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Diese Geschichte spielt zwischen der zweiten und der dritten Staffel. Es geht um Blattsee und um Eichhornschweif.

Wer die dritte Staffel noch nicht zu Ende gelesen hat, für den enthält diese Geschichte Spoiler!


»Es sind nicht meine Jungen.«


Diese Geschichte handelt von Häherjunges, Löwenjunges und Disteljunges Geburt. Sie beginnt als Blattsee merkt, dass sie Junge erwartet. Es wird aus der Sicht von Blattsee und Eichhornschweif erzählt und die Geschichte zeigt sehr deutlich, wie schwer den Schwestern ihre Entscheidung gefallen ist.


Blattsees Geheimnis
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  • Blattsees Geheimnis Cover
  • Blattsees Geheimnis Buchrückseite
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keine Angabge
Allgemeines
Autor: Schieferlicht
Covergestaltung: Schieferlicht
Details
Erstveröffentlichung: 16. Februar 2019
Fertigstellung: 16. Februar 2019




Geschichte

Kapitel 1

BLATTSEE SORTIERTE Kräuter. Es war Blattleere und ihre Vorräte waren knapp. “Wenig Wachholderbeeren, genug Scharfgabe, Ringelblumen sind knapp...” murmelte die Heilerin vor sich hin. „Rainfarn ziemlich verwelkt, Katzenminze so gut wie verbraucht.” Blattsee seufzte, sie konnte nur hoffen, dass sich keine Katze Grünen Husten zuzog. Sie wollte grade noch tiefer in ihre Vorratshöhle kriechen, um nach dem Borretsch zu suchen, als vor ihrem Bau eine Stimme ertönte. “Blattsee, bist du da?” Die Heilerin zuckte zusammen und drehte sich um. Farnpelz humpelte sich durch den Brombeervorhang. “Tut mir Leid, wenn ich dich störe, aber ich habe mir auf der Patrouille einen Dorn eingetreten.” Sofort war Blattsee bei ihrem Patienten und besah sich seine Vorderpfote. Der Dorn saß nicht besonders tief. Mit geübter Bewegung zog sie ihn mit den Zähnen heraus. Sie gab Farnpelz ein paar Ampferblätter. Viel war davon auch nicht mehr da. “Zerkau das und reib dir den Saft auf die Pfote. Das verhindert eine Entzündung.” Erklärte sie Farnpelz. Blattsee nahm den Dorn und wollte ihn aus ihrem Bau schaffen, doch plötzlich verspürte sie einen Tritt im Bauch und ihr wurde schlagartig schlecht. Sie krümmte sich und konnte ein schmerzvolles Keuchen nicht unterdrücken. Oh nein, nicht schon wieder! Schnell warf sie einen Blick über die Schulter, doch Farnpelz leckte immer noch an seiner Pfote und hatte zum Glück nichts bemerkt. Der Schmerz trat nicht zum ersten Mal auf. In letzter Zeit verspürte sie manchmal ein Winden in ihrem Bauch und ihr war auch oft übel. Als Heilerin erkannte sie die Symptome selbstverständlich. Sie wusste, dass es niemals hätte passieren dürfen, aber sie konnte es auch nicht leugnen. Sie erwartete Junge.

Kapitel 2

EICHHORNSCHWEIF PIRSCHTE sich an eine Drossel an. Sie machte sich grade zum Absprung bereit, als ohne Vorwarnung ein seltsamer Schmerz durch ihren Bauch fuhr. Noch im Absprung zuckte sie zusammen und kam wenig elegant eine halbe Schwanzlage vor der Drossel auf. Diese wollte sich mit einem lauten Alarmruf in die Luft erheben, doch Eichhornschweif setzte vor und holte den Vogel mit einem riesigen Sprung zurück zur Erde. Während sie ihre Beute vergrub, spürte Eichhornschweif ein seltsames Unwohlsein und streckte ihre Empfindungen nach ihrer Schwester aus. Sie wusste, dass die Gefühle nicht von ihr waren, sondern zu Blattsee gehörten. Das besondere Band der Schwestern existierte schon seit sie Junge waren und so hatte Eichhornschweif Übung darin die Gefühle ihrer Schwester zu erkennen und zu deuten. Beide wussten immer genau was die andere tat und fühlte. Als Eichhornschweif jetzt nach Blattsee fühlte, bemerkte sie neben den körperlichen Beschwerden, die ihre Schwester krampfhaft zu ignorieren versucht, eine große Aufgewühltheit, Angst und was sie sehr irritierte, Schuldgefühle. Die flammenfarbene Kätzin versuchte den Grund dieser Gefühle herauszufinden, doch als sie sich noch stärker auf ihre Schwester konzentrierte, sah sie nur, wie Blattsee einen Dorn unter das Gestrüpp neben dem Heilerbau warf. “Eichhornschweif, schläfst du?” Brombeerkralles Stimme riss die Kätzin wieder zurück in den Wald. “Natürlich nicht, Mäusehirn!” Miaute sie und verschloss sich gegen die Gefühle ihrer Schwester. Jetzt würde sie erst mal weiter mit Brombeerkralle jagen. Mit ihrer Schwester konnte sie reden wenn sie zurück im Lager waren.

