater hinterher, auch wenn er sein Ziel erreicht hat, würde er sich mehr freuen, wenn Dämmerwolke jetzt neben ihm aufgeregt auf und ab hüpfen würde. Er hat sich gefreut das Training mit ihr gemeinsam zu absolvieren, aber jetzt hat alles eine überraschende Wendung genommen.

Schattensprung, Donner und Klee gehen an der Wolkenclan Grenze vorbei. Er war hier bereits, zusammen mit Dämmerwolke und Nachtmond. Damals hat es angefangen zu regnen und alle wurden ganz nass, es war furchtbar kalt und Dämmerwolke musste sogar in den Heilerbau. Danach musste sie eine Heilerin sein, bis sie sechs Monde alt war und Schattensprung weiß immer noch nicht richtig wieso.

"Hörst du das?" fragt Klee auf einmal und reißt ihn aus seinen Erinnerungen. Schattensprung fängt an zu lauschen, aber er kann rein gar nichts hören. Er schaut Klee fragend an, "Schließe deine Augen und werde eins mit der Umgebung." rät sie ihm. Schattensprung bleibt stehen, er schließt seine Augen wie Klee es ihm gesagt hatte und lauscht erneut.

Plötzlich spürt er viel intensiver den weichen Waldboden unter seinen Pfoten, er spürt den sanften Wind der durch die Bäume weht und hört das Rascheln der Blätter. Es ist unglaublich, er fühlt sich so als wäre er wirklich eins mit der Umgebung um sich herum. Er strengt seine Sinne mehr an, in der Ferne hört er das Gurgeln eines Baches und gleich danach das Zwitschern eines Vogels. Schattensprung öffnet seine Augen wieder, "Unglaublich!" ruft er begeistert. "Ja, bald wirst du das können, ohne deine Augen zu schließen." erklärt Donner und streicht ihm mit seinem Schwanz über die Flanke. Schattensprung staunt, er freut sich schon darauf den ganzen Wald wahrzunehmen ohne seine Augen schließen zu müssen. "Kommt, der Bach in der Ferne ist unsere nächste Grenze." miaut Donner und geht weiter durch den Wald. Schattensprung lässt sich von Klee und Donner führen, er betrachtet den Wald genau. Er schaut hoch in die Baumkronen und entdeckt einen Schatten, der von Ast du Ast springt, Ist das ein Eichhörnchen? fragt er sich. Der Schatten ist nun direkt über ihm, aber dann hört er das Knacken eines Astes.

"Aua!" jault er erschrocken auf, als etwas kleines auf seinen Kopf fällt, ein buschiger Schwanz versperrt ihm die Sicht und er sieht nur rotes Fell vor seinen Augen. "Was ist das? Ich sehe nichts mehr!" miaut er panisch. Dann verschwindet der Fellvorhang vor seinen Augen und er kann endlich wieder Tageslicht sehen. Er blinzelt und schaut sich um, neben ihm läuft ein Eichhörnchen so schnell weg wie es kann. In Zick-Zack-Bewegungen eilt es zum Baum und klettert hinauf, aber dann fliegt ein rot weißes Pfotenpaar auf das Eichhörnchen zu und holt es wieder vom Baum herunter.

Schattensprung beobachtet Klee genau, er ist fasziniert davon, wie schnell sie reagiert hat. Das Eichhörnchen windet sich unter den Pfoten von Klee und versucht zu entkommen, aber bevor ihm das gelingt, tötet sie es mit einem schnellem Biss ins Genick. "Guter Fang." lobt Donner sie. "Ja, das war unglaublich." stimmt Schattensprung zu. "Es war Glück. Sogar Eichhörnchen machen beim Klettern Fehler und diesen habe ich ausgenutzt." schnurrt Klee und vergräbt ihre Beute unter der Erde. Nun ist dort ein kleiner Erdhügel, als hätte ein Maulwurf dort gegraben. "Kommt, bis zum Fluss ist es nicht mehr weit." miaut Donner und schnippt mit dem Schwanz. Schattensprung eilt an seine Seite, er ist noch nicht allzulange im Wald und trotzdem hat er schon so viel gesehen und erlebt. Schattensprung fängt an zu schnurren, er möchte noch viel mehr sehen und lernen, er kann es kaum erwarten, ein echter Krieger zu sein.

Schattensprung lugt über das Ufer in den Fluss, eine glitschige Gestalt kommt kurz an die Oberfläche und schnappt sich eine Fliege. Als sie wieder abtaucht platscht sie mit dem Schwanz auf das Wasser und Schattensprung weicht zurück, als ein Wassertropfen seine Nase berührt. "Das war ein Fisch, der Flussclan frisst Fische." erklärt Klee und deutet auf einen Schatten im Wasser. Schattensprung hat mal davon gehört das der Flussclan Fische fressen soll, er fragt sich wie ein Fisch wohl schmeckt. Vorsichtig springt Schattensprung auf den Kieselboden der leicht vom Wasser berührt wird, dann beugt er sicht über die Wasseroberfläche und versucht einen Fisch ausfindig zu machen. "Darf ich einen fangen und probieren?" Fragt er ohne den Blick von dem Wasser abzuwenden. "Wir müssten den Flussclan erst Fragen, es sind seine Fische." sagt Donner.

"Es gibt so viele Fische im Wasser das es nicht schaden würde wenn er einen fängt." meldet sich eine Stimme von der anderen Seite. Schattensprung blickt auf, ein großer brauner Kater taucht aus dem Schilf auf. Er hat ein dunkelbraunes Muster auf seinem mittellangem Fell, an seiner Flanke ist am meisten vom dem dunklen Braun und es verteilt sich über seinen ganzen Körper. Schattensprung starrt den Kater an, unsicher, was er nun tun soll. "Wer bist du? Ich habe dich noch nie gesehen." merkt Donner skeptisch an. "Ach, ich bin vor kurzem dem Flussclan beigetreten, ich hieß einmal Till, aber jetzt ist mein Name Birkenfell." sagt der Kater gelassen und blinzelt freundlich. Schattensprung kommt Birkenfell seltsam vor, er ist so freundlich, dabei hat er immer gedacht, das alle Clans Rivalen sind. "Freut uns dich kennenzulernen, Birkenfell." miaut Klee und neigt höflich den Kopf. "Die Freude ist ganz meinerseits, aber sag mal, junger Kater, wie ist dein Name?" fragt Birkenfell an Schattensprung gewandt. Schattensprung schluckt schwer, sollte er jetzt wirklich seinen Namen sagen? "Mein Name ist Schattensprung." miaut er zögerlich. "Soll ich dir einen Fisch fangen? Es ist nicht ganz so einfach, wenn man es nicht gelernt hat." fragt Birkenfell. Schattensprung ist verwirrt von der Freundlichkeit des fremden Katers, aber er nickt zustimmend. "Dann schaut gut zu." sagt er und kauert sich an das Ufer.

Schattensprung richtet sich auf und beobachtet Birkenfell genau. Nach einiger Zeit schnellt eine Pfote von Birkenfell vor und schleudert einen Fisch ans Ufer. Die glitschige Gestalt zappelt hilflos und Birkenfell tötet ihn mit einem Biss, "Hier." miaut er und wirft den Fisch zum anderen Ufer. "Lasst es euch schmecken, ich muss jetzt wieder zurück und auch selbst etwas jagen." miaut Birkenfell und winkt zum Abschied mit dem Schwanz. "Auf Wiedersehen!" ruft Schattensprung hinterher. Dann schnappt er den Fisch, der vor seinen Pfoten liegt und trägt ihn zu Donner und Klee. "Wollt ihr auch probieren?" fragt Schattensprung und deutet auf den Fisch. Klee rümpft die Nase, aber ihre Augen leuchten neugierig auf. "Vielleicht einen Bissen." murmelt sie dann. Schattensprung schaut fragend zu seinem Vater, Donner scheint zu zögern. "Naja, vielleicht schmeckt er ja gar nicht so schlecht." sagt er dann. Schattensprung freut sich, ihn mit seinen Mentoren teilen zu können, er hockt sich nieder und beißt ein Stück ab.

Der Fisch schmeckt ein wenig nach Flusswasser, seine Konsistent ist gewöhnungsbedürftig. Schattensprung schluckt den Bissen runter und leckt sich über die Lippen. Mäuse frisst er deutlich lieber. Die schmecken nicht nach Flusswasser, aber sonst ist der Fisch in Ordnung. "Das ist köstlich." schnurrt Klee und kaut begeistert auf dem Stück herum. "Nicht für mich, ihr könnt das gerne essen." miaut Donner angewidert und schiebt den Fisch von sich weg zu Schattensprung und Klee. "Ich esse lieber Mäuse, du darfst ihn gerne ganz haben, Klee." miaut Schattensprung freundlich. Klees Augen leuchten auf und sie beißt noch ein Stück ab, dann noch ein kleines und schließlich nagt sie die Reste ab, bis nur noch die Gräten dort liegen. "Lass uns zur nächsten Grenze gehen." schlägt Donner vor und richtet sich auf. "Was ist mit meinem Eichhörnchen?" fragt Klee schnell. "Das kann später geholt werden." antwortet Donner und geht voraus.

Wind peitscht Schattensprung ins Gesicht, hier bei der Grenze zum Windclan tobt der Wind richtig. Die Bäume sind hier nicht mehr ganz so dicht wie tiefer im Wald. "Das ist also das Moor?" staunt Schattensprung nachdem der Wind aus seinem Gesicht verschwunden ist. Klee nickt, Schattensprung lässt seinen Blick über die Hügel schweifen. Er kann bis zum Horizont gucken, er sieht, wie der Wind das struppige Gras zum Schwanken bringt und durch das dichte Heidekraut fegt. Eine Bewegung weckt seine Aufmerksamkeit, er kneift seine Augen zusammen und erkennt den Umriss eines Kaninchens. "Schaut mal!" ruft er. Wie gerne würde er es fangen und mit seiner Schwester teilen. Aber weder kann er jagen, noch darf er dieses Kaninchen haben, es gehört dem Windclan.

Plötzlich bewegt sich das Heidekraut ungleichmäßig, es kann also nicht vom Wind kommen. Kurz darauf schießt eine zierliche Gestalt hervor und schlägt nach der Beute aus. Das Kaninchen prescht davon, aber die Windclan Katze ist ihm dicht auf den Fersen und hat es nach wenigen Herzschlägen schon eingeholt und gefangen. "Das war ganz schön schnell." staunt Schattensprung. Ob er eines Tages auch so schnell laufen kann?

Auf dem Weg zur Schattenclan Grenze merkt Schattensprung wie seine Pfoten anfangen zu schmerzen, er ist noch nie so weit gelaufen. Er denkt nochmal an den Moment zurück, wo die Windclan Katze das Kaninchen gefangen hat, es hat ihn schwer beeindruckt. Generell freut er sich sehr darauf das Jagen zu erlernen, Schattensprung stellt sich vor, wie er durch den Wald prescht und eine Beute nach der anderen fängt. Vielleicht klettert er sogar zum Eichhörnchen jagen auf Bäume und fängt Kaninchen, seine Zukunft ist noch offen und wenn er erstmal ein Ältester ist, kann er den jungen Katzen von seinen Jagdkünsten erzählen. Schattensprung streckt die Brust raus, Ich werde der beste Jäger von allen, schwört er stolz.

Ein ekliger Gestank reißt ihn aus seinen Vorstellungen mal ein großer Jäger zu werden, Schattensprung rümpft angewidert die Nase. "Was du hier riechst ist der Donnerweg." erklärt Donner und schaut nach hinten über seine Schulter. "Du solltest dich besser von ihm verhalten." mahnt Klee. Donner führt Schattensprung und Klee in ein etwas abgelegenes Gebüsch, Schattensprung streckt den Kopf raus und sieht, einige Schwanzlängen entfernt, einen breiten, dunklen Weg vor sich. "Ist das der Donnerweg?" flüstert Schattensprung ängstlich. "Ja, auf ihnen laufen sogenannte Monster. Aber keine Angst, die sind nur auf dem Donnerweg gefährlich, denn sie verlassen ihn nie." erklärt ihm Donner. Schattensprung beruhigt sich etwas als er hört, das die Monster den Donnerweg nie verlassen, er muss sich also einfach nur von ihm fernhalten und dann ist er sicher.

Schattensprung starrt auf den Donnerweg, die Sonne scheint darauf und lässt ihn ein wenig auf flimmern. Hier unter den Bäumen ist es angenehm kühl und schattig. Dann erregt eine Bewegung seine Aufmerksamkeit an, am hinteren Ende des Donnerwegs bewegt sich eine Gestalt. Sie kommt erschreckend schnell nah und auf einmal rast sie, gefährlich knurrend, auf dem Donnerweg an Schattensprung vorbei. Obwohl er mehrere Schwanzlängen entfernt war, spürt er trotzdem einen kräftigen Windzug, der Boden bebt, und es stinkt fürchterlich. Das muss ein Monster gewesen sein. denkt er und erinnert sich an die Worte von seinem Vater.

Schattensprung rümpft die Nase, dann schaut er erneut auf den Donnerweg. Auch wenn es ihm Angst macht, wie schnell die Monster unterwegs sind und die Monster einen umbringen könnten, wenn man unter ihre Pfoten gerät, spürt er trotzdem ein wenig Neugier und Interesse an diesen seltsamen Geschöpfen. Jedoch ist seine Angst zu groß, so das er sich nicht näher traut, was vielleicht auch besser ist.

Plötzlich bemerkt er auf der anderen Seite zwei leuchtende Augenpaare, die ihn aus einem Busch beobachten. Schattensprung wird ganz unwohl, "Donner..." fängt er an, aber seine Worte bleiben ihm im Hals stecken. Donner schaut ihn fragend an, dann folgt er seinem Blick und scheint zu verstehen. "Beruhige dich, das sind wahrscheinlich Schattenclan Katzen." flüstert er sanft in sein Ohr. Schattensprung hat schon mal von dem Schattenclan gehört, sie sollen wohl etwas kratzbürstig sein. "Ist das da drüben dann Schattenclan Gebiet?" fragt er und deutet auf den Fichten bewachsenen Teil auf der anderen Seite. "Ja, sie leben im Schatten und sind....etwas geheimnisvoll." Es ist Klee die für ihn antwortet. "Lasst uns zurück zum Lager gehen." schlägt Donner vor, Klee und Schattensprung stimmen zu.

Als er endlich den Blicken der Schattenclan Katzen entkommen war und nun wieder der Waldgeruch, und nicht der Donnerwegestank, ihn umgibt, fühlt er sich gleich viel wohler. Ihm geht alles mögliche durch den Kopf, was er heute gesehen und gelernt hat. Er erinnert sich daran wie das Eichhörnchen auf ihn gefallen ist, wenn das nochmal passiert dann schnapp ich es mir. schnurrt er entschlossen. Er weiß nun wie Fisch schmeckt und das Windclan Katzen unglaublich schnell rennen können. Dann erinnert er sich an die Schattenclan Katzen, ein Schauer zieht ihn über den Rücken, als er sich daran erinnert wie ihre kalten Blicke sich in seinen Pelz gebohrt haben. Trotzdem hat er durch Klee gelernt das sie im Schatten leben, dadurch müssten sie mit den Schatten vertraut sein und könnten ihn bestimmt hervorragend nutzen.

Schattensprung fängt an zu gähnen, er schaut hoch und merkt das es schon lange nach Sonnenhoch ist, er war also den ganzen Tag unterwegs. Er blinzelt um sich wachzuhalten und spürt eine Woge der Erleichterung, als er den Lagereingang sehen kann, er freut sich schon auf sein Nest. Aber bevor er schlafen geht, muss er unbedingt Dämmerwolke alles erzählen, vielleicht hat sie auch was zu erzählen. Schattensprung beschleunigt seine Schritte, dann zwängt er sich durch den Dornentunnel und bleibt stehen. Donner und Klee kommen nach ihm auf die Lagerlichtung. "Hat dir der Tag gefallen?" fragt Donner und knufft ihn an der Wange. "Es war unheimlich interessant und aufregend, aber jetzt könnte ich drei Monde lang durchschlafen." sagt er und unterdrückt ein Gähnen. Schattensprung richtet seinen Blick auf die Lichtung, die meisten Katzen sind beim Frischbeutehaufen und nehmen anscheinend ihre letze Mahlzeit zu sich. Beim Anblick der Lichtung erinnert er sich daran wie er immer mit seiner Schwester gespielt hat. Damals war Dämmerwolkes Fell fast komplett weiß aber jetzt hat sich ihre dunkle Färbung am Kopf, Beinen und Schwanz vollständig entwickelt. Er entdeckt Dämmerwolke, sie läuft mit einem genervtem Blick Richtung Frischbeutehaufen. Sofort stürmt Schattensprung los, wenn sie jetzt so mies gelaunt ist wird es Zeit, das Schattensprung sie zum schnurren bringt.

"Dämmerwolke!" ruft er. Als ihre Schwester ihn sieht, leuchten ihre Augen auf und sie beginnt zu schnurren, "Schön dich zu sehen, was habt ihr heute so gemacht?" fragt er. Schattensprung möchte nicht sofort über seine eigenen Erlebnisse sprechen, es könnte Dämmerwolke schmerzen, wenn sie hört was er alles erlebt hat und sie nicht. Wenn er weiß was sie gemacht hat, könnte er vielleicht seine Erzählung so gestalten, das es sich nicht ganz so spannend anhört, wie es eigentlich war.