“Wollen wir ein Eichhörnchen teilen?” fragte Brombeerkralle, als Eichhornschweif ihren Fang neben seinen beiden Mäusen auf den Frischbeutehaufen legte. Ihr Fang war spärlich. Der erste Schnee des Blattwechsels war in der Nacht gefallen und alle Beute hatte sich verkrochen. “Später, ich wollte nur noch kurz zu Blattsee.” Als sie seinen fragenden Blick bemerkte, fügte sie mit leicht sarkastischem Unterton hinzu. “Sie ist nicht nur Heilerin, sondern auch meine Schwester, wenn du dich erinnerst.” Mit diesen Worten lief sie zum Heilerbau, wo sie sich mit einem leisen Miauen ankündigte und eintrat. “Wie geht es dir?” fragte Eichhornschweif. “Geht so.” Blattsee ließ sich erschöpft neben ihre Schwester fallen. Der fiel auf, dass die eigentlich schlanke Kätzin zugenommen hatte. “Vielleicht wärst du fitter, wenn du etwas weniger fressen würdest. Für eine Katze in der Blattleere bist du reichlich dick.” Eichhornschweif hatte das eigentlich witzig gemeint, doch die Heilerin wandte den Kopf ab und strahlte schon wieder diese seltsame Gefühlsmischung aus. “Sag mir was los ist.” miaute Eichhornschweif ungewöhnlich sanft. “Ich bin deine Schwester, du kannst doch sowieso nichts vor mir verheimlichen.” Blattsee sagte nichts, wurde jedoch deutlich unruhiger. Eichhornschweif beschloss sie direkt zu fragen. “Was war das heute bei Sonnenhoch? Du hattest Schmerzen und hast versucht es zu verbergen und dazu hast du so seltsame Gefühle ausgestrahlt. Wofür musst du dich schuldig fühlen?” Eichhornschweif spürte wie die Gefühle in ihrer Schwester tobten. Die Augen fest auf den Boden gerichtet miaute Blattsee schließlich: “Ich erwarte Junge.” Und Eichhornschweif erstarrte.

Kapitel 3

EICHHORNSCHWEIFS SCHRECK war für Blattsee so deutlich spürbar, als würde ihr Schock sich wie Wellen im Wasser verbreiten. “Du erwartest Junge!?” miaute die Kriegerin, als sie die Sprache wiedergefunden hatte. “Aber du bist Heilerin, wie kannst du da...?” Eichhornschweif brach ab. “Krähenfeder!” fauchte sie “Dieser WindClan-Flohpelz macht nur Ärger! Was willst du jetzt tun? Heilerinnen dürfen keine Jungen bekommen.” Blattsee sank noch weiter in sich zusammen. Sie fühlte sich miserabel. Seid sie ihre Trächtigkeit bemerkt hatte, dachte sie fast ständig über diese Frage nach, doch eine Lösung schien es nicht zu geben. Nachdem sie sich ihrer Schwester mitgeteilt hatte, saßen beide schweigend da. Eichhornschweif schien angespannt nachzudenken, doch Blattsee war zu sehr in ihren Schuldgefühlen gefangen. Wie hatte sie sich nur jemals mit Krähenfeder einlassen können!? Doch für Reue war es zu spät. Sie war zu ihrem Clan zurückgekehrt und musste hier nun mit den Folgen ihres Fehlers leben. Eichhornschweif riss Blattsee aus ihren Gedanken. “Wenn du allen erzählst was passiert ist, riskierst du deinen Platz im Clan. Du hast nicht nur gegen Heiler-, sondern auch gegen das Kriegergesetz verstoßen. Aber wenn du nichts von deinen Jungen verrätst, musst du entscheiden was du mit ihnen tust, du kannst sie nicht mit zum Clan bringen.” Blattsee sträubte unruhig ihr Fell. Sie konnte doch ihren eigenen Jungen nichts antun! Obwohl die Jungen gar nicht geboren werden durften, verspürte sie doch einen mütterlichen Beschützerinstinkt für sie. Eichhornschweif spürte ihr Unbehagen. “Keine Sorge, wir werden eine Lösung finden. Bis du dich entschieden hast, sollte die Sache erst mal unser Geheimnis bleiben.”