"Naja, Sonnentüpfel hat mit eine Stelle in der nähe des Flussclans gezeigt, wo nützliche Kräuter wachsen. Wir haben sie gemeinsam gepflückt und einsortiert, danach hat sie mir was über Kräuter beigebracht." seufzt sie genervt. Schattensprung kann nicht viel dazu sagen. "Schön, hat sicher Spaß gemacht. Wir waren an allen Grenzen, mehr aber auch nicht." sagt Schattensprung und versucht, seine Stimme so neutral wie möglich zu halten, um sich nicht anmerken zu lassen, wie toll es doch war. Außerdem hat er ja noch mehr erlebt, aber das sagt er nicht, um Rücksicht auf seine Schwester zu nehmen. "Lass uns was essen, ich verhungere." murmelt Dämmerwolke. Wie zur Bestätigung kann Schattensprung ihren Magen knurren hören. Er widerspricht ihr nicht, auch wenn er nicht ganz so viel Hunger hat und auch bis morgen warten könnte, isst er trotzdem was. Der Fisch liegt noch im Magen, obwohl er nur ein Bissen genommen hat, sättigt er gut. Abgesehen davon freut er sich, ein wenig Zeit mit Dämmerwolke verbringen zu können.

Vielleicht lerne ich morgen das Jagen? fragt er sich und folgt seiner Schwester zum Frischbeutehaufen.

Kapitel 9

GELANGWEILT TAPPT Dämmerwolke zum Dornentunnel, es ist früh am Morgen und keine Katze ist wach. Die Sonne hat das Lager noch nicht erreicht, man hört nur den einen oder anderen Vogel zwischendurch zwitschern. Dämmerwolke schaut nach oben, wenige weiße Wolken schweben am Himmel und man sieht noch schwach vereinzelte Sterne. Tiefer Hass überkommt Dämmerwolke, wie konnte der Sternenclan ihr nur so etwas antun? Seit sie erfahren hat, das der Sternenclan für ihr Heilerschicksal verantwortlich ist, will sie nichts mit ihm zu tun haben.

Dämmerwolke zwängt sich aus dem dem Dornentunnel, der Wald umhüllt sie mit einer angenehmen Frische und sie genießt einen Augenblick die Stille. Aber dann erinnert sie sich an ihre Aufgaben, Sonnentüpfel hat ihr aufgetragen, bei der Flussclan Grenze noch etwas Wasserminze zu holen. Letzes mal haben sie nur wenige Stängel davon mitgenommen, deshalb muss sie heute alleine nochmal hin, um mehr davon zu holen. Es ist ein Wunder, das Dämmerwolke jetzt schon alleine in den Wald darf, schließlich wurde ihr der Weg erst einmal gezeigt.

"Entweder vertraut Sonnentüpfel mir, oder sie hofft das ich mich verlaufe und den Weg zurück nicht mehr finde." murmelt sie vor sich hin. Dämmerwolke erinnert sich noch gut an den Weg zum Flussclan, sie muss einfach an der Wolkenclan Grenze vorbei und da war sie schon mal mit ihrer Mutter und Schattensprung. Dämmerwolke beschleunigt ihre Schritte und läuft an der Wolkenclan Grenze entlang, dann nimmt sie das rauschen des Flusses wahr und riecht auch den vertrauten Duft. Dämmerwolke läuft zum Ufer, der Fluss trennt Mond - und Flussclan voneinander. Sie setzt sich und schaut am Ufer entlang. Als sie ein Büschel Wasserminze entdeckt seufzt sie schwer und beginnt es zu pflücken.

Ich wünsche ich wäre eine Kriegerin und keine Heilerin. denkt sie traurig. Seit sie eine Heilerin ist, vermisst sie es ein Junges zu sein, sie wünscht sich, das ihr Schicksal ein anderes wäre. Benebelt von ihrer Trauer passt sie nicht auf wo sie ihre Pfoten hinsetzt und kommt zu nah ans Ufer. Ein Teil bröckelt ab und Dämmerwolke rutscht mit ihren Vorder Pfoten in den Fluss, das kalte Wasser schwappt an ihren Beinen hoch und spritzt ihr ins Gesicht. Dämmerwolke jault erschrocken auf und lässt die Wasserminze fallen, aber wenigstens ist der Fluss hier nicht allzu tief. Hätte sie an der Stelle des Flusses gesucht, die tiefer in ihrem Territorium ist, müsste sie jetzt schwimmen, um sich zu retten.

Dämmerwolke schaut den Kräutern nach die sie vor Schreck fallen gelassen hat, sie schwimmen nun flussabwärts und haben bald die Trittsteine erreicht. Kurz überlegt Dämmerwolke sie wiederzuholen, aber sie entscheidet sich dagegen, es sind nur Kräuter die man jederzeit wieder pflücken kann. Hier steht jede Menge davon und für diese paar Stängel macht sie sich nicht den Pelz nass. Dämmerwolke zieht ihre Pfoten aus dem Wasser, wie gebannt starrt sie auf ihr Spiegelbild, welches die Wasseroberfläche zurückwirft. Tiefe Trauer überkommt sie, während Schattensprung sein Ziel erreicht hat, fühlt sich ihr Weg so falsch an. Ihr Herz sinkt ihr bis in die Pfoten, Dämmerwolke schaut auf die Sterne die sich noch leicht im Fluss spiegeln. Ihre Trauer verwandelt sich in Wut, mit ausgefahrenen Krallen fährt sie kräftig durch das Spiegelbild und wendet sich dann vom Fluss ab. Es waren die Sterne, die sie so wütend gemacht haben, sie will absolut nichts mit dem Sternenclan zu tun haben.

Dämmerwolke seufzt, plötzlich ist alles still im Wald. Nur das rauschen des Flusses kann man hören. Sie dreht sich wieder um und schaut auf die andere Seite des Ufers, Neugier packt sie. Wie es im Flussclan Territorium wohl aussieht? fragt sie sich. Wie gebannt läuft sie ein paar Schritte vorwärts, hält dann aber inne und erinnert sich daran, das sie die Grenze nicht überschreiten darf. Das Rauschen des Flusses umhüllt sie und Dämmerwolke wird immer neugieriger. "Es wird schon keiner merken." sagt sie zu sich selbst und hüpft auf die andere Seite des Flusses.

Dämmerwolke streift durch das Flussclan Territorium, es ist wunderschön hier. Bisher ist sie noch keiner Flussclan Katze begegnet und konnte ungestört das Territorium begutachten. Der Boden ist feucht und an manchen Stellen auch etwas sumpfig, allerdings hat es einen kühlenden Effekt. Kurz schließt die junge Heilerschülerin ihre Augen, sie hört die Wasserläufe gurgeln und das Schilf rascheln. Dämmerwolke öffnet ihre Augen wieder, sie fühlt sich so entspannt und das Flussclan Territorium zu erkunden macht deutlich mehr Spaß als Kräuter zu sammeln. Dämmerwolke spaziert mit gemütlichen Schritten zum Fluss, der etwas tiefer im Flussclan Territorium liegt. Sie legt sich auf einen kühlen Stein der nahe am Ufer steht und beobachtet die kleinen Wellen die hin und her schwappen, doch dann erregt ein Schatten ihre Aufmerksamkeit. Dämmerwolke erinnert sich daran wie sie einst gehört hat, der Flussclan würde Fische fressen, das muss wohl ein Fisch gewesen sein. Mit ihren Augen verfolgt sie den Schatten im Wasser bis er nicht mehr zu sehen war, er schwimmt mit gleichmäßigen Bewegungen flussabwärts. Dämmerwolke streckt sich ausgiebig, es macht müde dem Fluss zuzuhören aber sie darf auf keinen Fall einschlafen.

Sie steht auf und springt vom Stein herab, ein Gähnen kann sie sich nicht verkneifen. Dämmerwolke schlendert flussabwärts, ein wenig vermisst sie die Geräusche des Waldes. Hier hört sie nur Wasser und Schilf das im Fluss raschelt, das zwitschern der Vögel wird oft vom Fluss übertönt. Plötzlich fliegt eine kleine Gestalt an ihr vorbei, Dämmerwolke verharrt vor Schreck. Die fliegende Gestalt hält am Fluss an und schwebt über der Wasseroberfläche.

Die Neugier packt Dämmerwolke, sie duckt sich um das fliegende Geschöpft nicht zu verschrecken. Dann kriecht sie näher an das Ufer, endlich kann sie es genauer sehen. Es ist klein, grünlich und länglich, außerdem flattern ihre Flügel so schnell hin und her das Dämmerwolke sie kaum erkennen kann.

Was das wohl ist? fragt sie sich. Bisher kennt sie nur Vögel, Mäuse und andere Geschöpfe die im Wald leben. Dieses hier jedoch scheint nur im Flussclan Territorium zu leben, Dämmerwolke beobachtet es genauer. Es bewegt sie ruckartig hin und her, gar nicht so flüssig wie ein Beutetier. Wie es wohl schmeckt? Dämmerwolke leckt sich über die Lippen, sie fragt sich, ob es nach Maus schmeckt oder vielleicht doch nach Vogel? Schließlich hat es auch Flügel, aber keine Federn, Dämmerwolke streckt langsam eine Pfote aus. Sie möchte das fliegende Geschöpf fangen und probieren, aber sie muss aufpassen, nicht das sie noch in den Fluss fällt. Dieser hier ist tiefer als der an der Grenze, es wäre gefährlich und niemand ist hier um sie zu retten.

Dämmerwolke rutscht noch etwas weiter an das Ufer, sie möchte unbedingt das fliegende Geschöpf fangen. Auch wenn sie die Gefahr erkennt ist ihre Neugier zu groß, Dämmerwolke lehnt sich noch etwas weiter vor als das fliegende Geschöpf sich von ihr entfernt.

Aber plötzlich hört sie unbekannte Stimmen hinter sich, Dämmerwolke verliert die Konzentration und schaut sich erschrocken nach hinten um. Dann verliert sie aber das Gleichgewicht und kracht mit den Vorderpfoten in den Fluss. Ein lautes platsch ist zu hören, das Wasser reicht ihr bis zum Kinn und versehentlich schluckt sie etwas Flusswasser. Verzweifelt krallt sie sich mit den Hinterläufen am Ufer fest, Dämmerwolke schließt ihre Augen, als eine Welle angeschwappt kommt und ihr mitten ins Gesicht spritzt. Schnell klettert sie rückwärts das Ufer wieder hoch und schüttelt sich ausgiebig.

"Hast du das gehört?" fragt eine unbekannte Stimme etwas weiter weg. Dämmerwolke erstarrt, das müssen Flussclan Krieger sein. Wenn sie Dämmerwolke hier entdecken wird sie mächtig Ärger bekommen. Für einen Moment steht sie still da, unfähig sich zu bewegen. "Ich glaube, das kam vom Fluss!" miaut eine weitere Stimme. Dämmerwolke schüttelt ihren Kopf, um wieder klar denken zu können, sie schaut sich verzweifelt um und sucht nach der Mondclan Grenze.

"Kommt!" jault eine weitere Stimme, "Wir schauen was es war." Dämmerwolke gerät immer mehr in Panik, was soll sie bloß tun? Ihr wird bewusst, das sie nicht weiß wo sie herkam oder wo sie hin muss, die Zeit läuft ihr davon und bevor sie entdeckt wird stürmt sie davon, ohne zu wissen wohin.

Dämmerwolke sprintet durch ein paar Farnstängel, sie klatschen ihr unsanft ins Gesicht aber da muss sie wohl durch. "Was ist das denn für ein seltsamer Geruch?" hört sie noch einen Flussclan Krieger fragen. Ihr Herz beruhigt sich ein wenig, der Fluss wird ihren Geruch verändert haben. "Hier gehts lang!" miaut ein weiterer Flussclan Krieger laut. Erneut kommt Panik in ihr auf, die Flussclan Krieger folgen ihr, sie wollen wahrscheinlich wissen, wer in ihrem Territorium ist. Dämmerwolke beschleunigt ihre Schritte, sie springt über einen kleinen Bachlauf, der nicht breiter ist als eine Schwanzlänge. Wahrscheinlich hat er sich selbst gelegt und ist deshalb nicht ganz so tief. denkt Dämmerwolke sich, aber sie schiebt den Gedanken beiseite. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt um über andere Sachen nachzudenken, sie muss so schnell wie es geht weg von hier und ihren Verfolgern entkommen.

Dämmerwolke fliegt förmlich über den stumpfartigen Boden, sie entdeckt eine dichte Schicht von Schilf und anderen Kräutern. Wenn sie da durch läuft wird sich ihr Geruch verlieren, das hofft sie zumindest. Mit aller Kraft prescht Dämmerwolke durch das dichte Schilf, sie kneift schützend ihre Augen zu und legt ihre Ohren an.

Plötzlich verschwindet der Boden unter ihren Pfoten uns sie fällt hinab, sie unterdrückt sich einen Aufschrei und kommt unsanft auf dem Boden auf. Benommen schaut sie sich nach hinten um, sie ist in eine große Kuhle getreten, aber wenigstens ist sie durch das Schilfdickicht durch. "Hier hört der Geruch auf." bemerkt plötzlich eine Stimme. Sofort drückt Dämmerwolke sich flach auf den Boden, sie hofft, dass das Schilf und die Kuhle sie schützen würden und sie unentdeckt bleibt.

Es scheinen ewige Monde zu vergehen, Dämmerwolke traut sich kaum noch zu atmen und sie ist sich sicher das ihr Herz jeden Moment stehen bleibt. "Egal was es war, es ist weg." seufzt dann eine unbekannte Stimme. Dämmerwolke hört, das es eine Kätzin ist und sie unterdrückt das Verlangen ihren Kopf zu heben und zu schauen wie sie aussieht. Sogar Dämmerwolke ist bewusst, in was für Schwierigkeiten sie steckt und wenn sie jetzt noch den Kopf hebt, wird sie vielleicht entdeckt. "Lass uns gehen." murmelt ein Kater. Die Schritte der Flussclan Katzen entfernen sich und Dämmerwolke hebt nun zögerlich ihren Kopf. Als sie überzeugt davon ist das die Flussclan Katzen fort sind, richtet sie sich erleichtert auf. "Was für ein Abenteuer." murmelt sie erschöpft. Ihre Pfoten schmerzen und ihre Lunge brennt, wenn sie so zurück zum Lager geht, werden sich sicher alle Fragen was sie gemacht hat. Dämmerwolke dreht sich um und läuft ein paar Schritte, hält dann aber inne, sie schaut sich um.

Weit und breit kein Schilf, sie kann auch keinen Fluss sehen. Nur weites Moor streckt sich vor ihr, Wind fegt über die Hügel und bringt das Gras in Bewegung. Dämmerwolke schluckt, ist sie etwa im Windclan Territorium? Einen Moment starrt sie nur auf die leeren Hügel, dann seufzt sie. "Egal wo die Mondclan Grenze nun ist, hier kann ich nicht bleiben." miaut sie und lässt ihren Kopf müde hängen.

Jeder Muskel protestiert als sie die ersten Schritte läuft, aber Dämmerwolke muss zurück zum Lager. Sie kann sich schon mal eine gute Ausrede überlegen wieso sie so zerzaust und ohne Wasserminze wieder kommt.

Kapitel 10

Die Sonne hat das Lager erreicht und alle Katzen sind schon aus ihren Bauen gekommen, Schattensprung hatte am frühen Morgen Sonnentüpfel gefragt wo Dämmerwolke sei. Er wollte Sonnentüpfel fragen ob sie etwas mit ihm unternehmen darf, denn in letzter Zeit haben sie sich kaum noch gesehen. Das letzte Gespräch war am Frischbeutehaufen, als er von seinem ersten Ausflug zurückkam. Sonnentüpfel hat jedoch gesagt das seine Schwester draußen im Wald, Kräuter sammeln, sei. Dies ist aber schon etwas her, Schattensprung hat sich auf einen warmen Stein gesetzt und auf Dämmerwolke gewartet.

"Wartest du immer noch auf deine Schwester?" fragt Klee und gesellt sich zu ihm, Schattensprung nickt nur. "Wieso muss sie denn Kräuter sammeln gehen?" beklagt er sich seufzend. "Und wieso überhaupt so früh?" Klee zuckt nur mit den Schultern, "Das weiß nur der Sternenclan." antwortet sie. "Du hast heute frei, aber du kannst jeder Zeit zu uns kommen und weiter trainieren." bietet Klee freundlich an und gleitet vom Stein hinab.

Schattensprung hat nicht vor heute zu trainieren, es macht ihm zwar Spaß aber er spürt immer noch die Kampfzüge von gestern in seinen Pfoten. Schattensprung seufzt schwer, ihm wird langweilig. Er sollte nicht die ganze Zeit auf seine Schwester warten, er sollte irgendetwas machen. Schattensprung lässt seinen Blick durch das Lager schweifen, er bleibt an seinem ehemaligem Bau hängen. "Ich könnte Sturmwolke mal wieder besuchen." miaut er zu sich selbst und springt vom Stein hinab.   