In der nächsten Zeit schwoll Blattsees Bauch an. Sie fraß wenig um ihre Fülle zu verbergen. Dennoch miauten schon bald einige Katzen, sie würde wohl zu viel Frischbeute genießen. Ihr tatsächlicher Fressmangel sorgte dafür, dass Blattsee nur noch erschöpfter war, als durch die Schwangerschaft sowieso schon. Sie geriet immer leichter außer Atem und die Jungen in ihren Bauch waren auch schon sehr aktiv. Jeden Abend fiel die Heilerin todmüde in ihr Nest, nur um, so kam es ihr jedenfalls vor, bloß Herzschläge später genauso erschöpft zu erwachen. Sie träumte fast jede Nacht schlecht und die Sorge zerrte zusätzlich an ihr. Dennoch konnte sie auch nicht leugnen, dass sie manchmal liebevoll auf das Gewusel in ihren Bauch horchte und bei dem Gedanken an die Jungen, die da in ihr wuchsen auch zunehmend Liebe verspürte. Heute war ein besonders anstrengender Tag gewesen und Blattsee kam erst weit nach Mondaufgang in ihr Nest. Eigentlich hatte sie erwartet sofort einzuschlafen, doch sie wälzte sich noch lange umher. Als sie die Augen setzend aufschlug, sah sie um sich herum dichten Wald. Sie war beim SternenClan. Erstaunt setzte Blattsee sich auf. Es war doch noch lange nicht Halbmond. Sie war allein auf der, von dichtem Farn und Ginster umgebenen Lichtung, doch als sie sich grade auf die Suche nach einer SternenClan-Katze umsehen wollte, trat Tüpfelblatt aus einem Farndickicht. Der vertraute Anblick der ehemaligen DonnerClan-Heilerin, die sie schon oft in ihren Träumen besucht hatte, beruhigte Blattsee etwas. „Tüpfelblatt, was mache ich hier?“ fragte sie. „Gibt es etwas wichtiges was der SternenClan mir sagen will?“ „Keine Sorge meine Liebe.“ Miaute Tüpfelblatt sanft. „Ich denke du weist warum du hier bist. Ich wache über dich seit deinem ersten Tag als Heiler-Schülerin und mir entgeht nicht wenn du ein Problem hast und meine Hilfe brauchst.“ Nervös sah Blattsee hoch. Sie hatte erwartet, dass der SternenClan ihr zürnen würde, weil sie das HeilerGesetz gebrochen hatte, doch in Tüpfelblatt Augen waren weder Zorn, noch Anklage zu entdecken, sondern nur Mitleid und Sorge. Und plötzlich strömte alles aus Blattsee heraus. „Ich erwarte Junge, aber ich wollte das nicht. Als Rußpelz starb, habe ich mir geschworen meinem Clan von nun an immer treu zu bleiben und mich nicht mehr davon ablenken zu lassen, mich um meine ClanGefährten zu kümmern. Aber jetzt weiß ich nicht was ich tun soll, bitte Tüpfelblatt du musst mir helfen!“ „Beruhige dich.“ Tüpfelblatts Gesicht zeigte Verständnis und Mitgefühl. „Ich kann dir nicht sagen was du tun sollst, aber ich kann den Rat wiederholen, den ich dir schon einmal gegeben habe: Du musst deinem Herzen folgen. Tief in deinem Inneren weißt du, was richtig ist.“ Blattsee seufzte. „Es ist so schwer, das Richtige zu erkennen. Ich habe mich schon einmal falsch entschieden, was wenn es mir nochmal passiert?“ Tüpfelblatt sah sie lange an. „War deine Entscheidung mit Krähenfeder zu gehen wirklich falsch? Hast du nicht dadurch erst erkannt, wohin dein Herz wirklich gehört? Du bist nicht die erste und nicht die letzte Heilerin, die Junge bekommt. Nicht immer sind Richtig und Falsch klar zu erkennen. Höre auf dein Herz.“ Tüpfelblatt legte ihr die Schnauze an die Wange und Blattsee wurde ruhig. Wärme durchströmte sie, sie schloss die Augen und konzentrierte sich. Nach einer Weile öffnete sie die Lider wieder. „Vielen Dank Tüpfelblatt, jetzt weiß ich was ich tun will. Ich werde meine Jungen nicht aufgeben. Sie sollen als loyale DonnerClan-Katzen aufwachsen. Es geht hier um sie, nicht um mich.“ „Eine weise Entscheidung.“ miaute Tüpfelblatt. „Denk auch daran, dass du nicht allein bist. Deine Schwester steht an deiner Seite, sie kann dir helfen. Und auch ich werde immer bei dir sein.“ Tüpfelblatt begann sich aufzulösen und Blattsee blieb allein zurück. Tüpfelblatt schien eine Last von ihr genommen zu haben. In diesem Moment freute sie sich auf die Jungen und verspürte eine uneingeschränkt Liebe zu ihnen. Blattsee nahm noch einen letzten Rest von Tüpfelblatts süßem Duft war und hörte ihre Stimme. Ich werde immer über dich wachen, du bist nie allein. Dann glitt sie in einen traumlosen, tiefen Schlaf über.

Kapitel 4

EICHHORNSCHWEIF WAR am nächsten Tag für die Morgenpatrouille eingeteilt. Als sie zurückkehre, wartete Blattsee schon auf sie. Erleichtert stellte Eichhornschweif fest, dass sie endlich einmal nicht erschöpft aussah. „Ich muss mit dir reden!“ miaute ihre Schwester aufgeregt. „Aber nicht hier, komm mit in den Wald.“ Die Beiden suchten sich eine versteckte Lichtung und ließen sich nieder. „Tüpfelblatt hat mich heute Nacht in meinen Träumen besucht.“ Begann Blattsee ohne Umschweife. „Sie hat mir geraten mich auf mein Herz zu verlassen.“ Eichhornschweif sah sie verständnislos an. Was sollten sie denn mit dieser Aussage anfangen? Blattsee verdrehte die Augen. „Ich habe nachgedacht, ich werde die Jungen weder aussetzen, noch töten oder so etwas. Ich möchte, dass sie als DonnerClan-Katzen aufzuwachsen und für ihren Clan zu kämpfen können.“ „Bist du dir sicher? Was werden die Clans davon halten, dass unsere Heilerkatze Junge bekommt?“ Blattsee zögerte kurz. Eichhornschweif spürte, wie sie mit sich kämpfte. „Sie können mit mir machen was sie wollen. Ich möchte nicht, dass die Jungen für meine Fehler bestraft werden.“ Eichhornschweif schwieg. Sie erkannte einen Fehler in Blattsees Überlegung. „Ich denke nicht, dass deine Aufopferung den Jungen viel bringen wird. Sie werden als Jungen einer Heilerin immer darum kämpfen müssen akzeptiert zu werden. Außerdem sind sie HalbClan-Katzen. Das wird noch mehr Schwierigkeiten bedeuten.“ Blattsee sank in sich zusammen. „Gibt es den keine Chance den Jungen ein normales Leben zu ermöglichen?“ „Eine normale Zukunft hätten sie nur, mit anderen Eltern.“ meinte Eichhornschweif hoffnungslos. Plötzlich richtete Blattsee sich auf. „Das ist die Lösung! Sie müssen andere Eltern haben.“ Eichhornschweif verdrehte die Augen. „Ach ja natürlich, und wie bitte soll das gehen?“ „Wir könnten sagen es wären deine Jungen.“ Eichhornschweif verschlug es die Sprache. „Meine? Bist du jetzt völlig mäusehirnig geworden!?“ Blattsee schlug die Augen nieder. „Das wäre das Beste für die Jungen.“ „Dafür würden wir den Clan belügen! Und auch die Jungen würden mit einer Lüge aufwachsen. Weißt du was passieren würde, wenn wir das tun würden und es irgendwann herauskäme?“ „Die Konsequenzen kennen wir vorher nie vollständig. Tüpfelblatt hat gesagt ich soll darauf vertrauen, was ich für richtig halte.“ „Für dich ist das einfach.“ fauchte Eichhornschweif verächtlich. „Du bleibst Heilerin und bekommst keine Probleme, aber was ist mit mir und mit Brombeerkralle? Wir wollen Junge bekommen, Eigene!“ Wütend sprang Eichhornschweif auf und rannte in den Wald.