Sturmwolke hat sich in den vielen Sonnenaufgängen, seit sie im Mondclan ist, gut entwickelt. Nachtmond hat gesagt das sie schon ein paar unsichere Schritte macht. Sturmwolke entwickelt sich schnell, sie ist einen halben Mond zu früh gekommen und deswegen hat eigentlich niemand daran geglaubt das sie überleben wird, vor allem, weil sie in dem schlimmen Sturm zum Mondclan getragen wurde.   

Schattensprung schlüpft in den Bau hinein, es ist furchtbar dunkel hier drinnen, weil seine Augen sich noch nicht an das dunkle Licht gewöhnt haben. Schattensprung hört ein leises maunzen von Sturmwolke, er blinzelt ein paarmal bis er sich an das fahle Licht gewöhnt hat. Dann kann er sie erkennen, eine kleine Gestalt die auf unsicheren Pfoten in seine Richtung läuft. "Mach doch deine Augen auf, dann siehst du wohin du läufst." schnurrt Nachtmond. Schattensprung beobachtet das kleine Junge genau, er hatte nicht gewusst das sie ihre Augen schon mal aufgemacht hat.   

Und tatsächlich, Sturmwolke öffnet langsam und blinzelnd ihre Augen. Schattensprung staunt, pure Freude überkommt ihn. Sturmwolke maunzt fröhlich, ihre grünen Augen glänzen und Schattensprung kann die Lebensfreude darin sehen. "Sie sieht wirklich genau so aus wie Sturm." flüstert Nachtmond leise und blickt auf Sturmwolke hinab. Schattensprung kannte Sturm nicht, aber er kann sie sich gut vorstellen wenn er Sturmwolke betrachtet. "Kommt, es wird Zeit ein wenig Luft zu schnappen." sagt seine Mutter. Nachtmond streckt sich ausgiebig und Schattensprung hört ein Knacken in ihrem Bein, sie muss ganz schön verspannt gewesen sein.   

Schattensprung liegt auf der Lichtung, zusammen mit Nachtmond und Sturmwolke. Das kleine Junge scheint es zu genießen außerhalb des Baues zu sein und nicht nur sie, auch Nachtmond scheint froh darüber, endlich den Bau verlassen zu können. Weil Sturmwolke noch so klein ist, wollte Nachtmond nicht riskieren das sie krank wird. Deshalb ist sie die meiste Zeit im Bau und kümmert sich um Sturmwolke, Donner bringt ihr Nahrung und immer wieder nasses Moos damit sie nicht verdurstet.   

Schattensprung seufzt, er macht sich langsam wirklich Sorgen um Dämmerwolke, sie ist schon so lange weg. "Was ist los?" fragt seine Mutter und streicht ihm zärtlich mit ihrem Schwanz an seiner Flanke entlang. Schattensprung seufzt, "Dämmerwolke ist schon so lange weg." miaut er bekümmert. Er wollte doch eigentlich den Tag mit ihr verbringen. "Wieso darf sie überhaupt raus? Ist sie nicht noch viel zu unerfahren?" bemerkt Schattensprung. Dämmerwolke wurde, so wie er, erst vor kurzem zu Schüler ernannt. Sie hat doch keinerlei Kampferfahrungen, wenn ein Fuchs oder ein Dachs kommt, kann sie sich gar nicht verteidigen.   

Auf einmal bekommt Schattensprung Panik, was ist wenn sie gerade in Gefahr ist? "Sonnentüpfel und ich haben beschlossen, sie alleine in den Wald zu schicken. Sie muss lernen, auf sich selbst aufzupassen und ihre Verträumtheit und Neugier in verschiedenen Situationen einzustellen. Wenn Dämmerwolke eine Aufgabe bekommt, wo sie sich konzentrieren muss, weil sie sich sonst verlaufen könnte, könnte es sein, das es besser wird." antwortet Nachtmond nach einer Weile.   

Schattensprung denkt nach, seine Mutter hat recht. Dämmerwolke ist wirklich sehr unkonzentriert und das könnte sie in Schwierigkeiten bringen. Schattensprungs Nervosität steigt, auch wenn er einsieht, das es eine gute Entscheidung war sie alleine in den Wald zu lassen, macht er sich große Sorgen. "Wenn sie bis Sonnenhoch nicht wieder zurück ist werden wir sie suchen gehen." Die Worte seiner Mutter beruhigen Schattensprung ein wenig. Doch da kommt ihm eine Idee "Kann ich in den Wald? Vielleicht finde ich meine Schwester!" sagt er aufgeregt und wartet auf eine Antwort. "Ich bin bis Sonnenhoch auch wieder da!" verspricht er als seine Mutter nicht antwortet. Nachtmond seufzt, "Gut, aber komm sofort zurück zum Lager wenn Gefahr droht." sagt sie schließlich. "Mach ich." sagt Schattensprung und stürmt dann davon.   

Schattensprung schlendert durch den Wald, er kennt das Territorium nicht so perfekt wie die erfahrenen Katzen, aber gut genug um sich zurecht zu finden. "Ich muss meine Schwester finden." murmelt er entschlossen zu sich selbst. Er hinterfragt die Entscheidung seiner Mutter und Sonnentüpfels nicht, ganz im Gegenteil er findet es gut. Aber Dämmerwolke ist schon zu lange fort, irgendetwas muss passiert sein. Schattensprung beschleunigt seine Schritte, er prüft die Luft in der Hoffnung ihren Geruch zu wittern. Aber die ganzen anderen Gerüche kommen ihm in die Quere, so das er Dämmerwolkes Geruch nicht finden kann. "Dämmerwolke!?" ruft er laut. Ein paar Vögel krächzen und scheinen von seinem lauten Ruf erschrocken zu sein, aber es ist ihm egal wie viel Beute er verscheucht. Schattensprung bleibt stehen, er lässt seinen Blick durch die Bäume schweifen. Wieder prüft er die Luft und tatsächlich, dieses mal kann er einen leichten Geruch von ihr wahrnehmen.   

Sofort läuft Schattensprung los, er stürmt an dem kleinen Teich vorbei, weicht ein paar Wurzeln aus und folgt dem Geruch so gut er kann. Jedoch verliert er ihn schnell wieder, er ist eben noch kein guter Spurenleser. "Dämmerwolke!?" ruft Schattensprung in der Hoffnung seine Schwester wäre in er Nähe.   

Langsam macht er sich richtig Sorgen, sie scheint nicht mehr im Mondclan Territorium zu sein. Schattensprung lässt sich am Flussufer nieder, er war ihrem Geruch bis zur Flussclan Grenze gefolgt, hat sie hier aber verloren. Schattensprung schaut zum Himmel hinauf, die Sonne klettert immer weiter nach oben und bald wird Sonnenhoch sein.   

Plötzlich hört Schattensprung ein lautes Rascheln, sofort duckt er sich tief auf den Boden. Er prüft die Luft kann aber keinen Geruch erkennen, "Ein Eindringling?" murmelt er leise zu sich selbst. Schattensprung schleicht sich in einen hohlen Baumstamm hinein, als er am anderen Ende hinauslugt kann er zwischen den Ästen eines Busches grade noch den Schwanz des Eindringlings erkennen, bevor ihm die Sich versperrt wird. So leise er nur kann schleicht er sich in einen nahe gelegenen Busch, er versucht einen Blick auf die fremde Katze zu werfen aber immer wieder wird ihm die Sich von Bäumen und Büschen versperrt. Schattensprung wird ungeduldig, es ist ihm egal wer es ist. Er muss diese fremde Katze aufhalten und verjagen, so wie es ein echter Krieger tun würde.   

Eilig huscht Schattensprung ein paar Büsche weiter, er tritt versehentlich auf einen kleinen Ast, aber die fremde Katze scheint es nicht mitbekommen zu haben. Er wartet geduldig bis er sicher ist, das die fremde Katze vor seinem Busch ist, dann springt er mit einem Fauchen los.   

Er krallt sich in die Seite des Gegners und drückt ihn mit einem Schlag zu Boden, ein dumpfes uff ist zu hören. "Hey was soll das!" beklagt sich die fremde Katze. "Raus aus unserem Territorium!" faucht Schattensprung. "Du bist mit ja ein toller Krieger, erkennst deine eigene Schwester nicht." hört er sie sarkastisch schnurren. Schattensprung blickt der Katze ins Gesicht, peinlich berührt lässt er von Dämmerwolke ab. "Soll ich immer noch das Territorium verlassen?" höhnt sie. "Haha." entgegnet Schattensprung um zu verbergen, wie peinlich ihm sein Versehen ist.

"Wo warst du so lang?" fragt Schattensprung nach einer Weile. Dämmerwolke zuckt mit den Schultern, "Nicht so wichtig." sagt sie gleichgültig. Schattensprung runzelt verärgert die Stirn, Dämmerwolke ist so stur. Ist ihr denn nicht bewusst wie viele Sorgen er sich gemacht hat? Schattensprung linst verärgert zu ihr rüber, "Ich war mal hier mal dort, in Ordnung!" gibt sie dann bissig zurück. Dämmerwolke beschleunigt ihre Schritte, "Du warst aber nicht in unserem Territorium!" faucht Schattensprung. Seine Schwester hört nicht auf ihn, sie geht einfach weiter aber Schattensprung lässt nicht locker. "Ich möchte wissen wo du warst, ich habe dich gesucht."

"Hör auf!" Dämmerwolke dreht sich ruckartig um und faucht ihn böse an. Schattensprung erstarrt, diese Reaktion hat er nicht erwartet. "Ich wurde etwas abgelenkt, mehr musst du nicht wissen." knurrt sie, dann dreht Dämmerwolke sich um und läuft ohne ein Wort weiter. Schattensprung bleibt ein paar Herzschläge reglos stehen und starrt ihr hinterher, irgendetwas ist passiert.

Kapitel 11

Dämmerwolke schlüpft durch den Dornentunnel, Schattensprung dicht hinter ihr. Sie versucht ihre Wut zu zügeln um nicht gleich umzudrehen und ihrem Bruder die Krallen über die Nase zu ziehen. Wieso muss er sich denn auch immer einmischen? denkt sie frustriert.

"Dämmerwolke, Schattensprung da seit ihr ja wieder." hört sie den Ruf ihre Mutter. Dämmerwolke seufzt, sie schlägt die Richtung zu Nachtmond ein und begrüßt sie Nase an Nase. Sturmwolkes miauen lässt sie nach unten blicken, "Hallo Sturmwolke." begrüßt sie sie freundlich und beugt sich zu ihr hinab. "Sonnentüpfel wartet schon auf dich." miaut ihre Mutter. Dämmerwolke lässt den Schwanz hängen, sobald sie wieder hier ist gibt es natürlich wieder Heileraufgaben.

Dämmerwolke zwängt sich lustlos in den Heilerbau, er beißende Gestank der Kräuter sticht in ihre Nase. "Bring die Wasserminze nach hinten." miaut Sonnentüpfel, aus dem hinteren Teil des Baues. Der jungen Heilerschülerin wird ganz heiß unter dem Pelz, wegen der Erkundungstour im Flussclan Gebiet und anschließend der Flucht vor zwei Flussclan Katzen hat sie keine Wasserminze mitgebracht. "Ich also...äh.." stottert sie und überlegt welche Ausrede sie ihrer Mentorin sagen könnte. "Du hast keine Wasserminze dabei richtig?" sagt ihre Mentorin seufzend. "Nun ja, ich bin in den Fluss gefallen und habe die Wasserminze verloren." sagt sie schnell. Sonnentüpfel kommt aus dem hinteren Teil des Baues heraus, starker Kräutergeruch klebt an ihr. "Ach wirklich?" fragt ihre Mentorin eindringlich. Dämmerwolke hält die Luft an und nickt nur, sie hofft das sie nicht enttarnt wird. Es ist verboten auf die anderen Territoriums zu gehen und Dämmerwolke will nicht wissen wie viel Ärger sie dafür bekommen wird.

Sonnentüpfel hält inne, dann richtet sie sich langsam auf und räuspert sich. "Du riechst nach Moor." sagt sie sachlich. Dämmerwolke läuft es kalt den Rücken runter, ihr Fell beginnt zu prickeln und verzweifelt sucht sie die richtigen Worte um aus der misslichen Lage zu entkommen. Der kalte Blick ihrer Mentorin setzt sie unter Druck, doch dann seufzt sie nur noch genervt. Es ist sowieso raus, dann kann ich ihr es auch mit meinen eigenen Worten sagen.

"Gut, du hast recht. Ich war auf dem Moor." blafft Dämmerwolke. Sonnentüpfel regt sich nicht, stattdessen fragt sie mit unbetonter Stimme: "Wieso?" Sie antwortet nicht sofort, aber ihre Angst um den Ärger den sie bekommt verfliegt langsam. Wut breitet sich in der jungen Schülerin aus, Dämmerwolke muss sich beherrschen um nicht die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Sie öffnet ihren Mund einen Spalt, kommt einen Schritt näher und haucht knurrend: "Weil mich das ganze Heilerzeugs nicht interessiert!"

Sonnentüpfel scheint unbeeindruckt. "Das ist mit bewusst, du gehst schließlich jeden Tag lustlos an deine Aufgaben ran." faucht Sonnentüpfel zurück. Für einen kurzen Augenblick ist Dämmerwolke wie erstarrt, bisher hat sie ihre Mentorin immer nur von der freundlichen Seite gesehen. "Eine Heilerin zu sein ist eine ehrenhafte Aufgabe!" Sonnentüpfel wird laut, ihr heller Schwanz peitscht wild hin und her. Dämmerwolke schaut ihr in die Augen und entdeckt einen Ausdruck von Wut, aber anders als den, den sie von ihrer Mutter kennt. Sie hat mal gehört das Sonnentüpfel einst eine Streunerin gewesen sei, kommt das Verhalten einer Streunerin etwa wieder in ihr hoch?

Dämmerwolke schüttelt ihren Kopf um wieder zur Besinnung zu kommen. "Ich will aber nicht vor Langeweile sterben!" faucht sie Sonnentüpfel an. "Ich hasse es, eine Heilerin zu sein! Es kann unmöglich mein Schicksal sein!" knurrt sie bevor ihre Mentorin Einspruch erheben kann. "Der Sternenclan hat dir aber vorbestimmt, eine Heilerin zu sein!" faucht Sonnentüpfel mit zusammen gebissenen Zähnen. Dämmerwolke sucht die richtigen Worte, "Es ist dein Schicksal ob du es willst oder nicht, der Sternenclan hat es so....

"Ich hasse den Sternenclan!" faucht Dämmerwolke so laut wie noch nie. Ihr aufgestauter Ärger bricht aus ihr heraus. Sonnentüpfel erstarrt und für einen Moment glaubt Dämmerwolke kaum was sie da gerade gesagt hat und will sich dafür entschuldigen. Doch dann merkt sie, das die Worte schon lange in ihrem Hals feststecken. "Der Sternenclan hat mein Leben ruiniert." sie senkt ihre Stimme knurrend. "Gut, das kannst du ihm heute Nacht am Mondstein dann ja selbst sagen." Mit diesen abschließenden Worten dreht Sonnentüpfel sich um und verschwindet im hinteren Teil des Heilerbaues.

Mit einem letzten Fluchen dreht Dämmerwolke sich ebenfalls um und will den Bau verlassen. "Geh doch bitte die Wasserminze holen, wenn du schon gehst!" hört sie Sonnentüpfel rufen. Ohne zu antworten zwängt sie sich verärgert durch den Ausgang. "Ich gehe ganz bestimmt keine Wasserminze holen, sie kann selbst welche holen gehen wenn sie unbedingt welche braucht." brummt sie vor sich hin. Sie wird zwar in den Wald gehen aber sicher nicht, um Wasserminze zu holen. Ihr Blick fällt auf Schattensprung, er spielt mit Sturmwolke. Eifersucht kommt in ihr hoch, Wieso darf er so ein unbeschwertes Leben führen und ich nicht?

Dämmerwolke verdrängt ihre Eifersucht, sie überlegt ob sie ihren Bruder fragen soll ob er mit in den Wald kommt. Aber dann fällt ihr das Gespräch mit ihm von vorhin ein, er würde sie nur ausfragen wollen was sie auf Flussclan Gebiet zu suchen hatte.

"Hallo Dämmerwolke." Dämmerwolke zuckt zusammen als sie eine Stimme neben ihrem Ohr hört. "Silberdistel?" miaut sie. Der orangefarbene Kater lächelt sie freundlich an, "Gehst du Kräuter sammeln?" fragt er dann. "Mal schauen." antwortet Dämmerwolke stumpf, sie möchte jetzt nicht weiter darauf eingehen. "Ich werde dich begleiten." schnurrt Silberdistel. Dämmerwolke zuckt nur mit dem Ohr und zwängt sich durch den Dornentunnel. Ein wenig Begleitung schadet nie.