Bis zum Abend, als Eichhornschweif in ihr Nest ging, hatten die Schwestern kein weiteres Wort gewechselt. Es gefiel der Kätzin nicht, sich mit ihrer Schwester zu streiten. Das taten sie so gut wie nie, aber was Blattsee von ihr verlangte war einfach zu viel. Es war ja nicht nur sie selbst betroffen, auch von ihrem Gefährten würde sie verlangen müssen den Clan zu belügen. Und Brombeerkralle war Zweiter Anführer! Das wäre ein extremer Vertrauensbruch gegenüber dem Clan. Noch lange wälzte sich Eichhornschweif in ihrem Nest hin und her. Schuldgefühle lasteten auf ihr. Sie konnte Blattsee doch nicht einfach im Stich lassen. Sie war ihre Schwester und sie hatten eine besonders starke Verbindung. Auch jetzt konnte Eichhornschweif fühlen, wie es Blattsee ging. Die Heilerin lag ebenfalls wach. Gedanken und die immer wiederkehrende Übelkeit quälten sie. Gewaltsam zog Eichhornschweif ihre Gedanken zu sich selbst zurück. Das ist Blattsees Problem. Ich habe das Recht eigene Junge zu bekommen. Doch es ging ja auch um die Jungen. Sollten sie nicht einen bestmöglichen Start ins Leben bekommen? Eichhornschweif versuchte die Gedanken zu vertreiben und schließlich glitt sie in den Schlaf. Wenig später schlug sie die Augen auf. Der Mond schien in den Bau. Leise erhob sich Eichhornschweif und betrat die nächtliche Lichtung. Es hatte schon wieder geschneit. Das glitzernde Weiß reichte der Kätzin bis an den Bauch, doch seltsamerweise spürte sie die Kälte nicht. Ohne zu wissen warum sie es tat, lief die Kriegerin zum Dornentunnel und in den Wald. Farnpelz der vor dem Eingang Wache hielt, reagierte nicht als vorbei glitt. Seltsam. Eichhornschweif wusste nicht wohin sie ging, doch ihre Schritte führten sie zielsicher durch die Nacht, bis sie eine Lichtung erreichte. Auf der Lichtung saß eine graue Katze mit verfilztem Fell und gelben Augen. Leichter Sternenglanz umgab die Kätzin. “Wer bist du?” “Mein Name ist Gelbzahn.” krächzte die Alte. Gelbzahn! Als Eichhornschweif noch ein Junges gewesen war, hatte ihr Vater oft von der ehemaligen Heilerin gesprochen. Sie hatte einst zu seinen besten Freunden gehört, nachdem er sich um sie gekümmert hatte, als die einstige SchattenClan-Heilerin zum DonnerClan kam. Eichhornschweif hatte schon viel über Gelbzahns Temperament und ihre spitze Zunge gehört, allerdings konnte sie sich nicht vorstellen, was die SternenClan-Kätzin ausgerechnet von ihr wollte. Als sie das äußerte, knurrte Gelbzahn unwillig. “Kannst du dir das nicht denken? Deine Schwester erwartet Junge und du weigert dich ihr zu helfen.” “Ich helfe ihr doch!” wehrte sich Eichhornschweif. Sie wusste genau worauf Gelbzahn hinaus wollte, doch darüber wollte sie nicht diskutieren. Gelbzahn aber anscheinend schon. “Wirklich helfen würdest du nur, wenn du zustimmst ihre Jungen anzunehmen.” Das Fell der roten Kätzin sträubte sich. Was mischt Gelbzahn sich hier eigentlich ein? Das geht sie gar nichts an! „Ihr verlangt von mir meinen Clan und die Jungen zu belügen!” Kurz huschte ein Flackern über Gelbzahns Augen, doch es war verschwunden ehe Eichhornschweif sicher sein konnte und Gelbzahn antwortete mit unvermindert forscher Stimme. “Es sind immer Lügen damit verbunden, wenn Heilerkatzen Junge bekommen. Es ist der einzige Weg eine Katastrophe zu vermeiden.” Eichhornschweif wurde immer wütender. Sie knurrte. “Was ist mit meinem Leben? Ich möchte selber Junge haben.” Gelbzahn zuckte unnachgiebig mit den Ohren. “Du hättest doch Junge.” “Eigene!” fauchte Eichhornschweif. In diesem Moment hätte sie sich am liebsten auf die SternenClan-Kätzin gestürzt. “Ich möchte eigene Junge bekommen. Das ist etwas anderes!” Für einige Herzschläge schwieg Gelbzahn, dann miaute sie ganz ruhig: “Du kannst überhaupt keine Jungen bekommen.” Fassungslos starrte Eichhornschweif die Heilerin an. “Du kannst keine Jungen bekommen.” erklärte Gelbzahn. “Der SternenClan kennt diese Krankheit. Manche Kätzinnen sind nicht in der Lage Junge zu gebären...” Gelbzahn sagte noch etwas, doch Eichhornschweif hörte nur das Blut in ihren Ohren rauschen. Sie würde nie Junge mit Brombeerkralle haben. Der Traum, den sie seit etlichen Monden hegte, war zerstört. Mit einem festen Hieb auf die Ohren, holte Gelbzahn sie zurück. “Deine einzige Möglichkeit Junge zu haben, ist Blattsees anzunehmen. Damit würdest du nicht nur dir und deiner Schwester helfen, sondern auch den Jungen eine Chance geben.” Eichhornschweif zögerte. “Würde es den Jungen wirklich besser ergehen, wenn sie mit einer Lüge aufwachsen?” Gelbzahn verdrehte die Augen. “Besser als ausgestoßen?” Sie fügte hinzu: “Du hilfst auch dem DonnerClan. Was glaubst du passiert, wenn bekannt wird, dass unsere Heilerkatze Junge mit einen Kater aus einem anderen Clan bekommen hat?” So hatte Eichhornschweif die Sache noch gar nicht gesehen. Seufzend senkte sie den Kopf. “Du hast Recht. Es ist das Beste für alle.”

Eichhornschweif erwachte abrupt. Der Mond stand noch hoch. Brombeerkralle saß aufrecht neben ihrem Nest. “Ist alles in Ordnung mit dir? Du wirkst so aufgeregt.” Eichhornschweif schüttelte den Kopf um ihre Gedanken zu sortieren. “Nein, alles gut. Schlaf weiter.” Sie leckte ihrem Gefährten die Ohren und er schlief weiter. Während Eichhornschweif ihn betrachtete lag ihre Entscheidung ihr schwer im Magen. Was dies doch auch alles für Brombeerkralle bedeutete. In diesem Moment fasste sie einen Entschluss. Sie würde Brombeerkralle nicht erzählen, dass die Jungen nicht die ihren waren. Sie wollte ihm diese Last des Wissens ersparen, wollte nicht, dass er ihretwegen den Clan belügen musste. Auch wollte sie nicht, dass er diese Traurigkeit durchmachen musste, dass sie nie eigene gemeinsame Junge bekommen würden. Nein, zumindest für ihren Gefährten sollten diese Jungen, die perfekten sein die sie sich zusammen gewünscht hatten.

Kapitel 5

BLATTSEE MISCHTE Kräuter als der Schmerz, den sie schon den ganzen Tag im Bauch verspürte, plötzlich stärker wurde. Sie stöhnte auf, als die ersten schwachen Wehen aufkamen. Schnell raffte sie die, für die Geburt bereitgelegten Kräuter auf und schlüpfte aus dem Bau. Eichhornschweif war den Tag im Lager geblieben, da Blattsee schon vermutet hatte, dass die Jungen kommen würden. Sie fand ihre Schwester hinter dem Kriegerbau, wo sie Löcher in der Bauwand stopfte. Sie brauchte nichts sagen. Eichhornschweif ließ ihre Arbeit liegen und gemeinsam verließen sie das Lager. “Ich helfe Blattsee beim Kräutersammeln.” Rief Eichhornschweif Borkenpelz zu, der ihnen einen misstrauischen Blick zugeworfen hatte. Die Schwestern liefen zu der versteckten Lichtung innerhalb des Territoriums, die Eichhornschweif vor ein paar Tagen gefunden hatte. Blattsee war froh Eichhornschweif bei sich zu haben. Unverhofft hatte sie zugestimmt die Jungen anzunehmen. Warum ihre Schwester ihre Meinung so plötzlich geändert hatte wusste Blattsee nicht. Sie hatten abgemacht zu behaupten, Eichhornschweifs Milchfluss würde ausbleiben. Glücklicherweise war Rauchfell vor einem viertel Mond in die Kinderstube umgezogen. Sie würde die Jungen säugen können. Eichhornschweif stoppte an einem Brombeerdickicht. „Wo lang jetzt?“ fragte Blattsee. „Warum beim SternenClan bleiben wir stehen?“ Fügte sie hinzu. Ihr Ton war bissiger als beabsichtigt, aber die Schmerzen machten die sonst sanfte Kätzin ungeduldig. Eichhornschweif jedoch ließ sich nicht beirren. „Der Eingang ist genau hier. Die Lichtung ist sehr versteckt. Ich glaube nicht, dass sie schon einmal jemand vor uns gefunden hat.“ Eichhornschweif hatte Recht. Als Blattsee durch einen verborgenen Tunnel, den sie zuvor nicht bemerkt hatte, die Lichtung betrat, riss sie erstaunt die Augen auf. Die Lichtung war viel größer als erwartet, fast so groß wie der Felsenkessel und vollkommen mit Schnee bestäubt. Nur hier und da waren die Spuren von Vogeln im Schnee zu sehen. An den Rändern standen Büsche, wie Baue und in der Mitte lag ein Felsblock. Umgeben war die Lichtung von dichtem Ginster- und Farngestrüpp und einer Dornenhecke. Wahrscheinlich war dies der Grund, dass noch niemand die Lichtung entdeckt hatte. Obwohl der ganze Aufbau nicht stimmte, fühlte sich Blattsee an das Lager im alten Wald erinnert. Sie unterdrückte einen Anflug von Sehnsucht, legte ihre Kräuter ab und wandte sich an ihre Schwester. „Wie hast du das gefunden? Es ist unglaublich versteckt.“ „Ich habe eine Maus verfolgt und bin mitten in die Dornen gelaufen. Als ich versucht habe mich zu befreien, habe ich einen grauen Schimmer entdeckt. Ich denke das war der Stein. Ich habe das Gebüsch genauer untersucht und den Eingang gefunden.“ „Bist du sicher, dass uns hier keiner findet? Wir sind mitten im Territorium.