Dämmerwolke und Silberdistel schlendern durch den Wald, es ist angenehm ihn an ihrer Seite zu haben. Er ist nicht nervig sondern immer ruhig und gelassen. "Wo werden wir denn Kräuter sammeln?" fragt er nach einer Weile. Dämmerwolke seufzt, "Ich werde keine Kräuter sammeln." zischt sie etwas unfreundlich. Silberdistel starrt sie fassungslos an, ein wenig Unsicherheit und Verwirrung spiegeln sich in seinen Augen. "Entschuldigung." Silberdistel kann nichts dafür das sie so schlecht gelaunt ist, er hat es nicht verdient so mies angefaucht zu werden. "Schon in Ordnung. Willst du vielleicht mit mir darüber reden was dich so..."

"Es ist wegen dem ganzen Heilerzeugs!" faucht Dämmerwolke bevor Silberdistel seinen Satz vollenden konnte. Der orangenfarbene Kater schaut sie verdutzt an, "Deswegen bist du so genervt, wegen der ganzen Heilersache?" fragt er noch einmal nach, so als hätte er sie nicht richtig verstanden. Dämmerwolke nickt bitter, sie denkt nochmal daran zurück als Sonnentüpfel an dem Tag ihrer Zeremonie ihr Schicksal bestimmt hat. Oder vielleicht war es auch der Sternenclan, wer weiß das schon.

"Ich finde du bist eine gute Heilerin." meldet sich Silberdistel zu Wort. Dämmerwolke schnaubt ungläubig, "Die einzigen Kräuter, deren Wirkung ich weiß, sind Ampfer, Wasserminze, Ringelblume und Mohnsamen. Der Rest prallt einfach an mir ab." Silberdistel schmunzelt, "Dann weiß du schon mal mehr als ich." miaut er fröhlich. Dämmerwolke muss sich ein belustigtes Schnurren verkneifen, dann seufzt sie. Auf einmal verspürt sie einen tiefen Stich in ihrem Herzen, "Was ist los?" Silberdistels Stimme wird ernster. "Alle konnten ihr eigenes Schicksal wählen, aber ich wurde dazu gezwungen etwas zu tun was ich nicht möchte." seufzt sie bekümmert. Dämmerwolke bleibt stehen und dreht den Kopf weg, sie möchte nicht das Silberdistel sie so traurig sieht. Dämmerwolke spürt seinen warmen Atem an ihrem Ohr, "Alles hat einen Grund und ich bin sehr froh darüber das du dein Weg der einer Heilerin ist." flüstert er mit sanfter Stimme. Dämmerwolke schüttelt den Kopf, sie wollte nicht hören das es ihr Schicksal ist eine Heilerin zu sein. Ruckartig dreht sie sich zu Silberdistel um und wollte ihm widersprechen, aber sie kommt nicht dazu. "Vielleicht siehst du das anders, aber ich wäre gestorben wenn wenn du nicht gewesen wärst." Seine Worte hallen ihr in den Ohren nach.

"Ich weiß, aber alle werden mich als Versagerin sehen, weil ich als Heilerin zu nichts zu gebrauchen bin." schluchzt sie verzweifelt. Auf ihrem Herzen entsteht eine schwere Last aus Trauer und Wut, Verzweiflung packt sie und droht sie in ein tiefes Loch zu ziehen. Stille kehrt ein, nur das leise rascheln der Blätter kann man hören. Dämmerwolke senkt den Kopf geschlagen.

Sie spürt wie Silberdistel ebenfalls seinen Kopf auf ihre Augenhöhe senkt und versucht Blickkontakt mit ihr aufzunehmen. "Weißt du als was ich dich sehe?"fragt er sanft. Dämmerwolke schüttelt den Kopf, jedoch ist sie sich gar nicht so sicher ob sie überhaupt wissen möchte wie er sie sieht. "Ich sehe dich als Heldin, als eine Kätzin mit einer großen Zukunft, als eine Kätzin mit großen Fähigkeiten und..." Silberdistel hält inne. "Und als eine Freundin."

Seine Worte besänftigen sie, es ist schon lange her, das sie gelobt wurde und das Gefühl, das Silberdistel sie nicht als Versagerin sieht, beruhigt sie. "Möchtest du vielleicht nun doch das Kraut besorgen?" fragt er vorsichtig. Dämmerwolke antwortet nicht sofort, sie ist immer noch sauer auf Sonnentüpfel. Aber dann seufzt sie schwer "Ja." miaut sie. Nur, weil sie Sauer auf ihre Mentorin ist heißt es nicht, das sie ihren Clan vernachlässigen muss.

Dämmerwolke beißt ein Stängel Wasserminze ab und zum ersten mal macht es ihr Spaß Kräuter zu sammeln, weil Silberdistel mit dabei ist. Sie schaut auf die andere Seite, Dämmerwolke erinnert sich noch lebhaft daran, wie sie im Flussclan Territorium war und wie wunderschön es dort war. Nichts würde sie abhalten nochmal dahin zu gehen, auch wenn sie beinah erwischt worden wäre. "Silberdistel?" fragt sie nachdem sie ihre Wasserminze abgelegt hatte. Der rotbraune Kater hebt den Kopf, "Hast du dich jemals gefragt wie es in den anderen Territorien aussieht?" Dämmerwolkes Stimme ist abwesend, sie wird leiser und langsamer. Wie gebannt schaut die braun - cremefarbene Kätzin auf das schwappende Wasser, ihr brauner Kopf und der Übergang ins cremefarbene, spiegeln sich in der Wasseroberfläche. Silberdistel setzt sich an ihre Seite und starrt mit ihr auf das Wasser, "Nein, aber ich muss das auch nicht wissen. Es interessiert mich nicht, außerdem ist es verboten. Wieso fragst du?" antwortet ihr Freund gelassen und zuckt mit einem Ohr. Dämmerwolke verkrampft sich, "Ach nur so." antwortet sie schnell.

Sie beugt sich nach vorn um einen Schluck Wasser aus dem Fluss zu nehmen, das kalte Flusswasser berührt ihre Nasenspitze und ein kalter Schauer durchzuckt sie. Sachte leckt sie mit gleichmäßigen Zungenstrichen ein wenig Wasser auf und richtet sich dann wieder auf. Das Wasser an ihren Schnurrhaaren gleitet langsam nach unten und fällt wieder in den Fluss, der Tropfen verursacht kleine Schwingungen auf der Wasseroberfläche.

Dämmerwolke räuspert sich, "Wir sollten zurück gehen, wir haben genug Wasserminze gesammelt." meint sie und hebt ihr Kräuterbündel auf, Silberdistel stimmt ihr mit einem knappen Nicken zu und nimmt sein Kräuterbündel in sein Maul.

Kapitel 12

Schattensprung sitzt am Rande der Lichtung, Nachtmond hat Sturmwolke gerade wieder in den Bau gebracht damit sie sich ausruhen kann. Sein Vater ist gerade mit einer kleinen Patrouille raus in den Wald gegangen um den Frischbeutehaufen wieder aufzufüllen. Vor wenigen Herzschlägen sind Dämmerwolke und Silberdistel aus dem Heilerbau gekommen, sie haben Wasserminze in den Bau gebracht.

Schattensprung schaut sehnsüchtig zu seiner Schwester, sie haben kein Wort mehr miteinander geredet, seit er erfahren hat wo Dämmerwolke letztens war. Er ist immer noch sauer auf sie, jedoch kann er nicht zulassen das ihre Beziehung zerstört wird nur, weil er sauer auf sie ist. Verzweifelt kämpft er mit dem Gedanken einfach zu ihr zu gehen und sich bei ihr zu entschuldigen, andererseits ist sie es gewesen die etwas verbotenes getan hat. Trotzdem plagen ihn tiefe Schuldgefühle.

Der Tag geht nicht mehr allzu lange und eigentlich hätten sie heute den Tag gemeinsam verbringen können, aber wegen diesem blödem Streit ging das nicht.

Seine rot-weiße Mentorin Klee kommt grade aus dem Heilerbau, sie setzt ihre Pfote vorsichtig auf und nach ein paar Schritten scheint alles in Ordnung zu sein.

Wahrscheinlich hatte sie einen Dornen in der Pfote. Dachte er.