“ „Ganz sicher. Ich gehe gleich noch einmal zurück und verwische unsere Spuren. Und in den Fels dort ist ein Loch. Ich habe es ausgepolstert. Dort drin dürfte dich niemand hören und Schnee kommt auch nicht hinein.“ Blattsee nahm ihre Kräuter wieder auf und schob sich durch den Schnee zum Felsen, während Eichhornschweif noch einmal verschwand. Hinter dem Loch befand sich eine Höhle, die genügend Platz für zwei Nester bot. Der Boden war mit Moos und Federn gepolstert. Blattsee verstaute ihre Kräuter in einer Ecke und legte sich hin. Dankbarkeit für ihre Schwester überkam sie, die Höhle war fast so gemütlich wie die Kinderstube. Während Blattsee wartete wurden die Wehen heftiger. Stöhnend wand sie sich im Moos. Endlich kam Eichhornschweif zurück. Blattsee seufzte erleichtert, als sie sah, dass die Kriegerin an einen Stock und einen feuchten Moosball gedacht hatte. Gierig trank sie ein paar Schlucke, dann setzte die nächste Wehe ein und Blattsee krümmte sich unter Schmerzen. Sie hatte schon vielen Kätzinnen bei der Geburt geholfen, doch sie hätte nie gewusst wie groß ihre Qualen tatsächlich waren. Auf Blattsees Anordnung hin zerkaute Eichhornschweif einige der mitgebrachten Kräuter. Sie würden die Geburt erleichtern. Zwischen zwei Wehen beobachtete Blattsee ihre Schwester. Eichhornschweif führte Blattsees Anweisungen konzentriert aus, doch ihr Gesicht war angespannt. Vermutlich kämpfte sie damit, die Schmerzen ihrer Schwester auszublenden. Blattsee fühlte sich schuldig deswegen. Plötzlich fuhr eine besonders starke Welle durch den Körper der Heilerin und sie schrie auf. “Jetzt ist es soweit. Das erste Junge kommt.” Eichhornschweif gab ihr den Stock und Blattsee bis darauf. Sie spürte durch den Schmerzensnebel hindurch, wie ein Junges ins Moos plumpste. Eichhornschweif bis die Fruchthülle durch und leckte es, wie Blattsee es ihr kurz zuvor beschrieben hatte. “Es ist eine Kätzin und sie ist komplett schwarz.” miaute Eichhornschweif ergriffen. Kurz betrachtete Blattsee das Junge liebevoll, dann kündigte sich die nächste Wehe an. Dieses Junge war größter. Es brauchte länger. Blattsee kreischte und der Stock in ihrem Maul knackte. Dann war es geschafft. “Es ist ein goldener Kater.” verkündete Eichhornschweif. Blattsee sah die Jungen liebevoll an. Sie bereute die Geburt nicht länger. Auch wenn Eichhornschweif die Jungen aufziehen würde, sie würde sie immer lieben. Noch eine schwache Wehe kam. Ihre Schwester wollte die Jungen an Blattsees Bauch schieben, doch diese wehrte sie ab. “Da kommt noch eins.” stöhnte sie. “Woher soll ich das denn wissen, ich bin nicht die Heilerkatze.” grummelte Eichhornschweif. Blattsee keuchte zur Antwort nur. Sie war unendlich erschöpft. Das letzte Junge war klein und glitt schnell ins Moos. Blattsee sank nieder. Sie brauchte einige Augenblicke um zu Atem zu kommen, dann bemerkte sie Eichhornschweifs Panik. “Was ist los?” “Das Junge atmet nicht!”

Kapitel 6

ENTSETZT WANDTE Blattsee sich zu dem Jungen um. Eichhornschweif beobachtete mit klopfendem Herzen, wie die Heilerin den kleinen graugetigerten Kater untersuchte. Schließlich sah Blattsee auf. “Es atmet, aber es ist sehr schwach. Gib ihm etwas Thymian, das wärmt ihn und leck sein Fell gegen den Strich um die Atmung anzuregen.” “Woher soll ich wissen was Thymian ist?” fauchte Eichhornschweif. “Das dunkelgrüne Kraut mit den kleinen Blättern und dem kräftigen Geruch.” Eichhornschweif zerkaute das Kraut und gab dem Jungen davon. Sie begann es zu lecken und nach einer Weile begann es zu zappeln. Es maunzte und endlich ließ Blattsee die Jungen trinken. Eichhornschweif beobachtete die drei kleinen am Bauch ihrer Schwester. Die Liebe in ihren Augen rührte Eichhornschweif und sie war überrascht, die gleichen Gefühle zu empfinden. Jetzt wusste sie, dass es richtig war die Jungen anzunehmen. Sie liebte sie jetzt schon wie ihre Eigenen. Diese Jungen waren einfach etwas Besonderes.


Die nächsten Tage jagte Eichhornschweif für Blattsee und die Jungen. Sie hatten abgemacht erst zum Clan zurückzukehren wenn Blattsee und die Jungen sich erholt hatten. Keiner sollte erkennen können, dass nicht Eichhornschweif, sondern die Heilerin eine Geburt hinter sich hatte. Als Eichhornschweif am zweiten Tag mit etwas Beute zurückkehrte, erwartete Blattsee sie schon aufgeregt. “Sie öffnen die Augen!” Eichhornschweif schüttelte sich den Schnee aus dem Fell und betrat die Höhle. Der goldene Kater saß mit offenen Augen im Nest und sah ihr entgegen. Seine Augen waren bernsteinfarben. “Wer bist du?” maunzte er. Eichhornschweif warf Blattsee einen schnellen Blick zu und antwortete dann: “Ich bin deine Mutter.” “Mutter? Was ist das?” quietschte die schwarze Kätzin. “Ich will das auch sehen.” “Versuch doch mal deine Augen zu öffnen.” schlug Blattsee vor. Die Kleine bemühte sich. Sie machte ein so angestrengtes Gesicht dabei, dass Eichhornschweif schnurren musste. Dann gelang es der Jungkatze. Ihre Augen waren strahlend grün. “Toll.” maunzte sie und begann sofort die Höhle zu untersuchen. “Wo ist denn da der Unterschied?” War das dritte Kätzchen zu vernehmen. Erstaunt mustert Eichhornschweif den Kater. Auch er hatte die Augen geöffnet. Sie waren blau, doch von einem seltsamen Schleier überzogen, wirkten sie blicklos. Eichhornschweif sah Blattsee an, die ihren Blick erschrocken erwiderte. “Er ist blind.” Blattsee sah ihn einige Herzschläge lang mit traurigen Augen an. “Ich nenne ihn Häherjunges.” “Obwohl er blind ist?” “Grade deshalb.” Eichhornschweif nickte langsam. “Und wie sollen die anderen heißen?” “Die schwarze Disteljunges.” Die Schwestern tauschten Blicke. Sie wussten, dass dieser Name die brennende Lüge in ihren Herzen darstellen sollte, die beide von nun an mit sich herumtragen würden. “Der goldene Kater sieht aus wie ein Löwe.” meinte Eichhornschweif leise. “Ich finde wir sollten ihn Löwenjunges nennen.” Blattsee war einverstanden. Eichhornschweif beobachtete Häherjunges. “Ob der Kleine jemals ein Krieger werden kann?” “Das weiß allein der SternenClan.” Das Junge beachtete das Gerede über seinem Kopf nicht, hüpfte hinter seiner Schwester her und begann die Höhle aus zu schnuppern. “Egal was passiert ich werde ihn immer lieben.” Miaute Blattsee erstickt. “Ich auch.” Die Heilerin warf ihr einen seltsamen Blick zu, dann nickte sie. “Ja, schließlich sollst du seine Mutter sein.”