Schattensprung grübelt weiter, es scheint kein Ende zu geben und er ist so unentschlossen wie noch nie. "Na, worüber denkst du denn so intensiv nach?" Miaut plötzlich eine Stimme neben seinem Ohr. Schattensprung zuckt erschrocken zusammen, er entdeckt Klee neben sich und atmet tief aus um sich zu beruhigen. "Ach, es ist nichts besonderes nur ein kleiner Streit mit meiner Schwester." Murmelt er bedrückt. Schattensprung erwähnt nicht das sie außerhalb der Grenzen war, schließlich möchte er nicht das Dämmerwolke ärger bekommt. "Das kenne ich zu gut, einmal haben Silberdistel und ich uns darüber gestritten wer der bessere Jäger ist." Schnurrt sie und zuckt mit den Schnurrhaaren. "Das ging Tage so." Fügt sie noch hinzu. "Und wer ist der bessere Jäger von euch?" Fragt Schattensprung nach. Klee schmunzelt und streicht mit ihrem Schwanz sachte an seiner Flanke entlang, "Niemand." Schnurrt sie zufrieden. Verwirrt dreht Schattensprung den Kopf zur Seite. "Wir beide wollten damals die besseren Jäger sein, wir haben uns nur noch gestritten und das ging soweit das wir anfingen zu vergessen das wir Geschwister sind und behandelten uns wie Feinde. Aber Wolfsruf sagte dann zu mir: Der Streit kann ewig so weiter gehen, ihr könnt euch hassen und ihr könnt Feinde sein. Aber trotzdem bleibt ihr Geschwister und daran wird sich auch nie was ändern, genauso wie es sich nie ändern wird das ihr beide großartige Jäger seid." Schattensprung hört aufmerksam zu, "Und wie habt ihr euch vertragen?" Fragt er ganz aufgeregt in der Hoffnung für sein Problem eine Lösung zu finden.

"Ich bin zu ihm hin gegangen und habe gesagt: Es ist mir egal was zwischen uns vorgefallen ist, du bist und bleibst mein Bruder und wegen so einer Mäusehirnigen Sache will ich nicht mit dir Streiten." Sagt Klee und leckt ihm sanft übers Ohr. Schattensprung lässt seine Gedanken wieder schweifen, er beginnt zu verstehen. "Also ist es egal das Dämmerwolke etwas gemacht hat das ich nicht gut finde?" Miaut er abwesend. "Egal ist es nicht, aber lass einfach nicht zu das euer Band dadurch zerstört wird." Miaut sie sanft und wendet sich dann zum gehen.

Schattensprung starrt noch einen Moment nachdenklich auf den Boden, dann schaut er zu seiner Schwester. Dämmerwolke und Silberdistel tauschen noch ein paar letzte Worte mit einander aus, dann gehen sie getrennte Wege. Das ist meine Chance. Denkt Schattensprung aufgeregt und läuft sofort los.

"Hey Dämmerwolke!" Miaut er und versperrt ihr den Weg. Seine Schwester grüßt ihn nicht zurück stattdessen fragt sie mit mürrischer Stimme:" Was willst du?" Schattensprung zuckt bei dem groben Ton seiner Schwester fast zusammen. "Es tut mit leid das ich so aufdringlich war, ich habe mir nur Sorgen gemacht." Sagt er zögernd. Schattensprung hat immer noch Zweifel das es fair war wenn er sich entschuldigt und nicht andersrum, jedoch möchte er sich nicht mehr mit Dämmerwolke streiten. Seine Schwester runzelt die Stirn, aber dann scheint sie zu verstehen. "Schon in Ordnung, ich kann dir Verzeihen." Miaut sie sanft und seufzt. "Wirklich?" fragt Schattensprung erstaunt nach. Er hätte nicht gedacht, dass das so einfach gehen würde. "Ja, tun wir einfach so als wäre nichts passiert." Sagt sie gleichgültig und stolziert dann mit hoch gehobenem Schwanz an ihm vorbei.

Schattensprung freut sich darüber, dass das so schnell ging, andererseits ist er sich nicht sicher ob er wirklich damit einverstanden ist so zu tun als sei nichts passiert. Dämmerwolke hat das Territorium verlassen, sie hat es zwar nichts zugegeben aber er ist sich ziemlich sicher. Schattensprung schaut seiner Schwester hinterher, ich kann nur hoffen das sie es nie wieder tut, denkt er und blickt zum Himmel hinauf. Das helle Blau färbt sich in ein sanftes Abendrot und die weißen Wolken bekommen einen leichten Rosa Stich. Schattensprung seufzt schwer, er hätte diesen Tag mit seiner Schwester verbringen können. Stattdessen hat er sie nur gemieden, wenigstens haben sie sich am Ende doch noch vertragen. Schattensprung blickt sich um, die Abendpatrouille kommt grade zurück, angeführt von Blitzschweif. Einzelne Katzen verkriechen sich in ihren Bauen und plötzlich merkt Schattensprung wie müde er selbst schon war. "Ich sollte mich hinlegen, morgen werde ich mit Klee weiter trainieren." Murmelt er zu sich selbst und schlendert zum Bau.

Kapitel 13

Dämmerwolke schreckt hoch, sie liegt in ihrem weichen Nest aus Moos und schaut sich um. Sie ist alleine, das Nest wo ihr Bruder normalerweise drin liegt ist leer. Sie schaut sich im restlichen Bau um, "Schattensprung?" Flüstert sie aber niemand antwortet ihr. Dämmerwolke schaut sich weiter um und hält schockiert inne als sie in der hintersten Ecke ein bernsteinfarbenes Augenpaar, in den Schatten, aufblitzen sieht. Das Augenpaar starrt sie an, "Schattensprung?" Miaut sie verängstigt aber wieder antwortet niemand. Ihre Nackenhaare stellen sich vor Unbehagen auf und ihr ganzer Rücken beginnt zu kribbeln.

Doch dann bewegt sich das Augenpaar, jedoch immer noch mit dem Blick auf sie gerichtet. Beim genauerem hinsehen erkennt sie einen leichten Umriss einer Katze, jedoch verbergen die Schatten seine Fellfarbe. Die fremde Katze bewegt sich schneller und mit einem Sprung hüpft sie aus dem Bau. Dämmerwolke springt sofort auf, ihr Herz pocht wie wild. Schnell läuft sie zum Ausgang, ist das ein Eindringling? Überlegt sie panisch. Dämmerwolke schlüpft aus dem Bau und gibt einen warnschrei von sich als der Boden unter ihren Pfoten verschwindet und ihr warnendes miauen verwandelt sich in einen panischen Schrei.

Dämmerwolke jault verzweifelt auf, wie wild strampelt sie mit den Pfoten findet aber keinen Halt. Um sie herum ist alles pechschwarz, egal wo sie hinschaut. Dämmerwolke verliert, wegen dem Gezappel, ihr Gleichgewicht und dreht sich. Sie kann einen Blick auf das Loch werfen wo sie hinein gefallen ist, es ist ein weißer Lichtpunkt weit oben zwischen der Dunkelheit.

Etwas rammt sie und bringt sie wieder in die Richtige Position, erneut sieht sie das bernsteinfarbene Augenpaar. Aber Dämmerwolke ist sich sicher das es andere Augen waren, sie sehen viel netter aus.

Plötzlich stoppt sie, Boden berührt ihre Pfoten und die Schatten verwandeln sich in eine farbige Umgebung. "Ich träume ja!" Staunt Dämmerwolke überrascht. Erleichtert darüber das alles nicht echt war entspannt sie sich und betrachtet ihre Umgebung.

Sie steht auf grüner Wiese, um sie herum sind Büsche, Bäume und sogar Kräuter die sie wiedererkennt. Vögel zwitschern und der Wind bringt die Blätter zum rascheln. Ein kleiner Bach plätschert leise neben ihr und Dämmerwolke blickt hinein, es ist klares Wasser. Der Bach ist nicht sehr tief, er fließt langsam und leise mit der Strömung. Dämmerwolke kann durch das klare Wasser die Steinchen sehen, sie tunkt eine Pfote hinein. Eiseskälte berührt ihre Pfoten Spitze, aber es ist gar nicht unangenehm sondern erfrischend. Verblüfft schwingt sie ihre Pfote hin und her so das kleine Wellen entstehen, ein kleiner Stein bricht vom Ufer ab und fällt ins Wasser. Er hinterlässt Schwingungen die mit den Wellen, die sie mit ihrer Pfote erzeugt hat, zusammen stoßen. Dämmerwolke beobachtet die Wellen die von dem kleinem Stein erzeugt wurden, sie werden weniger und als das Wasser sich an dieser Stelle beruhigt hat fokussiert sie ein Spiegelbild und erkennt eine Fremde Katze hinter sicht.

Geschockt dreht sie sich ruckartig um, ein fremder Kater steht ihr gegenüber fast Nase an Nase. Er sieht aus wie ein einziger Schatten, man erkennt nur seine bösartigen Bernsteinfarbigen Augen. Wie gebannt starrt Dämmerwolke in seine Augen, ihr Herz pocht wie Wild und unfähig irgendwas zu tun steht sie einfach nur da. Aber dann verändert sich etwas in seinen Augen, Dämmerwolke schaut genauer hin und erkennt Feuer das sich in seinen Augen spiegelt. Sie blinzelt verwirrt und dann war der mysteriöse Kater verschwunden.

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