Am nächsten Tag meinte Blattsee die Jungen seien kräftig genug um zu reisen. Nachdem die Jungen ein letztes Mal getrunken hatten, fraß Blattsee einige der mitgebrachten Kräuter. Sie erklärte, dass die helfen würden den Milchfluss zu stoppen. Dann stupsten die Kätzinnen die Jungen aus dem Bau. “Das ist kalt.” beschwerte sich Häherjunges. Der Schnee lag noch höher als beim letzten Mal. Eichhornschweif bezweifelte, dass sie die Jungen dort hindurch tragen konnten. “Wir können die Jungen zu zweit nicht tragen.” Sprach Blattsee aus was Eichhornschweif gedacht hatte. “Der Schnee liegt zu hoch und die Jungen können nicht lange in der Kälte bleiben.” Eichhornschweif überlegte. “Wenn wir voran gehen, können sie in unseren Spuren laufen, dann sinken sie nicht ein und sind vor dem Wind geschützt.” Blattsee sah immer noch besorgt aus, doch sie nickte. “Kommt meine Kleinen, wir machen einen Ausflug.” miaute Eichhornschweif. “Wohin?” piepste Disteljunges. “Zum DonnerClan. Dort werdet ihr aufwachsen.” “Was ist ein DonnerClan?” fragte Löwenjunges mit großen Augen. Dieses Mal antwortete Blattsee. “Das werdet ihr alles noch lernen. Wichtig ist nur, dass euch dort alle lieben.” Die Schwestern gingen voran und bemühten sich, denn Jungen einen möglichst breiten Pfad zu pflügen. Diese stolperten hinter ihnen her. Blattsee schlüpfte durch den Tunnel in den Dornen und Eichhornschweif dirigierte die Jungen hindurch. Als Häherjunges den Tunnel betrat, lief er prompt gegen die Wand. Eichhornschweif seufzte. Was sollen wir nur mit einem blinden Jungen machen? Er wird sich nie zurechtfinden. Ein normales Leben kann er nicht führen. Vorsichtig lenkte sie den kleinen grauen Kater durch die Dornen. Weiter ging es in Richtung Lager. “Häherjunges bleibt zurück.” miaute Blattsee nach einer Weile. Eichhornschweif wandte sich um. Disteljunges und Löwenjunges waren hinter ihnen, doch Häherjunges stolperte einige Fuchslängen weiter hinten. Immer wieder stieß er mit dem Näschen gegen Schneewehen. “Wir warten kurz, aber lass es ihn allein versuchen.” Miaute Eichhornschweif. “Er wird lernen müssen zu Recht zu kommen.” Kurz vor dem Lager sahen sie sich erneut um. Überrascht stellte Eichhornschweif fest, dass Häherjunges inzwischen zu seinen Geschwistern aufgeschlossen hatte und sicher an Löwenjunges Seite lief. “Vielleicht findet der Kleine sich auch besser zurecht als wir dachten. Wenn wir ihm Zeit lassen.” Eichhornschweif blickte ihre Schwester an und sah in ihren Augen die gleiche Hoffnung aufleuchten, doch auch Trauer sah sie dort. Für Blattsee war der Augenblick gekommen sich von ihren Jungen zu verabschieden, die von nun an die ihrer Schwester sein würden. Sie liebkoste alle drei nacheinander. “Eichhornschweif wird euch eine gute Mutter sein, aber ich werde euch trotzdem immer lieben.” Die Jungen blickten verwirrt. Sie waren noch zu klein um die ganze Bedeutung der Worte zu verstehen. Blattsee drehte sich um, straffte die Schultern und schlüpfte als Erste durch den Dornentunnel in den Felsenkessel. Eichhornschweif schob die Jungen vor sich her. Sie war kaum auf der anderen Seite aufgetaucht, da ertönte ein Schrei. “Eichhornschweif!” Brombeerkralle kam auf sie zu gerannt. “Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht.” “Um mich muss man sich keine Sorgen machen. Ich kann auf mich selbst aufpassen.” Die Katzen auf der Lichtung versammelten sich um sie und auch manche anderen tauchten aus den Bauen auf. Ihre Clangefährten bombardierten die Schwestern mit Fragen. Sie verstummten als Feuerstern und Sandsturm, von dem Lärm aufgeschreckt, den Steinfall herunter gesprungen kamen. “Es geht euch gut! Dem SternenClan sei Dank!” miaute Feuerstern erleichtert. Während Sandsturm ihren Töchtern schnurrend über das Gesicht leckte. “Wo wart ihr nur? Der ganze Clan hat nach euch gesucht.” “Es tut uns Leid. Wir haben nicht daran gedacht.” Eichhornschweif tat schuldbewusst. “Wir mussten noch warten, bis meine Jungen kräftig genug waren für die Reise.” Mit diesen Worten trat sie beiseite und gab den Blick frei auf die Jungen, die hinter ihr im Dornentunnel hockten. “Im Clan breitete sich Getuschel aus. „Die Jungen kamen früher als ich erwartet hatte.” erzählte Eichhornschweif ihre frei erfundene Geschichte weiter. “Deshalb konnte ich vorher mit niemandem mehr darüber sprechen. Die Wehen setzten ein als ich im Wald war. Zum Glück war ich mit Blattsee unterwegs.” “Du hast Junge erwartet? Deshalb warst du in letzter Zeit so seltsam.” Brombeerkralle schmiegte sich an sie. Für Wolkenschweif schein die Geschichte weniger schlüssig zu sein. “Wieso haben euch die Suchpatrouillen nicht gefunden?” Diesmal antwortete Blattsee: “Wir haben uns ein Versteck gegen Räuber gesucht und ich konnte Eichhornschweif nicht alleine lassen um Hilfe zu holen. Eines der Jungen war sehr schwach.” Brombeerkralle betrachtete die Jungen nervös. “Geht es ihm jetzt besser?” Eichhornschweif nickte und holte die Jungen mit dem Schwanz näher heran. “Das sind Disteljunges, Löwenjunges und Häherjunges.” “Wer ist das?” quietschte Disteljunges und starrte Brombeerkralle an. Ängstlich presste sie sich an Eichhornschweif. “Das ist euer Vater. Geht und begrüßt ihn.” Disteljunges und Löwenjunges näherten sich dem Kater. Ebenso Häherjunges, doch im Gegensatz zu seinen Geschwistern, die Brombeerkralle neugierig musterten, waren seine blicklosen Augen ins nichts, eine Schwanzlänge neben seinen Vater gerichtet. “Was ist mit ihm?” fragte Brombeerkralle und stupste das Junge an. Eichhornschweif schluckte. “Er ist blind.” Die Katzen um sie herum wurden schlagartig still. Dann waren vereinzelte mitleidige Ausrufe zu vernehmen. “Blind?” “Der arme Kleine!” “Er wird nie ein richtiger Krieger werden.” Eichhornschweif straffte sich. “Er findet sich besser zurecht als man denkt. Wir sollten jetzt noch kein Urteil über ihn fällen. Er wird gewiss eine loyale Katze.” “Natürlich wird er das.” bekräftigte Brombeerkralle. “Er wird lernen sich zu Recht zu finden. Alle unsere Jungen werden großartige Krieger werden und ich werde immer stolz auf sie sein. Auch auf Häherjunges.” Löwenjunges nieste und Blattsee scheuchte die Katzen auseinander. “Die Jungen müssen in die Kinderstube. Hier draußen ist es zu kalt. Außerdem brauchen sie eine ordentliche Mahlzeit. Eichhornschweifs Milch kommt nicht richtig, aber vielleicht kann Rauchfell sie säugen.” Blattsee begleitete ihre Schwester, die mit ihrem Gefährten und den Jungen in die Kinderstube gingen. “Du musst dich ausruhen.” sagte Brombeerkralle liebevoll zu Eichhornschweif. “Die Geburt muss dich sehr erschöpft haben. Mit etwas Schlaf und Frischbeute wird deine Milch sicherlich kommen.” Eichhornschweif warf Blattsee über die Schulter einen Blick zu. Die Lüge lastete schwer auf ihnen, doch das Wichtigste war, dass der Clan die Jungen akzeptiert hatte.

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